heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Wir sind herausgerufen, unseren Veränderungsprozess zukunftsgerichtet zu gestalten

Ein Kommentar

Statement von Generalvikar Graf von Plettenberg zur Instruktion der Kleruskongregation „Die pastorale Umkehr“

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Generalvikar Graf von Plettenberg ermuntert, trotz römischer Instruktion, weiterhin kritisch und konstruktiv an der Veränderung mitzuarbeiten

Liebe Mitchristen im Bistum Trier,
liebe interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer*!

Ich war ernüchtert und enttäuscht nach der römischen Intervention Anfang Juni, die die Folge von im Vatikan eingereichten Beschwerden über das Gesetz zur Umsetzung der Synodenergebnisse war. Die aufgestellten Stoppschilder haben einige von uns gelähmt. Trotzdem hat es in verschiedenen Gruppen und Settings konstruktive Beratungs- und Arbeitstreffen gegeben. Heute bin ich dankbar für die vielen guten Ideen und die Bereitschaft von so vielen, den Veränderungsprozess auch unter erschwerten Bedingungen weiter mit zu tragen. Es gilt weiterhin, einen guten Weg der Synodenumsetzung zu finden, der einerseits den Bedenken der römischen Behörden Rechnung trägt, aber auch den Perspektivwechseln der Synode treu bleibt.

Ich wende mich heute an Sie, weil viele von Ihnen die am 20. Juli veröffentlichte Instruktion der Kleruskongregation mit dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ zur Kenntnis genommen haben. Die ersten Reaktionen aus dem Bistum, die ich wahrnehme, sind unterschiedlich: Einige fühlen sich in ihrer bewahrenden Haltung bestärkt – nicht wenige aber sind irritiert und enttäuscht bis dahin, dass sie sich von Kirche abwenden wollen. Das macht mich sehr betroffen. Daher will ich aufzeigen, warum es sich weiterhin lohnt, sich für die Synodenumsetzung einzusetzen.

Zur Sache: Ziel der aktuellen römischen Instruktion ist es, Möglichkeiten und Einschränkungen für die Reformprozesse von Pfarreien zu formulieren. Für uns im Bistum Trier sind viele der Aussagen weiterhin schmerzhaft, aber nicht fremd. Wir kennen sie schon aus unseren Gesprächen in Rom, bei denen es um die Bewertung des Umsetzungsgesetzes ging. Die Instruktion bringt es nun noch einmal in eine kirchenrechtliche Fassung und auf eine weltkirchliche Ebene.

Was bedeutet das für uns: Zunächst einmal nichts – denn unsere Vorüberlegungen für eine neue Orientierung nach der römischen Intervention, die ich am 20. Juni gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit vorgestellt habe, greifen die von Rom gesetzten roten Linien bereits auf. Wir haben die Einschränkungen, die die Instruktion nun öffentlich formuliert, bereits mit berücksichtigt. In anderen Punkten teilt das römische Dokument spürbar unsere Analyse und Vision einer erneuerten Pfarrei. Ich möchte einige wenige Punkte konkret benennen:

