heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Schätze der Synode gefunden

Was steckt drin im Synodendokument für Ehrenamtliche im caritativen Dienst? Darüber haben sich rund 100 Frauen und auch Männer in insgesamt drei Treffen (in Neuwied, Saarbrücken und Trier) ausgetauscht. Sie alle setzen sich im Netzwerk der Caritaskonferenzen Deutschlands CKD für den Dienst am Nächsten ein.

In allen drei Runden wurde deutlich: Es braucht Informationen und Erklärungen. Es braucht eine „Übersetzung“ der Perspektivwechsel in die jeweilige Lebens- und Erfahrungswelten der Anwesenden. Es braucht Raum und Zeit für eine inhaltliche Auseinandersetzung. „Nur so kann aus Angst Hoffnung werden!“, so eine Teilnehmerin während des Treffens in Trier, bei dem sie „so manchen Aha-Effekt erlebt“ habe.

Ich denke, das war mein wesentlicher Dienst und Beitrag als Referentin bei diesen Veranstaltungen: die Perspektivwechsel, als Herzstück des Synodendokuments, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Dialog und vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen zu erschließen. In der Tradition unseres Glaubens geht das am Besten im Erzählen, um miteinander zu lernen, wie wir unseren Glauben heute leben können. Gut, dass auch Synodale bei diesem Austausch dabei waren. Ihr lebendiges Zeugnis für die Anliegen der Synodalen war wichtig und inspirierend. So öffnete sich ein Raum für die Ängste und Sorgen der Ehrenamtlichen, aber auch für ihre Energien, Leidenschaften, Visionen und Hoffnungen. Manche „Schätze“ des Dokumentes konnten wir so finden.

synode_4Perspektivwechsel

Tief berührt haben mich diese Ehrenamtlichen, die sehr oft bereits seit Jahrzehnten einen Dienst am Nächsten tun. Spannende Ehrenamtsbiographien wurden sichtbar –vom Ehrenamt in der Jugend bis zum Ehrenamt im fortgeschrittenen Lebensalter. Die Vielfalt der Orte, an denen sich diese Ehrenamtlichen in den Pfarreien und Einrichtungen des Bistums engagieren, beeindruckt. Mich hat es erschüttert, wie viel Not dem begegnen kann, der genau hinsieht und hinhört.

Bereits seit über 400 Jahre bringen sich Menschen in der CKD mit dem ein, was sie mitbringen an Talenten und Gaben, um Menschen am Rande unserer Gesellschaft ein besseres und menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen. Von daher wundert es nicht, dass die Impulse der Synodalen für eine diakonische und charismenorientierte Ausrichtung unserer Kirche hier mit Begeisterung aufgenommen wurden, denn viele der Ehrenamtlichen „brennen für eine diakonische Kirche“, wie Diakon Edgar Braun von der „Zeitkollekte“ aus Bad Kreuznach es formulierte. Da ist Energie spürbar, verantwortetes Christ-Sein!

Daneben gibt es aber auch Sorgen: „Auch wir Ehrenamtlichen brauchen Seelsorger“, höre ich in intensiven Diskussionen. Denn immer wieder kommt es zu Situationen, in denen die Last des Dienstes zu schwer wird, wenn die Sorgen und Probleme des Kranken, Armen, Einsamen, Sterbenden, Trauernden mit nach Hause genommen werden.

Dass hier „etwas Neues“ wachsen muss, wird bei allen drei Veranstaltungen deutlich. Für mich zeigt sich: Es braucht eine sinnvolle Fortschreibung dessen, was allgemein in Abgrenzung als hauptamtlich und ehrenamtlich bezeichnet wird. Es braucht eine Fortschreibung, die dem gerecht wird, wie Haupt- und Ehrenamtliche, wie Christen, gemeinsam und in Augenhöhe ihrem gemeinsamen Ruf zu den Menschen gerecht werden können.

Wie wird es weiter gehen mit ehrenamtlichem Einsatz in caritativen Diensten? Eine Ehrenamtliche meint dazu: „Vertrauen wir auf Gott, der für den nächsten Tag sorgt!“ Wie gut, dass alles, was die Ehrenamtlichen an diesen Tagen so aufgewühlt und beschäftigt hat, am Ende der Veranstaltungen gemeinsam vor Gott gebracht werden konnte.

