heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Transparenz durch Kommunikation. Ein Tag mit den Führungskräften der mittleren Ebene am 5. Februar 2018

Den gemeinsamen Tag der Führungskräfte der mittleren Ebene im Bistum Trier eröffnet Generalvikar Ulrich von Plettenberg mit der Bitte um eine “Haltung des Vertrauens und des Wohlwollens”: Auch wenn mein Gegenüber anderer Meinung ist, möchte ich davon ausgehen, dass er nur das Beste will.

An diesem ereignisreichen und vielfältigen Tag konnten wir von dieser Haltung durchaus Gebrauch machen. Aus Sicht der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung haben wir den Austausch begrüßt. Die Synode hat einen tiefgehenden Veränderungsprozess angestoßen und Führungskräfte – hier: Dechanten, Direktorinnen und Direktoren der Orts-Caritasverbände sowie Abteilungsleitungen im Bischöflichen Generalvikariat und im Diözesan-Caritasverband – haben einen wichtigen Auftrag. Von ihnen wird nicht nur erwartet, die eigene Unsicherheit und die Vorläufigkeiten eines solchen Prozesses auszuhalten, sondern auch die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, auf den Weg der Umsetzung mitzunehmen, zu informieren und veränderte Haltungen einzuüben.

Der Generalvikar verdeutlichte diese wichtige Rolle: „Sie sind Vermittlerinnen und Vermittler, um die Veränderungen positiv zu gestalten. Sie können eine Wirkung in der Kommunikation entfalten!” Das Ziel dieser Veranstaltung und ein Merkmal des Prozesses sollten denn auch sein, “Transparenz durch Kommunikation” und “Loyalität durch Partizipation” zu ermöglichen. Die Beteiligung möglichst vieler Personen in der Synodenumsetzung und das Einholen von Rückmeldungen soll das synodale Prinzip stärken. “Durch Vorschläge mitgestalten und bereichern!”, dazu lud der Generalvikar ein.

Für Transparenz im Prozess zu sorgen ist wichtig. Wir begegnen zahlreichen Verunsicherungen, der Bedarf an Information ist hoch, außerdem kommt es darauf an, dass viele Menschen Vertrauen gewinnen können. Die Fragen vieler Leute „Ist das Bistum in diesem Prozess in die richtige Richtung unterwegs? Werden die Bedenken der Haupt- und Ehrenamtlichen genügend berücksichtigt?“ lassen sich nicht nur durch Informationen beantworten. Die vom Generalvikar zu Beginn der Veranstaltung beschriebene Haltung, in der Position des anderen zunächst mal das Gute erkennen zu wollen, ist grundlegend für diese tiefgreifende Veränderung.

„Kommunikationsprozesse sind zentral, auch zukünftig für die netzwerkartige Organisation der Pfarrei”, so der Generalvikar. Um diese Transparenz vorzuleben, waren die Teilprozessgruppen eingeladen, ihren Auftrag und ihren Arbeitsprozess kurz zu präsentieren und für einen Austausch zur Verfügung zu stehen.

In der Veranstaltungsplanung im Vorfeld war das ein heikler Punkt, und auch im Verlauf des Tages. Die Teilprozessgruppens hatten den Auftrag, in knapper Zeit einen Einblick zu geben in ihren Auftrag und den Arbeitsprozess. Zudem konnten noch nicht alle Teilprozessgruppen bereits an einem Punkt sein, konkrete Zwischenergebnisse zeigen zu können. Dies deutlich gemacht zu haben, war einerseits ein Zeichen der Transparenz, andererseits haben sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch enttäuscht darüber gezeigt. Dies war wohl durch falsche Erwartungen vorprogrammiert. Eine selbstkritische Reflexion der Veranstaltungsplanung ist angesagt.

Einige Dechanten haben in den beiden Plenumsrunden dies sehr deutlich gemacht: Wir hätten mehr erwartet. Es werde zwar gut, schnell und intensiv gearbeitet, aber die Erarbeitung brauche insgesamt zu viel Zeit. Auf die Ergebnisse werde dringend gewartet.

