heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Was im Ohr bleibt

Nachklang der Resonanzveranstaltung
zum Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft

Resonanz wahrnehmen bedeutet so viel wie ein Echo auf bisher Gesagtes spüren, gut hinhören… – Die Akustik bei der Resonanzveranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) „Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft“ am 21. April in Trier war ausgesprochen gut. In der inspirierenden Atmosphäre der Aula des Angela-Merici-Gymnasiums wurde jeder gehört, es blieb Raum zum „Mauscheln“, aber auch für eindeutige Töne. Die grundlegende Tendenz, dass die TPG auf dem richtigen Weg sei, war neben vielen konstruktiven Vorschlägen für die Weiterarbeit deutlich wahrnehmbar.

Die großen Linien des bisherigen Erarbeitungs-Prozesses vorstellen und mit Resonanzpartnerinnen und -partnern über die Zwischenergebnisse ins Gespräch kommen: Zu diesem Zweck hatte die TPG Rahmenleitbild rund 90 Akteure der Pfarreien der Zukunft eingeladen, darunter Ehren- und Hauptamtliche, z.B. aus den Bereichen Pastoral, Caritas, Beratung, Schule, Jugendarbeit, sowie Vertreter der Verbände, aus Kommunen und dem Bischöflichen Generalvikariat.

Auftrag der TPG ist es, eine „verbindliche diözesane Rahmensetzung für das kirchliche Handeln in der Pfarrei der Zukunft“ in Form eines Leitbildes zu erarbeiten; sie soll dabei Raum lassen „für die notwendigen Konkretisierungen“ vor Ort (Infos zum Auftrag und zur TPG). Bereits im Auftrag steckt eine Spannung zwischen Verbindlichkeit und Freiheit, die auch am Tag des Resonanztreffens deutlich spürbar wurde: Wie können die Inhalte der Synode nachhaltig und überprüfbar in die Arbeit der Pfarreien der Zukunft einfließen? Welche Formen der Qualitätssicherung soll es geben? Wie kann man diesen Qualitätskriterien verbindliche Gültigkeit zusprechen, ohne die pastoralen Planungen vor Ort einzuengen? „Das Rahmenleitbild soll Lust machen, sich innerhalb des Rahmens zu bewegen. Es soll Raum lassen für Partizipation und lokale Ausgestaltungsmöglichkeiten.“ So Ulrich Stinner, Mitglied des Leitungsteams der TPG. Gleichzeitig müsse das Rahmenleitbild einen weitreichenden Selbstlernprozess anregen und bedürfe der Evaluation.

Lernende Kirche unterwegs

Eine Kirche, die unterwegs ist und in der Menschen und Organisation voneinander lernen wollen: Dort soll es hingehen. Dazu brauche es eine Kultur des Miteinanders und der Begegnung auf Augenhöhe – oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Man muss zu zweit eine Runde drehen.“. Wichtig seien auch Fehlerfreundlichkeit und Offenheit sowie Zeiten der Unterbrechung, betont Rita Schneider-Zuche vom Leitungsteam. „Wer keine Muster unterbricht, kommt nicht in neues Denken.“ Diese Erfahrung habe die TPG selbst auch gemacht. Muster-Unterbrechung lade zur Standortbestimmung, zur Neuvergewisserung ein: Wie gestalten wir die Erstkommunion derzeit? Kann es in Zukunft neue, fruchtbarere Wege geben? Ist immer das Kirchengebäude der Ort für den Gottesdienst oder wäre der Gottesdienst auch in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung denkbar, einem anderen „Ort von Kirche“?

Nicht nur von Muster-Unterbrechung sprechen, sondern diese auch leben: So lautete das Tagesmotto am 21. April. Der Resonanztag wurde kurzerhand genutzt, um die in der TPG kultivierten Haltungen und „Muster des Gelingens“ mit einem größeren Publikum zu erproben und durch neue zu ergänzen. Etwa durch eine Kontaktphase zu Beginn, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Aula spazierten, eine Bewegungseinheit nach der Mittagspause oder eine biblische Unterbrechung zwischendrin… Die neuen Methoden kamen gut an und trugen zu einer dynamischen Arbeitsatmosphäre bei. Über den Tag hinweg wurde motiviert und konzentriert gearbeitet – sogar in der Mittagspause. So wurde aus der Essens-Schlange kurzerhand die „Schlange des Dialogs“.

