heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Gottesdienst-Gemeinschaft vor Gottesdienst-Form

Zwei Resonanz-Treffen der Teilprozessgruppe „Liturgie“ (Februar 2019)

Knapp hundert Frauen und Männer aus Ehrenamt und seelsorglichem Hauptamt haben der Teilprozessgruppe (TPG) Liturgie Anfang Februar Rückmeldungen zu ihrem bisherigen Arbeitsergebnis gegeben. Schon die Wahl der Orte für die zwei Resonanz-Treffen hatte etwas Symbolisches: Einerseits war nach Maria Laach eingeladen – an den Ursprungs-Ort der katholischen liturgischen Erneuerung im 20. Jahrhundert. Und andererseits in die Europäische Akademie Otzenhausen – in ein Tagungszentrum ohne

Zwei Frauen und drei Männer an einem Seminartisch - im Hintergrund eine Präsentationsleinwand und Europa-Fahnen

jegliche vorhandene „liturgische Qualität“ – also irgendwie auch typisch für neue Wege, die die Kirche im Bistum Trier auch in der Liturgie wagen will.

Arbeits-Szene in Otzenhausen

Bisher hat die TPG Liturgie vor allem zwei Teile ihres Arbeits-Auftrags bearbeitet und bei den Treffen vorgestellt. Es geht dabei um die Sicherung der Qualität der liturgischen Feiern in den Pfarreien der Zukunft – und um ein Rahmenkonzept dafür, wie die Pfarreien der Zukunft für ihren Bereich eine verlässliche Gottesdienstordnung entwickeln können und welche Kriterien dabei zu beachten sind.

Zu rechnen war dabei natürlich mit der eher schon grundsätzlichen Anfrage, ob denn etwa „unsere Gottesdienste“ schlecht sind – und ob sich die „Qualität“ von Gottesdiensten wirklich mit anderen Maßen als rein spirituellen messen lassen kann. Ob diese Fragen schon beantwortet sind? Jedenfalls fand der Ansatz der TPG Zustimmung, dass Gottesdienste im Bistum Trier durchaus noch verbesserungsfähig und –würdig sein könnte.

Ausgangs-Punkt: Sicherung der liturgischen Qualität

Große Zustimmung auch zu den ökumenisch entwickelten „Elementen einer liturgischen Feier-Qualität“, die die TPG den Pfarreien der Zukunft mitgeben will auf ihren künftigen Weg. In neun Bereichen legt dieses Modell jeweils drei wesentliche Punkte vor, nach denen in der Pfarrei der Zukunft Gottesdienste angeschaut / reflektiert und Gottesdienst-Ordnungen geplant und überprüft werden sollten. Es geht um die Rahmenbedingungen, den Ort und den Raum, die Dramaturgie und den Lebensbezug des Gottesdienstes; zu betrachten sind die liturgische Präsenz der Dienste und die Sprache der Feier, Musik und Beteiligung aller an der Feier. Für jeden dieser neun Bereiche lässt sich fragen: Was muss stimmen –  Was ist wesentlich –  Was kann begeistern.

Am Beispiel „Gottesdienst-Ort“:
Was stimmen muss:

  • Gibt es innerhalb der Pfarrei der Zukunft verschiedene Gottesdienstorte?
  • Werden die Orte anlassbezogen ausgewählt?
  • Ist der Ort für die entsprechende Gottesdienstgemeinschaft barrierefrei erreichbar?

Was wesentlich ist:

  • Ermöglicht der Ort, dass alle mitfeiern?
  • Sind nutzbare sanitäre Anlagen vorhanden?
  • Gibt es Parkmöglichkeiten bzw. eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Was begeistern kann:

  • Gibt es Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten?
  • Gibt es Orte, die sich für themenorientierte Gottesdienste anbieten (z.B. Feuerwehrgerätehaus am Florianstag,…)?

Kinder beim Krabbelgottesdienst - in der Mitte ein TruheDie Qualitäts-Kriterien fanden die Teilnehmerinnen insgesamt einfach genug; durchaus denkbar, dass die Pfarrei der Zukunft oder der Rat der Pfarrei damit einen neuen Blick auf die schon gefeierten Gottesdienste bekommt und von da aus auch die künftige Gottesdienst-Ordnung entwerfen und immer wieder mal reflektieren kann. Hilfreich fanden das auch Teilnehmerinnen aus Gottesdienst-Kreisen, die mit Vorbereitung und Gestaltung eigene Erfahrungen haben und einbringen konnten. Wobei es der TPG und ihren Resonanzpartnerinnen und –partnern schon auch wichtig war, jetzt nicht in nachsynodalen Perfektionismus zu verfallen.

Verlässliche Gottesdienst-Ordnung für die Pfarrei der Zukunft

Schon anspruchsvoller erschienen die Ideen und Denkansätze der TPG Liturgie zum Thema „Verlässliche Gottesdienst-Ordnung für die Pfarrei der Zukunft“. Über die Skizzen zu einem Rahmen-Konzept gab es heftigere Debatten-Beiträge. Die TPG sieht im Grunde eine Spannung zwischen ihrer eher sozialräumlich entwickelten Leit-Idee „Gemeinschaft vor Gottesdienst-Form“ und dem Prinzip, dass die Eucharistiefeier selbstverständlich die „Höchstform“ des Gottesdienstes der Kirche ist.