Eine schwierige Situation für die Teilprozessgruppen, aber auch für uns in der Steuerungsgruppe. Denn in der Rückmeldung am Nachmittag wurde die Aufstellung des Umsetzungsprozess kritisch hinterfragt: Können die Teilprozessgruppen ihr Zeitziel erreichen? Ist die Aufteilung der Themen in unterschiedliche Teilprozessgruppen der richtige Weg? Werden nicht zu viele Schnittstellen generiert, die in ihrer Komplexität nicht mehr zu durchschauen sind? Wie werden die Schnittstellen organisiert und gesteuert auf ein gemeinsames Ergebnis hin?

In der Runde gibt es aber auch sehr konstruktive Vorschläge: Veränderte Arbeitsformen der TPGs, eine Art Vollversammlung aller Gruppen usw. könnten durch die Synode erprobte Verfahrensweisen sein, die jetzt eingesetzt werden können.

Nach dem nachmittäglichen Austausch der Teilgruppen haben die Vertreterinnen und Vertreter der Caritasverbände ihre Bereitschaft deutlich gemacht, weiter kommunikativ in dem Umsetzungsprozess zu wirken, ihre Strukturen und Netzwerke zur Verfügung zu stellen und daran mitzuarbeiten, die von der Synode angeregte Zusammenarbeit zwischen Seelsorge und Caritas zu verstärken. Dazu brauche es aber auch eine Verständnishilfe für die unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Rechtsrahmen.

Die Mitglieder des Leitungsforums des Bischöflichen Generalvikariats haben ebenfalls auf die Komplexität des Prozesses hingewiesen. Die Gefahr, den Prozess, in dem die Teilprozessgruppen die Konzepte erarbeiten, zu wenig zu steuern, sahen auch sie als Problemanzeige.

Das trifft wiederum die Herausforderungen, die uns als Steuerungsgruppe in den letzten Wochen umtreiben. Aus unserer Sicht gewinnen die Konzepte, die die Teilprozessgruppen erarbeiten, nach und nach Stabilität. Der Zeitplan präzisiert sich. Meilensteine werden erkennbar und prüfbar. Das konnten wir aber noch nicht so darstellen, dass es für alle übersichtlich wird. Aber auch für uns ist klar: Der Prozess braucht eine regelmäßige Steuerung, Risikobewertung, Ergebnissicherung, Abstimmung.

Das Format des Treffens wurde generell positiv bewertet, mit der Einschränkung, dass zu dem gesetzten Termin für manche zu wenig Neues dabei war.

Für unsere Arbeit in der Steuerungsgruppe war der Tag ein erster Schritt, um die Aufgaben und Funktionen der mittleren Führungskräfte und ihre Bedeutung für die Zukunft in den Blick zu nehmen. Die Hinweise der Führungskräfte, dass ihr Auftrag genauer zu beschreiben sei, sind richtig. Hier liegt eine Aufgabe für die Bistumsleitung. Für die Dekanate als Ebene und mithin für die Dechanten stellt sich die Situation auch sehr unterschiedlich dar: manche Dekanate sind in ihren Grenzen fast identisch mit Pfarreien der Zukunft, andere haben kaum Entsprechung mit der zukünftigen Struktur. „Führung im Übergang“ hat je nach Situation einen anderen Fokus.

In den nächsten Wochen und Monaten stehen weitere Schritte des Austauschs und der Resonanz an, sei es das Zwischenergebnisse der Teilprozessgruppen in der Leitungskonferenz zu besprechen sind, sei es dass es Resonanzveranstaltungen der Gruppen geben wird oder einen Workshop für alle Interessierte während der Heilig-Rock-Tage.

