heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Hinausgehen, um zu salben

„Sucht aber zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6,33). Das bedeutet hinauszugehen, um mit dem Geist Christi alle Wirklichkeiten dieser Erde zu salben. (Brief von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ Nr. 8)

Dazu schreibt Bischof Stephan Ackermann:

Auch wenn der Papst das Wort „Evangelisierung“ in diesen Sätzen nicht verwendet, so ist doch klar, dass schon die „Suche“ nach Gottes Reich ein unverzichtbares Element der Evangelisierung der Welt darstellt. Mehr noch: Mit dieser „Suche“ fängt alle Evangelisierung an.

Suche heißt: Hinausgehen, nicht bei sich selbst bleiben. Auch das ein Gedanke, der zu den Grundüberzeugungen des Papstes gehört. Er hat ihn schon vor seiner Wahl in den Zusammenkünften der Kardinäle geäußert. Damals hat er das Jesuswort „Ich stehe vor der Tür und klopfe“ aus der Offenbarung des Johannes (3,20) in einem überraschenden Sinn gedeutet: Jesus klopfe nicht nur von außen an die Tür unseres Lebens und der Kirche, um eingelassen zu werden. Er klopfe auch von innen an, um herausgelassen zu werden! Wir sollen Jesus und seine Botschaft nicht schützend vor der Welt einschließen. Wir sollen ihn für die Welt und die Menschen aufschließen!

Genauso originell ist im Papstbrief die Aufforderung hinauszugehen, „um mit dem Geist Christi alle Wirklichkeiten dieser Erde zu salben“. Wieso sollen wir alle (tatsächlich alle?) Wirklichkeiten dieser Erde mit dem Geist Christi salben? Ist die Salbung, die die Christen in der Taufe, der Firmung und bei den Weihen empfangen, nicht eine Auszeichnung und ein besonderes Privileg, das an die Salbung der Könige, Propheten und Priester im Alten Testament erinnert? Ja, die Salbung ist ein Privileg. Aber wir sollen dieses Privileg nicht für uns behalten, sondern es teilen, besonders mit den Benachteiligten, Schwachen und Geschlagenen. Salböl spricht von Reinigung, Heilung und Pflege. Die Wirklichkeiten dieser Welt mit dem Geist Christi zu „salben“ heißt, den Menschen Jesu heilende Nähe zuteil werden zu lassen. Es heißt auch: nicht in sicherer Entfernung und auf Abstand zu bleiben. Salben kann nur jemand, der keine Berührungsängste hat.

Schließlich lässt das bildhafte Wort von der Salbung auch an den Duft denken, der von einer Salbe ausgehen kann. Paulus war selbstbewusst der Überzeugung: „Wir sind Christi Wohlgeruch für Gott unter denen, die gerettet werden, wie unter denen, die verloren gehen.“ (2 Kor 2,15) Bemühen wir uns darum, dass den Menschen unserer Zeit die Kirche nicht „stinkt“ und miefig vorkommt, sondern dass unsere Gemeinden und Gemeinschaften den anziehenden Duft des Evangeliums verströmen.

 

Hinweis: Im Juni hatte Papst Franziskus sich in einem Brief an „das pilgerne Volk Gottes in Deutschland“ gewandt. Unser Bischof Stephan findet, dass der Brief auch viele spirituelle Anregungen für unseren diözesanen Weg der Synodenumsetzung und unser Vorhaben, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben, enthält. Deshalb wird er in zehn Wochen jeweils kurze Impulse zu zehn Kernaussagen aus dem Papst-Brief geben. Sie sind im Paulinus zu lesen und hier bei uns zu finden. Alle bisherigen Folgen auf einen Blick: http://www.kuerzer.de/papstbrief

 


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Die eigentliche Sendung der Kirche

Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft in Gang zu setzen gerufen sind; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche. (Brief von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland, Nr. 6)

Dazu schreibt Bischof Stephan Ackermann:

Im Blick auf den geplanten synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland wird nicht zuletzt von manchen Bischöfen die Kritik erhoben, dass das Anliegen der Evangelisierung viel stärker in den Vordergrund gerückt werden müsse. Papst Franziskus scheint den Kritikern recht zu geben, wenn er in Erinnerung ruft, dass „die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss“. Und er setzt hinzu: „Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche.“ Weiterlesen


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Versuchungen der Kirche II

Scheinbar finden die Dinge [wenn man sie reorganisiert] wieder ihre Bahn, sodass das kirchliche Leben eine „ganz bestimmte“ neue oder alte Ordnung findet, die dann die Spannungen beendet, die unserem Mensch-Sein zu eigen sind und die das Evangelium hervorrufen will. (Brief von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland„, Nr. 5)

Dazu schreibt Bischof Stephan Ackermann:

Papst Franziskus erwähnt in seinen Texten und Ansprachen häufiger das Phänomen des „Pelagianismus“. Was ist das, und was meint der Papst damit? Der Begriff „Pelagianismus“ geht zurück auf einen Mann namens Pelagius, der Ende des 4. Jahrhunderts in Rom lebte und zusammen mit seinen Anhängern ein radikales Christentum propagierte. Pelagius war der Überzeugung, dass der Mensch mit Gottes Gnade und den ihm gegebenen natürlichen Fähigkeiten ein heiligmäßiges Leben führen kann. Im Laufe der Kirchengeschichte wurde „Pelagianismus“ immer mehr zur negativen Bezeichnung für ein leistungsorientiertes Christentum, das vor allem auf die eigenen Kräfte setzt und dem Wirken Gottes zu wenig zutraut. In diesem Sinn benutzt auch Papst Franziskus den Begriff. Immer wieder warnt der Papst vor der Idee, dass wir die Kirche oder gar das Reich Gottes „machen“ müssten oder könnten, wenn wir uns nur genug anstrengten. Diese Idee – ob man sie nun bewusst oder unbewusst verfolgt – ist für Franziskus Unglaube.