  • Einerseits soll festgelegt sein, dass in mindestens einer Kirche der Pfarrei der Zukunft an jedem Sonntag und an jedem kirchlich gebotenen Feiertag zur immer gleichen Zeit die Eucharistie gefeiert wird. Das soll die Sicherheit geben, dass in der Pfarrei immer Eucharistie gefeiert wird – und erreichbar bleibt.
  • Wo –  andererseits – eine Gruppe an einem anderen Ort von Kirche Gottesdienst feiern will, weil das zu ihrem Kirche-Sein und ihrem Leben dazugehört, soll sie das ebenfalls tun. Eher kritisch fanden manche in Otzenhausen und in Maria Laach die Formulierung der TPG dazu: „Wann immer es möglich ist, sollte es die Feier der Eucharistie sein („Kein Herrentag ohne Herrenmahl„). Wenn das nicht möglich ist: Wort-Gottes-Feier, Tagzeitenliturgie, Andacht, weitere Gottesdienstformen.“

„Da wurde wieder nur über die Messe gesprochen.“, hieß es von einer Teilnehmerin. Eine andere meinte: „Das ist Defizit-orientiert und entwertet die anderen Gottesdienstformen.“ – Eine weitere Stimme klang dagegen selbstbewusst „Unsere Wort Gottes-Feier ist mehr als ein Ersatz.“ So weit einige Reaktionen. Da wird weiter nachgedacht werden müssen.

Anfragen zum „Rahmenkonzept Gottesdienstordnung!“

Anfragen gibt es auch zu weiteren Einzelregelungen des vorgeschlagenen Rahmenkonzepts: Ob es wirklich möglich sein wird, in der Fastenzeit keine Taufe zu feiern (weil die Osternacht der eigentliche Taufgottesdienst ist); und Trauungen gern sonntags (in der Gottesdienstgemeinde, zu der die Brautleute gehören), aber nicht in der Advents- und Fastenzeit? Ob eine Gemeinschaft / ein Ort von Kirche wirklich nur dann Eucharistie feiern kann, wenn für alle „liturgischen Dienste“ verschiedene Personen zur Verfügung stehen (also Priester, Lektorin, Musiker, Kantorin, Ministranten…)

Klare Erwartung der TPG und aus den Resonanz-Gruppen: Die Menschen vor Ort, die Verantwortung für Gottesdienste übernehmen, brauchen und bekommen Begleitung und Unterstützung von Hauptamtlichen in der Pastoral. Das empfanden insbesondere jüngere pastorale MitarbeiterInnen als eine durchaus attraktive Aufgabenbeschreibung für ihren Dienst in der Pfarrei der Zukunft.

Erstkommunion: nicht nur am Weißen Sonntag und in der Pfarrkirche?

Weiterzuentwickeln sind wohl auch die Ideen der TPG zur Feier der Erstkommunion. Sie soll gefeiert werden „unabhängig von der Bindung an Schuljahrgänge und dem bisherigen ‚Weißen Sonntag‘ in der Gemeinschaft, die regelmäßig Eucharistie feiert“; ähnlich auch zur Feier der Taufe und der Firmung.

Alte Frauen- und Männerhand mit Ringen

Ehe-Jubilare

Wie praktikabel das denn wohl sein kann, fragten einige nach, wenn für die die Sakramente des Christ-Werdens der Grundsatz gelten soll: „Kinder und Erwachsene empfangen in jener Gemeinschaft die Erste Heilige Kommunion, zu der sie bzw. ihre Eltern in ihrem Lebensbezug gehören (Gemeinschaften, Kirchorte, Schulen, Geistliche Zentren, Themenzentren, Verbände, Jugendkirchen …).“ Oder wenn auch für Trauung und Ehejubiläum angeregt wird: „Wann immer möglich, wird die Feier der Sakramente und Kasualien an den gottesdienstlichen Orten von Kirche gefeiert, zu denen die Menschen einen Bezug haben.“ Das ist sehr vom Lebensraum der Menschen her gedacht, die Gottesdienst und Sakramente feiern. Es wird auch eher häufiger das dritte Qualitäts-Kriterium erfüllen: Dass der Gottesdienst etwas hat, das begeistern und überraschen kann. Und doch: ist auch ziemlich mutig!

Noch einiges zu tun für die Teilprozessgruppe Liturgie

Noch zu bearbeiten hat die TPG die folgenden Themen: Beerdigungen, Krankensalbung, Sakrament der Versöhnung, Ökumenische Gottesdienste, weitere ausgewählte Feiertage über Weihnachten und Osterfeier hinaus. Überraschungen wird es sicher auch noch geben, wenn sich konkrete Fragen stellen wie „Wer entscheidet über die Gottesdienst-Ordnung und die konkreten Zeiten?“ oder „Wer fordert denn die ‚Qualität‘ der gottesdienstlichen Feiern ein, zu der sich eine Pfarrei der Zukunft und oder eine konkrete Gemeinschaft an einem Ort von Kirche verpflichtet hat?“

Zustimmung und Fragen zu den einzelnen Themen kamen – so hat es das Leitungsteam der TPG erlebt, kamen übrigens in beiden Resonanz-Veranstaltungen gleichmäßig von Priestern und Nicht-Priestern. Und dass sie in Maria Laach und in Otzenhausen ein wenig unterschiedliche Schwerpunkte hatten, lag eher nicht an der „(nicht)liturgischen Geschichte“ der beiden Treffpunkte.

altfried g. rempe


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Auseinandersetzung ist wichtig – Ängste schüren ist unnötig

Für einen Artikel im „Trierischen Volksfreund“ am 31. Januar 2019 bin ich um Antworten zu einer Stellungnahme der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gebeten worden. Die Fragen des „Volksfreunds“ sowie die Antworten des Bistums dokumentiere ich hier:

In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme der Initiative Kirchengemeinde vor Ort werden Bischof Stephan Ackermann „Taschenspielertricks“ vorgeworfen, weil er die erst später in Betrieb gehenden Großpfarreien in falscher Sicherheit wiege. Wie kommentieren der Bischof bzw. sein Generalvikar diesen Vorwurf?