Konkret: Wie sieht das Rahmenleitbild dann aus?

Was gehört alles in ein solches Rahmenleitbild? Welche Kapitel könnte es möglicherweise haben? Im ersten Block wurde das vorläufige Modell des Rahmenleitbildes mit seinen drei zentralen Elementen diskutiert: „synodaler Rahmen“, „pastoral vor Ort planen und umsetzen“ und „pastorale Arbeit auswerten und weiterentwickeln“. Grundlage sind das Synodendokument und die darin angeregte spirituelle Selbstvergewisserung, die dem diakonisch-missionarischen Handeln in den Pfarreien der Zukunft den Boden bereiten will: Wozu sind wir Kirche und wie gestalten wir als solche gesellschaftliche Herausforderungen im Sozialraum mit? Das Rahmenleitbild soll helfen, die Inhalte der Synode in konkretes Handeln umzusetzen. Wie die Arbeit vor Ort reflektiert und weiterentwickelt werden kann, damit beschäftigt sich schließlich ein weiteres Kapitel.

Das Modell stieß bei den Resonanzpartnerinnen und -partnern auf große Akzeptanz. Stärker differenziert werden müsse noch die Rolle der Haupt- und Ehrenamtlichen; und ganz wichtig sei es, das Rahmenleitbild in einfacher Sprache zu verfassen, für jede und jeden verständlich.

Sinnvolle Begriffe finden / Begriffe miteinander klären

Der Nachmittag stand dann im Zeichen der Begriffsarbeit: Was ist ein „Netzwerk“, was ein „Themenzentrum“? Worin unterscheiden sich „Kirch-Ort“ und „Pfarr-Ort“? Könnte es, ganz im Sinne der Muster-Unterbrechung, sinnvoll sein, von „Orten von Kirche“ statt „Kirchorten“ zu sprechen, um nicht zu schnell nur die alte Pfarrei oder lediglich das Kirchengebäude zu meinen? Ist nicht auch eine katholische Kita „Ort von Kirche“? Kann man vom „Netzwerk Pfarrei der Zukunft“ sprechen oder sind es nicht vielmehr die Akteure, die sich vernetzen? – Die Arbeit an den Begriffen des Rahmenleitbildes und ihrer Trennschärfe gestaltete sich als besonders herausfordernd. „Die Begriffe sind durch die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angereichert worden“, resümiert Dr. Michael Kneib vom Leitungsteam. Der Austausch habe zudem gezeigt, dass man sich fragen müsse: Wie viele Begriffe braucht und wie viele erträgt ein Rahmenleitbild?

Wie geht es nun weiter? Um die Breite der Meinungen einzufangen, brauche es zunächst eine gute Nacharbeit, so das Leitungsteam. Die Ergebnisse nutze man dann für die sich stetig verdichtende Arbeit an den unterschiedlichen Teilaspekten. Außerdem stehe es nun an, Schnittstellen zu anderen TPGs zu bearbeiten. „In jedem Fall“, so versichert das Leitungsteam, „werden die Klänge der Resonanzveranstaltung in der Arbeit der TPG nachschwingen“.

(Dieser Bericht verdankt sich einem Interview mit dem Leitungsteam der TPG „Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft“, bestehend aus Rita Schneider-Zuche, Dr. Michael Kneib und Ulrich Stinner – von Carmen Schröder, Mitglied der AG Kommunikation.)


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erkunden und entdecken…

Es ist immer mal gut, den Alltag zu unterbrechen und sich zu fragen, was eigentlich so läuft und wie es läuft. Viele tun das sowieso jeden Tag, abends oder mal zwischendurch. Schauen zurück und fühlen noch mal, wie das Leben sich angefühlt hat heute, was gelungen ist und was eher weniger rund geblieben ist…

Früher hieß das „Gewissens-Erforschung“; und war oft so ein „Ich stelle fest und bereue, dass ich gesündigt habe…“

Im Wort zum Tag auf SWR 2 habe ich das mal weitergedacht und auf die Erkundung angewendet, die jetzt in den geplanten 35 Pfarreien der Zukunft beginnt – aber lesen oder hören Sie einfach selbst!?

Weil: Ob und wozu die Kirche weiterhin gebraucht wird, das entscheidet sich in erster Linie vor Ort, da,  wo Menschen leben und lieben und glauben. Da ist bestimmt noch viel zu entdecken.

