heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


Ein Kommentar

Auf Augenhöhe

Die Teilprozessgruppe „Aufbau-Organisation und Leitungsteam der Pfarrei der Zukunft“ schlägt für das Leitungsteam ein angeglichenes Bewerbungsverfahren vor.

Resonanz-Treffen am 27. April

„Dies ist eine Veranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) „Aufbau-Organisation und Leitungs-Team der Pfarrei der Zukunft“: Die TPG sucht das Gespräch mit Ihnen und stellt ihren derzeitigen Erkenntnis-Stand vor – kein Ergebnis und eigentlich auch kein Zwischen-Ergebnis…“ Eine solche Klarstellung war hilfreich für den Resonanz-Nachmittag der TPG – und auch für diesen Bericht: Was hier skizziert werden kann, ist immer „nur“ Arbeitsstand – es gibt noch nichts „Finales“ oder Ausdiskutiertes.

Deswegen konnten die rund achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch unbefangen und kritisch ihre Anfragen und Einwände einbringen, waren zu manchen Themen ausdrücklich um eine Meinungsbild gefragt und sind auch weiterhin eingeladen, weitere Vorschläge oder Gegenstimmen schriftlich an die TPG zu senden – manchmal bleibt in der Gesprächs-Situation einer so großen Gruppe ja doch das eine oder andere ungesagt, was eigentlich aber gesagt sein sollte.

Zwei große Arbeits-Aufträge hat die TPG; deswegen hatte sie den Nachmittag aufgeteilt in die Themen-Felder „Aufbau-Organisation“ und „Leitungsteam“, wobei das Leitungsteam natürlich so aufgestellt werden muss, dass es mit der Aufbau-Organisation gut umgehen kann.

Pfarrei der Zukunft: Aufbau und Organisation

Skizze liegt auf Stuhl

Skizze der AufbauOrganisation einer Pfarrei der Zukunft

Mit Blick auf Aufbau und Organisation der Pfarrei der Zukunft (PdZ) wurde schnell deutlich, dass ganz neue Vorstellungen entstehen müssen. Die Vorschläge der TPG dazu lassen die vorhandenen Strukturen und kirchlichen Orte in der künftigen Pfarrei zunächst einmal außen vor und schauen auf die Menschen und ihre ganz verschiedenen Lebens-Situationen. Diesen Lebens-Situationen könnten „Handlungsfelder“ entsprechen, die in großen Zügen aufnehmen, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Da ist beispielsweise die Rede von den Handlungsfeldern „Familie“, „Gesellschaft und Schöpfung“, „Gottesdienstliches Leben im Kirchenjahr“, „Krankheit Tod Trauer“, „Ökumene“. Die meisten Handlungsfelder würden wiederum in „Teilhandlungsfelder“ unterteilt sein können; und in deren „Teilbereichen“ wiederum findet das christlich-kirchliche Leben vor Ort im weiten Raum einer Pfarrei der Zukunft statt. „Teilbereich“ könnte ein Projekt von und für Familien sein, ein Pfadfinder-Stamm, eine oder mehrere Basisgemeinschaften oder Bibelkreise – aber auch zB die Seelsorge in einer Klinik oder die soziale Arbeit in einem „Brennpunkt“-Stadtteil.

Vorschlagen wird die TPG, dass alle „Teilbereiche“ ebenso wie weitere Gruppen oder „Themenzentren“ im jeweiligen „Teilhandlungsfeld“ miteinander vernetzt sein sollen und die Teilhandlungsfelder miteinander im jeweiligen Handlungsfeld. Diese Vernetzung begleitet jeweils ein Mitglied des Leitungsteams der Pfarrei der Zukunft in einer „Handlungsfeldkonferenz“. (Dieser noch etwas sperrige Arbeitstitel soll schon andeuten, dass es eigentlich nur selten scharfe Abgrenzungen des einen gegen die anderen Bereiche geben könne – schon weil die Menschen oft sozusagen in mehreren verschiedenen Bereichen unterwegs sind.)

Kirch-Orte: Wo Kirche und Christsein sich ereignen

Als „Kirch-Orte“ schlägt die TPG vor, (Lebens-)Situationen und / oder gesellschaftliche Ereignisse und auch territoriale Orte zu betrachten, an denen Menschen miteinander Kirche und Christsein gestalten. Da sind also zwar auch Kirchen und andere Räume, Dörfer und lokale Gruppen mitgedacht; mindestens gleich wichtig wird aber sein, dass es viele andere Ereignis-Orte von Kirche gibt, weil die Menschen sich vielseitig und räumlich unübersichtlich engagieren oder zusammenfinden und dabei auch Kirche „sich ereignet“. Das führt die TPG dazu, von „Kirch-Orten der Pfarrei“ mit Anbindung an die Pfarrei oder von „Kirchorten in der Pfarrei“ mit weniger enger oder auch gar keiner direkten engen Anbindung an die Pfarrei zu sprechen.

In dieser Richtung ließe sich vielleicht auch die Antwort auf eine Frage finden, die in den Gesprächsrunden des Resonanz-Tages mehrfach gestellt wurde: Ob die TPG wirklich alle Menschen im Blick hat, wenn sie beschreibt, für wen die Pfarrei der Zukunft da zu sein hat. Oder ob sie im Grunde wieder vor allem Menschen in irgendwelcher Art von kirchlicher Bindung in einem doch wieder traditionellen Sinn. Hilfreich könnte dabei auch sein, dass Teilhandlungsfelder oder Teilbereiche der künftigen Pfarrei auch mit „nicht-kirchlichen“ Partnern zusammenarbeiten (und dabei gelegentlich nur ein kleiner „Player“ unter vielen sein) werden.

Für die weitere Arbeit: Der TPG mitgegeben…

Zettel in den Händen einer Teilnehmerin

Die TPG nimmt Notizen aus den Gesprächskreisen mit

Einige gaben der TPG für die weitere Arbeit auch mit, „Erkundung“ oder „Blick auf die Zeichen der Zeit“ als Aufgabe jedes Teilhandlungsfeldes zu beschreiben; damit würde schon von Anfang an signalisiert, dass die neue Aufbau-Organisation eben mehr sein soll als eine neue Struktur, die da jetzt starr errichtet werden könnte.