Nicole Claire Heckmann, Diözesancaritasverband Trier e.V.


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Ein echter Gewinn

Resonanz-Treffen in Neuwied

Die Synode ist angekommen im Bistum. Das hat Weihbischof Jörg Michael Peters bei der letzten von acht Resonanzveranstaltung zur Raumgliederung festgestellt. Erneut sind gut 300 Menschen gekommen, diesmal nach Neuwied. Die Abfrage zeigt, dass manche bis zu 100 Kilometer Fahrtweg auf sich genommen haben. Aus dem Dekanat Kirchen (Trierische Insel) ist gleich ein ganzer Bus voll Menschen gekommen. Gut so, denke ich.

Mit einem Format wie den Resonanz-Veranstaltungen hatten wir bislang wenig Erfahrung. Jetzt, nach acht „Runden“, finde ich: Es ist gelungen, trotz aller Grenzen, die auch eine solches Veranstaltungsformat hat. Die Menschen lassen sich darauf ein, zunächst zu hören, was der Bischof und Dr. Gundo Lames, der die Raumgliederung vorstellt, zu sagen haben. Impulse von Projektvertreterinnen und -vertretern stoßen auf Interesse.  Bei der offenen Diskussion gibt es so viele Wortmeldungen, dass die Moderatorinnen steuern eingreifen müssen. Wie schon bei den vorherigen sieben Veranstaltungen ist spürbar, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gut vorbereitet haben auf den Abend, mit Fragen und Kritik, aber auch mit Impulsen, die sie in den Runde einbringen.

Ein Bild aus der Reihe "Visuelle Protokolle" als Argument

Ein Bild aus der Reihe „Visuelle Protokolle“ als Argument

Ein Punkt, der an diesem Abend viele bewegt, ist die Frage, ob es in den Pfarreien der Zukunft noch Ansprechpersonen vor Ort gibt. „Ohne Gesicht von Kirche vor Ort wird vieles verloren gehen“, gibt ein Teilnehmer zu bedenken. Eine Frau hat sich die Mühe gemacht, eines der „visuellen Protokolle“ aus der letzten Vollversammlung der Synode mitzubringen (siehe Foto). Sie verdeutlicht damit die Sorge, dass Menschen den „Sprung auf das Umsetzungsboot“ nicht schaffen, also abgehängt werden auf dem Weg der Umsetzung.

Neben mir hinten im Saal sitzt eine junge Theologiestudentin, die die Veranstaltung protokolliert. Kein Beitrag geht verloren, alles geht in die weiteren Überlegungen mit ein. Das ist ein echter Gewinn – für die Synodenumsetzung, für alle, die daran beteiligt und alle, die davon betroffen sind.

Die Resonanz-Veranstaltungen sind damit abgeschlossen – die Resonanz-Phase aber nicht. Noch bis Ende September können Rückmeldungen zum Entwurf der Raumgliederung unter www.resonanz-bistum-trier.de gegeben werden.

Judith Rupp


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Auf der Suche. Eindrücke von der Resonanzveranstaltung in Saarbrücken am 16. Juni

Gut 200 Leute kamen zur Kirche der Jugend eli.ja nach Saarbrücken, um über den Entwurf zur Raumgliederung und natürlich auch über den gesamten Veränderungsprozess, den die Synode angestoßen hat, zu sprechen.

„Wer sich auf den Geist Gottes einlässt, kann Dinge tun, die er vorher selbst nicht gedacht hätte!“ Das sagt Regina Schröder, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt „Frauen(t)raum“ im Dekanat Völklingen. Und das hat mich wie viele andere berührt. Viel von dem, was den Synodalen in ihren Beratungen wichtig war, bringt sie damit zum Ausdruck: der Herr ist bei seiner Kirche, er ermutigt uns zum Handeln, so entstehen neue Möglichkeiten. Auch Bischof Stephan legt zum Ende der Veranstaltung ein deutliches Bekenntnis zum Synodenprozess ab: die intensive Beratung der Synodalen, ihr Engagement für die Kirche, das gemeinsame Ringen und Beten, damit will der Herr uns nicht in die Irre führen. „Davon bin ich überzeugt und dieses Bekenntnis will ich hier auch vor Ihnen ablegen.“

