heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


Ein Kommentar

Synodales Rechenexempel

Podcast „Kreuz & Quer“ von Wolfgang Drießen vom 27. Juni 2020

Ich bin Wolfgang Drießen von der Rundfunkarbeit im Bistum Trier und gebe zu, dass ich mit den Ergebnissen der römischen Intervention zur Synodenumsetzung im Bistum Trier irgendwie gerechnet habe. Obwohl ich in Mathematik eigentlich eine Null bin. Aber mit den Grundrechenarten komme ich klar. Deshalb hier eine einfache Rechenaufgabe:

172 – 40 -100 = 32

Jetzt bin ich Ihnen natürlich die Erklärung schuldig, was es mit diesen Zahlen auf sich hat.

172: Das ist die Zahl der möglichen zukünftigen Pfarreien, die nach den ersten Überlegungen nach dem römischen Nein zur geplanten Strukturreform jetzt im Raum steht.

40: Das ist die Zahl der Pfarreien, die zurzeit schon vakant sind, also keinen Pfarrer haben.

100: Das ist eine von mir angenommen Zahl, die aber wohl nicht ganz weit von der Wahrheit entfernt ist. (Wer das genauer weiß, kann sich bei mir melden, dann korrigiere ich meine Rechnung gerne.) Wenn pro Jahr 10 Pfarrer in den Ruhestand gehen, die nicht ersetzt werden können, dann sind das 100 in 10 Jahren. Anzunehmendes Ergebnis für das Jahr 2030: Es gibt im Bistum Trier noch 32 Pfarrer, die als „pastor proprius“ nach Can. 519 CiC eine Pfarrei leiten können und dürfen. (Es gibt im Codex Iuris Canonici, dem kirchlichen Gesetzbuch ganz viele Zahlen, mit denen man rechnen muss, so auch die 519).

Merken Sie was? So oder so ähnlich müssen vor mir schon andere gerechnet haben. Denn dieses Ergebnis bzw. diese Zahl ist nicht weit weg von der Anzahl der Pfarreien der Zukunft, die bis zum November 2019 als Zukunftsmodell für unser Bistum Trier vorgesehen waren, nämlich 35. Wir hätten also zumindest mal zehn Jahre arbeiten können, ohne uns ständig mit neuen Vakanzen und Notlösungen über Wasser zu halten, um Fähnchen neu zu stecken und irgendwie kirchenrechtlich aufreißende Löcher zu stopfen.

Obwohl die Zahlen stimmen, wir haben uns verrechnet. Jetzt muss es also anders gehen. Ich habe gehört, dass es etwas ganz Neues und Einzigartiges gibt, das Bischof Stephan aus Rom mitgebracht hat. Es soll eine Arbeitsebene geben zwischen dem Bistum und Rom, die eng miteinander Schritt für Schritt vorwärts trippelt, damit ja keiner mehr auf dem Weg der Synodenumsetzung in irgendeinen Fett- oder sonstigen Napf tritt. Wenn ich jetzt mal den günstigsten Fall annehme und die „Römer“ staunend von uns lernen wollen, wie man vielleicht auch in anderen Bistümern der Welt die Zukunft gestalten kann, dann sollten sie –„die Römer“ – zuallererst das Abschlussdokument unserer Synode von 2016 lesen.

Ja, das ist jetzt schon genau 4 Jahre her. Und ja, dieses Dokument gilt auch heute noch. Kein Buchstabe davon ist von Rom oder irgendeinem anderen zurückgepfiffen oder gestrichen worden. Schade, dass diese Tatsache die Presse und die Öffentlichkeit in den letzten Wochen nicht so interessiert hat wie das römische „Nein“ zur Struktur.

Aber zurück zum Dokument: Da stehen wunderschöne Sätze drin wie:

Im Neuen liegt eine Radikalität, die nicht dem Alten, bisher Bekannten verhaftet bleibt, sondern sich mit Mut und Weite neuen Perspektiven stellt“.

(heraus gerufen, Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier, S. 14)

Oder:

Es gilt Abschied zu nehmen. Abschiednehmen heißt einsehen, dass etwas ans Ende gekommen ist, und einen Schlusspunkt setzen. Bewusstes und verantwortliches Abschiednehmen lässt dem Zurückgelassenen die Bedeutung, die ihm zusteht. Ein guter Abschied macht einen Neuanfang möglich.“

(s.o. S.14)

Lest das, ihr lieben „Römer“, am besten das ganze Dokument, und rechnet damit, dass wir „Trierer“ es ernst nehmen. Denn es hat es verdient. Und bitte, bitte lernt mit uns. Damit es nicht noch mal einen Strich durch die Rechnung gibt.