Dabei werden wir sicherlich wieder erleben: die Kirche insgesamt, aber besonders das Bistum Trier hat sich auf „Entwicklungsmodus“ gestellt. Bislang war die Bistumsleitung daran gewöhnt, vor allem endgültige Entscheidungen zu kommunizieren und damit die Leute vor vollendete Tatsachen zu stellen. Umgekehrt waren die Leute im Bistum gewöhnt, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nun gilt für alle im Bistum Trier: das Aushalten von Vorläufigem, das Leben mit dem Unfertigen ist vielleicht der stärkste Ausdruck einer synodalen Kirchenentwicklung. Dass immer wieder Nur-Zwischenergebnissen vorliegen, macht die Kommunikation komplexer und ist gewöhnungsbedürftig. Dieser Prozess- bzw. Wegcharakter wird von Dauer sein. Das Bedürfnis nach Sicherheit wird die Leitung nur in einigen grundlegenden und richtungsweisenden Vorgaben befriedigen können. Das synodale Prinzip in einer dynamischen Gesellschaft zu leben, heißt auch Leitung neu justieren und neu lernen. Für die Pfarreien der Zukunft ist das ein expliziter Arbeitsauftrag in der Synodenumsetzung. In diesen Kulturwandel sind aber alle Führungskräfte involviert.

 Anja Peters/Christian Heckmann


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Auf der Suche. Eindrücke von der Resonanzveranstaltung in Saarbrücken am 16. Juni

Gut 200 Leute kamen zur Kirche der Jugend eli.ja nach Saarbrücken, um über den Entwurf zur Raumgliederung und natürlich auch über den gesamten Veränderungsprozess, den die Synode angestoßen hat, zu sprechen.

„Wer sich auf den Geist Gottes einlässt, kann Dinge tun, die er vorher selbst nicht gedacht hätte!“ Das sagt Regina Schröder, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt „Frauen(t)raum“ im Dekanat Völklingen. Und das hat mich wie viele andere berührt. Viel von dem, was den Synodalen in ihren Beratungen wichtig war, bringt sie damit zum Ausdruck: der Herr ist bei seiner Kirche, er ermutigt uns zum Handeln, so entstehen neue Möglichkeiten. Auch Bischof Stephan legt zum Ende der Veranstaltung ein deutliches Bekenntnis zum Synodenprozess ab: die intensive Beratung der Synodalen, ihr Engagement für die Kirche, das gemeinsame Ringen und Beten, damit will der Herr uns nicht in die Irre führen. „Davon bin ich überzeugt und dieses Bekenntnis will ich hier auch vor Ihnen ablegen.“

In der Veranstaltung ist aber auch deutlich geworden, was mich seit Ende der Synode bewegt und uns im Synodenbüro  motiviert, sehr viel in Veranstaltungen zu investieren: die Synodenergebnisse, die Qualität des Prozess, ja selbst die Kernaussagen – die Perspektivwechsel – lassen sich nur schwer über Papier vermitteln. Viele Statements in Saarbrücken sprachen das auch aus: Unverständnis für den Prozess, Verärgerung, dass es nur um eine Strukturreform gehe, Angst davor, die Grundlage des eigenen Engagements zu verlieren. „Ich bin enttäuscht von der Synode. Warum wird nicht zuerst über den Glauben gesprochen?“, sagt eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Diskussion. Von der Synode versteht man mehr, wenn man miteinander darüber spricht. Ich bin sehr involviert in dem Prozess, lerne aber durch jede Begegnung auch noch etwas mehr.