Abgesehen von der Verwunderung über die Wortwahl ist dazu zu sagen, dass Bischof und Generalvikar keinen Zweifel daran gelassen haben, dass 35 Pfarreien der Zukunft errichtet werden sollen – 13 zum 1.1.2020, weitere 22 in einem zweiten Schritt. Wie im Kirchenrecht vorgesehen, finden im Frühling eine Anhörung der zuständigen diözesanen Räte sowie eine bistumsweite Anhörung der pfarrlichen Gremien und Pfarrer statt. Dass jetzt bereits die Gremien aller bestehenden Pfarreien und Kirchengemeinden angehört werden, liegt darin begründet, dass im Errichtungsgesetz Regelungen enthalten sind, die alle betreffen. Erst nach Auswertung dieser Anhörung und nach sorgfältiger Erwägung der Antworten – auch in den zuständigen diözesanen Räten – erlässt der Bischof das Errichtungsgesetz.

Die Stellungnahme der Initiative verwechselt hier Gesetz und Dekrete. Die einzelnen Dekrete sind für die konkret nur auf eine Pfarrei oder Kirchengemeinde bzw. einen Kirchengemeindeverband bezogenen Entscheidungen nötig; daher braucht es u.a. für jede zu errichtende Pfarrei der Zukunft auch ein Dekret. Diese müssen im zeitlichen Zusammenhang mit der Gründung stehen und können erst erlassen werden, wenn das Errichtungsgesetz in Kraft gesetzt ist.

Inwiefern sind die Behauptungen der Initiative zutreffend, dass auch die zunächst nicht von der Zusammenlegung betroffenen PdZ sich noch im Mai innerhalb einer Frist von zehn Tagen  gegen die Pläne zur Wehr setzen müssen, falls sie mit der Struktur der Großpfarreien nicht einverstanden sind?

Diese Behauptung ist falsch. Für die Rückmeldungen zum Gesetz im Rahmen der Anhörung planen wir eine mehrere Wochen andauernde Frist ein. Der von der Initiative hier genannte Paragraf aus dem Kirchenrecht bezieht sich auf Dekrete und ist auf die Anhörung zum Gesetz nicht anzuwenden.

Die Initiative unterstellt der Bistumsleitung, die Befugnisse in der Zentralpfarrei auch deshalb zu bündeln, „um viele Kirchen und Pfarrheime so zügig und einfach wie möglich“ zu schließen. Wie kommentiert das Bistum diese Unterstellung?

Es geht nicht um das Schließen von Gebäuden. Dazu kommt: Die Kirchen und Pfarrheime sind nicht im Besitz des Bistums. Eigentümer sind die jeweiligen Kirchengemeinden. Somit kann die Bistumsleitung nicht einfach Kirchen schließen oder gar abreißen. Das kann nur auf Antrag der Kirchengemeinde und – zumindest bei Kirchen – nach Beratung und Anhörung im Priesterrat geschehen. Mittlerweile sind bistumsweit die Immobilien in ihrem Bestand erfasst. Dies soll den Pfarreien der Zukunft helfen, sich über ihre Immobiliensituation zu vergewissern und langfristig planen zu können. Wir gehen davon aus, dass Gotteshäuser, wenn sie genutzt und belebt sind, wenn der Unterhalt gesichert ist und aus baulicher oder sicherheitstechnischer Sicht nichts dagegen spricht, erhalten werden. Viele Kirchengemeinden gehen bereits heute sehr überlegt und nachhaltig mit ihrem Immobilienbestand um. Sie investieren in Immobilien, die pastoral gebraucht werden.

Die Gründung der Pfarreien der Zukunft unterstützt die pastorale Neuausrichtung, die auch von der Initiative als nötig erkannt wird. Eine geringere Zahl von Kirchengemeinden entlastet von vielen kleinteiligen Verwaltungsaufgaben und hilft, sich auf die anspruchsvollen pastoralen Aufgaben konzentrieren.

Die Kircheninitiative unterstellt dem Bistum weiter eine Art Zensur, weil die künftigen Orte von Kirche dem Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft zustimmen und durch den Rat der Pfarrei anerkannt werden müssten. Wie kommentiert das Bistum diesen indirekt erhobenen Vorwurf?

