heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Gemeinsame Verantwortung

Die Pfarreien der Zukunft im Bistum Trier sollen von Teams geleitet werden, die sich aus jeweils drei Hauptamtlichen und bis zu zwei ehrenamtlich Engagierten zusammensetzen. Über das Neue an diesem Konzept und wo man sich darüber informieren kann, spricht Michaela Tholl, Leiterin des Arbeitsbereichs Ehrenamtsentwicklung im Bischöflichen Generalvikariat.

Was bedeutet das neue Leitungskonzept für die Pfarreien der Zukunft für ehrenamtlich Engagierte?

Dass Ehrenamtliche durch einen Sitz im Leitungsteam an allen zentralen Entscheidungsprozessen der Pfarrei der Zukunft unmittelbar beteiligt sein werden, ist bisher beispiellos innerhalb der deutschen Bistümer. Neben den Mitwirkungsmöglichkeiten in den Gremien bedeutet diese Rolle eine weitere Entwicklungsstufe zu einer beteiligungsorientierten Kirche.

Welche Chancen ergeben sich daraus?

Im Leitungsteam können die ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertreter ihre Perspektiven einbringen, wie Kirchenentwicklung weitergedacht werden kann, und entsprechend mitentscheiden. Das Leitungsteam hat auf diese Weise Personen „mit im Boot“, die eng im Kontakt mit den Menschen in der Pfarrei sind. Darüber hinaus übernehmen die Ehrenamtlichen im Leitungsteam „Modellfunktion“ für eine mündige und verantwortungsbereite Kirchenmitgliedschaft. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Mitarbeit im Rat der Pfarrei.

Kann diese gemeinsame Leitung wirklich gleichberechtigt sein?

Ja, das kann sie auf jeden Fall. Es bedarf dazu klarer Regeln und verabredeter Arbeitsweisen, z. B. wie das Leitungsteam zu Entscheidungen kommt. Das Team muss Rücksicht nehmen auf die zeitlichen Ressourcen der Ehrenamtlichen, und zugleich müssen die hauptberuflichen Mitglieder gut arbeiten können. Ich will die Herausforderung, die in gemeinsamer Leitung steckt, gar nicht kleinreden: Es wird ein miteinander Lernen sein; der Respekt voreinander und eine entsprechende Haltung wird das ermöglichen. Eine gleichberechtigte Mitarbeit im Leitungsteam hängt deshalb auch zu einem gewissen Teil von den konkret Beteiligten ab. Die Führungs- und Leitungskompetenz wird sich schon in der Zusammenarbeit im Team zeigen. Deshalb wird die Begleitung der Leitungsteams am Anfang sehr wichtig sein.

Sie haben die Arbeitsweisen schon angesprochen: Was heißt das für die Arbeitsorganisation?

Eine angemessene Aufgabenverteilung, verlässliche Absprachen, guter Kommunikationsfluss und ein Zeitmanagement, mit dem gewährleistet wird, dass die notwendigen Vereinbarungen gemeinsam getroffen werden können, sind wichtige Eckpfeiler der Arbeitsorganisation. Die Begleitung, Ausstattung und Unterstützung der Ehrenamtlichen ist dabei wichtig. Sie brauchen einen Zugang zum Pfarrbüro und zu allen pfarrlichen Einrichtungen. Sie müssen auch mit der notwendigen Technik ausgestattet sein, kurz: Es muss sichergestellt werden, dass sie alles haben, was sie brauchen, um ihren Dienst gut tun zu können.

Kann die Beteiligung von Ehrenamtlichen im Leitungsteam nicht auch eine zeitliche Überforderung bedeuten? Und müssen sie die gleiche Arbeit leisten wie Hauptamtliche – nur unbezahlt?