In der Veranstaltung ist aber auch deutlich geworden, was mich seit Ende der Synode bewegt und uns im Synodenbüro  motiviert, sehr viel in Veranstaltungen zu investieren: die Synodenergebnisse, die Qualität des Prozess, ja selbst die Kernaussagen – die Perspektivwechsel – lassen sich nur schwer über Papier vermitteln. Viele Statements in Saarbrücken sprachen das auch aus: Unverständnis für den Prozess, Verärgerung, dass es nur um eine Strukturreform gehe, Angst davor, die Grundlage des eigenen Engagements zu verlieren. „Ich bin enttäuscht von der Synode. Warum wird nicht zuerst über den Glauben gesprochen?“, sagt eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Diskussion. Von der Synode versteht man mehr, wenn man miteinander darüber spricht. Ich bin sehr involviert in dem Prozess, lerne aber durch jede Begegnung auch noch etwas mehr.

Es gibt starke Statements in Saarbrücken. Das gefällt mir. Sie erhalten viel Applaus, sowohl diejenigen, die deutliche Kritik am Vorgehen des Bistums äußern, als auch die, die dazu aufrufen, die Möglichkeiten, die in dem Veränderungsprozess stecken zu ergreifen und sich von der eigenen Angst nicht in die Enge treiben zu lassen. Mein Fazit: Das Volk Gottes ist auf der Suche. Zwar gibt es einige Rückmeldungen, die fordern, es sei genug mit den Veränderungen, man brauche Zeit, damit es sich langsam entwickle. Andere aber sagen deutlich: es gibt den Punkt nicht, an dem alles so ist, wie es sein soll. Mit Unfertigem muss man leben. Die Synode hat viel ausgelöst, nicht zuletzt durch die Frage: „Wozu ist die Kirche da?“ In Saarbrücken wird deutlich: Die Kirche, das ist eine gemeinsame Sache. So will ich das synodale Prinzip, auf das es ankommt, mal mit meinen Worten beschreiben. In aller Unterschiedlichkeit der Positionen. Und da ist es äußerst sympathisch, wenn sich ein Bürgermeister in die Diskussion einmischt. Dr. Armin König aus Illingen stellt seine Statement zum Nachlesen online: http://arminkoenig.de/blog/2017/06/17/seelenlose-bistumsglaubensverwaltungsreform/

Da merkt man doch: es geht um was. Zwar kann ich ihm nicht in allem folgen: Er wirft dem Bistum vor, die Leute würden nicht gefragt. Aber was läuft denn gerade? Der Bürgermeister kann doch diesen Ort der Resonanzveranstaltung nutzen – macht er ja auch, wie man sieht. Insgesamt sind im Bistum seit Mitte Mai mehrere Tausend Menschen zu den Resonanzveranstaltungen zusammengekommen. Und es gibt die Möglichkeit schriftliche Rückmeldungen zu geben. Auch davon wird vielhundertfach Gebrauch gemacht. Ich sehe täglich, mit welcher Mühe die Teilprozessgruppe Raumgliederung an die Auswertung geht. Und dass eine Diskussion mit einem Entwurf beginnt, weiß er als Politiker doch nur zu gut.

Es sei eine seelenlose Verwaltungsreform, meint er weiter: die Kirche würde sich abschaffen. Er leiht damit seine prominente Stimme vielen, die das befürchten. Das finde ich gut an seiner Einlassung. Inhaltlich widerspreche ich: der Synode geht es um die Gestaltung des christlichen Glaubens in Zeiten rasanter Veränderungen. Sich in einer solchen Situation sehr ernsthaft die Frage zu stellen, wie die äußeren Rahmenbedingungen zu setzen sind, damit wir den noch größeren Veränderungen in der religiösen Einstellung der Menschen dialogfähig und vom Einzelnen her begegnen können, ist nicht seelenlos. Auch wenn man über einzelne Schritte, Maßnahmen und natürlichen Pfarreigliederungsvorschläge streiten kann.