Wenn Handlungs-Felder und Teilhandlungsfelder auch Grundlage für Ausschreibung und Besetzung der Stellen des pastoralen und des anderen Personals der Pfarrei der Zukunft sein könnten, erwarten Resonanz-PartnerInnen eine eher detaillierte Beschreibung dieser Felder in der jeweiligen Pfarrei und der Denkprozesse, die zu der konkreten Beschreibung geführt haben. Eine solche Beschreibung von Prozessen könnte auch verhindern, dass die Lebenswirklichkeit in neue Kästen einsortiert würde.
Schwierig vorstellbar scheint jedenfalls zu sein, wie der Übergang aus den bisherigen Strukturen in die neue Aufbau-Organisation sich gestalten kann: Sollte die Bistumsleitung die neue Organisation zum Start der Pfarreien der Zukunft („von oben“) setzen – und wie integrieren sich dann die bisherigen Strukturen und die bisher aktiven ehrenamtlichen und hauptamtlichen MItarbeiterInnen? Oder wird gesetzt, dass die (am 1. Januar 2020) errichtete Pfarrei der Zukunft in den nächsten fünf Jahren in die neue Aufbau-Organisation hineinwächst, neue Teilbereiche und Handlungsfelder entwickelt, bestehende neu aufstellt und in den neuen Rahmen überführt und manches auch verabschiedet? Gewichtige Argumente scheint es für beide Ansätze zu geben.

Als weitere offene Fragen nahm die TPG mit:

  • Wie beschreibt man Querschnitt-Aufgaben etwa der Kirchenmusik?
  • Wie zentral oder dezentral ist in dieser Aufbau-Organisation das Pfarrbüro gedacht?
  • Konkretisiert die Verwaltungsaufgaben – und ihre Aufteilung in Aufgaben der Pfarrei der Zukunft einerseits und der Bistums-Verwaltung als Dienstleister andererseits!
  • Beschreibt, wie dafür gesorgt werden kann, dass in den PdZ sich Neues entwickelt, ohne dass „Altes“ entwertet oder geringgeschätzt wird – auch wenn es heute zu verabschieden ist!

Das Leitungsteam der Pfarrei der Zukunft

Welter und Stockschlaeder

Im Leitungsteam der TPG: Benedikt Welter und Nicole Stockschlaeder

Wenn die Teilprozessgruppe von „Leitung“ spricht, meint sie damit „Ermöglichung und Steuerung“. Bis zum Resonanztreffen am 27. April hat die TPG vor allem über die hauptamtlichen Stellen im Leitungsteam nachgedacht und zum Thema auch externe Expertise eingeholt. „Leiten im Team“ ist für den kirchlichen Bereich eine bisher eher ungewöhnliche Vorstellung.

Wichtig erscheint der TPG, dass alle im Leitungsteam (LT) „auf Augenhöhe“ miteinander arbeiten, also (abgesehen von den spezifisch priesterlichen Aufgaben des Pfarrers im Leitungsteam) die gleiche Leitungskompetenz haben. Dazu soll ein angeglichenes Bewerbungs- und Einstellungs-Verfahren beitragen – alle potenziellen Teammitglieder nähmen an gemeinsamen Workshops teil und erfahren dabei, welche Charismen und Fähigkeiten, welche Vorstellungen von Pastoral und Leitung und welche besonderen Kompetenzen sie und die anderen einbringen könnten. Dieses angeglichene Verfahren fand breite Zustimmung – auch wenn Differenzierungen erforderlich sein könnten.

Gemeinsame Aufgaben – verteilte Aufgaben im Leitungsteam

Für das jeweilige Leitungsteam beschreibt die TPG dann gemeinsame Zuständigkeiten (einige Resonanzen sagten: Das ist zu umfangreich) und Zuständigkeiten für eines oder mehrere Aufgabenfelder (s.o.). Dazu würde es gehören, dass das LT-Mitglied einerseits Konferenzen und Vernetzung im Handlungsfeld initiiert und begleitet, andererseits FachvorgesetzeR für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist. Außerdem wäre das LT-Mitglied für das Budget- und Ressourcen-Management im jeweiligen Handlungsfeld verantwortlich (immer im Sinne einer noch zu regelnden Zusammenarbeit mit synodalen Gremien, auf der Grundlage der Synodenergebnisse und der Vorgaben des Bistums und den im Handlungsfeld Aktiven.)

Marker und Karten - teilweise in der Sonne

Arbeitsmaterial bei der Gruppenarbeit

Zu den gemeinsamen Aufgaben des Leitungsteams sollte es u.a. gehören, die Entwicklungsziele, den Stellenplan und die Stellenprofile der PdZ zu entwickeln und die PdZ gegenüber öffentlichen Institution und in der Öffentlichkeit überhaupt und auch gegenüber dem Bistum zu vertreten. Alles in Abstimmung und Kooperation mit den jeweiligen synodalen Gremien auf den verschiedenen Ebenen der Pfarrei der Zukunft und des Bistums. Eine noch zu klärende Geschäftsordnung des Leitungsteams soll diese Verfahren und die Rollen und Funktionen der einzelnen Mitglieder beschreiben.

Alle Mitglieder des Leitungsteams werden vom Bischof berufen und beauftragt. Fachaufsicht über sie sollen Bischof und Generalvikar haben. Hier gab die Resonanz-Gruppe der TPG mit, die Fachaufsicht so zu gestalten, dass der Generalvikar sie auch delegieren kann – zB auf die Ebene der drei Visitationsbezirke.

Leitung / Führung auf Zeit

Blatt - eingerollt in einer linken HandAngedacht ist eine zeitlich begrenzte Übertragung einer Leitungsaufgabe (Führung auf Zeit); dazu gab es breite Zustimmung im Plenum des Resonanz-Treffens. Im Blick ist auch, dass es möglich sein muss, die hauptamtlichen Stellen im LT nur mit Teilzeit-MitarbeiterInnen zu besetzen – offene Frage: Sind dann bis zu sechs „halbe“ Hauptamtliche im LT? Und: wie beschäftigt man Ehrenamtliche in Teilzeit – statt zwei „voller“ bis zu vier „Halbzeit“-Ehrenamtliche?