Und rechnet damit, dass wir Wege finden, die richtigen Strukturen zu finden, um die guten Inhalte unseres Synodendokumentes auch umsetzen zu können. Dazu als Tipp noch eine Zahl zur persönlichen Weiterbildung in höherer Synodenumsetzungsmathematik: CIC Can. 517 §2.

„Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet.“

Can. 517 §2 CIC 1983

Wenn uns bis dahin nicht die Menschen weg gelaufen sind, die das alles machen sollen. Denn auch damit sollten wir rechnen.

Der Podcast zum Anhören


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Fürchtet euch nicht!

„Wie geht der Weg in der Synode unseres Bistums Trier weiter? Ängste und Sorgen schwingen mit in den Alltag der Kirche und der Menschen, die hier haupt- und ehrenamtlich arbeiten. In all das spricht Gott an diesem Sonntag zu uns ‚Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Zeit.'“

Das Sonntagswort für Sonntag (21. Juni) ist in Ramersbach aufgenommen. Neben dem Impuls von Dechant Jörg Meyrer spricht Bischof Stephan Ackermann ein Grußwort.

Mehr dazu: www.verbundenanderahr.de

Alle Informationen, Videos, Statements zum Download und Materialien zur aktuellen Synodenumsetzung mit den Entwicklungen nach den Beratungen mit den diözesanen Gremien (Pressekonferenz vom Samstag, 20. Juni 2020) finden Sie unter bistum-trier.de/herausgerufen


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Ist die Synode gescheitert?

Gedanken zu den neuesten Entwicklungen der Synodenumsetzung

Foto Dominik Holl

Dominik Holl, Redakteur in Saarbrücken

Zum Autor: Mein Name ist Dominik Holl, ich bin Redakteur in der Bischöflichen Pressestelle des Bistums Trier in Saarbrücken. In dieser Funktion habe ich das breite Medienecho in Bezug auf die Gespräche zwischen Vertretern des Bistums Trier, darunter auch Bischof Dr. Stephan Ackermann, und Vertretern des Vatikan in Rom genau verfolgt. Gegenstand der Gespräche waren die beiden Klagen gegen das Gesetz zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier. Meine Gedanken zu den Ergebnissen dieses Gesprächs und zu den anschließenden Interpretationen der Medien möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

„Vorerst Gescheitert“, „Reform gestoppt“ – die Schlagzeilen zum Gespräch von Bischof Stephan Ackermann im Vatikan klangen wie ein Abgesang auf die Synodenumsetzung. Wenngleich die eigentlichen Meldungen unter den besagten Schlagzeilen einen weitaus sachlicheren Ton eingeschlagen haben, so schien in den Überschriften eine gehörige Portion Genugtuung der jeweiligen Autoren zu stecken. Ein Redakteur ging sogar so weit, in einem anschließenden Kommentar personelle Konsequenzen in Richtung Bistumsleitung für das sogenannte „Scheitern“ zu fordern.

Aber ist der Prozess denn wirklich gescheitert? Zugegeben: Die Befürworter der Synode hatten sich sicherlich ein anderes Ergebnis aus Rom erhofft. Die Gegner aber wahrscheinlich auch. Denn die Ergebnisse der Synode bleiben als Orientierung weiterhin gültig. Natürlich wurden bestimmte Punkte von Seiten des Vatikans benannt, an denen geschraubt werden muss. Aber zu behaupten, das gesamte Projekt sei gescheitert oder gestoppt, hieße die Sachlage zu verkennen. Denn eines sollte nicht vergessen werden: Bei den Gesprächen in Rom ging es vor allen Dingen um den gesetzlichen Rahmen der äußeren Struktur, sprich: hier ging es um die Administration, die Verwaltung des kirchlichen Lebens. Nicht aber um das kirchliche Leben selbst.

Allein die Reaktion aus Rom ist Beleg dafür, dass ein anderer Wind durch die Kirche weht. Wären die Ideen der Synode ein singuläres Aufbegehren eines einzelnen Bistums, beispiellos in der großen Kirche, ohne Nachahmer oder Gleichgesinnte, die andernorts ähnliche Wege einschlagen – Rom hätte Bischof Ackermann wohl mit einem Tadel und der klaren Absage an alle Pläne nach Hause geschickt. Stattdessen hat Rom die Bedeutung des Vorhabens und die Tragweite der Auswirkungen auf die gesamte Katholische Kirche sogar schriftlich in der Pressemitteilung anerkannt. Allein wegen dieser Konsequenzen versuchen sie nun, ein Auge auf das Gesetzt zu haben, um den Grad der Änderungen kontrollieren zu können. Änderungen aber werden kommen und sie werden letztlich von Rom gebilligt sein.