Die gemeinsame Aufgabe der Christinnen und Christen im Bistum Trier fasst ein langjährig engagierter Mann zusammen: „Wir sind doch alle Seelsorger. Wichtig ist, dass wir einandern ergänzen.“

Es bleibt spannend. Klare Statements wie in Saarbrücken tun gut.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Töne wider, heilige Halle

Resonanz-Treffen mit Bischof Stephan in St. Maximin, Trier

von Michaela Tholl

Lasst es tönen! – Mit dieser Einladung und Bezug zum Exsultet in der Osternacht begrüßt Dechant Schmitz aus Trier die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der sechsten Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung in Trier St. Maximin. Mir kommt gleich der Gedanke, dass eine solche Einladung an diesem Ort, der selbst für bewegte Zeiten der Veränderung steht, ein guter Ort für einen Widerhall zum ersten Schritt in der Synodenumsetzung sein könnte. Darauf folgte der Hinweis, dass jetzt ein Volk zur Resonanz aufgerufen ist, das nicht an der Synode beteiligt, aber von den Ergebnissen betroffen ist; das lässt aber ahnen, dass hier eher der Betroffenheit Raum gegeben würde und dass weniger mit Jubel zu rechnen sein wird.

Stimmungs-Bild in St. Maximin: Grüne Karten...

Stimmungsbild in St. Maximin

Auch wenn in einem ersten Stimmungsbild Entspanntheit und Besorgnis sich die Waage halten, so sind es im Anschluss an die einleitenden Worte des Bischofs und von Dechant Grünebach doch vor allem die Sorgen, die zum Ausdruck kommen.

„Bei uns ist die Welt noch in Ordnung – und nun diese extreme Form der Veränderung! Das können die Leute nicht nachvollziehen.“ „Wie wird es mit der Sakramenten-Spendung weiter gehen? Die Menschen können ihren Glauben nicht mehr praktizieren, weil die Wege zu weit sind.“ „Die Gremien haben viel geleistet, und nun braucht man sie bald nicht mehr. In den Räten schimpfen die Leute nur noch. Viele haben sich ganz abgewendet.“ „Die älteren Menschen fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt und abgehängt.“ „Dies ist eine brandgefährliche Übergangszeit. Hilfreicher Beistand fehlt.“ „Was wird mit dem Geld, wenn in einer Gemeinde Vermögen durch Verkauf von Pfarrhäusern oder Erbschaften entstanden ist?“ „Was wird mit den Angestellten der Kirchengemeinden?“ „Im Synodendokument kommt weder die Bibel noch der Katechismus vor.“ Und sogar: „Herr Bischof, kämpfen Sie für den überlieferten Glauben?“

Zwar hat der Bischof zu Beginn klargestellt, dass es keine fertigen Antworten oder Pläne in der Schublade gebe und dass genau dies der Beweis und der Preis für das synodale Vorgehen sei. Dennoch können einige Missverständnisse angesprochen und für den einen oder anderen besorgten Besucher der Veranstaltung vielleicht auch ausgeräumt werden.

„Natürlich bleibt der überlieferte Glaube unangetastet“, betont der Bischof. „Die Synode verändert den Glauben nicht, sondern fragt danach, wie wir den Glauben leben und bezeugen. Die Kirche im Bistum Trier versucht sich genau von diesem Auftrag her zu verstehen. Der epochale Wandel vollzieht sich auch ohne die Synode. Die Lebensweise der Menschen heute verändert sich radikal: Wohlstand, Freiheit, Bildung – die Menschen entscheiden selbst, wo und wie sie ihren Glauben leben; die Synode versucht, Antworten darauf zu geben. Wir sind längst eingetreten in eine neue Geschichte des Glaubens.“

Genau das ist auch meine persönliche Erfahrung schon seit vielen Jahren. Und so frage ich mich gelegentlich während der Veranstaltung, wieso es so schwer fällt, die Chancen und Möglichkeiten in der Synodenumsetzung zu erkennen? Liegt es vielleicht daran, dass die Menschen, die sich über diese neuen Möglichkeiten freuen könnten, gar nicht (oder schon lange nicht mehr) da sind? Dann hätte ein Teilnehmer recht, der sagt: „Die Synode hätte schon 20 Jahre früher kommen müssen.“ Aber wenn das so ist: müssen wir uns dann nicht erst recht mit Hochdruck und ohne Zeitverlust den Herausforderungen stellen? Und zwar immer mit der Zuversicht, die unser überlieferter Glaube uns schenkt?