Weiter zu bedenken: Die „Ehrenamtlichen“ im Leitungsteam

Jedenfalls gibt das Resonanztreffen der TPG für die weitere Arbeit mit: Sie muss das ganze Thema „Ehrenamtliche (e.a.) Mitglieder des Leitungsteams“ noch bedenken – und das wäre dann auch noch einmal mit den Vorstellungen für die hauptamtlichen Stellen abzugleichen:

  • Wie finden sich die Ehrenamtlichen?
  • Werden sie gewählt (von wem) und wie die Hauptamtlichen auch vom Bischof ernannt / berufen? (Hier entstand die Frage, ob und warum nicht auch die Hauptamtlichen im Leitungsteam gewählt werden sollten – oder sich im synodalen Gremium einer Vertrauensabstimmung o.ä. zu stellen hätten.)
  • Nehmen e.a. potentielle TeamerInnen an den Bewerbungs-Workshops teil?
  • Kann die von der Synode geforderte kaufmännische Kompetenz im Leitungsteam auch ehrenamtlich dargestellt werden?
  • Kann die ehrenamtliche Mitgliedschaft gleich lang befristet werden wie die hauptamtliche?
  • Können Ehrenamtliche Fachaufsicht über hauptamtliche MitarbeiterInnen (auch in der Pastoral) wahrnehmen?
  • Welche Qualifizierungs-Angebote brauchen die Ehrenamtlichen im Team?
  • Wie gleicht sich der (anfängliche) „Heimvorteil“ der Ehrenamtlichen gegenüber den Hauptamtlichen aus. (Die EA werden voraussichtlich aus der PdZ kommen – die HA eher nicht…)

Viele offene Fragen – was kein Wunder ist: alles, was die TeilprozessGruppe bei diesem Treffen vorstellen konnte, sind Schlaglichter auf den derzeitigen Diskussions-Stand; nur sehr wenig ist schon weitgehend „geklärt“. Viele Schnittstellen und viele Gespräche mit anderen TPG werden schon und sind noch zu führen – sowohl mit der TPG „Verwaltungsprozesse“ (zum breiten Aufgabenfeld „Verwaltung“) als auch vor allem mit der TPG „Rahmenleitbild der PdZ“. Gerade die Gespräche mit dieser TPG werden eine mehr inhaltliche Füllung von Begriffen wie „Kirch-Orte“, „Handlungs- und Teilhandlungs-Felder“ etc bringen, die bei diesem Resonanztreffen doch sehr abstrakt und theoretisch gesetzt erscheinen konnten.

 

Die nächsten Schritte der TPG / weitere Resonanz

Als nächste Schritte hat die TPG angekündigt: Sie dokumentiert, was sie von diesem ersten Resonanz-Treffen mitbekommen hat und wie sie damit weiter umgehen will; darüber informiert sie auch alle, die am Treffen teilgenommen haben. Eventuell gibt es spezielle Rückfragen an alle oder einzelne, gegebenenfalls auch die Bitte um weitere Resonanz – ob in Form eines weiteren Treffens oder in Form einer zB schriftlichen Befragung, wird sich ergeben.

Ein sehr dichter und anspruchsvoller Nachmittag endete damit, dass TPG und Resonanz-Gruppe sich und die heutige und künftige Arbeit ausdrücklich unter das Evangelium stellte – unter anderem mit Matthäus 20,26

„Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“


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Was im Ohr bleibt

Nachklang der Resonanzveranstaltung
zum Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft

Resonanz wahrnehmen bedeutet so viel wie ein Echo auf bisher Gesagtes spüren, gut hinhören… – Die Akustik bei der Resonanzveranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) „Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft“ am 21. April in Trier war ausgesprochen gut. In der inspirierenden Atmosphäre der Aula des Angela-Merici-Gymnasiums wurde jeder gehört, es blieb Raum zum „Mauscheln“, aber auch für eindeutige Töne. Die grundlegende Tendenz, dass die TPG auf dem richtigen Weg sei, war neben vielen konstruktiven Vorschlägen für die Weiterarbeit deutlich wahrnehmbar.

Die großen Linien des bisherigen Erarbeitungs-Prozesses vorstellen und mit Resonanzpartnerinnen und -partnern über die Zwischenergebnisse ins Gespräch kommen: Zu diesem Zweck hatte die TPG Rahmenleitbild rund 90 Akteure der Pfarreien der Zukunft eingeladen, darunter Ehren- und Hauptamtliche, z.B. aus den Bereichen Pastoral, Caritas, Beratung, Schule, Jugendarbeit, sowie Vertreter der Verbände, aus Kommunen und dem Bischöflichen Generalvikariat.

Auftrag der TPG ist es, eine „verbindliche diözesane Rahmensetzung für das kirchliche Handeln in der Pfarrei der Zukunft“ in Form eines Leitbildes zu erarbeiten; sie soll dabei Raum lassen „für die notwendigen Konkretisierungen“ vor Ort (Infos zum Auftrag und zur TPG). Bereits im Auftrag steckt eine Spannung zwischen Verbindlichkeit und Freiheit, die auch am Tag des Resonanztreffens deutlich spürbar wurde: Wie können die Inhalte der Synode nachhaltig und überprüfbar in die Arbeit der Pfarreien der Zukunft einfließen? Welche Formen der Qualitätssicherung soll es geben? Wie kann man diesen Qualitätskriterien verbindliche Gültigkeit zusprechen, ohne die pastoralen Planungen vor Ort einzuengen? „Das Rahmenleitbild soll Lust machen, sich innerhalb des Rahmens zu bewegen. Es soll Raum lassen für Partizipation und lokale Ausgestaltungsmöglichkeiten.“ So Ulrich Stinner, Mitglied des Leitungsteams der TPG. Gleichzeitig müsse das Rahmenleitbild einen weitreichenden Selbstlernprozess anregen und bedürfe der Evaluation.

