heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


Ein Kommentar

Auf der Suche. Eindrücke von der Resonanzveranstaltung in Saarbrücken am 16. Juni

Gut 200 Leute kamen zur Kirche der Jugend eli.ja nach Saarbrücken, um über den Entwurf zur Raumgliederung und natürlich auch über den gesamten Veränderungsprozess, den die Synode angestoßen hat, zu sprechen.

„Wer sich auf den Geist Gottes einlässt, kann Dinge tun, die er vorher selbst nicht gedacht hätte!“ Das sagt Regina Schröder, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt „Frauen(t)raum“ im Dekanat Völklingen. Und das hat mich wie viele andere berührt. Viel von dem, was den Synodalen in ihren Beratungen wichtig war, bringt sie damit zum Ausdruck: der Herr ist bei seiner Kirche, er ermutigt uns zum Handeln, so entstehen neue Möglichkeiten. Auch Bischof Stephan legt zum Ende der Veranstaltung ein deutliches Bekenntnis zum Synodenprozess ab: die intensive Beratung der Synodalen, ihr Engagement für die Kirche, das gemeinsame Ringen und Beten, damit will der Herr uns nicht in die Irre führen. „Davon bin ich überzeugt und dieses Bekenntnis will ich hier auch vor Ihnen ablegen.“

In der Veranstaltung ist aber auch deutlich geworden, was mich seit Ende der Synode bewegt und uns im Synodenbüro  motiviert, sehr viel in Veranstaltungen zu investieren: die Synodenergebnisse, die Qualität des Prozess, ja selbst die Kernaussagen – die Perspektivwechsel – lassen sich nur schwer über Papier vermitteln. Viele Statements in Saarbrücken sprachen das auch aus: Unverständnis für den Prozess, Verärgerung, dass es nur um eine Strukturreform gehe, Angst davor, die Grundlage des eigenen Engagements zu verlieren. „Ich bin enttäuscht von der Synode. Warum wird nicht zuerst über den Glauben gesprochen?“, sagt eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Diskussion. Von der Synode versteht man mehr, wenn man miteinander darüber spricht. Ich bin sehr involviert in dem Prozess, lerne aber durch jede Begegnung auch noch etwas mehr.

Es gibt starke Statements in Saarbrücken. Das gefällt mir. Sie erhalten viel Applaus, sowohl diejenigen, die deutliche Kritik am Vorgehen des Bistums äußern, als auch die, die dazu aufrufen, die Möglichkeiten, die in dem Veränderungsprozess stecken zu ergreifen und sich von der eigenen Angst nicht in die Enge treiben zu lassen. Mein Fazit: Das Volk Gottes ist auf der Suche. Zwar gibt es einige Rückmeldungen, die fordern, es sei genug mit den Veränderungen, man brauche Zeit, damit es sich langsam entwickle. Andere aber sagen deutlich: es gibt den Punkt nicht, an dem alles so ist, wie es sein soll. Mit Unfertigem muss man leben. Die Synode hat viel ausgelöst, nicht zuletzt durch die Frage: „Wozu ist die Kirche da?“ In Saarbrücken wird deutlich: Die Kirche, das ist eine gemeinsame Sache. So will ich das synodale Prinzip, auf das es ankommt, mal mit meinen Worten beschreiben. In aller Unterschiedlichkeit der Positionen. Und da ist es äußerst sympathisch, wenn sich ein Bürgermeister in die Diskussion einmischt. Dr. Armin König aus Illingen stellt seine Statement zum Nachlesen online: http://arminkoenig.de/blog/2017/06/17/seelenlose-bistumsglaubensverwaltungsreform/

Da merkt man doch: es geht um was. Zwar kann ich ihm nicht in allem folgen: Er wirft dem Bistum vor, die Leute würden nicht gefragt. Aber was läuft denn gerade? Der Bürgermeister kann doch diesen Ort der Resonanzveranstaltung nutzen – macht er ja auch, wie man sieht. Insgesamt sind im Bistum seit Mitte Mai mehrere Tausend Menschen zu den Resonanzveranstaltungen zusammengekommen. Und es gibt die Möglichkeit schriftliche Rückmeldungen zu geben. Auch davon wird vielhundertfach Gebrauch gemacht. Ich sehe täglich, mit welcher Mühe die Teilprozessgruppe Raumgliederung an die Auswertung geht. Und dass eine Diskussion mit einem Entwurf beginnt, weiß er als Politiker doch nur zu gut.

