heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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um so schlimmer…

Podcast „Kreuz & Quer“ (vom 25. Juli 2020)

Altfried Rempe hat die vatikanische Instruktion über die Pfarrgemeinden gelesen. Und fühlte sich dabei immer mehr an eine Anekdote über den Philosophen Friedrich Wilhelm Hegel erinnert: Als der darauf angesprochen wurde, dass die Tatsachen so anders seien als sein schönes Gedankengebäude, antwortete er knapp: Umso schlimmer für die Tatsachen. In seinem Kommentar für „Kreuz & Quer“ kritisiert Altfried Rempe, dass auch das Bild, dass die Instruktion von Pfarreien und Pfarrern zeichne, nicht zu den Tatsachen passe. Für wen ist das schlimm – für die Tatsachen?

Ist es seltsam, dass mir bei solchen Nachrichten immer die Geschichte einfällt, in der Friedrich Wilhelm Hegel, der große deutsche Philosoph vorkommt – und einer seiner vielen Bewunderer: „Das ist alles so schön und so richtig, Herr Professor, was sie da sagen“, lobhudelt der; „aber die Tatsachen sind so anders in der Welt“, legt er nach. Darauf Hegel: Umso schlimmer für die Tatsachen.

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Ein Kommentar

Synodales Rechenexempel

Podcast „Kreuz & Quer“ von Wolfgang Drießen vom 27. Juni 2020

Ich bin Wolfgang Drießen von der Rundfunkarbeit im Bistum Trier und gebe zu, dass ich mit den Ergebnissen der römischen Intervention zur Synodenumsetzung im Bistum Trier irgendwie gerechnet habe. Obwohl ich in Mathematik eigentlich eine Null bin. Aber mit den Grundrechenarten komme ich klar. Deshalb hier eine einfache Rechenaufgabe:

172 – 40 -100 = 32

Jetzt bin ich Ihnen natürlich die Erklärung schuldig, was es mit diesen Zahlen auf sich hat.

172: Das ist die Zahl der möglichen zukünftigen Pfarreien, die nach den ersten Überlegungen nach dem römischen Nein zur geplanten Strukturreform jetzt im Raum steht.

40: Das ist die Zahl der Pfarreien, die zurzeit schon vakant sind, also keinen Pfarrer haben.

100: Das ist eine von mir angenommen Zahl, die aber wohl nicht ganz weit von der Wahrheit entfernt ist. (Wer das genauer weiß, kann sich bei mir melden, dann korrigiere ich meine Rechnung gerne.) Wenn pro Jahr 10 Pfarrer in den Ruhestand gehen, die nicht ersetzt werden können, dann sind das 100 in 10 Jahren. Anzunehmendes Ergebnis für das Jahr 2030: Es gibt im Bistum Trier noch 32 Pfarrer, die als „pastor proprius“ nach Can. 519 CiC eine Pfarrei leiten können und dürfen. (Es gibt im Codex Iuris Canonici, dem kirchlichen Gesetzbuch ganz viele Zahlen, mit denen man rechnen muss, so auch die 519).

Merken Sie was? So oder so ähnlich müssen vor mir schon andere gerechnet haben. Denn dieses Ergebnis bzw. diese Zahl ist nicht weit weg von der Anzahl der Pfarreien der Zukunft, die bis zum November 2019 als Zukunftsmodell für unser Bistum Trier vorgesehen waren, nämlich 35. Wir hätten also zumindest mal zehn Jahre arbeiten können, ohne uns ständig mit neuen Vakanzen und Notlösungen über Wasser zu halten, um Fähnchen neu zu stecken und irgendwie kirchenrechtlich aufreißende Löcher zu stopfen.

Obwohl die Zahlen stimmen, wir haben uns verrechnet. Jetzt muss es also anders gehen. Ich habe gehört, dass es etwas ganz Neues und Einzigartiges gibt, das Bischof Stephan aus Rom mitgebracht hat. Es soll eine Arbeitsebene geben zwischen dem Bistum und Rom, die eng miteinander Schritt für Schritt vorwärts trippelt, damit ja keiner mehr auf dem Weg der Synodenumsetzung in irgendeinen Fett- oder sonstigen Napf tritt. Wenn ich jetzt mal den günstigsten Fall annehme und die „Römer“ staunend von uns lernen wollen, wie man vielleicht auch in anderen Bistümern der Welt die Zukunft gestalten kann, dann sollten sie –„die Römer“ – zuallererst das Abschlussdokument unserer Synode von 2016 lesen.

Ja, das ist jetzt schon genau 4 Jahre her. Und ja, dieses Dokument gilt auch heute noch. Kein Buchstabe davon ist von Rom oder irgendeinem anderen zurückgepfiffen oder gestrichen worden. Schade, dass diese Tatsache die Presse und die Öffentlichkeit in den letzten Wochen nicht so interessiert hat wie das römische „Nein“ zur Struktur.

Aber zurück zum Dokument: Da stehen wunderschöne Sätze drin wie:

Im Neuen liegt eine Radikalität, die nicht dem Alten, bisher Bekannten verhaftet bleibt, sondern sich mit Mut und Weite neuen Perspektiven stellt“.

(heraus gerufen, Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier, S. 14)

Oder:

Es gilt Abschied zu nehmen. Abschiednehmen heißt einsehen, dass etwas ans Ende gekommen ist, und einen Schlusspunkt setzen. Bewusstes und verantwortliches Abschiednehmen lässt dem Zurückgelassenen die Bedeutung, die ihm zusteht. Ein guter Abschied macht einen Neuanfang möglich.“

(s.o. S.14)

Lest das, ihr lieben „Römer“, am besten das ganze Dokument, und rechnet damit, dass wir „Trierer“ es ernst nehmen. Denn es hat es verdient. Und bitte, bitte lernt mit uns. Damit es nicht noch mal einen Strich durch die Rechnung gibt.

Und rechnet damit, dass wir Wege finden, die richtigen Strukturen zu finden, um die guten Inhalte unseres Synodendokumentes auch umsetzen zu können. Dazu als Tipp noch eine Zahl zur persönlichen Weiterbildung in höherer Synodenumsetzungsmathematik: CIC Can. 517 §2.

„Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet.“

Can. 517 §2 CIC 1983

Wenn uns bis dahin nicht die Menschen weg gelaufen sind, die das alles machen sollen. Denn auch damit sollten wir rechnen.

Der Podcast zum Anhören