Lernende Kirche unterwegs

Eine Kirche, die unterwegs ist und in der Menschen und Organisation voneinander lernen wollen: Dort soll es hingehen. Dazu brauche es eine Kultur des Miteinanders und der Begegnung auf Augenhöhe – oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Man muss zu zweit eine Runde drehen.“. Wichtig seien auch Fehlerfreundlichkeit und Offenheit sowie Zeiten der Unterbrechung, betont Rita Schneider-Zuche vom Leitungsteam. „Wer keine Muster unterbricht, kommt nicht in neues Denken.“ Diese Erfahrung habe die TPG selbst auch gemacht. Muster-Unterbrechung lade zur Standortbestimmung, zur Neuvergewisserung ein: Wie gestalten wir die Erstkommunion derzeit? Kann es in Zukunft neue, fruchtbarere Wege geben? Ist immer das Kirchengebäude der Ort für den Gottesdienst oder wäre der Gottesdienst auch in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung denkbar, einem anderen „Ort von Kirche“?

Nicht nur von Muster-Unterbrechung sprechen, sondern diese auch leben: So lautete das Tagesmotto am 21. April. Der Resonanztag wurde kurzerhand genutzt, um die in der TPG kultivierten Haltungen und „Muster des Gelingens“ mit einem größeren Publikum zu erproben und durch neue zu ergänzen. Etwa durch eine Kontaktphase zu Beginn, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Aula spazierten, eine Bewegungseinheit nach der Mittagspause oder eine biblische Unterbrechung zwischendrin… Die neuen Methoden kamen gut an und trugen zu einer dynamischen Arbeitsatmosphäre bei. Über den Tag hinweg wurde motiviert und konzentriert gearbeitet – sogar in der Mittagspause. So wurde aus der Essens-Schlange kurzerhand die „Schlange des Dialogs“.

Konkret: Wie sieht das Rahmenleitbild dann aus?

Was gehört alles in ein solches Rahmenleitbild? Welche Kapitel könnte es möglicherweise haben? Im ersten Block wurde das vorläufige Modell des Rahmenleitbildes mit seinen drei zentralen Elementen diskutiert: „synodaler Rahmen“, „pastoral vor Ort planen und umsetzen“ und „pastorale Arbeit auswerten und weiterentwickeln“. Grundlage sind das Synodendokument und die darin angeregte spirituelle Selbstvergewisserung, die dem diakonisch-missionarischen Handeln in den Pfarreien der Zukunft den Boden bereiten will: Wozu sind wir Kirche und wie gestalten wir als solche gesellschaftliche Herausforderungen im Sozialraum mit? Das Rahmenleitbild soll helfen, die Inhalte der Synode in konkretes Handeln umzusetzen. Wie die Arbeit vor Ort reflektiert und weiterentwickelt werden kann, damit beschäftigt sich schließlich ein weiteres Kapitel.

Das Modell stieß bei den Resonanzpartnerinnen und -partnern auf große Akzeptanz. Stärker differenziert werden müsse noch die Rolle der Haupt- und Ehrenamtlichen; und ganz wichtig sei es, das Rahmenleitbild in einfacher Sprache zu verfassen, für jede und jeden verständlich.

Sinnvolle Begriffe finden / Begriffe miteinander klären

Der Nachmittag stand dann im Zeichen der Begriffsarbeit: Was ist ein „Netzwerk“, was ein „Themenzentrum“? Worin unterscheiden sich „Kirch-Ort“ und „Pfarr-Ort“? Könnte es, ganz im Sinne der Muster-Unterbrechung, sinnvoll sein, von „Orten von Kirche“ statt „Kirchorten“ zu sprechen, um nicht zu schnell nur die alte Pfarrei oder lediglich das Kirchengebäude zu meinen? Ist nicht auch eine katholische Kita „Ort von Kirche“? Kann man vom „Netzwerk Pfarrei der Zukunft“ sprechen oder sind es nicht vielmehr die Akteure, die sich vernetzen? – Die Arbeit an den Begriffen des Rahmenleitbildes und ihrer Trennschärfe gestaltete sich als besonders herausfordernd. „Die Begriffe sind durch die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angereichert worden“, resümiert Dr. Michael Kneib vom Leitungsteam. Der Austausch habe zudem gezeigt, dass man sich fragen müsse: Wie viele Begriffe braucht und wie viele erträgt ein Rahmenleitbild?

Wie geht es nun weiter? Um die Breite der Meinungen einzufangen, brauche es zunächst eine gute Nacharbeit, so das Leitungsteam. Die Ergebnisse nutze man dann für die sich stetig verdichtende Arbeit an den unterschiedlichen Teilaspekten. Außerdem stehe es nun an, Schnittstellen zu anderen TPGs zu bearbeiten. „In jedem Fall“, so versichert das Leitungsteam, „werden die Klänge der Resonanzveranstaltung in der Arbeit der TPG nachschwingen“.

(Dieser Bericht verdankt sich einem Interview mit dem Leitungsteam der TPG „Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft“, bestehend aus Rita Schneider-Zuche, Dr. Michael Kneib und Ulrich Stinner – von Carmen Schröder, Mitglied der AG Kommunikation.)


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erkunden und entdecken…

Es ist immer mal gut, den Alltag zu unterbrechen und sich zu fragen, was eigentlich so läuft und wie es läuft. Viele tun das sowieso jeden Tag, abends oder mal zwischendurch. Schauen zurück und fühlen noch mal, wie das Leben sich angefühlt hat heute, was gelungen ist und was eher weniger rund geblieben ist…

Früher hieß das „Gewissens-Erforschung“; und war oft so ein „Ich stelle fest und bereue, dass ich gesündigt habe…“

Im Wort zum Tag auf SWR 2 habe ich das mal weitergedacht und auf die Erkundung angewendet, die jetzt in den geplanten 35 Pfarreien der Zukunft beginnt – aber lesen oder hören Sie einfach selbst!?