Selbstverständlich müssen Ehrenamtliche nicht das Gleiche leisten wie Hauptamtliche. Diese stehen in einem arbeitsrechtlich geregelten Dienstverhältnis. Neben der zu erbringenden Arbeitszeit und der Sicherung des Lebensunterhalts sind bei den Hauptamtlichen die fachlichen Anforderungen, die Aufgaben und der verbindliche Gewährleistungsrahmen geregelt. Bei den Ehrenamtlichen ist es grundsätzlich so, dass sie ihre Zeit und Kompetenzen freiwillig einbringen, in der Regel neben Beruf und Familienarbeit. Deshalb beginnt bei der Rücksichtnahme auf die zeitlichen Ressourcen der Ehrenamtlichen schon die Wertschätzung und Anerkennung. Weil ehrenamtliches Engagement unentgeltlich ist, müssen bestmögliche Rahmenbedingungen hergestellt werden. Das bedeutet für die Engagierten im Leitungsteam, dass entsprechende Qualifikationen kostenfrei gewährleistet und dass die nötige Ausrüstung bereitgestellt wird. Fahrtkostenregelungen sind zu klären und die Engagierten werden, wenn sie möchten, im Pfarrbüro einen Arbeitsplatz haben.

Welche Unterstützung und Begleitung bietet der Arbeitsbereich Ehrenamtsentwicklung an?

Gemeinsam mit dem  Arbeitsbereich Personalentwicklung werden wir verschiedene Module zur Qualifizierung entwickeln. Themen solcher Module sind zum Beispiel: Wie gelingt der Prozess der Teamfindung gemeinsam mit den Hauptberuflichen? Wie kann Augenhöhe in der Zusammenarbeit gewährleisten werden? Welche Hilfen zur Arbeitszeitorganisation braucht es? Die Begleitung wird durch die Hauptamtlichen im Leitungsteam und unseren Arbeitsbereich erfolgen. Neben den begleitenden Fortbildungen sind Supervision und Coaching selbstverständlich.

Was bieten die Info-Veranstaltungen im September?

Wir wollen den Interessierten einen Raum zur Orientierung anbieten, wo sie klären können: Was erwartet mich? Was ist Dienst und Aufgabe im Leitungsteam oder im Rat der Pfarrei? Denn eines wird sich deutlich unterscheiden von den jetzigen Gremien: Es wird stärker um strategische Fragen für die Gesamtpfarrei gehen; zum Beispiel die Umsetzung des Rahmenleitbildes, die Verantwortung für eine diakonische und missionarische Kirchenentwicklung und eine entsprechende Ressourcensteuerung. Zu den Aufgaben gehören Koordination, Kooperation und sicher auch Konfliktmanagement.

Die Veranstaltungen wollen motivieren, aber auch Klärungshilfe bieten, ob das die richtige Aufgabe für jemanden ist. Denn auch das ist Ehrenamtsentwicklung: Orientierung zu bieten, damit jede und jeder ihren und seinen Platz finden kann.

 

 

 


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Ein Zwischenruf

Ein „Zwischenruf“ von Dr. Herta Brinkmann (Linz) bei der Sitzung des Diözesan-Pastoralrates am 7. Juni 2019:

Ich frage mich, was ist von der Synode übrig geblieben?

Was ist in den Gemeinden angekommen?

Zum jetzigen Zeitpunkt scheint nur der Streit über die Strukturen vorherrschend zu sein und damit verbunden unendlich viele Fragen, die keiner beantworten kann, weder die Hauptamtlichen noch die Ehrenamtlichen.

Ratlosigkeit!

Die Ehrenamtlichen in der alten Pfarrei fühlen sich in die Bedeutungslosigkeit verstoßen und sitzen erstarrt wie der Hase vor der Schlange, „weil ja alles nur noch (in unserem Fall) von Neuwied bestimmt wird.“ Das mit den Orten von Kirche versteht man mittlerweile in etwa; aber man empfindet es auch als Bevormundung, dass der Rat der Pfarrei entscheidet, ob man einen Delegierten in die Synodalversammlung entsenden darf. Ja und dann auch: „Wie soll die denn überhaupt arbeitsfähig sein?“

Wenn ich versuche, das Neue der Struktur zu erklären und es damit zu begründen, dass diese Veränderungen zur Umsetzung der Inhalte der Synode notwendig sind und eigentlich für die Ehrenamtlichen mehr Freiheit bedeuten, bekomme ich zu hören: „Du redest dir das alles doch nur schön!“ Eigentlich sind die Frauen und Männer in unseren Räten sehr engagiert und couragiert, aber: „Wie soll das alles statt finden, wir haben doch dann kein Mandat mehr.“

Ich brauche kein Mandat durch Wahlen. Ich habe mein Mandat mit der Taufe bekommen!