Ja, Gottes Mühlen mahlen langsam und Gottes Kirche bewegt sich nur allzu oft zermürbend träge. „Und sie dreht sich doch!“, möchte man sagen. Die Synode ist nicht aus dem Nichts heraus entstanden. Sie ist Teil eines breiten gesellschaftlichen und innerkirchlichen Diskurses über die Erneuerung der Kirche, über einen Weg in die Zukunft. Auch die Gegner der Synode sind Teil dieses Diskurses. Wüssten sie, dass der Weg des Bistums sicher zum Scheitern verurteilt sei, sie würden sich entspannt zurücklehnen. Je heftiger die Reaktionen ausfallen, desto deutlicher wird, dass das Momentum der ins Rollen geratenen Kirche im Bistum immer größer wird.

Werfen Sie nur einmal einen Blick auf die Inhalte der Synode, auf die neuen Gottesdienstformen, von denen dort die Rede ist, auf die neuen Wege, den Menschen pastoral zu begegnen, auf die Ziele, sich als Kirche stärker und vernetzter in die Gesellschaft zu wagen. Schauen Sie sich dann einmal um – in Ihrer Gemeinde, in Ihrem Dekanat, in Ihrer nahen und fernen Umgebung: Was davon gab es vor sieben Jahren schon so? Was ist neu hinzugekommen? Und noch viel wichtiger: Worüber darf nachgedacht und diskutiert werden, ohne dass man für völlig verrückt gehalten wird. Es ist mehr möglich in dieser Kirche. Auch wenn der Prozess um die Struktur der Synodenumsetzung langwierig und kraftzehrend sein mag. Der Diskurs in unserer Kirche hat sich spürbar verändert, das hat die Synode in ihrem Dokument klar manifestiert. Und vielleicht hat die Corona-Pandemie hier auch nochmal als Katalysator gewirkt, um Dinge in Schwung zu bringen, noch mehr undenkbare Dinge nicht nur denkbar, sondern vor allem durchführbar zu machen.

Wenn so Scheitern aussieht, möchte ich gerne wissen, was passiert, wenn aus dem Scheitern ein Erfolg wird!


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Neugierig sein, neugierig machen

Zwei Jahre lang waren nach intensiver Vorbereitung zehn diözesane Erkundungsteams im Bistum unterwegs

Von Dr. Gundo Lames (+)

Die Erkundungsphase im Rahmen der Synodenumsetzung und der Vorbereitung der Pfarreien der Zukunft ist zu Ende. Zwei Jahre lang waren nach intensiver Vorbereitung zehn diözesane Erkundungsteams unterwegs. Ihr Auftraggeber war der Bischof. Er hatte sich eine mutige, neugierig machende und aktivierende Erkundung gewünscht. Die Erkundungsteams haben in den ersten, zumeist „Rendezvous“ genannten Eröffnungsveranstaltungen auch regionale Erkundungsteams gewinnen können. So konnten in dieser Zeit über 10.000 Menschen bei Treffen in Gruppen, Institutionen, Gremien, auf öffentlichen Plätzen, auf Märkten, vor und in Bahnhöfen, vor Supermärkten, in und vor Kirchen, auf einem Schiff, bei Fahrradtouren und vielen anderen Gelegenheiten angesprochen werden.

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In Kontakt kommen mit dem Sozialraum

Erfahrungen aus der Erkundungsphase

Interview mit Edith Ries (stellvertretende Leiterin des Synodenbüros) und Dr. Alexander Knauf (Referent Sozialraumorientierung und Gemeinwesenarbeit Caritasverband für die Diözese Trier e.V.)

Was stand hinter der Idee der Erkundung?

Ries:  Die Idee war, als Kirche hinaus zu gehen zu den Menschen, in ihre Lebenswelt vor Ort, und zu schauen, welche Themen sie bewegen und motivieren, was sie bedrückt und was sie von Kirche erwarten und benötigen. Es ging darum, Interesse für Neues zu wecken, bisher Unbekanntes zu entdecken, aber auch Altbekanntes und Bewährtes neu in den Blick zu nehmen.

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