Es sei eine seelenlose Verwaltungsreform, meint er weiter: die Kirche würde sich abschaffen. Er leiht damit seine prominente Stimme vielen, die das befürchten. Das finde ich gut an seiner Einlassung. Inhaltlich widerspreche ich: der Synode geht es um die Gestaltung des christlichen Glaubens in Zeiten rasanter Veränderungen. Sich in einer solchen Situation sehr ernsthaft die Frage zu stellen, wie die äußeren Rahmenbedingungen zu setzen sind, damit wir den noch größeren Veränderungen in der religiösen Einstellung der Menschen dialogfähig und vom Einzelnen her begegnen können, ist nicht seelenlos. Auch wenn man über einzelne Schritte, Maßnahmen und natürlichen Pfarreigliederungsvorschläge streiten kann.

Die gemeinsame Aufgabe der Christinnen und Christen im Bistum Trier fasst ein langjährig engagierter Mann zusammen: „Wir sind doch alle Seelsorger. Wichtig ist, dass wir einandern ergänzen.“

Es bleibt spannend. Klare Statements wie in Saarbrücken tun gut.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Töne wider, heilige Halle

Resonanz-Treffen mit Bischof Stephan in St. Maximin, Trier

von Michaela Tholl

Lasst es tönen! – Mit dieser Einladung und Bezug zum Exsultet in der Osternacht begrüßt Dechant Schmitz aus Trier die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der sechsten Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung in Trier St. Maximin. Mir kommt gleich der Gedanke, dass eine solche Einladung an diesem Ort, der selbst für bewegte Zeiten der Veränderung steht, ein guter Ort für einen Widerhall zum ersten Schritt in der Synodenumsetzung sein könnte. Darauf folgte der Hinweis, dass jetzt ein Volk zur Resonanz aufgerufen ist, das nicht an der Synode beteiligt, aber von den Ergebnissen betroffen ist; das lässt aber ahnen, dass hier eher der Betroffenheit Raum gegeben würde und dass weniger mit Jubel zu rechnen sein wird.

Stimmungs-Bild in St. Maximin: Grüne Karten...

Stimmungsbild in St. Maximin

Auch wenn in einem ersten Stimmungsbild Entspanntheit und Besorgnis sich die Waage halten, so sind es im Anschluss an die einleitenden Worte des Bischofs und von Dechant Grünebach doch vor allem die Sorgen, die zum Ausdruck kommen.

„Bei uns ist die Welt noch in Ordnung – und nun diese extreme Form der Veränderung! Das können die Leute nicht nachvollziehen.“ „Wie wird es mit der Sakramenten-Spendung weiter gehen? Die Menschen können ihren Glauben nicht mehr praktizieren, weil die Wege zu weit sind.“ „Die Gremien haben viel geleistet, und nun braucht man sie bald nicht mehr. In den Räten schimpfen die Leute nur noch. Viele haben sich ganz abgewendet.“ „Die älteren Menschen fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt und abgehängt.“ „Dies ist eine brandgefährliche Übergangszeit. Hilfreicher Beistand fehlt.“ „Was wird mit dem Geld, wenn in einer Gemeinde Vermögen durch Verkauf von Pfarrhäusern oder Erbschaften entstanden ist?“ „Was wird mit den Angestellten der Kirchengemeinden?“ „Im Synodendokument kommt weder die Bibel noch der Katechismus vor.“ Und sogar: „Herr Bischof, kämpfen Sie für den überlieferten Glauben?“

Zwar hat der Bischof zu Beginn klargestellt, dass es keine fertigen Antworten oder Pläne in der Schublade gebe und dass genau dies der Beweis und der Preis für das synodale Vorgehen sei. Dennoch können einige Missverständnisse angesprochen und für den einen oder anderen besorgten Besucher der Veranstaltung vielleicht auch ausgeräumt werden.