Ich bin traurig darüber, dass von den Inhalten der Synode, um die wir Synodale drei Jahre lang gerungen haben, bisher so wenig in unseren Gemeinden angekommen ist. Warum sind die Arbeitsergebnisse der anderen Teilprozessgruppen noch immer verborgen?

Und überhaupt: Wo ist das Feuer der Synode geblieben, die Begeisterung, die in uns brannte? Ich habe da noch immer Menschen vor Augen – Benedikt Welter oder Schwester Scholastika, und so viele andere.

Mit der gleichen anerkennenswerten Intensität, mit der die Bistumsleitung die neuen Strukturen kommuniziert hat, muß es auch mit den Inhalten geschehen. Schicken Sie nicht nur Erkunder, schicken Sie Propheten zu den Menschen, die uns den gemeinsamen Weg führen.

Es war ergreifend, wie Sie, lieber Herr Bischof, jeden einzelnen Synodalen mit dem weißen Schal in die Gemeinschaft der Synode aufgenommen haben. Sinnbildlich müssen wir genau das mit jedem Menschen in unserem Bistum  tun, damit wir verstehen: Wenn wir vom Einzelnen her denken, muß jeder Einzelne da sein zum Sehen und Hören, und zum Handeln mit den eigenen Charismen.

Lassen wir die Synode nicht verloren sein.

Übermorgen ist Pfingsten.

Ich halte viel vom Heiligen Geist…

Aber es ist Zeit, auch selber zu handeln.


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Dank für bisherige Beteiligung – Bitte um konstruktiv-kritische Auseinandersetzung

Generalvikar Ulrich von Plettenberg dankt für die bisherige Beteiligung an der Anhörungsphase und ruft für die verbleibenden Tage dazu auf, sich kritisch aber auch konstruktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Vom Flugblatt der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ distanziert er sich.
www.bistum-trier.de/anhoerung

(JR)


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Missionarische Grundhaltungen werden deutlich

Bereits im April hat die Teilprozessgruppe „Missionarische Teams/Freiwilliges Missionarisches Jahr“ Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Die TPG hat zum Begriff „Mission“ theologische Grundlagen erarbeitet und einen Vorschlag für das Missionsverständnis vorgelegt. Ebenso wurden ein Konzeptentwurf für die Bildung missionarischer Teams und Modellvorschläge für ein Freiwilliges Missionarisches Jahr vorgestellt.

Karin Müller-Bauer gehört zum Leitungsteam der TPG und zieht ein positives Fazit: „Über 40 Menschen haben sich die Zeit genommen, um sehr intensiv, kontrovers und konstruktiv in jeweils zwei mal drei Gesprächsrunden Rückmeldung zu geben zu den beiden Konzeptentwürfen Missionarische Teams und Freiwilliges Missionarisches Jahr sowie zum Missionsbegriff.“ Bei der Planung der Resonanzveranstaltung sei es der TPG wichtig gewesen, so viel Zeit wie möglich zum Gespräch zu geben.

„Bei der Verwendung des Begriffes Mission und missionarisch gab es die größten Vorbehalte sowie Alternativvorschläge, die wir mitnehmen und abwägen werden“, nennt Müller-Bauer eine wesentliche Rückmeldung. Dr. Michael Meyer, der wesentlich für dieses Themenfeld verantwortlich ist, bestätigt, dass der Missionsbegriff „irritiert“. Grundsätzlich habe er aber „kein Stoppschild“ gesehen.

Positiv konnotiert worden sei der Ansatz, dass die Missionarischen Teams in multiprofessioneller Zusammensetzung arbeiten können, sowie ein Vorschlag zur Einrichtung eines Missionarisch-Diakonischen Zentrums. „Dazu gab es hilfreiche Ergänzungen und Achtungszeichen, die wir in unser Konzept aufnehmen werden“, erklärt Müller-Bauer.