Das Rahmenleitbild gibt die Grundlage unseres Glaubens wieder und stellt den Bezug zu den wichtigsten Aussagen der Synode her (siehe die Leitsätze) – wie kann dessen Anerkennung Zensur sein?! Die Menschen in den Orten von Kirche beschreiben zunächst einmal selbst ihr Anliegen, wie sie sich organisieren und überlegen, ob sie Teil der Synodalversammlung sein wollen. Um diesen Zugang zur Synodalversammlung geht es bei der Zustimmung zum Rahmenleitbild. Daneben müssen Orte von Kirche, die sich in der Synodalversammlung der Pfarrei vertreten, die Gremienordnung anerkennen und ihren Beitrag zur Pfarrei der Zukunft formulieren. Wir als Bistumsleitung machen die Erfahrung, dass Menschen sich einen verbindlichen Rahmen für ihr Handeln wünschen – die Forderungen der Initiative nach verbindlichen Gremienstrukturen zeigt das ja. Der Rat der Pfarrei hat die Aufgabe, für die Entwicklungen innerhalb der Pfarrei Sorge zu tragen, und dafür braucht es Kriterien und Vereinbarungen – beim Fußballspiel akzeptiert man ja auch spätestens mit dem Anpfiff die Spielregeln… Natürlich darf der Rat nicht willkürlich einen Ort von Kirche ablehnen, sondern er bestätigt, dass die Bedingungen erfüllt sind. Damit übernimmt er die wichtige Aufgabe, die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen zu koordinieren.

Inwiefern ist es zutreffend, dass das Bistum Trier bei der Deutschen Bischofskonferenz die zeitliche Begrenzung der Bestellung eines Priesters beantragt hat? Was sind die Gründe für diesen Antrag, dem angeblich bereits stattgegeben wurde?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im vergangenen Jahr für ihren gesamten Geltungsbereich die im Kirchenrecht vorgesehene Möglichkeit, die Bestellung eines Pfarrers (nicht Priesters) zeitlich zu begrenzen, beschlossen; die römische Bischofskongregation hat dieser Regelung zugestimmt. Inwieweit sie in den Bistümern übernommen wird, obliegt dem Ortsbischof. Der Bischof von Trier macht nach der Beratung mit der Bistumsleitung und dem Priesterrat von der Regelung Gebrauch, weil das Instrument „Führen auf Zeit“ für das Bistum Trier ein Element einer synodalen Kirche ausmacht. Daher soll es auch für Pfarrer gelten. Zugleich ist es eine Form, um das Versprechen der Verfügbarkeit, das die Priester bei ihrer Weihe ablegen, konkret werden zu lassen.

Wie bewertet das Bistum generell die Stellungnahme der Kircheninitiative?

Wir begrüßen jede Auseinandersetzung mit den Entscheidungen und Schritten des Bistums. So freuen wir uns über die zahlreichen konstruktiven und kritischen Rückmeldungen, die uns aktuell zu unserem Heft „EinBlicke“ erreichen. Es gibt auch viele Rückmeldungen von Einzelnen wie von Gruppen oder Gremien, die enttäuscht sind, dass sie nicht schon zum 1.1.2020 als Pfarrei der Zukunft formal errichtet werden.

Die Stellungnahme der Initiative ist geprägt von Mutmaßungen und daraus abgeleiteten Interpretationen und schürt so –  in unseren Augen auf unnötige Weise – Ängste. Wir sind uns wohl bewusst, dass Einiges durch die konkrete Praxis in den zukünftigen Pfarreien weiterentwickelt werden muss. Das lässt sich bei einer solch grundlegenden Neuausrichtung aber nicht vermeiden.

Deshalb hoffen wir auf eine breite Teilnahme an den geplanten Dialogveranstaltungen für die Hauptamtlich Mitarbeitenden und die Räte ab Februar.

Trier, 31. Januar 2019

Judith Rupp, Pressesprecherin Bistum Trier


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Sternenstaub statt Bremsflüssigkeit

Manche gehen ein wenig zögerlich um mit der Synode…

Wolfgang Drießen (Pastoralreferent und Beauftragter der Bistümer beim Saarländischen Rundfunk) lädt im Podcast „Kreuz & Quer“ dazu ein, bei der Umsetzung der Synode von der Bremse zu gehen – und dabei die Sternsinger und die Drei Weisen aus dem Osten als Vorbilder zu nehmen…

(Hier der Text – zum noch mal Nachlesen und Weitererzählen…)


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Diakonische Kirche: geht an die Ränder und schaut über Mauern…

Im Vordergrund: "Eine diakonische Kirche ist geprägt von Diversität und Inklusion"Aus der abschließenden Resonanzveranstaltung
der Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung

Eine Diakonische Kirche ist „sensibel für das Leid der Menschen“ und dabei „geprägt von Diversität und Inklusion“; sie „kennt keine Furcht“, „geht auf die Menschen zu“, besonders „an den Rändern“ und „schaut über Mauern“; eine diakonische Kirche „dient, heilt, schützt und lässt Raum zum Atmen“ – „Sie ist heute nötiger denn je!“. Zu Beginn der Resonanzveranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) Diakonische Kirchenentwicklung am 20. Oktober in Trier hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, vielfältige Facetten einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung sichtbar und hörbar werden zu lassen.

Die TPG Diakonische Kirchenentwicklung hat den Auftrag, Empfehlungen und Maßnahmen zu beschreiben, die eine diakonische Kirchenentwicklung dauerhaft und verbindlich als Aufgabe und Zielperspektive im Bistum Trier verankern sollen. Hierzu gilt es, einen umfassenden Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozess mit allen Beteiligten in Gang zu setzen. An wesentlichen Punkten im Prozess der Konzept-Entwicklung setzt die TPG auf die Erfahrungen, die Rückmeldungen und die Mitarbeit ihrer Resonanzpartnerinnen und -partner. Bereits im Mai hatte die TPG zu ersten Resonanzveranstaltungen eingeladen (siehe auch Beitrag „Resonanz in der Wärmestube“). Wo kann ich mitgehen? Was finde ich schwierig und was fehlt? Etwa 50 Ehrenamtliche und Hauptamtliche waren zur abschließenden Resonanz-Veranstaltung gekommen, um der TPG Antworten zu geben. Sie kamen aus der verbandlichen Caritas, der Seelsorge, aus weiteren Verbänden des Bistums und aus dem Bischöflichen Generalvikariat.