„Natürlich bleibt der überlieferte Glaube unangetastet“, betont der Bischof. „Die Synode verändert den Glauben nicht, sondern fragt danach, wie wir den Glauben leben und bezeugen. Die Kirche im Bistum Trier versucht sich genau von diesem Auftrag her zu verstehen. Der epochale Wandel vollzieht sich auch ohne die Synode. Die Lebensweise der Menschen heute verändert sich radikal: Wohlstand, Freiheit, Bildung – die Menschen entscheiden selbst, wo und wie sie ihren Glauben leben; die Synode versucht, Antworten darauf zu geben. Wir sind längst eingetreten in eine neue Geschichte des Glaubens.“

Genau das ist auch meine persönliche Erfahrung schon seit vielen Jahren. Und so frage ich mich gelegentlich während der Veranstaltung, wieso es so schwer fällt, die Chancen und Möglichkeiten in der Synodenumsetzung zu erkennen? Liegt es vielleicht daran, dass die Menschen, die sich über diese neuen Möglichkeiten freuen könnten, gar nicht (oder schon lange nicht mehr) da sind? Dann hätte ein Teilnehmer recht, der sagt: „Die Synode hätte schon 20 Jahre früher kommen müssen.“ Aber wenn das so ist: müssen wir uns dann nicht erst recht mit Hochdruck und ohne Zeitverlust den Herausforderungen stellen? Und zwar immer mit der Zuversicht, die unser überlieferter Glaube uns schenkt?

In der Tat haben am Samstag die Hallen von St. Maximin weniger vom Osterlob widergehallt als von den Sorgen der Menschen, die wichtige Säulen der Kirche wegbrechen sehen. Und eines muss auch immer wieder klar und deutlich gesagt werden: Die Pfarrei der Zukunft wird nicht dem Bild der Pfarrei entsprechen, mit dem wir groß geworden sind. Es wird künftig eine verlässliche Verwaltungsebene geben, die sicherstellen soll, dass es Orte christlichen Lebens geben wird, an denen Menschen von ihrem Glauben erzählen, Gottesdienst feiern und sich diakonisch für bessere Lebensbedingungen in dieser Welt einsetzen.

Die Pfarrei der Zukunft wird einen Rahmen schaffen, in dem vielfältiges und unterschiedliches Gemeindeleben wachsen kann – eigentlich das Gegenteil von Zentralisierung! Ich sehe auch nicht, dass die Synode alte Menschen abhängen will und Menschen in den jetzigen Räten für überflüssig erklärt. Oft wird eingewandt, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen verliere. Dabei wird übersehen, dass wir als Kirche die Nähe zu einem großen Teil der Menschen längst verloren haben. Wie bleibt der Glaube lebendig in einer sich rasch verändernden Welt? Im Weggehen sich selber finden, im Hinausgehen in die Welt sehen, wie und wo sich Gott uns zeigt: die Erfahrung, dass das Volk Gottes immer schon ganz wesentlich von Impulsen belebt worden ist, die von außen kamen, ist eine zutiefst biblische und kirchengeschichtliche Erfahrung.

Für mich heißt die Frage: Wie können wir immer wieder neu die Erfahrung eines Gottes sichtbar machen, der mit uns geht, dem die Schwachen am Herzen liegen, der Würde und Freiheit schenkt? Unser Glaube ist erst dann bedroht, wenn wir aufhören, daran zu glauben: dass Gott der ist, der mit uns geht, durch alle Zeiten.


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Vertrauen, dass es gut wird

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft die sechste Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung, diesmal in Trier – und ich überlege, welche Fragen wohl heute ganz oben stehen. Auch wenn die Veranstaltung bisher in Ochtendung, Prüm, Simmern und Dillingen den gleichen Aufbau haben, sind die Fragen und Schwerpunkte doch teilweise sehr unterschiedlich. Gestern in Dillingen schien mir (wieder) eine Frage besonders wichtig: Wie füllen wir die weiten Räume mit Leben? Natürlich wurde auch ganz konkret gefragt, wie es etwa für Angestellte der Kirchengemeinde weitergeht, was der Pfarrort bedeutet oder wie die Finanzen künftig geregelt sind.