Es gibt starke Statements in Saarbrücken. Das gefällt mir. Sie erhalten viel Applaus, sowohl diejenigen, die deutliche Kritik am Vorgehen des Bistums äußern, als auch die, die dazu aufrufen, die Möglichkeiten, die in dem Veränderungsprozess stecken zu ergreifen und sich von der eigenen Angst nicht in die Enge treiben zu lassen. Mein Fazit: Das Volk Gottes ist auf der Suche. Zwar gibt es einige Rückmeldungen, die fordern, es sei genug mit den Veränderungen, man brauche Zeit, damit es sich langsam entwickle. Andere aber sagen deutlich: es gibt den Punkt nicht, an dem alles so ist, wie es sein soll. Mit Unfertigem muss man leben. Die Synode hat viel ausgelöst, nicht zuletzt durch die Frage: „Wozu ist die Kirche da?“ In Saarbrücken wird deutlich: Die Kirche, das ist eine gemeinsame Sache. So will ich das synodale Prinzip, auf das es ankommt, mal mit meinen Worten beschreiben. In aller Unterschiedlichkeit der Positionen. Und da ist es äußerst sympathisch, wenn sich ein Bürgermeister in die Diskussion einmischt. Dr. Armin König aus Illingen stellt seine Statement zum Nachlesen online: http://arminkoenig.de/blog/2017/06/17/seelenlose-bistumsglaubensverwaltungsreform/

Da merkt man doch: es geht um was. Zwar kann ich ihm nicht in allem folgen: Er wirft dem Bistum vor, die Leute würden nicht gefragt. Aber was läuft denn gerade? Der Bürgermeister kann doch diesen Ort der Resonanzveranstaltung nutzen – macht er ja auch, wie man sieht. Insgesamt sind im Bistum seit Mitte Mai mehrere Tausend Menschen zu den Resonanzveranstaltungen zusammengekommen. Und es gibt die Möglichkeit schriftliche Rückmeldungen zu geben. Auch davon wird vielhundertfach Gebrauch gemacht. Ich sehe täglich, mit welcher Mühe die Teilprozessgruppe Raumgliederung an die Auswertung geht. Und dass eine Diskussion mit einem Entwurf beginnt, weiß er als Politiker doch nur zu gut.

Es sei eine seelenlose Verwaltungsreform, meint er weiter: die Kirche würde sich abschaffen. Er leiht damit seine prominente Stimme vielen, die das befürchten. Das finde ich gut an seiner Einlassung. Inhaltlich widerspreche ich: der Synode geht es um die Gestaltung des christlichen Glaubens in Zeiten rasanter Veränderungen. Sich in einer solchen Situation sehr ernsthaft die Frage zu stellen, wie die äußeren Rahmenbedingungen zu setzen sind, damit wir den noch größeren Veränderungen in der religiösen Einstellung der Menschen dialogfähig und vom Einzelnen her begegnen können, ist nicht seelenlos. Auch wenn man über einzelne Schritte, Maßnahmen und natürlichen Pfarreigliederungsvorschläge streiten kann.

Die gemeinsame Aufgabe der Christinnen und Christen im Bistum Trier fasst ein langjährig engagierter Mann zusammen: „Wir sind doch alle Seelsorger. Wichtig ist, dass wir einandern ergänzen.“

Es bleibt spannend. Klare Statements wie in Saarbrücken tun gut.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Wie geht es weiter mit der Personalisierung der Teilprozessgruppen?

Die Leitungskonferenz des Bischöflichen Generalvikariats hat im Mai die Entscheidungen zur Personalisierung der Teilprozessgruppen Leitungsteam und Aufbauorganisation Pfarrei der ZukunftVerwaltungsprozesse und Pfarrbüros in den Pfarreien der Zukunft und Rahmenleitbild Pfarrei der Zukunft getroffen. Es laufen gerade die Verfahren mit den zuständigen Mitarbeitervertretungen. Diejenigen, die für diese Teilprozessgruppen ihr Interesse bekundet haben, werden ab nächster Woche benachrichtigt. Weitere Personalisierungsentscheidungen vor der Sommerpause gibt es vermutlich noch für die Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung, möglicherweise noch für die Teilprozessgruppe Synodales Prinzip. Die weiteren Personalisierungen erfolgen dann ab August.