Kommen – Gehen – Stehen

Besonders das Schema „Kommen – Gehen – Stehen“ blieb vielen im Gedächtnis; mit ihm gibt die TPG Hinweise, wie Kirche künftig in den Pfarreien der Zukunft präsent sein wird. (Zwischenergebnis der TPG). Mit „Kommen – Gehen – Stehen“ kann eine erste Vorstellung davon entstehen, wie Sozialraumorientierung künftig Praxis werden kann. Ausgehend vom Evangelium will sich die Kirche im Bistum Trier stärker als bisher an den Fragen, Nöten und Bedürfnissen der Menschen ausrichten.

An vielen verschiedenen Orten ist Kirche bereits heute sichtbar: Neben den bekannten Orten wie Kirchen und Gemeindezentren, wo Menschen zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern und miteinander Zeit zu verbringen, gibt es eine große Vielfalt an weiteren Orten von Kirche (z.B. Dienste und Einrichtungen, Gruppen, Initiativen). „Dort wo Menschen hinKOMMEN wollen, gilt es noch stärker als bisher eine Willkommenskultur zu entwickeln. Auch das GEHEN wird künftig eine große Bedeutung in den neuen Pfarreien haben: Wir gehen zu den Menschen, setzen bei dem an, was sie bewegt, schauen, welche Ressourcen sie mitbringen und wie wir uns als Kirche mit weiteren Partnern im Sozialraum vernetzen können. STEHEN bewahrt vor unbändigem Aktionismus: Es muss Momente der Unterbrechung geben, Momente in denen wir einfach nur DA sind, mitleiden. Dies sind Momente der Unterbrechung, der Erinnerung oder auch der spirituellen Vergewisserung. Hier erklären wir uns z.B. mit Menschen am Rande solidarisch.“, erläutert Nicole Heckmann von Leitungsteam der TPG.

Sozialraumorientierung in der Praxis

Arbeit in einer TischgruppeIn Tischgruppen wurde diskutiert, was es heißt, Sozialraumorientierung ernstzunehmen: Was geschieht in den Pfarreien und Diensten und in den Einrichtungen der Caritas bereits, das über die konkrete Hilfe (wie etwa die Nahrungsmittelausgabe bei der Tafel) hinausgeht? Wie können wir Räume entdecken, die z.B. ein „Mehr“ an Beratung ausmachen? Dabei blieben Fragen nach dem eigenen Grundverständnis nicht unberücksichtigt: Was macht Nah-beim-Menschen-Sein in Verbindung mit Christlich-Sein aus?

Eine Basis aller Maßnahmen stellen die sogenannten „Vorzeichen“ dar. „Die Vorzeichen beschreiben Grundorientierungen einer diakonischen Kirche, wie sie die Synode gezeichnet hat“, erläutert Heiner Buchen, Mitglied der TPG. Eine diakonische Kirchenentwicklung spielt sich demnach dort ab, wo das Leben ist – vor allem dort, wo Menschen tagtäglich um ihre Würde ringen. Hierbei gilt es, Aspekte einer diakonischen Haltung und Kultur zu beschreiben. „Als Einzelne(r) eine diakonische Haltung einzunehmen heißt zum Beispiel, aufmerksam zu sein für das (Macht-)Gefälle in Kirche und Gesellschaft. Eine Organisation, die eine diakonische Kultur pflegt nimmt die Vielfalt der Menschen wahr, sieht die sich daraus ergebenden Lösungen für Fragen und Konflikte und geht mit ihnen situationsbezogen um.“ Diese Beispiele nennt Heiner Buchen .

Eric Condé, ebenfalls Mitglied der TPG, schlägt die Brücke zur praktischen Umsetzung: „Was in den Vorzeichen umrissen wird, soll in der Praxis immer mehr konkrete Gestalt gewinnen. Die Maßnahmen beschreiben, wie der diakonische Entwicklungsprozess verbindlich in Gang gesetzt werden kann.“ Nachdem die TPG verschiedene Maßnahmen einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung vorgestellt hat, wird in Kleingruppen besprochen, wo diese Maßnahmen den angestrebten Lern- und Entwicklungsprozess ermöglichen: Wie soll künftig mit den unterschiedlichen Partnern verbindlich und gemeinsam im Sozialraum gearbeitet werden? Welche Lernformate soll es für Haupt- und Ehrenamtliche geben? Wie kann Begegnung auf Augenhöhe geschehen? Welche Ressourcen müssen für ein solches Unternehmen einer diakonischen Kirchenentwicklung bereitgestellt werden?