 


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Eine tragfähige Balance finden

Resonanz-Tag der Teilprozessgruppe „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüros der Zukunft“

„Eine tragfähige Balance finden zwischen verbindlicher Standardisierung einerseits und Freiraum für lokale und individuelle Lösungen andererseits“ – das ist eine der Vorgaben, mit denen die TPG am 27. Januar in ihre Resonanz-Veranstaltung gegangen ist. Sie konnte Zwischenergebnisse vorstellen und erste Reaktionen von Fachleuten einholen; eingeladen waren auch Frauen und Männer, die im Frühjahr 2017 ihre Mitarbeit als Resonanz-Partner*innen angeboten hatten. Vierzig Menschen aus Pfarrbüros, Verwaltungsräten, pastoralen Berufen und Rendanturen haben einen intensiven Arbeitstag im Robert Schuman-Haus verbracht. Die TPG war dankbar, dass sich alle auf hohem Niveau und sehr konzentriert einbringen konnten.

283 Verwaltungsprozesse hat die TPG identifiziert – dazu gehören alltägliche Vorgänge im Pfarrbüro wie die Anmeldung eines Kindes zur Taufe oder die „Bestellung“ einer Messe; es geht aber auch um die Vermietung von Räumen, Personal-Abrechnung von Mitarbeiterinnen, Ausschreibung einer Stelle… Jedenfalls ist klar, dass die TPG bestenfalls einige wenige Prozesse im Detail neu beschreiben kann („Was ist in welcher Reihenfolge zu tun, wenn…“); sie geht aber davon aus, dass sie genug exemplarische Prozessebis zum Sommer so bearbeiten kann, dass diese dann als Modell für fast alle ähnlichen „Fälle“ dienen werden. Die Teilnehmer*innen des Resonanztreffens haben die TPG darin bestätigt.

Überhaupt sah sich die TPG insgesamt weniger kritischen Anfragen ausgesetzt, als sie wohl selbst erwartet oder befürchtet hatte. Die vielen Praktikerinnen aus dem Alltag der heutigen Pfarrbüros, aus Verwaltungsräten oder Bischöflichen Einrichtungen fanden sich und ihre Arbeit offenbar richtig gesehen und wertgeschätzt.

Breiten Raum nahmen beim Resonanztreffen die drei wesentlichen Schritte ein, die die TPG vorschlagen will:

  1. Verzichtet wird auf eine „mittlere Verwaltungs-Ebene“ (wie etwa die bisherigen Dekanate und Rendanturen). Damit versteht sich das Bistum als Unterstützungs-Ebene für die Pfarreien der Zukunft.
  2. Es wird in der Pfarrei der Zukunft mehrere lokale Pfarrbüros geben,
    aber jeweils nur ein Verwaltungszentrum.

    • In den Pfarrbüros finden die Leute regelmäßig jemand, der oder die ansprechbar ist, Wünsche und Bestellungen entgegennimmt – ein wenig wie das bisherige Pfarrbüro, wenn auch mit ggfs eingeschränkten Öffnungszeiten.
    • Das Verwaltungszentrum versteht sich eher als „back office“, arbeitet also mehr im Hintergrund und weniger mit direktem Publikumsverkehr. Es verwaltet „die Bücher“ (von Kassenbüchern bis zu Tauf- und Familienbüchern…), erledigt alle Aufgaben, die „mit Trier“ (also mit dem Bistum) abgestimmt werden müssen. Hier ist auch der Dienstsitz des Leitungsteams und die verlässlich erreichbare Adresse für seelsorgliche Fragen.
  3. Definiert und modelliert werden jetzt die Prozesse, die künftig in der Pfarrei der Zukunft oder im Bistum angesiedelt sein werden. Dafür soll gelten:
    • Die ersten Schritte von Verwaltungsprozessen und alle Fragen der Entscheidung und inhaltlichen Gestaltung liegen in der Pfarrei der Zukunft
    • Was für viele und standardisiert (und damit effektiver) erledigt werden kann, erledigt das Bistum als Dienstleister für die Pfarrei(en) der Zukunft

Noch sehr offen ist, wie sich der Übergang aus dem jetzigen Betrieb („Ist“) ins Pfarrbüro der Zukunft („Soll“) gestalten wird. Da muss sich die TPG vorerst auf die Beschreibung des „Soll“ konzentrieren. Spätestens mit dem Übergang in die Pfarrei der Zukunft aber muss vor Ort und im ganzen Bistum vieles schnell geklärt werden. Besondere Herausforderungen sieht die TPG in den Fragen, wie das vorhandene Verwaltungspersonal neu eingesetzt werden soll und wie es für seine veränderten Aufgaben (weiter)qualifiziert wird.