Wir entschuldigen uns, dass die Verfahren länger dauern als bisher angekündigt. Wir haben die Dauer der Auswahl und der damit zusammenhängenden Gespräche und Verfahren falsch eingeschätzt. Nun sind wir aber endlich einen Schritt weiter und die Arbeit der Teilprozessgruppen kann bald starten. Viele warten auf die Konkretisierungen der Synodenbeschlüsse für die Pfarreien der Zukunft und die gesamte Kirche im Bistum und ihrer Caritas. Die Teilprozessgruppen werden einen wesentlichen Beitrag dafür leisten.

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Was ist Berlin schon gegen Prüm? Angeregte Diskussion um Pfarreien der Zukunft bringt Bischof auch noch spätabends in Fahrt

Bei der dritten Veranstaltung im Rahmen der Resonanz zur Raumgliederung am Abend vor Christi Himmelfahrt in Prüm herrschte bereits eine angeregte Stimmung, als Bischof Stephan zu der Veranstaltung wegen eines Termins bei der Bundeskanzlerin verspätet dazu kam. „Was ist Berlin schon gegen Prüm?“, resümierte er am Ende der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung. Die Fragen der über 300 Gläubigen aus der Westeifel trieben den Bischof zum Podium, nachdem er in der Veranstaltungspause ankam. „Jetzt ist er da, jetzt wollen wir mit ihm diskutieren.“ Und es war nicht so, als dass das nicht vorher schon stattgefunden hätte. Die Verantwortlichen aus dem Bischöflichen Generalvikariat und der Teilprozessgruppe Raumgliederung haben gleich zu Beginn der Veranstaltung den Entwurf vorgestellt, nach dem es zukünftig im Bistum noch 35 Pfarreien der Zukunft geben soll. „Wir müssen Pfarrei-Sein neu lernen“, beschreiben sie die anstehende Aufgabe. Die bisherige kleinteilige Pfarreien-Struktur und das Aneinanderfügen von immer mehr Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften sei weder pastoral noch verwaltungstechnisch ein Zukunftsmodell.

Die engagiert diskutierenden Männer und Frauen machten gleich zu Beginn deutlich, dass sie das anders sehen: „Warum nehmen Sie uns unsere Identität, wenn Sie teilweise über Jahrhunderte bestehende Pfarreien auflösen und neu zusammenfügen?“ Eine teilweise hitzige, aber immer faire Diskussion zog sich durch den ganzen Abend. Das lobte der Bischof auch am Schluss: „Ich merke deutlich: auch wenn Sie nicht mit allem zufrieden sind, was wir Ihnen heute vorgestellt haben: es geht Ihnen ja darum, dass es mit der Kirche gut weiter geht. Sie kritisieren ja nicht aus einer distanzierten Position, sondern weil in Ihrem Engagement viel Herzblut steckt.“ Die Vertreter der Steuerungsgruppe zur Synodenumsetzung und der Raumgliederungs-Gruppe konnten an vielen Stellen deutlich machen, dass es bei der Bildung der Pfarreien der Zukunft auch darum geht, das Engagement der vielen Menschen besser als bisher zu unterstützen und vor allem vielfältigere Engagementmöglichkeiten zu entwickeln. „Wer sich engagieren will, soll nicht über Jahre gebunden sein und er soll auch in den Belangen mitgestalten und -entscheiden können, die das eigene Engagement betreffen. Auch so kann Identiät entstehen.“ Auch die Bedenken, dass es letztlich nur um Zentralisierung gehe, nahmen die ernsthaft diskutierenden Verantwortlichen nicht auf die leichte Schulter: „Es geht um das, was es vor Ort an Leben und Glauben, an Engagement und Leidenschaft gibt, und um das, was es neu zu entdecken gilt.“ „…inmitten der Häuser ihrer Söhne und Töchter“, wie Dechant Clemens Grünebach aus Hermeskeil, der die Teilprozessgruppe Raumgliederung leitet, Papst Franziskus zur Pfarrei zitiert.