Weil: Ob und wozu die Kirche weiterhin gebraucht wird, das entscheidet sich in erster Linie vor Ort, da,  wo Menschen leben und lieben und glauben. Da ist bestimmt noch viel zu entdecken.

 


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Die Erkundungsphase ist gestartet

Wahrnehmen, hören, fragen, sich interessieren dafür, was die Menschen bewegt, wie sie leben, was ihnen wichtig ist, welchen kirchlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen sie begegnen – das sind wesentliche Aspekte und Fragen in der Erkundung.

Im Synodendokument heißt es: „Eine Kirche, die vom Einzelnen her denkt, sucht den einzelnen Menschen in seiner Lebenswirklichkeit auf und möchte ihn darin verstehen lernen. Vom Einzelnen her denken meint eine fragende, sich interessierende, sich solidarisierende und zugewandte Kirche.“

10 diözesane Erkundungsteams sollen die Erkundung vor Ort auf den Weg bringen. Die Teams sind professionell gemischt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Caritas und Seelsorge, eine Erzieherin und eine Pfarrsekretärin arbeiten darin mit. Sie bringen ihre unterschiedlichen Sichtweisen in die Teams und den Prozess ein. Gemeinsam sind sie in den vergangenen Monaten qualifiziert worden, um mit den Methoden der Sozialraumerkundung die Aufgabe der Erkundung anzugehen.

Auf der Homepage unter www.erkundung.bistum-trier.de finden Sie die Teams und welchen Pfarreien der Zukunft sie zugeordnet sind.

Die Teams werden Kontakte aufnehmen, aber auch Sie können Kontakt aufnehmen, wenn Sie sich für die Erkundung interessieren, denn die Erkundungsphase soll ein gemeinsamer und beteiligungsorientierter Prozess sein mit interessierten Personen und Gruppen von vor Ort. Erkunden ist immer exemplarisch, nie vollständig, aber es werden  Anknüpfungspunkte entstehen, die für die Pfarrei der Zukunft wichtige Hinweise enthalten, wie sie sich gestalten kann, wo sie ihre Schwerpunkte sieht und was ihr wichtig ist.

Auf dem Weg der Erkundung wünschen wir allen gute Begegnungen, ein offenes Ohr und ein waches Auge für das Unbekannte und Neue. In dem Gottesdienst zur Sendung der Erkunderinnen und Erkunder mit Bischof Dr. Stephan Ackermann heißt es in dem Segensgebet, das gemeinsam gesprochen wurde: „Er schenke uns ein feines Gespür und ein offenes Herz, dass wir nicht nur die Sprache der Menschen verstehen, sondern auch, was deren Seele schreibt und ihre Träume nährt.“ (H. Jung)

Aus dem Synodenbüro, Edith Ries


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Transparenz durch Kommunikation. Ein Tag mit den Führungskräften der mittleren Ebene am 5. Februar 2018

Den gemeinsamen Tag der Führungskräfte der mittleren Ebene im Bistum Trier eröffnet Generalvikar Ulrich von Plettenberg mit der Bitte um eine “Haltung des Vertrauens und des Wohlwollens”: Auch wenn mein Gegenüber anderer Meinung ist, möchte ich davon ausgehen, dass er nur das Beste will.

An diesem ereignisreichen und vielfältigen Tag konnten wir von dieser Haltung durchaus Gebrauch machen. Aus Sicht der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung haben wir den Austausch begrüßt. Die Synode hat einen tiefgehenden Veränderungsprozess angestoßen und Führungskräfte – hier: Dechanten, Direktorinnen und Direktoren der Orts-Caritasverbände sowie Abteilungsleitungen im Bischöflichen Generalvikariat und im Diözesan-Caritasverband – haben einen wichtigen Auftrag. Von ihnen wird nicht nur erwartet, die eigene Unsicherheit und die Vorläufigkeiten eines solchen Prozesses auszuhalten, sondern auch die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, auf den Weg der Umsetzung mitzunehmen, zu informieren und veränderte Haltungen einzuüben.

Der Generalvikar verdeutlichte diese wichtige Rolle: „Sie sind Vermittlerinnen und Vermittler, um die Veränderungen positiv zu gestalten. Sie können eine Wirkung in der Kommunikation entfalten!” Das Ziel dieser Veranstaltung und ein Merkmal des Prozesses sollten denn auch sein, “Transparenz durch Kommunikation” und “Loyalität durch Partizipation” zu ermöglichen. Die Beteiligung möglichst vieler Personen in der Synodenumsetzung und das Einholen von Rückmeldungen soll das synodale Prinzip stärken. “Durch Vorschläge mitgestalten und bereichern!”, dazu lud der Generalvikar ein.

Für Transparenz im Prozess zu sorgen ist wichtig. Wir begegnen zahlreichen Verunsicherungen, der Bedarf an Information ist hoch, außerdem kommt es darauf an, dass viele Menschen Vertrauen gewinnen können. Die Fragen vieler Leute „Ist das Bistum in diesem Prozess in die richtige Richtung unterwegs? Werden die Bedenken der Haupt- und Ehrenamtlichen genügend berücksichtigt?“ lassen sich nicht nur durch Informationen beantworten. Die vom Generalvikar zu Beginn der Veranstaltung beschriebene Haltung, in der Position des anderen zunächst mal das Gute erkennen zu wollen, ist grundlegend für diese tiefgreifende Veränderung.

„Kommunikationsprozesse sind zentral, auch zukünftig für die netzwerkartige Organisation der Pfarrei”, so der Generalvikar. Um diese Transparenz vorzuleben, waren die Teilprozessgruppen eingeladen, ihren Auftrag und ihren Arbeitsprozess kurz zu präsentieren und für einen Austausch zur Verfügung zu stehen.