Aber diese ganz grundsätzliche Frage beschäftigt die Menschen, die zu den Veranstaltungen kommen, sehr stark. So hat ein Teilnehmer angemerkt, dass die Raumzuschnitte wirklich schlüssig seien, wenn man von raumplanerischen Aspekten ausgehe – „aber wenn man von den Menschen vor Ort ausgeht?“ Sei es da nicht sinniger, mehr Flexibilität walten zu lassen und nicht alle Pfarreien der Zukunft halbwegs vergleichbar groß zu halten, sondern auch kleinere Zuschnitte zu ermöglichen? Und was soll denn in den großen Räumen besser laufen als in den derzeitigen Pfarreien-Gemeinschaften?

Ich fand es da gut, dass Manfred Thesing, Katholikenrats-Vorsitzender und Mitglied der Raumplanungsgruppe, ganz offen zugegeben hat, dass er sich auch erst an den Gedanken von nur noch 35 Pfarreien habe gewöhnen müssen. Was ihm helfe, sei der Gedanke, dass es künftig eine verlässliche Ereichbarkeit gebe an einem Pfarrort und dass in den weiten Räumen viel Kleinteiliges und Komplexes künftig einfacher und unkomplizierter werden könne. Und als Bischof Stephan in die Runde fragte, ob denn heute alles überall so gut laufe, gab es viele nachdenkliche Gesichter. „Wir sind in einer Krisensituation“, hat der Bischof gesagt, „aber das heißt doch nicht ‚Untergang‘ – das fordert uns heraus!“ Und ja, das dürfe wehtun, aber nicht blockieren.

Mir – und hoffentlich auch vielen anderen der knapp 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – hat Mut gemacht, was Klaus Becker vom Momentum in Neunkirchen erzählt hat. Neulich sei eine Frau zu ihnen gekommen, die Weihwasser gebraucht habe. Und jemand habe ihr gesagt: „Gehen Sie einfach mal da die Straße runter, da ist sowas wie die Kirche.“ Da hat sich mitten in der Fußgängerzone ein Ort von Kirche etabliert. Ich habe auch ein bisschen Stolz rausgehört, als Becker gesagt hat: „Wir können zeigen, wozu wir Kirche sind.“ Denn danach fragt ja die Synode. Die Ehrenamtlichen kämen mittlerweile aus einem größeren Einzugsgebiet, ebenso wie die Besucherinnen und Besucher.

Ich glaube, das gefällt mir so gut an diesen Veranstaltungen: Da ist bei aller berechtigen Sorge und Kritik immer auch ganz viel Mut und Aufbruch und Hoffnung zu spüren. Etwa wenn eine Ehrenamtliche und Ex-Synodale den anderen Teilnehmern Mut macht: „Die großen Räume ermöglichen Eigenverantwortung vor Ort! Und das gibt uns die Chance, auch Menschen über unsere bisherigen Kreise hinaus anszusprechen und vielleicht zur Mitarbeit zu gewinnen.“ Natürlich werde das gemeindliche Leben vor Ort sehr vom Engagement vor Ort abhängen – und es werde dann auch „weiße Flecken“ geben. Oder wenn eine andere Ehrenamtliche sagt: „Die Pfarrei der Zukunft ist für mich Anlass, ganz viel zu beten: Darum, dass das gelingt, was die Synode sich vorgenommen hat. Aber vor allem auch darum, dass ncith direkt mit Ablehnung reagiert wird, sondern dass man offen ist für das, was geplant ist. Ich habe auch Angst – aber ich habe auch ganz viel Vertrauen, dass es gut wird.“

Es gibt noch zwei weitere Resonanz-Veranstaltungen: am 16. Juni in der Jugendkirche eli.ja in Saarbrücken und am 30. Juni in der Stadthalle Neuwied. Anmelden dazu kann man sich auf herausgerufen.bistum-trier.de. Und online ist die Resonanz unter www.resonanz-bistum-trier.de möglich.

Judith Rupp


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Wie geht es weiter mit der Personalisierung der Teilprozessgruppen?