Peter Nilles befasst sich vor allem mit den Überlegungen zum Freiwilligen Missionarischen Jahr. „Wir hatten zwei sehr unterschiedliche Resonanzrunden: zum einen sehr viel konkrete Rückfragen und Impulse von Menschen, die beruflich mit Freiwilligendiensten zu tun  haben. Zum anderen gab es von Teilnehmenden der Synode sehr viel positive Bestärkung für unsere Ideen bis hin zu der Anmerkung, dass in keiner der Teilprozessgruppen der Geist der Synode so konkret fließt wie aus unserer.“ Er sieht die geplante Position ermutigt und bestätigt, dass mit dem Start der Pfarreien der Zukunft auch die inhaltliche Arbeit in Missionarischen Teams und im Freiwilligen  Missionarischen Jahr starten sollte, „damit der Synodenprozess nicht nur von strukturellen Prozessen gekennzeichnet ist, sondern auch deutlich wird, worum es der Synode inhaltlich geht“. Diese zeitliche Umsetzung werde zwar als ambitioniert gewertet, sagt Müller-Bauer, wobei der Dringlichkeit, anzufangen und damit Zeichen für ein Ernstnehmen der Synodeninhalte zu setzen, zugestimmt worden sei.

Insgesamt sei die TPG nach einem Abschlussritual, bei dem die Teilnehmenden einander als Zeichen des Aufbruchs und des Unterwegssein einen Schlüsselanhänger aus Bolivien in Form einer kleinen Sandale, zufrieden aus der Resonanz gegangen: „Die angenehme und lebendige Art des Austauschs und der Begegnung mit dieser heterogenen Gruppe hat beispielhaft missionarische Grundhaltungen sichtbar gemacht.“

(Judith Rupp)


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Mit den Menschen unterwegs sein

Prognosen mögen erschrecken. Die Langfristprognose zur Entwicklung der katholischen Kirchenmitglieder bis 2060 zeigt uns einen Rückgang von jetzt knapp 1,3 Millionen Katholiken auf ca. 600.000 Katholiken. Sollten zu dieser Zeit noch Kirchensteuern fließen, so sagt uns die Prognose bis 2060 einen Rückgang vom Basisjahr 2017 (306 Millionen Euro) auf ca. 250 Millionen Euro voraus. Die Ausgabenseite hingegen steigt laut Prognose aufgrund von steigenden Tarifen, Baukosten, Sachleistungen auf  knapp 600 Millionen Euro bis 2060.

Bei der Kirchenmitgliedschaftsprognose fällt auf, dass sich der Rückgang nicht alleine durch die demografische Entwicklung erklären lässt. Vielmehr schlagen die Austritte sowie ein verändertes Bindungsverhalten hier zu Buche. Katholische Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr zwangsläufig taufen – schon die bisher als selbstverständlich angesehene Eintrittsmöglichkeit in die katholische Kirche beginnt brüchig zu werden. Dass wir Katholiken weniger werden aufgrund demographischer Entwicklung ist leicht zu verstehen und zu akzeptieren. Andere Gründe für den Mitgliedschaftsschwund sind von der Institution Kirche aus gesehen schmerzlicher: etwa die augenblickliche Glaubwürdigkeitskrise sowie die abnehmende Bereitschaft katholischer Menschen, sich weiterhin kirchlich zu binden und die deshalb austreten oder ihre Kinder nicht zu den Sakramenten führen.

Das gibt auf mehreren Ebenen zu denken: Was ist mit der Kirche los, die doch eine frohe Botschaft verkünden will? Und was ist mit einer Gesellschaft los, die kirchliche Religion mehr und mehr indifferent oder sogar negativ betrachtet – und das bei aller noch vorhandener Wertschätzung kirchlichen Engagements, wenn es zum Beispiel um Solidarität mit den Schwachen und Armen geht, wenn es um kirchliche Schulen und ihre Bildung geht?