Bei aller kontroversen Diskussion: ein mutmachender Abend. Eine Kirche, die so diskutieren kann, hat Zukunft, meint

Christian Heckmann, Synodenbüro


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Pfarreien der Zukunft: ein erster Entwurf und viele Fragen

Seit ein paar Tagen liegt der Entwurf für die Gliederung des Bistums in 35 Pfarreien der Zukunft vor. Viele Rückmeldungen erreichen uns im Synodenbüro. Auf Facebook, per Mail und am Resonanztelefon melden sich seitedem täglich Männer und Frauen aus dem Bistum Trier, aber auch darüber hinaus, jüngere und ältere Gläubige: sie sprechen Gratultionen aus zum Mut, eine solche Veränderung anzugehen. Viele äußern Entsetzen darüber, dass es nur noch 35 Pfarreien im Bistum geben soll. Einige ganz konkrete Hinweise auf Zuschnitte von Pfarreien, die so nicht passen würden, haben uns auch schon erreicht. Wir versuchen zu jeder Nachricht eine kurze Antwort zu schreiben, über jedes Telefongespräch wird ein Protokoll geführt, auch die Kommentare auf Facebook wertet unsere Internetredaktion aus.

Pfarreien der Zukunft: darüber müssen wir reden.
Und dazu gibt es die Resonanzphase: http://www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/raumgliederung-pfarreien-der-zukunft/weiter-gehts-resonanz-phase/

Warum könnt ihr nicht sagen, wie das konkret geht mit den Pfarreien der Zukunft?
Wird es bei uns noch Gottesdienste geben? Muss ich zukünftig 20 km fahren, um eine Messe zu bestellen? Werden in unserer Gemeinde alle Kirchen abgerissen?

Das Ziel der Gründung der Pfarreien der Zukunft ist nicht, das Glaubensleben zu zerstören. Im Gegenteil: es geht darum, dass die Kirche im Bistum Trier diakonisch und missionarisch in die Welt wirkt. Und dabei geht es vor allem um das, was Christinnen und Christen vor Ort bewegt, was ihnen wichtig ist. Das zu untersützen ist Aufgabe der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mítarbeiter. Die Betonung des ehrenamtlichen Engagements und der Initiativen vor Ort ist kein Sparkonzept, sondern damit will das Bistum ernsthaft von den Gläubigen und ihren Gaben her denken.

Ziel der nächsten Jahre wird sein, das miteinander zu entwickeln. Dazu wird es ab Ende des Jahres eine zweijährige Erkundungsphase geben. Teams von drei Personen unterstützen die Haupt – und Ehrenamtlichen vor Ort dabei, Ideen für ein vielfältiges Glaubensleben vor Ort zu entwickeln und dabei auch zu bewahren, was es an Gutem und Zukunfstweisendem gibt. Daher ist es nun wichtig, über die Pfarrei der Zukunft zu diskutieren, Ideen zu entwickeln, zu streiten. Daher können wir nicht auf alle konkreten Fragen antworten. Die Gestaltung des Lebens vor Ort kann nur von dort ausgehen. Und dabei ist wichtig: Nicht alles wird neu. Aber die Kirche ist noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Die Frohe Botschaft treibt Christinnen und Christen seit je an, nicht aufzugeben, was sie der Welt zu sagen haben, aber auch vor der Welt nicht auszuweichen.


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Hohe Beteiligung am Verfahren zur Bildung der Teilprozessgruppen

Ein wichtiger Motor für die Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode sind die Teilprozessgruppen: in ihnen werden die strukturellen und inhaltlichen Rahmenbedingungen für das kirchliche Handeln im Bistum Trier in den nächsten Jahren erarbeitet.

Daher freut es uns im Synodenbüro sehr, dass sich so viele Menschen am Interessebekundungsverfahren beteiligt haben. Es zeigt uns, dass viele ehren- und hauptamtlich Engagierte sich und ihre Kompetenzen in die Umsetzung der Synode im Bistum Trier einbringen wollen.