Die Leitungskonferenz des Bischöflichen Generalvikariats hat im Mai die Entscheidungen zur Personalisierung der Teilprozessgruppen Leitungsteam und Aufbauorganisation Pfarrei der ZukunftVerwaltungsprozesse und Pfarrbüros in den Pfarreien der Zukunft und Rahmenleitbild Pfarrei der Zukunft getroffen. Es laufen gerade die Verfahren mit den zuständigen Mitarbeitervertretungen. Diejenigen, die für diese Teilprozessgruppen ihr Interesse bekundet haben, werden ab nächster Woche benachrichtigt. Weitere Personalisierungsentscheidungen vor der Sommerpause gibt es vermutlich noch für die Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung, möglicherweise noch für die Teilprozessgruppe Synodales Prinzip. Die weiteren Personalisierungen erfolgen dann ab August.

Wir entschuldigen uns, dass die Verfahren länger dauern als bisher angekündigt. Wir haben die Dauer der Auswahl und der damit zusammenhängenden Gespräche und Verfahren falsch eingeschätzt. Nun sind wir aber endlich einen Schritt weiter und die Arbeit der Teilprozessgruppen kann bald starten. Viele warten auf die Konkretisierungen der Synodenbeschlüsse für die Pfarreien der Zukunft und die gesamte Kirche im Bistum und ihrer Caritas. Die Teilprozessgruppen werden einen wesentlichen Beitrag dafür leisten.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Danke, dass Sie „noch“ Ehrenamtler sind!

… antwortete Weihbischof Jörg Michael Peters auf die Frage, was er einem ehrenamtlich engagierten Mann antworten würde, der kurz zuvor ausdrücklich erklärt hatte, er sei „noch Ehrenamtler“ in seiner bisherigen Pfarrei. Und außerdem habe es schon Gespräche gegeben – und gute Aussicht, dass das Engagement weitergeht.

resonanz-simmern

Simmern: Selbsteinordnung nach „Ehrenamt / Hauptamt“, Alter („Sturm&Drang / Weisheit des Alters“) statt einer Vorstellungs-Runde…

Überfordert nicht das Ehrenamt! („Da sind Menschen, die für eine Sache brennen – helft, dass sie nicht ausbrennen!“) Wer begleitet die Menschen, die sich engagieren – und wer findet neue Charismen und bietet ihnen welche Aufgaben an: Fragen rund um das ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien der Zukunft bildeten einen Schwerpunkt des Resonanz-Treffens mit Bischof Stephan in Simmern am 1. Juni. Der Bischof selbst hofft, dass die Pfarrei der Zukunft auch neue Ehrenamtliche anziehen wird – und rät zu Realismus: Es kann aber auch passieren, dass eine Aufgabe zu Ende kommt, weil niemand sie tun kann oder will.

Rote Fäden: Inhalt wichtiger als Struktur

Aus dem Abstand einiger Tage wird klarer, dass die Veranstaltung in Simmern noch zwei weitere rote Fäden hatte: Einerseits betonten Bischof Stephan wie etwa auch Dechant Clemens Grünebach, dass es eigentlich nicht um Strukturfragen zu gehen hat. Wichtig sei der Synode und ihnen selbst, wie Christsein auch in der heutigen Gesellschaft gelebt und weitergegeben werden kann – und dass die Struktur-Fragen wichtig, aber eigentlich doch sehr relativ sind.

Bischof Stephan gab so etwas ab wie eine Selbstverpflichtungs-Erklärung: Er werde sehr genau darauf achten, dass andere Themen der Synode nicht verschwinden hinter den Strukturfragen: Dass wir diakonisch Kirche sein wollen; dass wir die Katechese ganz neu aufstellen wollen – und dass wir synodal Kirche sein wollen.

Auch Inhalte brauchen natürlich Strukturen, um „in Form“ zu bleiben. Und natürlich gab es Kritik an Teilen der konkret vorgeschlagenen neuen Raumstruktur der geplanten Pfarreien der Zukunft. Besonders aus der Pfarrei der Zukunft „Oberwesel“ gab es Hinweise – und auch aus der Pfarreiengemeinschaft Rupertsberg. Dort sei gerade ein guter Prozess im Gange, dass die Gemeinden zusammenwachsen – das solle doch bitte nicht gestoppt und die Pfarreiengemeinschaft zwei verschiedenen Pfarreien der Zukunft zugeteilt werden.