Hoffnungsvolle Zeichen

Arbeit in einer TischgruppeMitglieder der TPG moderierten die jeweiligen Gruppengespräche und hielten die Ergebnisse für die Weiterarbeit fest. In einer offenen Abschlussrunde dankten die Resonanzpartner für die Arbeit der TPG. Sie zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung und dem Austausch über Grenzen von Fachdisziplinen, Professionen und Organisationen hinweg. Am Ende schlug ein Teilnehmer sogar vor, mit dem nächsten Treffen nicht bis nach der Implementierung zu warten. Veranstaltungen wie diese sollten in ein fortlaufendes Austauschformat übergeführt werden. Eine weitere Teilnehmerin appellierte: „Nun ist es an der Zeit, dass jeder sich vor Ort die Zeit nimmt und schaut: Was möchte ich verändern?“ – Wertvolle Aussagen für die Arbeit der TPG und hoffnungsvolle Zeichen für die diakonische Kirche von morgen.

 


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Die Pfarrei der Zukunft wird konkret. Dank an die TPGs!

In den nächsten beiden Tagen treffen sich die Teilprozessgruppen (TPGs), die an der Entwicklung der Pfarrei der Zukunft gearbeitet haben, zunächst zu einer Klausurtagung. Am Samstag kommen dann die diözesanen Räte zusammen, um über die wesentlichen Elemente der Pfarrei der Zukunft zu beraten.

Drei der elf Teilprozessgruppe schließen zugleich auch ihre Arbeit ab. Die Teilprozessgruppen Aufbauorganisation/Leitungsteam, Rahmenleitbild und Verwaltungsprozesse sind letztes Jahr im August gestartet und reichen nun nach gut einem Jahr ihre Abschlussberichte ein.

Ich bin den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar für das, was sie im letzten Jahr geleistet haben. Die Veränderungen, die die Synode angestoßen hat, sind uns in ihrer ganzen Breite und Tiefe erst durch die Arbeit dieser Gruppen deutlich geworden. Und nun liegt eine beachtliche Reihe von ausgearbeiteten Elementen vor, die zum Teil schon gut miteinander abgestimmt sind, zum Teil auch noch justiert werden müssen. Hier war eine hohe Fachlichkeit gefordert. Das war nur möglich, weil die Mitglieder der Teilprozessgruppe viel Zeit und Energie, auch an Wochenenden und Abenden investiert haben.

Und dabei war die Arbeit auch emotional höchst anspruchsvoll. Mit der Errichtung von Teilprozessgruppen, die Bischof Ackermann und der damalige Generalvikar Bätzing schon am Ende der Synode als Instrumente für die Umsetzung angekündigt haben, sollten auch bei der Konkretisierung der Synodenergebnisse viele unterschiedliche Blickwinkel einbezogen werden. Damit war klar: auch in den Gruppen muss um die besten Lösungen gerungen werden. Hinzu kam der äußere Druck – auch durch die Steuerungsgruppe. Denn für das gesamte Gelingen der Umsetzung ist es wichtig, möglichst bald konkret zu werden. Die Gläubigen warten auf Informationen und manche zeitaufwändigen Aufgaben müssen nun bald angegangen werden.

Mitglieder der Teilprozessgruppen stehen in ihren anderen beruflichen, ehrenamtlichen und privaten Bezügen immer auch für das Ganze der Synode ein. Und der Widerstand ist groß. Wir nehmen das täglich durch Zuschriften, Presse, Telefonate usw. wahr. Das heißt auch hier Stellung beziehen, argumentieren, die anstehenden Veränderungen erklären …

Ähnlich wie im März 2017, als der erste Entwurf der Raumgliederung veröffentlicht wurde, spüren wie in diesen Tagen die Anspannung. Das gehört aber wohl zu einem solchen Prozess, bei einem solchen Meilenstein dazu. Auch gerade in dieser Woche, in der sich vermutlich viele fragen, ob nicht noch viel mehr Veränderungen nötig sind.

Im Rückblick auf die Arbeitszeit dieser drei Gruppen denke ich an die Höhen und Tiefen, die Resonanzveranstaltungen, die kritischen Rückmeldungen, die „Durchbrüche“ in Sitzungen, die Abstimmungen der TPGs an den berüchtigten „Schnittstellen, die Vorstellungen in der Steuerungsgruppe und gegenüber der Bistumsleitung, … . Mich beeindruckt das hohe Verantwortungsbewusstsein der Kolleginnen und Kollegen in den Teilprozessgruppen. Es ist ihnen bewusst, dass sie eine besondere Aufgabe haben, in der es nicht um die eigenen Interessen geht, sondern um ein neues Handeln im Bistum Trier, um die Präsenz des Evangeliums in der Welt von heute. Danke Euch! Und packen wir’s an in den nächsten Tagen.

Christian Heckmann, für das Team Synodenbüro


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Resonanz in der Wärmestube

Die Teilprozessgruppe „Diakonische Kirchenentwicklung“
bekam dezentral Resonanz zu ihrer bisherigen Arbeit

Weg von einer Kirche, die um sich selbst kreist, hin zu den Menschen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen, zu den Menschen in Armut, Bedrängnis und Not. Die Synode „ermutigt“, wie es im Abschlussdokument heißt, „zu einem Prozess diakonischer Kirchenentwicklung – sie ermutigt, sich grundlegend neu auszurichten und in allen kirchlichen Vollzügen missionarisch-diakonisch in die Welt hinein zu wirken.“ („heraus gerufen“ ) „Dabei geht es nicht bloß darum, ein paar Stellschrauben nachzuziehen. Eine diakonische Kirchenentwicklung im Sinne der Synode fordert uns alle, die gesamte Kirche im Bistum Trier, völlig neu heraus“, unterstreicht Nicole Claire Heckmann vom Leitungsteam der Teilprozessgruppe (TPG) zum Thema. „Wir beschreiben den konzeptionellen Rahmen, damit eben jener grundlegende Lern-, Entwicklungs- und auch Umkehrprozess in den Pfarreien der Zukunft sich ereignen kann und auf diözesaner Ebene verankert ist, um die lokalen Strukturen zu unterstützen.“ (Hier der Auftrag der TPG)