Und eine weitere Aufgabe wird jedenfalls bleiben: Alle in der Praxis (Sekretärinnen und Pfarrer, Gemeindereferentinnen und Kirchenmusiker und Verwaltungsrats-Mitglieder) müssen dafür gewonnen werden, die bistumsweiten Standards zu übernehmen, auch wenn sie bislang anders auch schon gut gearbeitet haben. Das soll Professionalität und Effizienz der Verwaltung im ganzen Bistum sichern – und zugleich neue Freiräume schaffen für das lokale Gestalten und für individuelle Lösungen.

(Dieser kurze Bericht verdankt sich einem Interview mit Thomas Equit, Saarbrücken, Mitglied des Leitungsteams der TPG „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüro der Zukunft“ – von altfried g. rempe, Mitglied der AG Kommunikation.)


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Außerirdisch…

 

Grafik auf einem Dashboard zur Tagung: Zwei in einem Boot

Caritas und Seelsorge – „in einem Boot“

Woran würde ein „Außerirdischer“ merken…

dass wir eine diakonische Kirche sind? Die Frage „saß“…, gestellt von einer Teilnehmerin bei der gemeinsamen Tagung Seelsorge – Caritas im Dekanat Kirchen. Beim Treffen ging es um die Ermutigung zu einer diakonischen Kirchenentwicklung im Sinne des Synodendokuments – und um „Bilder“: vom „Boot“ (in dem Caritas und Seelsorge gemeinsam sitzen), von „Sternen“ und „Stürmen“ (um unterschiedliche Zugänge) und vom „Rudern“ (um miteinander Kurs zu halten).

Der Dichter Reiner Kunze hat das Bildwort vor Augen gestellt:
Rudern zwei
ein boot,
… und am ende ganz am ende
wird das meer in der erinnerung
blau sein. – hier ist das ganze Gedicht

Der Reihe nach: Zur gemeinsamen Tagung von Mitarbeitenden des Caritasverbandes und Seelsorgerinnen und Seelsorgern hatte die Fachkonferenz Caritas eingeladen. Es moderierten Birgitta Bauer und Carmen Schröder vom Diözesancaritasverband. Bereits in der Vorstellungsrunde hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, mittels einer auszuwählenden Abbildung zum Ausdruck zu bringen, was für sie eine diakonische Kirche darstellt. Vertiefend hierzu wurde in kleineren Gruppen mit Textabschnitten aus dem ersten Kapitel des Synodendokuments gearbeitet: „Suchet zuerst Gottes Reich“. Was hat mich bewogen, diesen oder jenen Text zu nehmen? Können wir – als Gruppe – bestimmte Aussagen präferieren? Eine spannende Auseinandersetzung.

Ebenso spannend die Frage in der anschließenden Großgruppe, was je persönlich in der Begegnung mit Anderem und Anderen „irritiert“, „betrifft“, „inspiriert“ bzw. „evangelisiert“. Auch hier waren es Bilder („typische“ Gesichter), die die Wortbeiträge unterstützten.

Die „Pfarrei der Zukunft“ als „diakonische Kirche“ zu denken, dazu wurden in der Folge Vertreterinnen und Vertreter aus Seelsorge und Caritas befragt: Welche Themen, welche Haltungen, welche Kirchorte, welche Botschaft… Dem großen Kreis der Zuhörenden kam die Aufgabe zu, ggf. unterschiedliche Zugänge der „Anderen“ zu hinterfragen.

Abschließend wurden die Möglichkeiten künftigen Miteinanders in Eckpunkten formuliert sowie eine „dreigleisige“ Umsetzung (Dekanatskonferenz – Projektarbeit unterschiedlicher Akteure – sowie thematische Vertiefung innerhalb des Caritasverbandes) miteinander vereinbart.

Bleibt noch die Frage, woran ein „Außerirdischer“ merkt, dass wir diakonische Kirche sind? Man könnte „nachschieben“: Darf es auch ein „Irdischer“ sein, der was bemerkt? Was sind die „Kennzeichen“ einer diakonischen Kirche? Was ist jetzt zu tun?