Für das Bistum Trier sind die Zahlen ernüchternd. Mit der Synode fragt die Trierer Kirche, wozu, für wen und mit welcher Qualität sie Kirche sein will. Das ist ein grundsätzlicher Perspektivwechsel, wenn nicht sogar eine Kehrtwende: vom Kreisen um sich selbst hin in eine Bewegung auf die Menschen zu, auf ihre Themen und Bedürfnisse. Das inhaltliche Programm der Bistumssynode will eine diakonische Kirche profilieren; also zusammen mit den Armen und Schwachen, den Bedrängten dieser Gesellschaft Entwicklungen anstoßen, die die Solidarität unter den Menschen fördert, die aber auch ganz konkret Lebensmöglichkeiten verbessern will. Sie will zugleich eine missionarische Kirche sein, die auf die Menschen zugeht und mit ihnen Wege der religiösen Suche und Vergewisserung geht. Es geht auch darum, das Evangelium deutlich zu bezeugen in der Gesellschaft, damit der Glaube sichtbar bleibt, angestrebt oder sogar angenommen werden kann. Diese Entwicklungen werden kaum die demografischen Entwicklungen beeinflussen, doch es könnte attraktiv sein oder wieder werden, sich kirchlich zu binden in kleinen Gemeinschaften, die sich diakonisch oder auch missionarisch verstehen. Diese neuen oder wiederentdeckten Orte von Kirche spielen in der Synodenumsetzung eine große Rolle.

Insgesamt zeichnet sich wohl eine Entwicklung ab, die vielfältige kirchliche Lebensvollzüge hervorbringen wird, die sich weniger an katholischen Regeln der Moral oder der Dogmatik orientieren, sondern vielmehr aus der individuellen Sinn- und Gottsuche heraus gespeist werden. Dort sorgen sich die Menschen in der Gewissheit, dass Gott mit ihnen ist, um Solidarität und um die Weitergabe des Glaubens. Hier kommt es auch wesentlich darauf an, wie sich die unterschiedlichen pastoralen Berufsgruppen auf diese neue Situation einlassen werden. Können sie mehr Fördernde, Entdeckende und Ermöglichende werden, die die Talente und Gaben der Menschen anerkennen und sie netzwerkartig verknüpfen helfen, damit sich Kirche diakonisch und missionarisch entwickelt? Von großer Bedeutung wird natürlich auch sein, wie die Ressourcenkonflikte zu lösen sind, wenn die Ausgaben steigen, die Einnahmen geringer werden, das hauptamtliche Personal abschmilzt. Wie gelingt es dann, diakonische und missionarische Entwicklungen zu fördern, um sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen, sondern tatsächlich mit und für die Menschen unterwegs zu sein?

Gundo Lames

Dr. Gundo Lames ist Direktor für den Bereich „Ziele und Entwicklung“ im Bischöflichen Generalvikariat Trier und Mitglied der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung


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Neue „EinBlicke“

Wie sieht die Gremienstruktur in der Pfarrei der Zukunft aus? Wie können Orte von Kirche Delegierte in die Synodalversammlung entsenden? Wie geht es mit der Vermögensverwaltung weiter? Diese und andere Fragen werden in der zweiten Ausgaben der „EinBlicke“ beantwortet. Die Zeitung befasst sich mit den Inhalten des „Ersten Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013-2016“. Sie ist online unter Informationen zur Anhörung zu finden.

(Judith Rupp)


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Auseinandersetzung ist wichtig – Ängste schüren ist unnötig

Für einen Artikel im „Trierischen Volksfreund“ am 31. Januar 2019 bin ich um Antworten zu einer Stellungnahme der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gebeten worden. Die Fragen des „Volksfreunds“ sowie die Antworten des Bistums dokumentiere ich hier:

In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme der Initiative Kirchengemeinde vor Ort werden Bischof Stephan Ackermann „Taschenspielertricks“ vorgeworfen, weil er die erst später in Betrieb gehenden Großpfarreien in falscher Sicherheit wiege. Wie kommentieren der Bischof bzw. sein Generalvikar diesen Vorwurf?