Erste Zwischenstände hat die Teilprozessgruppe am 28. und 29. Mai in drei regionalen Resonanzveranstaltungen in Trier, Koblenz und Saarbrücken präsentiert und um Rückmeldungen gebeten. „Uns war es ein großes Anliegen, die Perspektiven unserer Resonanzpartnerinnen und -partner einzufangen und zu hören. Das schien uns in dezentralen Resonanzveranstaltungen besser möglich zu sein“, betont Regine Wald vom Leitungsteam. Resonanzpartnerinnen und -partner waren insgesamt ca. 90 ehren- und hauptamtliche Personen aus der verbandlichen Caritas, der Seelsorge, aus weiteren Verbänden, aus dem Bischöflichen Generalvikariat, aus anderen Teilprozessgruppen und aus Kommunen.

Wie wird dieser Prozess im Bistum angestoßen, wie wird er abgesichert und strukturell verankert? Wer leistet dazu welchen Beitrag? Und wie bleibt der Prozess für Weiterentwicklung offen? – Das waren zentralen Fragen der Veranstaltungen.

Ein geistlicher Prozess –
sich vom Evangelium und der Welt unterbrechen und herausfordern lassen

Tischgruppen in St. Augustinus in Trier

Am Anfang jeder Resonanzveranstaltung stand das Evangelium, ein spiritueller Impuls, der zugleich Einblick in die Arbeitsweise der Teilprozessgruppe gab. „Von Anfang an stand für uns fest: Wir möchten das Evangelium mitlaufen lassen“, sagt Nicole Claire Heckmann. „Diakonische Kirchenentwicklung heißt für uns, sich sowohl vom Evangelium als auch von der Welt gleichermaßen unterbrechen und herausfordern zu lassen.“ Auch die Resonanzpartnerinnen und -partner waren dazu eingeladen.

Große Linien – Zustimmung und Anfragen

Im Anschluss an diesen Impuls erbat die TPG zunächst Rückmeldung zu den großen Linien ihres Konzepts, bevor sie einen vertiefenden Einblick in insgesamt sechs thematische Eckpunkte gab: Sozialraumorientierung, Formen der Begegnung auf Augenhöhe, Lernformate, Dienste und Einrichtungen, neues Zusammenwirken von verbandlicher Caritas und Seelsorge, Steuerung von Ressourcen. „Es war eine große Überzeugung zu spüren, dass die diakonische Kirchenentwicklung richtungweisend für die Neuausrichtung der Kirche im Bistum Trier ist. Wir haben aber auch wichtige Anfragen und Impulse zur Weiterarbeit erhalten. Vor allem auf Begriffe werden wir noch einmal stärker schauen; und darauf, wie Aspekte der Ehrenamtlichkeit stärker zum Tragen kommen können. Sogar zu einem weiteren Kapitel sind wir ermutigt worden“, kommentiert Jessica Schneider vom Leitungsteam diese erste Phase der Rückmeldung. Auch dass die TPG stärker auf das schauen soll, was es bereits an vorhandenen guten „Wachstumsvoraussetzungen“ gibt, war ein wichtiges Anliegen der Resonanzpartnerinnen und -partner.

Insgesamt war zu spüren: Die Menschen, die um die Zukunft der Kirche in ihrem Bistum ringen, brennen für das Anliegen einer diakonischen Kirche. Allerdings war auch allen Anwesenden deutlich: Es braucht einen Perspektivwechsel, neue Haltungen und Kulturen, wenn sich die Kirche im Bistum Trier noch einmal neu auf ihren Auftrag besinnen und nah an der Seite der Menschen sein möchte. Dieser Prozess bedarf eines langen Atems; und gute Rahmenbedingungen dafür müssen geschaffen werden.  Das wurde als besondere „Knackpunkte“ im Veränderungsprozess beschrieben. „Es gilt, das Potenzial all jener wahrzunehmen, die in den vielen Orten unseres Bistums leben und sich engagieren möchten. Wir wollen in den Pfarreien der Zukunft dazu ermutigen, viele Kooperationen mit anderen Einrichtungen, Verbänden und den Kommunen einzugehen“, ergänzt Jessica Schneider.

Sozialraumorientierung als Chance in der Phase der „Musterunterbrechung“

„Die Ortskirche von Trier entwickelt sich zu einer diakonischen Kirche, die Menschen in Armut, Bedrängnis und Not wahrnimmt. Sie lässt sich von ihnen berühren, handelt mit ihnen solidarisch und lässt sich von ihnen evangelisieren.“ („heraus gerufen“ Anlage 1.1; mehr auf der Internetseite zur TPG) – Wie kann die im Synodenabschlussdokument beschriebene Hinwendung zu einer diakonisch-missionarischen Kirche gelingen? Diese Frage bewegt die Mitglieder der Teilprozessgruppe und die Resonanzpartnerinnen und -partner sehr. Vielleicht war die Wahl der „Wärmestube in Saarbrücken“ als Ort für die Resonanzveranstaltung in Saarbrücken ein kleiner Schritt in diese Richtung; die Wärmestube ist ein Aufenthaltsort für Wohnungslose und Menschen in besonderen sozialen Problemlagen.