Die Weiterarbeit am Thema ist für Seelsorge und Caritas auf der „Trierischen Insel“ angesagt. Dazu liegen eine Fülle von Gedanken und Vorschlägen vor – erwachsen aus einem sehr lebendigen, offenen Dialog miteinander.

Rudolf Düber, Diakon


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Töne wider, heilige Halle

Resonanz-Treffen mit Bischof Stephan in St. Maximin, Trier

von Michaela Tholl

Lasst es tönen! – Mit dieser Einladung und Bezug zum Exsultet in der Osternacht begrüßt Dechant Schmitz aus Trier die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der sechsten Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung in Trier St. Maximin. Mir kommt gleich der Gedanke, dass eine solche Einladung an diesem Ort, der selbst für bewegte Zeiten der Veränderung steht, ein guter Ort für einen Widerhall zum ersten Schritt in der Synodenumsetzung sein könnte. Darauf folgte der Hinweis, dass jetzt ein Volk zur Resonanz aufgerufen ist, das nicht an der Synode beteiligt, aber von den Ergebnissen betroffen ist; das lässt aber ahnen, dass hier eher der Betroffenheit Raum gegeben würde und dass weniger mit Jubel zu rechnen sein wird.

Stimmungs-Bild in St. Maximin: Grüne Karten...

Stimmungsbild in St. Maximin

Auch wenn in einem ersten Stimmungsbild Entspanntheit und Besorgnis sich die Waage halten, so sind es im Anschluss an die einleitenden Worte des Bischofs und von Dechant Grünebach doch vor allem die Sorgen, die zum Ausdruck kommen.

„Bei uns ist die Welt noch in Ordnung – und nun diese extreme Form der Veränderung! Das können die Leute nicht nachvollziehen.“ „Wie wird es mit der Sakramenten-Spendung weiter gehen? Die Menschen können ihren Glauben nicht mehr praktizieren, weil die Wege zu weit sind.“ „Die Gremien haben viel geleistet, und nun braucht man sie bald nicht mehr. In den Räten schimpfen die Leute nur noch. Viele haben sich ganz abgewendet.“ „Die älteren Menschen fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt und abgehängt.“ „Dies ist eine brandgefährliche Übergangszeit. Hilfreicher Beistand fehlt.“ „Was wird mit dem Geld, wenn in einer Gemeinde Vermögen durch Verkauf von Pfarrhäusern oder Erbschaften entstanden ist?“ „Was wird mit den Angestellten der Kirchengemeinden?“ „Im Synodendokument kommt weder die Bibel noch der Katechismus vor.“ Und sogar: „Herr Bischof, kämpfen Sie für den überlieferten Glauben?“

Zwar hat der Bischof zu Beginn klargestellt, dass es keine fertigen Antworten oder Pläne in der Schublade gebe und dass genau dies der Beweis und der Preis für das synodale Vorgehen sei. Dennoch können einige Missverständnisse angesprochen und für den einen oder anderen besorgten Besucher der Veranstaltung vielleicht auch ausgeräumt werden.

„Natürlich bleibt der überlieferte Glaube unangetastet“, betont der Bischof. „Die Synode verändert den Glauben nicht, sondern fragt danach, wie wir den Glauben leben und bezeugen. Die Kirche im Bistum Trier versucht sich genau von diesem Auftrag her zu verstehen. Der epochale Wandel vollzieht sich auch ohne die Synode. Die Lebensweise der Menschen heute verändert sich radikal: Wohlstand, Freiheit, Bildung – die Menschen entscheiden selbst, wo und wie sie ihren Glauben leben; die Synode versucht, Antworten darauf zu geben. Wir sind längst eingetreten in eine neue Geschichte des Glaubens.“

Genau das ist auch meine persönliche Erfahrung schon seit vielen Jahren. Und so frage ich mich gelegentlich während der Veranstaltung, wieso es so schwer fällt, die Chancen und Möglichkeiten in der Synodenumsetzung zu erkennen? Liegt es vielleicht daran, dass die Menschen, die sich über diese neuen Möglichkeiten freuen könnten, gar nicht (oder schon lange nicht mehr) da sind? Dann hätte ein Teilnehmer recht, der sagt: „Die Synode hätte schon 20 Jahre früher kommen müssen.“ Aber wenn das so ist: müssen wir uns dann nicht erst recht mit Hochdruck und ohne Zeitverlust den Herausforderungen stellen? Und zwar immer mit der Zuversicht, die unser überlieferter Glaube uns schenkt?