In der Veranstaltungsplanung im Vorfeld war das ein heikler Punkt, und auch im Verlauf des Tages. Die Teilprozessgruppens hatten den Auftrag, in knapper Zeit einen Einblick zu geben in ihren Auftrag und den Arbeitsprozess. Zudem konnten noch nicht alle Teilprozessgruppen bereits an einem Punkt sein, konkrete Zwischenergebnisse zeigen zu können. Dies deutlich gemacht zu haben, war einerseits ein Zeichen der Transparenz, andererseits haben sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch enttäuscht darüber gezeigt. Dies war wohl durch falsche Erwartungen vorprogrammiert. Eine selbstkritische Reflexion der Veranstaltungsplanung ist angesagt.

Einige Dechanten haben in den beiden Plenumsrunden dies sehr deutlich gemacht: Wir hätten mehr erwartet. Es werde zwar gut, schnell und intensiv gearbeitet, aber die Erarbeitung brauche insgesamt zu viel Zeit. Auf die Ergebnisse werde dringend gewartet.

Eine schwierige Situation für die Teilprozessgruppen, aber auch für uns in der Steuerungsgruppe. Denn in der Rückmeldung am Nachmittag wurde die Aufstellung des Umsetzungsprozess kritisch hinterfragt: Können die Teilprozessgruppen ihr Zeitziel erreichen? Ist die Aufteilung der Themen in unterschiedliche Teilprozessgruppen der richtige Weg? Werden nicht zu viele Schnittstellen generiert, die in ihrer Komplexität nicht mehr zu durchschauen sind? Wie werden die Schnittstellen organisiert und gesteuert auf ein gemeinsames Ergebnis hin?

In der Runde gibt es aber auch sehr konstruktive Vorschläge: Veränderte Arbeitsformen der TPGs, eine Art Vollversammlung aller Gruppen usw. könnten durch die Synode erprobte Verfahrensweisen sein, die jetzt eingesetzt werden können.

Nach dem nachmittäglichen Austausch der Teilgruppen haben die Vertreterinnen und Vertreter der Caritasverbände ihre Bereitschaft deutlich gemacht, weiter kommunikativ in dem Umsetzungsprozess zu wirken, ihre Strukturen und Netzwerke zur Verfügung zu stellen und daran mitzuarbeiten, die von der Synode angeregte Zusammenarbeit zwischen Seelsorge und Caritas zu verstärken. Dazu brauche es aber auch eine Verständnishilfe für die unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Rechtsrahmen.

Die Mitglieder des Leitungsforums des Bischöflichen Generalvikariats haben ebenfalls auf die Komplexität des Prozesses hingewiesen. Die Gefahr, den Prozess, in dem die Teilprozessgruppen die Konzepte erarbeiten, zu wenig zu steuern, sahen auch sie als Problemanzeige.

Das trifft wiederum die Herausforderungen, die uns als Steuerungsgruppe in den letzten Wochen umtreiben. Aus unserer Sicht gewinnen die Konzepte, die die Teilprozessgruppen erarbeiten, nach und nach Stabilität. Der Zeitplan präzisiert sich. Meilensteine werden erkennbar und prüfbar. Das konnten wir aber noch nicht so darstellen, dass es für alle übersichtlich wird. Aber auch für uns ist klar: Der Prozess braucht eine regelmäßige Steuerung, Risikobewertung, Ergebnissicherung, Abstimmung.

Das Format des Treffens wurde generell positiv bewertet, mit der Einschränkung, dass zu dem gesetzten Termin für manche zu wenig Neues dabei war.

Für unsere Arbeit in der Steuerungsgruppe war der Tag ein erster Schritt, um die Aufgaben und Funktionen der mittleren Führungskräfte und ihre Bedeutung für die Zukunft in den Blick zu nehmen. Die Hinweise der Führungskräfte, dass ihr Auftrag genauer zu beschreiben sei, sind richtig. Hier liegt eine Aufgabe für die Bistumsleitung. Für die Dekanate als Ebene und mithin für die Dechanten stellt sich die Situation auch sehr unterschiedlich dar: manche Dekanate sind in ihren Grenzen fast identisch mit Pfarreien der Zukunft, andere haben kaum Entsprechung mit der zukünftigen Struktur. „Führung im Übergang“ hat je nach Situation einen anderen Fokus.

In den nächsten Wochen und Monaten stehen weitere Schritte des Austauschs und der Resonanz an, sei es das Zwischenergebnisse der Teilprozessgruppen in der Leitungskonferenz zu besprechen sind, sei es dass es Resonanzveranstaltungen der Gruppen geben wird oder einen Workshop für alle Interessierte während der Heilig-Rock-Tage.

Dabei werden wir sicherlich wieder erleben: die Kirche insgesamt, aber besonders das Bistum Trier hat sich auf „Entwicklungsmodus“ gestellt. Bislang war die Bistumsleitung daran gewöhnt, vor allem endgültige Entscheidungen zu kommunizieren und damit die Leute vor vollendete Tatsachen zu stellen. Umgekehrt waren die Leute im Bistum gewöhnt, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nun gilt für alle im Bistum Trier: das Aushalten von Vorläufigem, das Leben mit dem Unfertigen ist vielleicht der stärkste Ausdruck einer synodalen Kirchenentwicklung. Dass immer wieder Nur-Zwischenergebnissen vorliegen, macht die Kommunikation komplexer und ist gewöhnungsbedürftig. Dieser Prozess- bzw. Wegcharakter wird von Dauer sein. Das Bedürfnis nach Sicherheit wird die Leitung nur in einigen grundlegenden und richtungsweisenden Vorgaben befriedigen können. Das synodale Prinzip in einer dynamischen Gesellschaft zu leben, heißt auch Leitung neu justieren und neu lernen. Für die Pfarreien der Zukunft ist das ein expliziter Arbeitsauftrag in der Synodenumsetzung. In diesen Kulturwandel sind aber alle Führungskräfte involviert.