Tischgruppe mit Papier und Stiften auf dem Tisch

Tischgruppen in Trier bei der Arbeit

Insgesamt sehr positive Rückmeldungen erhielt die Teilprozessgruppe zu dem, was sie zur Sozialraumorientierung als dem grundlegenden Konzept des künftigen Handelns im Bistum Trier formuliert. Viele sahen gerade im Ansatz der Sozialraumorientierung eine große Chance. Hier wurden erste „Bilder“ deutlich, wie das neue Arbeiten in den künftigen Pfarreien der Zukunft gehen kann und wie die Anbindung an die Erkundungsphase gelingen kann. Erste Maßnahmen schlug die TPG dazu vor, wie multiprofessionelle Teams oder Tandems die in der Erkundung entdeckten Themen aufgreifen und mit den Menschen vor Ort angehen können.

„Im Moment haben viele Menschen Angst vor dem, was mit den großen Räumen der neuen Pfarrei auf sie zukommt. Wir müssen uns intensiv der Frage stellen, wie wir als Kirche weiter den Menschen nah sein können. Das Konzept der Sozialraumorientierung ermöglicht uns, mit den Menschen vor Ort, ganz lokal in Kontakt zu treten und mit ihnen gemeinsam zu fragen: Was bewegt euch und was ermöglicht euch ein Leben in Würde?“, betont Nicole Claire Heckmann.

Praxis verändert sich durch Maßnahmen und Haltungen

Neben dem Grundpfeiler der Sozialraumorientierung gab die TPG Einblick in weitere Aspekte der Umsetzung des Synodenbeschlusses.  Dabei ging es z.B. um das neu zu gestaltende Miteinander von verbandlicher Caritas und organisierter Seelsorge und um neue Lernformate, die eine diakonische Kirchenentwicklung anregen und begleiten. In Kleingruppen wurde hierzu intensiv diskutiert.

Die Frage nach der künftigen Zusammenarbeit von verbandlicher Caritas und organisierter Seelsorge ließ sowohl Visionen als auch Skepsis sichtbar werden... In einem neuen Miteinander werden große Chancen für den Einzelnen im Sozialraum sichtbar. Allerdings muss genau darauf geschaut werden, was der jeweilige ‚Partner‘ zugunsten des Einzelnen im Sozialraum beitragen kann. Es kann nicht um eine Verdoppelung der Dinge gehen“, benennt Nicole Claire Heckmann einen wichtigen Resonanzpunkt.

Beim Thema Lernformate gab es Zustimmung vor allem zur Idee, viele unterschiedliche Lernformate zu entwickeln: für Einzelne, für Tandems, für Lernquartette; Teilnehmerinnen erwarteten neue Lernformate aber auch für Pfarrei und Kirche als (lernende) Organisation. Lernen wird dabei immer wechselseitig sein und Kooperation verlangen. „Es braucht Freiräume und Orte für die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen. Vielfältiges Ausprobieren und gemeinsames Evaluieren sollen auf dem Programm stehen, ebenso wie die Entwicklung einer Kultur der Fehlerfreundlichkeit.“ Rahmenbedingungen für die diakonische Kirchenentwicklung könnten und müssten zwar in Form eines planvollen Einsatzes personeller und institutioneller Ressourcen gesetzt werden; eine Haltung aber müsse sich entwickeln. „Die Spannung zwischen Verbindlichkeit und Freiwilligkeit, zwischen verordneter Kooperation und eigener Motivation dazu ist ein Knackpunkt im Veränderungsprozess“, erläutert Regine Wald.

Den Blick weiten, Wachstum unterstützen

Wie geht es mit den gewonnenen Erkenntnissen weiter? Die dezentralen Resonanzveranstaltungen seien ein wichtiger Prüfstein in der Entwicklung des Konzeptes gewesen, bilanziert das Leitungsteam. „Die Chance einer solchen Veranstaltung liegt in der Perspektiverweiterung. Wir haben viele konstruktive Rückmeldungen erhalten und werden diese nun nutzen, um den eigenen Blick zu überprüfen und zu schärfen.“ Ein Resonanzpartner beschrieb die diakonische Kirchenentwicklung im Bistum Trier als „ein Pflänzchen, das im Keim bereits lange angelegt ist und das es nun vielleicht endlich schafft, sich seinen Weg durch den Beton zu bahnen.“ In diesem Sinne ist es Aufgabe der Teilprozessgruppe, dem Pflänzchen „diakonische Kirche“ auf Basis der Resonanzen weitere Wachstumsunterstützung zu geben. Der Teilprozessgruppe ist es ein großes Anliegen, mit ihren Resonanzpartnerinnen und -partnern in einem Resonanzprozess zu bleiben; sie freut sich darauf, im Herbst dieses Jahres in einer zentralen und abschließenden Resonanzveranstaltung ihr weiter entwickeltes Konzept vorzustellen.

Dieser Bericht verdankt sich einem Interview mit dem Leitungsteam der TPG „Diakonische Kirchenentwicklung“, bestehend aus Nicole Claire Heckmann, Jessica Schneider und Regine Wald – von Carmen Schröder, Mitglied der AG Kommunikation.)