In der Tat haben am Samstag die Hallen von St. Maximin weniger vom Osterlob widergehallt als von den Sorgen der Menschen, die wichtige Säulen der Kirche wegbrechen sehen. Und eines muss auch immer wieder klar und deutlich gesagt werden: Die Pfarrei der Zukunft wird nicht dem Bild der Pfarrei entsprechen, mit dem wir groß geworden sind. Es wird künftig eine verlässliche Verwaltungsebene geben, die sicherstellen soll, dass es Orte christlichen Lebens geben wird, an denen Menschen von ihrem Glauben erzählen, Gottesdienst feiern und sich diakonisch für bessere Lebensbedingungen in dieser Welt einsetzen.

Die Pfarrei der Zukunft wird einen Rahmen schaffen, in dem vielfältiges und unterschiedliches Gemeindeleben wachsen kann – eigentlich das Gegenteil von Zentralisierung! Ich sehe auch nicht, dass die Synode alte Menschen abhängen will und Menschen in den jetzigen Räten für überflüssig erklärt. Oft wird eingewandt, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen verliere. Dabei wird übersehen, dass wir als Kirche die Nähe zu einem großen Teil der Menschen längst verloren haben. Wie bleibt der Glaube lebendig in einer sich rasch verändernden Welt? Im Weggehen sich selber finden, im Hinausgehen in die Welt sehen, wie und wo sich Gott uns zeigt: die Erfahrung, dass das Volk Gottes immer schon ganz wesentlich von Impulsen belebt worden ist, die von außen kamen, ist eine zutiefst biblische und kirchengeschichtliche Erfahrung.

Für mich heißt die Frage: Wie können wir immer wieder neu die Erfahrung eines Gottes sichtbar machen, der mit uns geht, dem die Schwachen am Herzen liegen, der Würde und Freiheit schenkt? Unser Glaube ist erst dann bedroht, wenn wir aufhören, daran zu glauben: dass Gott der ist, der mit uns geht, durch alle Zeiten.


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Danke, dass Sie „noch“ Ehrenamtler sind!

… antwortete Weihbischof Jörg Michael Peters auf die Frage, was er einem ehrenamtlich engagierten Mann antworten würde, der kurz zuvor ausdrücklich erklärt hatte, er sei „noch Ehrenamtler“ in seiner bisherigen Pfarrei. Und außerdem habe es schon Gespräche gegeben – und gute Aussicht, dass das Engagement weitergeht.

resonanz-simmern

Simmern: Selbsteinordnung nach „Ehrenamt / Hauptamt“, Alter („Sturm&Drang / Weisheit des Alters“) statt einer Vorstellungs-Runde…

Überfordert nicht das Ehrenamt! („Da sind Menschen, die für eine Sache brennen – helft, dass sie nicht ausbrennen!“) Wer begleitet die Menschen, die sich engagieren – und wer findet neue Charismen und bietet ihnen welche Aufgaben an: Fragen rund um das ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien der Zukunft bildeten einen Schwerpunkt des Resonanz-Treffens mit Bischof Stephan in Simmern am 1. Juni. Der Bischof selbst hofft, dass die Pfarrei der Zukunft auch neue Ehrenamtliche anziehen wird – und rät zu Realismus: Es kann aber auch passieren, dass eine Aufgabe zu Ende kommt, weil niemand sie tun kann oder will.

Rote Fäden: Inhalt wichtiger als Struktur

Aus dem Abstand einiger Tage wird klarer, dass die Veranstaltung in Simmern noch zwei weitere rote Fäden hatte: Einerseits betonten Bischof Stephan wie etwa auch Dechant Clemens Grünebach, dass es eigentlich nicht um Strukturfragen zu gehen hat. Wichtig sei der Synode und ihnen selbst, wie Christsein auch in der heutigen Gesellschaft gelebt und weitergegeben werden kann – und dass die Struktur-Fragen wichtig, aber eigentlich doch sehr relativ sind.

Bischof Stephan gab so etwas ab wie eine Selbstverpflichtungs-Erklärung: Er werde sehr genau darauf achten, dass andere Themen der Synode nicht verschwinden hinter den Strukturfragen: Dass wir diakonisch Kirche sein wollen; dass wir die Katechese ganz neu aufstellen wollen – und dass wir synodal Kirche sein wollen.