In der Tat haben am Samstag die Hallen von St. Maximin weniger vom Osterlob widergehallt als von den Sorgen der Menschen, die wichtige Säulen der Kirche wegbrechen sehen. Und eines muss auch immer wieder klar und deutlich gesagt werden: Die Pfarrei der Zukunft wird nicht dem Bild der Pfarrei entsprechen, mit dem wir groß geworden sind. Es wird künftig eine verlässliche Verwaltungsebene geben, die sicherstellen soll, dass es Orte christlichen Lebens geben wird, an denen Menschen von ihrem Glauben erzählen, Gottesdienst feiern und sich diakonisch für bessere Lebensbedingungen in dieser Welt einsetzen.

Die Pfarrei der Zukunft wird einen Rahmen schaffen, in dem vielfältiges und unterschiedliches Gemeindeleben wachsen kann – eigentlich das Gegenteil von Zentralisierung! Ich sehe auch nicht, dass die Synode alte Menschen abhängen will und Menschen in den jetzigen Räten für überflüssig erklärt. Oft wird eingewandt, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen verliere. Dabei wird übersehen, dass wir als Kirche die Nähe zu einem großen Teil der Menschen längst verloren haben. Wie bleibt der Glaube lebendig in einer sich rasch verändernden Welt? Im Weggehen sich selber finden, im Hinausgehen in die Welt sehen, wie und wo sich Gott uns zeigt: die Erfahrung, dass das Volk Gottes immer schon ganz wesentlich von Impulsen belebt worden ist, die von außen kamen, ist eine zutiefst biblische und kirchengeschichtliche Erfahrung.

Für mich heißt die Frage: Wie können wir immer wieder neu die Erfahrung eines Gottes sichtbar machen, der mit uns geht, dem die Schwachen am Herzen liegen, der Würde und Freiheit schenkt? Unser Glaube ist erst dann bedroht, wenn wir aufhören, daran zu glauben: dass Gott der ist, der mit uns geht, durch alle Zeiten.


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Vertrauen, dass es gut wird

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft die sechste Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung, diesmal in Trier – und ich überlege, welche Fragen wohl heute ganz oben stehen. Auch wenn die Veranstaltung bisher in Ochtendung, Prüm, Simmern und Dillingen den gleichen Aufbau haben, sind die Fragen und Schwerpunkte doch teilweise sehr unterschiedlich. Gestern in Dillingen schien mir (wieder) eine Frage besonders wichtig: Wie füllen wir die weiten Räume mit Leben? Natürlich wurde auch ganz konkret gefragt, wie es etwa für Angestellte der Kirchengemeinde weitergeht, was der Pfarrort bedeutet oder wie die Finanzen künftig geregelt sind.

Aber diese ganz grundsätzliche Frage beschäftigt die Menschen, die zu den Veranstaltungen kommen, sehr stark. So hat ein Teilnehmer angemerkt, dass die Raumzuschnitte wirklich schlüssig seien, wenn man von raumplanerischen Aspekten ausgehe – „aber wenn man von den Menschen vor Ort ausgeht?“ Sei es da nicht sinniger, mehr Flexibilität walten zu lassen und nicht alle Pfarreien der Zukunft halbwegs vergleichbar groß zu halten, sondern auch kleinere Zuschnitte zu ermöglichen? Und was soll denn in den großen Räumen besser laufen als in den derzeitigen Pfarreien-Gemeinschaften?

Ich fand es da gut, dass Manfred Thesing, Katholikenrats-Vorsitzender und Mitglied der Raumplanungsgruppe, ganz offen zugegeben hat, dass er sich auch erst an den Gedanken von nur noch 35 Pfarreien habe gewöhnen müssen. Was ihm helfe, sei der Gedanke, dass es künftig eine verlässliche Ereichbarkeit gebe an einem Pfarrort und dass in den weiten Räumen viel Kleinteiliges und Komplexes künftig einfacher und unkomplizierter werden könne. Und als Bischof Stephan in die Runde fragte, ob denn heute alles überall so gut laufe, gab es viele nachdenkliche Gesichter. „Wir sind in einer Krisensituation“, hat der Bischof gesagt, „aber das heißt doch nicht ‚Untergang‘ – das fordert uns heraus!“ Und ja, das dürfe wehtun, aber nicht blockieren.