Abgesehen von der Verwunderung über die Wortwahl ist dazu zu sagen, dass Bischof und Generalvikar keinen Zweifel daran gelassen haben, dass 35 Pfarreien der Zukunft errichtet werden sollen – 13 zum 1.1.2020, weitere 22 in einem zweiten Schritt. Wie im Kirchenrecht vorgesehen, finden im Frühling eine Anhörung der zuständigen diözesanen Räte sowie eine bistumsweite Anhörung der pfarrlichen Gremien und Pfarrer statt. Dass jetzt bereits die Gremien aller bestehenden Pfarreien und Kirchengemeinden angehört werden, liegt darin begründet, dass im Errichtungsgesetz Regelungen enthalten sind, die alle betreffen. Erst nach Auswertung dieser Anhörung und nach sorgfältiger Erwägung der Antworten – auch in den zuständigen diözesanen Räten – erlässt der Bischof das Errichtungsgesetz.

Die Stellungnahme der Initiative verwechselt hier Gesetz und Dekrete. Die einzelnen Dekrete sind für die konkret nur auf eine Pfarrei oder Kirchengemeinde bzw. einen Kirchengemeindeverband bezogenen Entscheidungen nötig; daher braucht es u.a. für jede zu errichtende Pfarrei der Zukunft auch ein Dekret. Diese müssen im zeitlichen Zusammenhang mit der Gründung stehen und können erst erlassen werden, wenn das Errichtungsgesetz in Kraft gesetzt ist.

Inwiefern sind die Behauptungen der Initiative zutreffend, dass auch die zunächst nicht von der Zusammenlegung betroffenen PdZ sich noch im Mai innerhalb einer Frist von zehn Tagen  gegen die Pläne zur Wehr setzen müssen, falls sie mit der Struktur der Großpfarreien nicht einverstanden sind?

Diese Behauptung ist falsch. Für die Rückmeldungen zum Gesetz im Rahmen der Anhörung planen wir eine mehrere Wochen andauernde Frist ein. Der von der Initiative hier genannte Paragraf aus dem Kirchenrecht bezieht sich auf Dekrete und ist auf die Anhörung zum Gesetz nicht anzuwenden.

Die Initiative unterstellt der Bistumsleitung, die Befugnisse in der Zentralpfarrei auch deshalb zu bündeln, „um viele Kirchen und Pfarrheime so zügig und einfach wie möglich“ zu schließen. Wie kommentiert das Bistum diese Unterstellung?

Es geht nicht um das Schließen von Gebäuden. Dazu kommt: Die Kirchen und Pfarrheime sind nicht im Besitz des Bistums. Eigentümer sind die jeweiligen Kirchengemeinden. Somit kann die Bistumsleitung nicht einfach Kirchen schließen oder gar abreißen. Das kann nur auf Antrag der Kirchengemeinde und – zumindest bei Kirchen – nach Beratung und Anhörung im Priesterrat geschehen. Mittlerweile sind bistumsweit die Immobilien in ihrem Bestand erfasst. Dies soll den Pfarreien der Zukunft helfen, sich über ihre Immobiliensituation zu vergewissern und langfristig planen zu können. Wir gehen davon aus, dass Gotteshäuser, wenn sie genutzt und belebt sind, wenn der Unterhalt gesichert ist und aus baulicher oder sicherheitstechnischer Sicht nichts dagegen spricht, erhalten werden. Viele Kirchengemeinden gehen bereits heute sehr überlegt und nachhaltig mit ihrem Immobilienbestand um. Sie investieren in Immobilien, die pastoral gebraucht werden.

Die Gründung der Pfarreien der Zukunft unterstützt die pastorale Neuausrichtung, die auch von der Initiative als nötig erkannt wird. Eine geringere Zahl von Kirchengemeinden entlastet von vielen kleinteiligen Verwaltungsaufgaben und hilft, sich auf die anspruchsvollen pastoralen Aufgaben konzentrieren.

Die Kircheninitiative unterstellt dem Bistum weiter eine Art Zensur, weil die künftigen Orte von Kirche dem Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft zustimmen und durch den Rat der Pfarrei anerkannt werden müssten. Wie kommentiert das Bistum diesen indirekt erhobenen Vorwurf?