  1. Im Grundsatz bestätigt uns die Instruktion in unseren Synodenergebnissen: angefangen von der Analyse der Herausforderungen, in denen wir heute als Kirche angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen stehen, über die „Perspektivwechsel“, die eine Entsprechung in der „pastoralen Umkehr“ finden, bis hin zu den pastoralen Optionen einer missionarischen, diakonischen und lokalen Kirchenentwicklung. Die Instruktion verschweigt nicht, dass eine missionarische Umkehr auch einer Strukturreform der Pfarrei bedarf (vgl. Nr. 6). Es heißt ausdrücklich: „[Es geht] im Kern dieses Erneuerungsprozesses um die Notwendigkeit, Strukturen zu finden, die geeignet sind, in allen Teilen der christlichen Gemeinschaft die gemeinsame Berufung zur Verkündigung der Frohen Botschaft […] anzufachen” (Nr. 44).
  2. Der für mich lesenswerteste Teil der Instruktion ist Abschnitt IV. „Die Mission – Leitmotiv der Erneuerung“ (Nr. 16-26). Dort wird eindrücklich beschrieben, dass kirchliches Leben nicht nur in der Pfarrei als geografischem Raum geschieht, sondern im „existentiellen Territorium“ (Nr. 16), in dem jeder sein Leben in Beziehungen und Gewohnheiten lebt. Weiterhin wird beschrieben, dass die „Qualität menschlicher Beziehungen“ eine Voraussetzung für die Evangelisierung ist, dass es um eine „Kultur der Begegnung” und um eine „Kunst der Nähe” gehen wird (vgl. Nr. 24-26). Ist das nicht eine genaue Beschreibung dessen, was wir mit dem Prinzip der Sozialraumorientierung und dem Konzept der „Orte von Kirche“ meinen?!
  3. Einen deutlichen Dämpfer haben wir bereits in den Gesprächen mit den Verantwortlichen der Kleruskongregation und des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte Anfang Juni bezüglich der Leitungsteams für die neuen Pfarreien bekommen. Das wird in der Instruktion nochmals deutlich betont: Die explizite Ablehnung der Begriffe „Leitungsteam“ oder „Leitungsequipe“ trifft unsere Konzepte, aber auch die anderer Diözesen. Dass demgegenüber die Rolle des Pfarrers stärker markiert wird (Nr. 66-74), erscheint vielen in und außerhalb der Kirche, nicht zuletzt aufgrund der Erkenntnisse aus der beginnenden Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs durch Priester, aber auch aufgrund des starken Rückgangs der Priesterzahlen hierzulande, als unangemessen und unzeitgemäß. Es wird aber nicht unsere Bestrebungen mindern, etwa auf Ebene der pastoralen Räume, Führungsaufgaben und Verantwortung verbindlich und verlässlich zu teilen. Hier werden wir weiter um angemessene Formen eines „neuen Gemeinschaftsstils“ (Nr. 2) ringen, zu dem die Instruktion ja auch ausdrücklich auffordert.
  4. Das betrifft auch die Gremien in den Pfarreien und auf Diözesanebene. Auch wenn im Abschnitt X. (Nummern 101 bis 117), in dem es um die Organe der Mitverantwortung geht, die Stoppschilder wieder deutlich aufleuchten, verweise ich darauf, dass wir bzgl. der Verantwortung bei der Vermögensverwaltung in den deutschen Diözesen eine andere Realität haben, nämlich eine kollegiale Verantwortung des Verwaltungsrates gemeinsam mit dem Pfarrer, die sich auch in vielen Fällen prägend auf den Stil der Beratungen in den pastoralen Gremien ausgewirkt hat. Im Bistum Trier werden wir zukünftig sehr darauf achten, dass der neue Gemeinschaftsstil sich auch in der konkreten Praxis der Beratungen und Entscheidungsfindungen verbindlich etablieren kann. Für mich heißt das, dass wir die Mündigkeit der Getauften und Gefirmten und die Würde des Volkes Gottes als Ganzes ernst nehmen.

Liebe Schwestern und Brüder, mit diesen wenigen Beispielen will ich Ihnen zeigen, dass ich die von der Synode vorgeschlagenen Perspektivwechsel weiterhin für richtungsweisend halte. Darin ist auch meine Motivation zur Umsetzung der Synode begründet, die weder durch die römische Intervention im Juni noch durch die aktuelle Instruktion der Kleruskongregation gebrochen ist. Die guten Diskussionen mit vielen konstruktiven Beiträgen seit Mitte Juni bestärken mich vielmehr.

Sie bestärken mich auch im Willen zur Einheit in der Kirche von Trier, zum Zusammenbleiben der Gläubigen in aller Verschiedenheit, auch bezüglich der zukünftigen Ausrichtung unserer Kirche. Ich verhehle aber auch nicht, dass ich keine Lösung sehe, die alle Vorstellungen erfüllen kann. Wie so oft liegt auch hier der Weg in der Suche nach einem Kompromiss. Statt sich abzuwenden oder zu verharren, ermutige ich alle, an einem solchen Kompromiss kritisch und konstruktiv mitzuarbeiten. Kirche, wie auch die Gesellschaft insgesamt, befindet sich in einem unausweichlichen Veränderungsprozess. Auch wenn es jetzt spürbare und sichtbare Schranken gibt, sind wir herausgerufen, diesen Veränderungsprozess zukunftsgerichtet zu gestalten. Die Frohe Botschaft drängt uns, Schritte in die Zukunft zu wagen! Ich hoffe und wünsche mir, dass Sie alle diese Schritte mitgehen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ulrich Graf von Plettenberg
Bischöflicher Generalvikar


* Das Video zu diesem Text finden Sie hier.
Den Text als PDF herunterladen.

Ein Kommentar zu “Wir sind herausgerufen, unseren Veränderungsprozess zukunftsgerichtet zu gestalten

  1. Danke für die offenen und ermutigenden Worte!

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