Mir – und hoffentlich auch vielen anderen der knapp 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – hat Mut gemacht, was Klaus Becker vom Momentum in Neunkirchen erzählt hat. Neulich sei eine Frau zu ihnen gekommen, die Weihwasser gebraucht habe. Und jemand habe ihr gesagt: „Gehen Sie einfach mal da die Straße runter, da ist sowas wie die Kirche.“ Da hat sich mitten in der Fußgängerzone ein Ort von Kirche etabliert. Ich habe auch ein bisschen Stolz rausgehört, als Becker gesagt hat: „Wir können zeigen, wozu wir Kirche sind.“ Denn danach fragt ja die Synode. Die Ehrenamtlichen kämen mittlerweile aus einem größeren Einzugsgebiet, ebenso wie die Besucherinnen und Besucher.

Ich glaube, das gefällt mir so gut an diesen Veranstaltungen: Da ist bei aller berechtigen Sorge und Kritik immer auch ganz viel Mut und Aufbruch und Hoffnung zu spüren. Etwa wenn eine Ehrenamtliche und Ex-Synodale den anderen Teilnehmern Mut macht: „Die großen Räume ermöglichen Eigenverantwortung vor Ort! Und das gibt uns die Chance, auch Menschen über unsere bisherigen Kreise hinaus anszusprechen und vielleicht zur Mitarbeit zu gewinnen.“ Natürlich werde das gemeindliche Leben vor Ort sehr vom Engagement vor Ort abhängen – und es werde dann auch „weiße Flecken“ geben. Oder wenn eine andere Ehrenamtliche sagt: „Die Pfarrei der Zukunft ist für mich Anlass, ganz viel zu beten: Darum, dass das gelingt, was die Synode sich vorgenommen hat. Aber vor allem auch darum, dass ncith direkt mit Ablehnung reagiert wird, sondern dass man offen ist für das, was geplant ist. Ich habe auch Angst – aber ich habe auch ganz viel Vertrauen, dass es gut wird.“

Es gibt noch zwei weitere Resonanz-Veranstaltungen: am 16. Juni in der Jugendkirche eli.ja in Saarbrücken und am 30. Juni in der Stadthalle Neuwied. Anmelden dazu kann man sich auf herausgerufen.bistum-trier.de. Und online ist die Resonanz unter www.resonanz-bistum-trier.de möglich.

Judith Rupp


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Wie geht es weiter mit der Personalisierung der Teilprozessgruppen?

Die Leitungskonferenz des Bischöflichen Generalvikariats hat im Mai die Entscheidungen zur Personalisierung der Teilprozessgruppen Leitungsteam und Aufbauorganisation Pfarrei der ZukunftVerwaltungsprozesse und Pfarrbüros in den Pfarreien der Zukunft und Rahmenleitbild Pfarrei der Zukunft getroffen. Es laufen gerade die Verfahren mit den zuständigen Mitarbeitervertretungen. Diejenigen, die für diese Teilprozessgruppen ihr Interesse bekundet haben, werden ab nächster Woche benachrichtigt. Weitere Personalisierungsentscheidungen vor der Sommerpause gibt es vermutlich noch für die Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung, möglicherweise noch für die Teilprozessgruppe Synodales Prinzip. Die weiteren Personalisierungen erfolgen dann ab August.

Wir entschuldigen uns, dass die Verfahren länger dauern als bisher angekündigt. Wir haben die Dauer der Auswahl und der damit zusammenhängenden Gespräche und Verfahren falsch eingeschätzt. Nun sind wir aber endlich einen Schritt weiter und die Arbeit der Teilprozessgruppen kann bald starten. Viele warten auf die Konkretisierungen der Synodenbeschlüsse für die Pfarreien der Zukunft und die gesamte Kirche im Bistum und ihrer Caritas. Die Teilprozessgruppen werden einen wesentlichen Beitrag dafür leisten.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Danke, dass Sie „noch“ Ehrenamtler sind!