Das Rahmenleitbild gibt die Grundlage unseres Glaubens wieder und stellt den Bezug zu den wichtigsten Aussagen der Synode her (siehe die Leitsätze) – wie kann dessen Anerkennung Zensur sein?! Die Menschen in den Orten von Kirche beschreiben zunächst einmal selbst ihr Anliegen, wie sie sich organisieren und überlegen, ob sie Teil der Synodalversammlung sein wollen. Um diesen Zugang zur Synodalversammlung geht es bei der Zustimmung zum Rahmenleitbild. Daneben müssen Orte von Kirche, die sich in der Synodalversammlung der Pfarrei vertreten, die Gremienordnung anerkennen und ihren Beitrag zur Pfarrei der Zukunft formulieren. Wir als Bistumsleitung machen die Erfahrung, dass Menschen sich einen verbindlichen Rahmen für ihr Handeln wünschen – die Forderungen der Initiative nach verbindlichen Gremienstrukturen zeigt das ja. Der Rat der Pfarrei hat die Aufgabe, für die Entwicklungen innerhalb der Pfarrei Sorge zu tragen, und dafür braucht es Kriterien und Vereinbarungen – beim Fußballspiel akzeptiert man ja auch spätestens mit dem Anpfiff die Spielregeln… Natürlich darf der Rat nicht willkürlich einen Ort von Kirche ablehnen, sondern er bestätigt, dass die Bedingungen erfüllt sind. Damit übernimmt er die wichtige Aufgabe, die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen zu koordinieren.

Inwiefern ist es zutreffend, dass das Bistum Trier bei der Deutschen Bischofskonferenz die zeitliche Begrenzung der Bestellung eines Priesters beantragt hat? Was sind die Gründe für diesen Antrag, dem angeblich bereits stattgegeben wurde?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im vergangenen Jahr für ihren gesamten Geltungsbereich die im Kirchenrecht vorgesehene Möglichkeit, die Bestellung eines Pfarrers (nicht Priesters) zeitlich zu begrenzen, beschlossen; die römische Bischofskongregation hat dieser Regelung zugestimmt. Inwieweit sie in den Bistümern übernommen wird, obliegt dem Ortsbischof. Der Bischof von Trier macht nach der Beratung mit der Bistumsleitung und dem Priesterrat von der Regelung Gebrauch, weil das Instrument „Führen auf Zeit“ für das Bistum Trier ein Element einer synodalen Kirche ausmacht. Daher soll es auch für Pfarrer gelten. Zugleich ist es eine Form, um das Versprechen der Verfügbarkeit, das die Priester bei ihrer Weihe ablegen, konkret werden zu lassen.

Wie bewertet das Bistum generell die Stellungnahme der Kircheninitiative?

Wir begrüßen jede Auseinandersetzung mit den Entscheidungen und Schritten des Bistums. So freuen wir uns über die zahlreichen konstruktiven und kritischen Rückmeldungen, die uns aktuell zu unserem Heft „EinBlicke“ erreichen. Es gibt auch viele Rückmeldungen von Einzelnen wie von Gruppen oder Gremien, die enttäuscht sind, dass sie nicht schon zum 1.1.2020 als Pfarrei der Zukunft formal errichtet werden.

Die Stellungnahme der Initiative ist geprägt von Mutmaßungen und daraus abgeleiteten Interpretationen und schürt so –  in unseren Augen auf unnötige Weise – Ängste. Wir sind uns wohl bewusst, dass Einiges durch die konkrete Praxis in den zukünftigen Pfarreien weiterentwickelt werden muss. Das lässt sich bei einer solch grundlegenden Neuausrichtung aber nicht vermeiden.

Deshalb hoffen wir auf eine breite Teilnahme an den geplanten Dialogveranstaltungen für die Hauptamtlich Mitarbeitenden und die Räte ab Februar.

Trier, 31. Januar 2019

Judith Rupp, Pressesprecherin Bistum Trier