Wir werden jetzt noch eine gewisse Zeit mit der Auswertung beschäftigt sein. Wir melden uns bei allen, ob und wenn in welcher Weise die Mitarbeit möglich ist. Auch wenn wir nicht auf jede Interessenbekundung positiv eingehen können – für die Mitarbeit in manchen Teilprozessgruppen haben sich knapp 100 Personen gemeldet –, denken wir intensiv darüber nach, wie wir die gesamte Bereitschaft zur Mitgestaltung zum Beispiel in Resonanzveranstaltungen gut einbinden können.

Was passiert weiter?

Die einzelnen Teilprozessgruppen (TPGs) erhalten nun detaillierte Aufträge. In ihnen werden die Arbeitsziele der Gruppen beschrieben, Schnittstellen zu anderen TPGs benannt, die wichtigsten Bezüge zum Abschlussdokument aufgezeigt und Meilensteine, Zwischenziele und Termine skizziert, die sich aufgrund eines Themas ergeben können.

Für die Teilprozessgruppen werden grundsätzliche Rahmenbedingungen für die Arbeitsweise festgelegt, z.B. Größe, Personalisierung, Leitung, Regeln für Gründung von Untergruppen, Möglichkeit der Einbeziehung externer Expertisen usw.

Dann folgen die Starttreffen der Teilprozessgruppen. Nicht alle werden zugleich starten. Aber wir denken daran, dass inhaltlich eng zusammenhängende TPGs auch ein gemeinsames Starttreffen haben können.

Aufgrund der Auswahl der Mitglieder und der z.T. noch ausstehenden Formulierung ausführlicher Aufträge werden die TPGs nicht vor Ostern starten.

Ein großes Dankeschön schon jetzt von uns für die vielen Rückmeldungen und die Bereitschaft zur Mitwirkung.

Aus dem Synodenbüro

Edith Ries-Knoppik und Christian Heckmann


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ich sage nicht so gerne „Umsetzung“

… ihr merkt das bestimmt und denkt „der eiert da rum mit seiner Sprache, warum nennt der das Kind „Umsetzung“ nicht beim Namen?“ Mir gefällt das Wort nicht… es drückt nicht das aus, was den Prozess im Moment ausmacht, meine ich:

ich denke eher, es ist ein Veränderungsprozess, die Synode hat in erster Linie keinen Maßnahmenkatalog verabschiedet (obwohl das dann im Momen bestimmt leichter wäre), sie hat einen Veränderungsprozess gestartet, sie lässt uns von den bisherigen Perspektiven in andere übergehen: Perspektivwechsel, Änderung unserer Haltungen, Änderung unserer Kultur…

vielleicht ist das englische Wort auch ganz hilfreich: am Montag hatten wir (Edith Ries-Knoppik) und ich ein interessantes Gespräch mit Frau Dr. Oehmen-Vieregge von der Ruhr Uni Bochum, die synodale Prozesse in Deutschland und den USA vergleicht und gerade arbeitet zu: the creativity of implementation, implementation… man sagte mir, das hätte was mit to plant: einpflanzen zu tun, das Einpflanzen von Ideen, Möglichkeiten,… passt, manches wächst anders nicht, manches zeigt sich erst später…

keine Angst, ich glaube nicht, dass ich das Effiziente an dem Prozess generell vernachlässige, schließlich sagt mein alter Oxford Advanced Learner’s Dictionary zu implement: carry an undertaking, agreement, promise into effect

aber die Unsicherheit, das Suchen, die Hoffnung, die unbändige Energie, die wir spüren: all das braucht ein stärkeres Wort als Umsetzung

übrigens: aus dem Gespräch mit Frau Dr. Oehmen-Vieregge haben wir noch gute Impulse zur Deutung des Veränderungsprozess unter den Dimensionen: politisch, strategisch, geistlich mitgenommen

aber darüber wollt ihr sicher ein andermal lesen

(Christian Heckmann)