… und: „Pfarrei“ unterscheiden von „kirchlicher Ort“ und „Gemeinde“

Hilfreich sollte ein zweiter roter Faden des Abends sein: Deutlicher zu unterscheiden zwischen der Pfarrei (eben vor allem als Struktur-, Verwaltungs- und Service-Einheit) und dem, was seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „Gemeinde“ oder „Pfarrgemeinde“ genannt wurde. Heimat finden die Christenmenschen in solchen Gruppierungen oder eben „Gemeinden“, die schon immer in großer Zahl in den Pfarreien zu finden sind. Vielleicht muss nur noch klarer werden, dass diese Orte von Kirche oder Kirchorte (so nennt die Synode sie) auch weiterhin das Feld sein werden, in dem Ehrenamtliche und hauptamtlich Engagierte miteinander ihre eigene Mission und ihre Formen von Nächstenliebe leben und weiter entwickeln und gottesdienstlich feiern; das könnte die Befürchtungen mildern, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen könnten sich in den „großen Räumen“ verloren vorkommen.

Kooperation und Vernetzung: zwei Beispiele

Gute Beispiele für neue Kooperations- oder Vernetzungs-Formen brachten zwei Projekte aus der Region Hunsrück ein: In der Jugendkirche „Crossport to Heaven“ auf dem Flughafen Hahn: Jugendliche lassen dort ihre eigene Form von Gottesdienst und Glaubensgespräch und gesellschaftlichem Engagement auch heute schon über Pfarreien-Grenzen hinweg wachsen. Und im „willkommensnetz“ im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sich, wie Menschen und Einrichtungen sich in größeren Räumen leichter als in der kleinteiligen Pfarrei zu einem gesellschaftlichen Thema zusammenfinden und effektiv für andere Menschen arbeiten können.

Alles sehr spannend – und da war es kein Wunder, dass der Abend eine halbe Stunde länger dauerte als eigentlich geplant!


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Was ist Berlin schon gegen Prüm? Angeregte Diskussion um Pfarreien der Zukunft bringt Bischof auch noch spätabends in Fahrt

Bei der dritten Veranstaltung im Rahmen der Resonanz zur Raumgliederung am Abend vor Christi Himmelfahrt in Prüm herrschte bereits eine angeregte Stimmung, als Bischof Stephan zu der Veranstaltung wegen eines Termins bei der Bundeskanzlerin verspätet dazu kam. „Was ist Berlin schon gegen Prüm?“, resümierte er am Ende der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung. Die Fragen der über 300 Gläubigen aus der Westeifel trieben den Bischof zum Podium, nachdem er in der Veranstaltungspause ankam. „Jetzt ist er da, jetzt wollen wir mit ihm diskutieren.“ Und es war nicht so, als dass das nicht vorher schon stattgefunden hätte. Die Verantwortlichen aus dem Bischöflichen Generalvikariat und der Teilprozessgruppe Raumgliederung haben gleich zu Beginn der Veranstaltung den Entwurf vorgestellt, nach dem es zukünftig im Bistum noch 35 Pfarreien der Zukunft geben soll. „Wir müssen Pfarrei-Sein neu lernen“, beschreiben sie die anstehende Aufgabe. Die bisherige kleinteilige Pfarreien-Struktur und das Aneinanderfügen von immer mehr Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften sei weder pastoral noch verwaltungstechnisch ein Zukunftsmodell.