Wir müssen zugeben, dass die Befürchtung des Papstes nicht aus der Luft gegriffen ist: Nicht wenige sind der Auffassung, dass die Kirche viel besser dastünde, wenn sie sich mehr modernisieren und gegenüber dem gesellschaftlichen Mainstream nicht so sperrig anstellen würde. Andere sind der Überzeugung, dass die Kirche wieder zu alter Stärke zurückfindet, wenn nur die Gläubigen die Lehre der Kirche treuer befolgen, anstatt über sie zu diskutieren. Beide Richtungen wünschen sich Klarheit und Ordnung in ihrem Sinn, damit endlich mehr Ruhe herrscht.

Der Papst ist ein Freund der Unruhe: Das Bild eines ruhigen Lebens, eines Lebens ohne Spannungen hält er für trügerisch. Unruhe und Spannung hält Franziskus für ein Zeichen der Vitalität. Nicht umsonst hat er schon häufiger die Jugendlichen aufgerufen, in Kirche und Gesellschaft Unruhe zu stiften. Wo es keine Spannungen (mehr) gibt, fehlen Lebendigkeit und Energie. Auch das Evangelium Jesu bringt Spannung in unser Leben, provoziert, fordert heraus. Solange wir leben, werden wir uns nicht beruhigt zurücklehnen können und sagen: „Jetzt habe ich alles getan.“ Für Papst Franziskus sind die Spannungen in unserem Leben und in der Kirche kein Grund, den Mut zu verlieren. Vielmehr sind sie Zeichen von Energie.

 

Hinweis: Im Juni hatte Papst Franziskus sich in einem Brief an „das pilgerne Volk Gottes in Deutschland“ gewandt. Unser Bischof Stephan findet, dass der Brief auch viele spirituelle Anregungen für unseren diözesanen Weg der Synodenumsetzung und unser Vorhaben, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben, enthält. Deshalb wird er in zehn Wochen jeweils kurze Impulse zu zehn Kernaussagen aus dem Papst-Brief geben. Sie sind im Paulinus zu lesen und hier bei uns zu finden. Alle bisherigen Folgen auf einen Blick: http://www.kuerzer.de/papstbrief


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Versuchungen der Kirche I

Eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich besteht darin zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen. (Brief von Papst Franziskus „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29.6.2019, Nr. 5)

Dazu schreibt Bischof Stephan Ackermann:

Gerade gegenüber der Kirche in Deutschland ist häufiger der Vorwurf zu hören, dass sie aufgrund ihrer finanziellen Kraft und ihrer Ausstattung in der Gefahr steht, das Heil vor allem von Organisationen und Strukturen zu erwarten. Papst Franziskus benennt diese Versuchung. Er sieht sie aber offensichtlich nicht nur in Deutschland, sondern er spricht allgemein von einer „der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich“. Es handelt sich also nicht nur um eine deutsche Versuchung. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass wir in Deutschland mit unserem Hang zu Ordnung und effektiver Organisation in der Gefahr stehen, uns zu sehr auf diesen Bereich zu konzentrieren. Andererseits verkennt auch Papst Franziskus die Wichtigkeit von Strukturen nicht. (Schreiben Evangelii Gaudium Nr. 26-32)

Ich sehe die Grundversuchung der Kirche, die der Papst meint, vor allem darin, sich zu sehr auf die Bereiche zu stürzen, in denen man etwas „machen“ kann: Organisationen und Strukturen kann man leichter verändern als Haltungen. Sollen diese Änderungen aber nicht äußerer Aktivismus bleiben, dann muss man ebenso ernsthaft an der Veränderung der Haltungen arbeiten, d. h. an dem Geist, dem die Strukturen dienen sollen. Im Sinne des Evangeliums geht es letztlich immer um Bekehrung. Bloße Veränderungen reichen nicht. Eugen Roth hat es in seinen Gedichten einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: „Ein Mensch nimmt – guten Glaubens – an, er hab‘ das Äußerste getan. Doch leider Gott‘s vergisst er nun, auch noch das Innerste zu tun.“

Und die „vitalen Punkte“, von denen der Papst spricht, worin bestehen sie? Franziskus verweist auf sein Schreiben Evangelii Gaudium: Die Vitalität der Kirche besteht vor allem darin, nicht bei sich selbst zu bleiben, sondern Gemeinschaft zu sein, die aus dem Impuls des Evangeliums heraus über sich hinausgeht, die – mit einem Wort: missionarisch ist. Mit Paulus können wir auch sagen, der Vitalitätstest der Kirche besteht darin, dass die Christen mehr und mehr glauben, mehr hoffen, mehr lieben (1 Kor 13,13) und – dass sie mehr Freude ausstrahlen! (Phil 4,4).

 

Hinweis: Im Juni hatte Papst Franziskus sich in einem Brief an „das pilgerne Volk Gottes in Deutschland“ gewandt. Unser Bischof Stephan findet, dass der Brief auch viele spirituelle Anregungen für unseren diözesanen Weg der Synodenumsetzung und unser Vorhaben, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben, enthält. Deshalb wird er in zehn Wochen jeweils kurze Impulse zu zehn Kernaussagen aus dem Papst-Brief geben. Sie sind im Paulinus zu lesen und hier bei uns zu finden. Alle bisherigen Folgen auf einen Blick: http://www.kuerzer.de/papstbrief