Auch Inhalte brauchen natürlich Strukturen, um „in Form“ zu bleiben. Und natürlich gab es Kritik an Teilen der konkret vorgeschlagenen neuen Raumstruktur der geplanten Pfarreien der Zukunft. Besonders aus der Pfarrei der Zukunft „Oberwesel“ gab es Hinweise – und auch aus der Pfarreiengemeinschaft Rupertsberg. Dort sei gerade ein guter Prozess im Gange, dass die Gemeinden zusammenwachsen – das solle doch bitte nicht gestoppt und die Pfarreiengemeinschaft zwei verschiedenen Pfarreien der Zukunft zugeteilt werden.

… und: „Pfarrei“ unterscheiden von „kirchlicher Ort“ und „Gemeinde“

Hilfreich sollte ein zweiter roter Faden des Abends sein: Deutlicher zu unterscheiden zwischen der Pfarrei (eben vor allem als Struktur-, Verwaltungs- und Service-Einheit) und dem, was seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „Gemeinde“ oder „Pfarrgemeinde“ genannt wurde. Heimat finden die Christenmenschen in solchen Gruppierungen oder eben „Gemeinden“, die schon immer in großer Zahl in den Pfarreien zu finden sind. Vielleicht muss nur noch klarer werden, dass diese Orte von Kirche oder Kirchorte (so nennt die Synode sie) auch weiterhin das Feld sein werden, in dem Ehrenamtliche und hauptamtlich Engagierte miteinander ihre eigene Mission und ihre Formen von Nächstenliebe leben und weiter entwickeln und gottesdienstlich feiern; das könnte die Befürchtungen mildern, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen könnten sich in den „großen Räumen“ verloren vorkommen.

Kooperation und Vernetzung: zwei Beispiele

Gute Beispiele für neue Kooperations- oder Vernetzungs-Formen brachten zwei Projekte aus der Region Hunsrück ein: In der Jugendkirche „Crossport to Heaven“ auf dem Flughafen Hahn: Jugendliche lassen dort ihre eigene Form von Gottesdienst und Glaubensgespräch und gesellschaftlichem Engagement auch heute schon über Pfarreien-Grenzen hinweg wachsen. Und im „willkommensnetz“ im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sich, wie Menschen und Einrichtungen sich in größeren Räumen leichter als in der kleinteiligen Pfarrei zu einem gesellschaftlichen Thema zusammenfinden und effektiv für andere Menschen arbeiten können.

Alles sehr spannend – und da war es kein Wunder, dass der Abend eine halbe Stunde länger dauerte als eigentlich geplant!


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Entdecken (helfen), wo kirchliches Leben lebt…

Skizze zu den Aufgaben der zehn „Erkundungs-Teams“
in den vorgeschlagenen Pfarreien der Zukunft

Gesucht werden dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pastoral, aus Verbänden, Generalvikariat und aus dem Bereich Caritas. Sie sollen ab September dieses Jahres in den ca. 35 Pfarreien der Zukunft auf Erkundungsreise gehen – in zehn multiprofessionellen Dreier-Teams, jeweils zusammen mit entsprechenden Gruppen und interessierten Menschen vor Ort.

Trauben-Träger aus böhmischer Krippe

Kundschafter haben Schätze entdeckt – eine böhmische Krippe stellt sie als Trauben-Träger dar

Erkunden sollen sie die sozialen und kulturellen und religiösen Situationen der jeweiligen Pfarrei der Zukunft; sie sollen herausfinden und bewusst machen, wie dort kirchliches Leben bereits gelebt wird und welche Unterstützungs-Formen es weiterhin braucht.

Besonders interessant wird es sein, die Chancen für neue Formen und Orte des Christseins zu entdecken; das kann helfen, dass die sich dann auch entfalten können. Dabei wird es immer auch darum gehen, den Blick zu weiten – für manche ist es ja eine Neuigkeit, dass auch Kitas und Kliniken, „Tafeln“ und Jugendtreffs „Kirchorte“ im Sinne des Abschlussdokuments der Synode sind.

Ausgeschrieben sind die 25%-Stellen im kirchlichen Amtsblatt und beim Diözesan-Caritasverband; Personal-Auswahl, Zusammenstellung und Training der Teams sollen im Juni beginnen – und starten soll ihre Arbeit im September.
Hier finden Sie die Ausschreibung im KA – und hier eine Skizze der Erkundungsphase von Dr. Gundo Lames (Steuerungsgruppe)