heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Orte von Kirche

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Synodalversammlung, Synodenumsetzung, „Pfarreien der Zukunft“ oder „Orte von Kirche“ – ganz im Ernst, wenn ich Freunden von der Umsetzung der Bistumssynode erzähle, könnte ich auch gleich ein Wörterbuch daneben legen. Auch vielen Gläubigen im Bistum fällt es schwer, sich etwas unter den Begriffen vorzustellen. Dabei ist das so wichtig, wenn wir alle gemeinsam unsere Kirche auch in Zukunft gemeinsam leben wollen.

Ich habe meine Freunde mal gefragt, was sie unter den Begriff verstehen: (Frau) Ort von Kirche? … Da fällt mir jetzt so spontan gar nichts zu ein“, (Mann) Spontan würde ich sagen, dass es ein Ort ist, an dem Menschen zusammenkommen, sich treffen“, (Mann) Ein Ort von Kirche ist für mich überall, wo nette Leute zusammenkommen und man sich gegenseitig hilft und eine schöne Zeit miteinander verbringt“.

Im Grunde haben die zwei Jungs schon den Kern ausgemacht; aber so manchem Katholik geht es da eher wie meiner Freundin.

Das merken auch die Hauptamtlichen und so erreichen mich immer wieder Infos über Veranstaltungen, in denen „Orte von Kirche“ gesucht werden. Das ist ein gutes Zeichen. Denn „Orte von Kirche“ werden in den zukünftigen Pfarreien eine wichtige Rolle spielen. Sie entsenden Mitglieder in die Synodalversammlung. Dadurch haben sie, also die ehrenamtlich Engagierten, einen erheblichen Einfluss auf das zukünftige Gemeindeleben.

Einige Institutionen melden sich zu Wort, da sie sich schon lange als „Ort von Kirche“ sehen. Familienbildungsstätten zum Beispiel oder Kindergärten. Dort wird der christliche Glauben gelebt, unter anderem durch das Feiern von Ostern oder mit St.-Martins-Umzügen.

Darüber hinaus gibt es aber noch andere Orte, auf die ich aufmerksam machen möchte.

Orte von Kirche – vielfältig und nah bei den Menschen

Werner Birkenheier aus dem Hunsrück bringt längst vergessene Hauskreise wieder ins Spiel. Er leitet so einen Kreis – in seinem Wohnzimmer. Die Treffen sind geprägt von singen und beten, aber auch von persönlichem Austausch zu Glaubensfragen und Lebensthemen. Der eigene Glaube ist hier ganz nah am wirklichen Leben der Menschen. Für den Banker sind die Treffen „praktische Lebenshilfe“, so sagt er. Den Frauen und Männern dort geht es um eins: Den christlichen Glauben in den Alltag zu integrieren. Und das Gute ist: Diese Treffen können im Grunde überall stattfinden: im Wohnzimmer im Hunsrück, Pfarrheime, Cafés – eigentlich immer da, wo man zusammenkommen kann und will. Dafür braucht es kein Kirchengebäude oder einen Priester.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Kirchenchöre oder Messdienergruppen – da liegt es fast schon auf der Hand, dass das „Orte von Kirche“ sein müssen, oder? Andere Orte sind eher versteckt, da kommt man nicht so leicht drauf. So können Nachbarschaftshilfen, Eine-Welt-Läden oder Jugendgruppen auch „Orte von Kirche“ sein. Denn allen Orten ist gemein: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Bei einer Veranstaltung in Birkenfeld betont ein Teilnehmer, dass sich beim jährlichen Pfarrfest viele Menschen beim Aufbau von Buden oder Bänken engagieren. Sie helfen, dass das Glaubensfest gelingen und vielen eine Freude bereiten kann. Also auch ein „Ort von Kirche“.

Die Eigenschaften, die ein solcher Ort mitbringen sollte, sind recht einfach: Hier wird die Frohe Botschaft des Evangeliums gelebt – auf eine greifbare Art und Weise.

Orte von Kirche mit Leben füllen

Den Menschen im Birkenfelder Pfarrheim sind nach erster Skepsis noch einige weitere „Orte von Kirche“ eingefallen: Frauentreff, Stammtisch mit dem Pfarrer nach dem Sonntagsgottesdienst, Kleiderstube, Kolping, Sternsingergruppen und die Tafel. Und das gibt es alles schon in der Gemeinde. Für viele Gemeindemitglieder sind diese Orte ganz selbstverständlich und sie laufen so mit, aber durch die Synodenumsetzung wird der Fokus noch einmal auf diese Orte gelenkt und vor allem auf die Menschen, die diese Orte mit Leben füllen.

Es sind Orte, an denen über Glaube gesprochen wird oder nach dem christlichen Glauben gehandelt wird. Entweder ganz ersichtlich wie in Gebetskreisen. Oder in der Kleiderstube. Dort wird in der Regel nicht direkt über die Bibel, Gott und Jesus gesprochen, aber deren Kernaussage „Nächstenliebe“ gelebt.

Von der Freiheit, neue „Orte von Kirche“ zu gründen

Wenn Menschen dazu ermutigt und inspiriert werden, weitere „Orte von Kirche“ zu gründen. Und sie erfahren, dass der Glaube an Gott nichts Lebensfernes, sondern etwas ganz Alltägliches, Lebensnahes ist. Wenn wir diesen Orten eine höhere Aufmerksamkeit schenken, dann, ja dann, kann die Umsetzung der Ergebnisse der Bistumssynode doch gar nicht so schlimm sein. Davon bin ich überzeugt und guter Dinge.

Genießen wir also die Freiheit, neue „Orte“ zu gründen, vergessen geglaubte wieder aufleben zu lassen oder seit Jahrzehnten gut funktionierende Gruppen mit diesem „Prädikat“ – Ort von Kirche – auszuzeichnen.

Von Julia Fröder, Redakteurin der Bischöflichen Pressestelle in Koblenz

Podcast vom 17. August 2019

Zum Anhören:

Podcasts des Bistums aus den letzten Wochen zum Nachhören: www.bistum-trier.de/home/kreuz-quer-alle-podcasts

 

Hinweis: Der Podcast ist vor der Aussetzung des Umsetzungsgesetzes durch die Römische Kleruskongregation am 21. November 2019 entstanden und gesendet worden. Aktuelle Entwicklungen unter: www.bistum-trier.de/herausgerufen

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