 Anja Peters/Christian Heckmann


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Eine tragfähige Balance finden

Resonanz-Tag der Teilprozessgruppe „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüros der Zukunft“

„Eine tragfähige Balance finden zwischen verbindlicher Standardisierung einerseits und Freiraum für lokale und individuelle Lösungen andererseits“ – das ist eine der Vorgaben, mit denen die TPG am 27. Januar in ihre Resonanz-Veranstaltung gegangen ist. Sie konnte Zwischenergebnisse vorstellen und erste Reaktionen von Fachleuten einholen; eingeladen waren auch Frauen und Männer, die im Frühjahr 2017 ihre Mitarbeit als Resonanz-Partner*innen angeboten hatten. Vierzig Menschen aus Pfarrbüros, Verwaltungsräten, pastoralen Berufen und Rendanturen haben einen intensiven Arbeitstag im Robert Schuman-Haus verbracht. Die TPG war dankbar, dass sich alle auf hohem Niveau und sehr konzentriert einbringen konnten.

283 Verwaltungsprozesse hat die TPG identifiziert – dazu gehören alltägliche Vorgänge im Pfarrbüro wie die Anmeldung eines Kindes zur Taufe oder die „Bestellung“ einer Messe; es geht aber auch um die Vermietung von Räumen, Personal-Abrechnung von Mitarbeiterinnen, Ausschreibung einer Stelle… Jedenfalls ist klar, dass die TPG bestenfalls einige wenige Prozesse im Detail neu beschreiben kann („Was ist in welcher Reihenfolge zu tun, wenn…“); sie geht aber davon aus, dass sie genug exemplarische Prozessebis zum Sommer so bearbeiten kann, dass diese dann als Modell für fast alle ähnlichen „Fälle“ dienen werden. Die Teilnehmer*innen des Resonanztreffens haben die TPG darin bestätigt.

Überhaupt sah sich die TPG insgesamt weniger kritischen Anfragen ausgesetzt, als sie wohl selbst erwartet oder befürchtet hatte. Die vielen Praktikerinnen aus dem Alltag der heutigen Pfarrbüros, aus Verwaltungsräten oder Bischöflichen Einrichtungen fanden sich und ihre Arbeit offenbar richtig gesehen und wertgeschätzt.

Breiten Raum nahmen beim Resonanztreffen die drei wesentlichen Schritte ein, die die TPG vorschlagen will:

  1. Verzichtet wird auf eine „mittlere Verwaltungs-Ebene“ (wie etwa die bisherigen Dekanate und Rendanturen). Damit versteht sich das Bistum als Unterstützungs-Ebene für die Pfarreien der Zukunft.
  2. Es wird in der Pfarrei der Zukunft mehrere lokale Pfarrbüros geben,
    aber jeweils nur ein Verwaltungszentrum.

    • In den Pfarrbüros finden die Leute regelmäßig jemand, der oder die ansprechbar ist, Wünsche und Bestellungen entgegennimmt – ein wenig wie das bisherige Pfarrbüro, wenn auch mit ggfs eingeschränkten Öffnungszeiten.
    • Das Verwaltungszentrum versteht sich eher als „back office“, arbeitet also mehr im Hintergrund und weniger mit direktem Publikumsverkehr. Es verwaltet „die Bücher“ (von Kassenbüchern bis zu Tauf- und Familienbüchern…), erledigt alle Aufgaben, die „mit Trier“ (also mit dem Bistum) abgestimmt werden müssen. Hier ist auch der Dienstsitz des Leitungsteams und die verlässlich erreichbare Adresse für seelsorgliche Fragen.
  3. Definiert und modelliert werden jetzt die Prozesse, die künftig in der Pfarrei der Zukunft oder im Bistum angesiedelt sein werden. Dafür soll gelten:
    • Die ersten Schritte von Verwaltungsprozessen und alle Fragen der Entscheidung und inhaltlichen Gestaltung liegen in der Pfarrei der Zukunft
    • Was für viele und standardisiert (und damit effektiver) erledigt werden kann, erledigt das Bistum als Dienstleister für die Pfarrei(en) der Zukunft

Noch sehr offen ist, wie sich der Übergang aus dem jetzigen Betrieb („Ist“) ins Pfarrbüro der Zukunft („Soll“) gestalten wird. Da muss sich die TPG vorerst auf die Beschreibung des „Soll“ konzentrieren. Spätestens mit dem Übergang in die Pfarrei der Zukunft aber muss vor Ort und im ganzen Bistum vieles schnell geklärt werden. Besondere Herausforderungen sieht die TPG in den Fragen, wie das vorhandene Verwaltungspersonal neu eingesetzt werden soll und wie es für seine veränderten Aufgaben (weiter)qualifiziert wird.

Und eine weitere Aufgabe wird jedenfalls bleiben: Alle in der Praxis (Sekretärinnen und Pfarrer, Gemeindereferentinnen und Kirchenmusiker und Verwaltungsrats-Mitglieder) müssen dafür gewonnen werden, die bistumsweiten Standards zu übernehmen, auch wenn sie bislang anders auch schon gut gearbeitet haben. Das soll Professionalität und Effizienz der Verwaltung im ganzen Bistum sichern – und zugleich neue Freiräume schaffen für das lokale Gestalten und für individuelle Lösungen.

(Dieser kurze Bericht verdankt sich einem Interview mit Thomas Equit, Saarbrücken, Mitglied des Leitungsteams der TPG „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüro der Zukunft“ – von altfried g. rempe, Mitglied der AG Kommunikation.)


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Wir sind Pfarrei

Mein Dorf. Meine Kirche. Mein Pfarrer. Es ist wie in der bekannten Werbung für ein Bankinstitut. Sobald jemand das Wort „Pfarrei“ in den Mund nimmt, legt jemand in meinem Kopf drei Polaroidbilder auf den Tisch: Ein idyllisches Dörfchen, in dem jeder jeden kennt. Eine Kirche mit Turm und Glocke, die jede volle Stunde und sämtliche Gottesdienste einläutet. Und eben einen – nein, MEINEN Pfarrer, der in seiner schwarzen Soutane mit Römerkragen und Hut mit breiter Krempe auf dem Fahrrad durch eben jenes idyllische Dörfchen zu seiner Kirche radelt. Das klingt ein bisschen nach Don Camillo oder Pater Brown, die noch im Fernsehen und in Schwarzweiß unterwegs zu ihren Schäfchen waren. Aber ganz im Ernst: Auch wenn die Bilder in meinem Kopf vielleicht relativ wenig mit der Realität zu tun haben, repräsentieren sie trotzdem das unverrückbare Bild, das ich mit „Pfarrei“ verbinde: Mein Dorf, meine Kirche, mein Pfarrer. Das ist das, was ich unter Pfarrei verstehe.