… antwortete Weihbischof Jörg Michael Peters auf die Frage, was er einem ehrenamtlich engagierten Mann antworten würde, der kurz zuvor ausdrücklich erklärt hatte, er sei „noch Ehrenamtler“ in seiner bisherigen Pfarrei. Und außerdem habe es schon Gespräche gegeben – und gute Aussicht, dass das Engagement weitergeht.

resonanz-simmern

Simmern: Selbsteinordnung nach „Ehrenamt / Hauptamt“, Alter („Sturm&Drang / Weisheit des Alters“) statt einer Vorstellungs-Runde…

Überfordert nicht das Ehrenamt! („Da sind Menschen, die für eine Sache brennen – helft, dass sie nicht ausbrennen!“) Wer begleitet die Menschen, die sich engagieren – und wer findet neue Charismen und bietet ihnen welche Aufgaben an: Fragen rund um das ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien der Zukunft bildeten einen Schwerpunkt des Resonanz-Treffens mit Bischof Stephan in Simmern am 1. Juni. Der Bischof selbst hofft, dass die Pfarrei der Zukunft auch neue Ehrenamtliche anziehen wird – und rät zu Realismus: Es kann aber auch passieren, dass eine Aufgabe zu Ende kommt, weil niemand sie tun kann oder will.

Rote Fäden: Inhalt wichtiger als Struktur

Aus dem Abstand einiger Tage wird klarer, dass die Veranstaltung in Simmern noch zwei weitere rote Fäden hatte: Einerseits betonten Bischof Stephan wie etwa auch Dechant Clemens Grünebach, dass es eigentlich nicht um Strukturfragen zu gehen hat. Wichtig sei der Synode und ihnen selbst, wie Christsein auch in der heutigen Gesellschaft gelebt und weitergegeben werden kann – und dass die Struktur-Fragen wichtig, aber eigentlich doch sehr relativ sind.

Bischof Stephan gab so etwas ab wie eine Selbstverpflichtungs-Erklärung: Er werde sehr genau darauf achten, dass andere Themen der Synode nicht verschwinden hinter den Strukturfragen: Dass wir diakonisch Kirche sein wollen; dass wir die Katechese ganz neu aufstellen wollen – und dass wir synodal Kirche sein wollen.

Auch Inhalte brauchen natürlich Strukturen, um „in Form“ zu bleiben. Und natürlich gab es Kritik an Teilen der konkret vorgeschlagenen neuen Raumstruktur der geplanten Pfarreien der Zukunft. Besonders aus der Pfarrei der Zukunft „Oberwesel“ gab es Hinweise – und auch aus der Pfarreiengemeinschaft Rupertsberg. Dort sei gerade ein guter Prozess im Gange, dass die Gemeinden zusammenwachsen – das solle doch bitte nicht gestoppt und die Pfarreiengemeinschaft zwei verschiedenen Pfarreien der Zukunft zugeteilt werden.

… und: „Pfarrei“ unterscheiden von „kirchlicher Ort“ und „Gemeinde“

Hilfreich sollte ein zweiter roter Faden des Abends sein: Deutlicher zu unterscheiden zwischen der Pfarrei (eben vor allem als Struktur-, Verwaltungs- und Service-Einheit) und dem, was seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „Gemeinde“ oder „Pfarrgemeinde“ genannt wurde. Heimat finden die Christenmenschen in solchen Gruppierungen oder eben „Gemeinden“, die schon immer in großer Zahl in den Pfarreien zu finden sind. Vielleicht muss nur noch klarer werden, dass diese Orte von Kirche oder Kirchorte (so nennt die Synode sie) auch weiterhin das Feld sein werden, in dem Ehrenamtliche und hauptamtlich Engagierte miteinander ihre eigene Mission und ihre Formen von Nächstenliebe leben und weiter entwickeln und gottesdienstlich feiern; das könnte die Befürchtungen mildern, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen könnten sich in den „großen Räumen“ verloren vorkommen.

Kooperation und Vernetzung: zwei Beispiele

Gute Beispiele für neue Kooperations- oder Vernetzungs-Formen brachten zwei Projekte aus der Region Hunsrück ein: In der Jugendkirche „Crossport to Heaven“ auf dem Flughafen Hahn: Jugendliche lassen dort ihre eigene Form von Gottesdienst und Glaubensgespräch und gesellschaftlichem Engagement auch heute schon über Pfarreien-Grenzen hinweg wachsen. Und im „willkommensnetz“ im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sich, wie Menschen und Einrichtungen sich in größeren Räumen leichter als in der kleinteiligen Pfarrei zu einem gesellschaftlichen Thema zusammenfinden und effektiv für andere Menschen arbeiten können.

Alles sehr spannend – und da war es kein Wunder, dass der Abend eine halbe Stunde länger dauerte als eigentlich geplant!