Die engagiert diskutierenden Männer und Frauen machten gleich zu Beginn deutlich, dass sie das anders sehen: „Warum nehmen Sie uns unsere Identität, wenn Sie teilweise über Jahrhunderte bestehende Pfarreien auflösen und neu zusammenfügen?“ Eine teilweise hitzige, aber immer faire Diskussion zog sich durch den ganzen Abend. Das lobte der Bischof auch am Schluss: „Ich merke deutlich: auch wenn Sie nicht mit allem zufrieden sind, was wir Ihnen heute vorgestellt haben: es geht Ihnen ja darum, dass es mit der Kirche gut weiter geht. Sie kritisieren ja nicht aus einer distanzierten Position, sondern weil in Ihrem Engagement viel Herzblut steckt.“ Die Vertreter der Steuerungsgruppe zur Synodenumsetzung und der Raumgliederungs-Gruppe konnten an vielen Stellen deutlich machen, dass es bei der Bildung der Pfarreien der Zukunft auch darum geht, das Engagement der vielen Menschen besser als bisher zu unterstützen und vor allem vielfältigere Engagementmöglichkeiten zu entwickeln. „Wer sich engagieren will, soll nicht über Jahre gebunden sein und er soll auch in den Belangen mitgestalten und -entscheiden können, die das eigene Engagement betreffen. Auch so kann Identiät entstehen.“ Auch die Bedenken, dass es letztlich nur um Zentralisierung gehe, nahmen die ernsthaft diskutierenden Verantwortlichen nicht auf die leichte Schulter: „Es geht um das, was es vor Ort an Leben und Glauben, an Engagement und Leidenschaft gibt, und um das, was es neu zu entdecken gilt.“ „…inmitten der Häuser ihrer Söhne und Töchter“, wie Dechant Clemens Grünebach aus Hermeskeil, der die Teilprozessgruppe Raumgliederung leitet, Papst Franziskus zur Pfarrei zitiert.

Bei aller kontroversen Diskussion: ein mutmachender Abend. Eine Kirche, die so diskutieren kann, hat Zukunft, meint

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Pfarrei wirklich neu denken

Es war keine laute Veranstaltung, trotz der fast 300 Menschen in der Kulturhalle in Ochtendung. Stattdessen: aufmerksames Zuhören, kritische Rückfragen, gemeinsames Gebet. Denn: „Es geht um nichts weniger als die Pfarrei wirklich neu zu denken“, wie Bischof Stephan es bei der ersten von acht Resonanzveranstaltungen zum Entwurf der Raumgliederung für die „Pfarreien der Zukunft“ formulierte. Und so diskutierten die Frauen und Männer auch weniger über die konkreten Raumzuschnitte als vielmehr darüber, wie die Pfarrei der Zukunft künftig mit Leben zu füllen ist. Die Pfarrei sei eine Art „Grundgerüst des kirchlichen Lebens“ und mit den weiten Räumen wolle man dieses Gerüst „wetterfest machen und es so feststellen, dass es den veränderten Zeiten genüge tut“, sagte der Bischof.

Und kirchliches Leben gibt es an vielen Orten und in unterschiedlichen Formen: Ute Herold berichtete von einem Familienprojekt im Dekanat Ahr-Eifel und Mechthild Haase vom Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr, erzählte vom Projekt „Leben und Älter werden in Remagen“ – zwei gelungene Beispiele für netzwerkartige Kooperationen, die es in den Pfarreien der Zukunft verstärkt geben soll.

Die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeugten ebenfalls von vielfältigem Engagement. Ob es ums Vermögen geht oder wie die Leitungsteams künftig aufgestellt sein werden: Die Frauen und Männer wollen mitarbeiten an der Pfarrei der Zukunft – und das ist nötiger denn je. „Kirche braucht Partizipation“, sagte Mechthild Schabo, Direktorin für Pastoral und Gesellschaft im Bistum, auf die Frage nach künftigen Rätestruktur. Es werde auch künftig Räte und Wahlen geben, denn das Synodendokument mache doch klare Aussagen über die Art des Umgangs miteinander. Eine eigene Teilprozessggruppe werde dazu arbeiten.

Reichen denn die angestrebten Veränderungen wirklich, um die Kirche fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, fragte ein Vater, der sich Gedanken macht, wie er den Glauben an seine Kinder weitergeben kann. Wie geht Erwachsenenkatechese – „Jesus geht uns verloren!“ machte eine Frau ihrer Sorge Luft. Und am Ende bat ein älterer Herr: „Sorgen Sie dafür, dass es in den Pfarreien der Zukunft so wie heute hier ganz viele Gesprächsmöglichkeiten gibt, damit die Einheit wachsen kann.“

Viele Fragen, manche Antworten, Impulse, ein konstruktiver Dialog: Der Auftakt der Resonanzveranstaltungen ist gelungen. Bis Ende Juni gibt es sechs weitere Veranstaltung – und bis zum Herbst die Möglichkeit, auch online Rückmeldung zu geben. Alle Infos gibt es unter http://www.herausgerufen.bistum-trier.de

(Judith Rupp)