Und was macht das Bistum Trier? Mit der Umsetzung der Synode kommen plötzlich gigantische Pfarreien auf uns zu, die sich über hunderte Quadratkilometer erstrecken, in denen zigtausende Menschen leben und für die es nur noch einen Pfarrer geben soll? Soll ich dann jeden Sonntag 3 Stunden fahren, um eine Messe besuchen zu können? Wer soll in so einer gigantischen Pfarrei überhaupt noch das Läuten vom Kirchturm hören? Ganz zu schweigen davon, dass ich die unzähligen Gemeindemitglieder, die in so einer riesigen Pfarrei leben, doch überhaupt gar nicht alle kennen kann. Wie soll denn da Gemeinschaft entstehen? Ich habe das Gefühl, das Bistum will mit der Umsetzung der Synode die ganzen schönen Bilder, die ich von Pfarrei habe, einfach vom Tisch fegen. Als wären sie nichts wert.

Wenn aber die drei Polaroidfotos in meinem Kopf eine Metapher für ein – zugegebenermaßen – ideales Bild von Pfarrei sind: dann ist der Tisch, auf dem die Bilder liegen, auch eine Metapher. Eine Metapher für die Gemeinschaft, die die Pfarrei trägt. Also für mich und für alle Christinnen und Christen in meiner Pfarrei.

Und jeder von uns hat sein ganz eigenes Bild, seine eigene Vorstellung von Pfarrei, die auf unserem gemeinsamen Tisch liegen. Und sie alle stimmen. Meine Pfarrei ist ein Dorf, eine Kirche und ein Pfarrer, so wie ich mir das vorstelle. Aber da gibt es auch noch den Kindergarten und die Schule. Die gehören auch dazu. Da sind auch noch die Pfadfinder und die vielen Jugendgruppen. Die Katholische Bücherei. Da gibt es die Seniorennachmittage, die Treffen der kfd. Und zu meiner Pfarrei gehört auch die Caritas, die mit ihren Krankenhäusern, ihren Beratungsstellen, mit ihren Altenheimen und Pflegediensten überall ist. Da gibt es einen Sozialdienst, der sich um Menschen in Not kümmert. Das gibt es einen Chor. Da gibt es unzählige Aktionen, Initiativen, Vereine, Fördervereine und Projekte.

All das existiert in meiner Pfarrei. All das liegt auf dem Tisch. Und noch viel, viel mehr. Ein ganzes Fotoalbum mit Polaroids würde nicht ausreichen, um die Vielfalt zu zeigen, die in meiner, die in jeder Pfarrei existiert. Aber das Allerbeste ist: Der Tisch, der die Pfarrei trägt, den wir zusammen bilden, ist riesig und bietet mehr als genug Platz für all die Fotos. Ja, der Tisch kennt keine Grenzen. Wie zum Beispiel die Caritasverbände im Saarland, die miteinander kooperieren und dabei auch keine Rücksicht auf die Bistumsgrenze, die das Saarland durchzieht, nehmen: Trier – Speyer, völlig egal, wenn es um die Sache geht. Sie gehören auch zu meiner Pfarrei. Zur Pfadfindergruppe in meiner Pfarrei kommen nicht nur die Kinder aus meinem Dorf. Sie kommen von überall her, weil es ihnen hier gefällt und sie sich wohlfühlen. Oder die Gemeindereferentin aus meiner Pfarrei, die in der Schule im Nachbardorf Religionsunterricht gibt.

Pfarrei ist eben sehr viel mehr als mein Dorf, meine Kirche, mein Pfarrer. Sie ist mehr als nur die drei Polaroidfotos, die ich auf den Tisch gelegt habe. Pfarrei ist der Tisch, auf dem all die Bilder von Pfarrei liegen – eine große und lebendige Gemeinschaft. Und die lebt nicht von einem Glockenturm, von bestimmten Grenzen oder einer einzigen Person. Eine lebendige Gemeinschaft ist der Einsatz, der Wille und die Kraft jeder und jedes Einzelnen, die oder der sich mit anderen zusammenschließt. Mit einem, mit zweien, mit hunderten oder tausenden. Gemeinschaft gibt es überall, im Großen und im Kleinen. Das ist das, was hinter den Bildern von Pfarrei, hinter den Polaroids steht: der Tisch, auf dem sie liegen. Und dieser Tisch wird nicht weggeräumt. Er bleibt stehen, auch wenn Pfarrei in Zukunft nicht mehr das sein wird, was es bisher vielleicht war oder gewesen sein soll. Dieser Tisch, das sind wir, die Christinnen und Christen im Bistum Trier. Wir werden nicht weggeräumt. Aber auch wenn jeder von uns ein eigenes Bild im Kopf hat, was Pfarrei sein soll, sind wir nur zusammen Pfarrei. Und welche Bilder in Zukunft auf dem Tisch liegen werden – das bestimmen wir! Wir bestimmen, was Pfarrei in Zukunft heißt, weil wir Pfarrei sind und schon immer waren. Und die Synode möchte diesen Tisch nicht wegräumen. Im Gegenteil: Sie gibt ihm Platz. Gibt ihm und damit uns allen die Möglichkeit, größer zu werden, neue Bilder zu entdecken und auf den Tisch zu legen, mehr Verantwortung zu übernehmen und fester und stabiler zu sein in der Gemeinschaft.

Durch die Umsetzung der Synode in unserem Bistum werden die Bilder, die ich von Pfarrei hatte – das Dorf, die Kirche, der Pfarrer  – nicht weggeworfen. Sie werden ergänzt. Und der Tisch, auf dem sie liegen, wird größer und weiter. Denn wir sind viele. Wir stehen zusammen. Wir sind Pfarrei.

Dominik Holl, Bischöfliche Pressestelle Saarbrücken