heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Versuchungen der Kirche I

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Eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich besteht darin zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen. (Brief von Papst Franziskus „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29.6.2019, Nr. 5)

Dazu schreibt Bischof Stephan Ackermann:

Gerade gegenüber der Kirche in Deutschland ist häufiger der Vorwurf zu hören, dass sie aufgrund ihrer finanziellen Kraft und ihrer Ausstattung in der Gefahr steht, das Heil vor allem von Organisationen und Strukturen zu erwarten. Papst Franziskus benennt diese Versuchung. Er sieht sie aber offensichtlich nicht nur in Deutschland, sondern er spricht allgemein von einer „der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich“. Es handelt sich also nicht nur um eine deutsche Versuchung. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass wir in Deutschland mit unserem Hang zu Ordnung und effektiver Organisation in der Gefahr stehen, uns zu sehr auf diesen Bereich zu konzentrieren. Andererseits verkennt auch Papst Franziskus die Wichtigkeit von Strukturen nicht. (Schreiben Evangelii Gaudium Nr. 26-32)

Ich sehe die Grundversuchung der Kirche, die der Papst meint, vor allem darin, sich zu sehr auf die Bereiche zu stürzen, in denen man etwas „machen“ kann: Organisationen und Strukturen kann man leichter verändern als Haltungen. Sollen diese Änderungen aber nicht äußerer Aktivismus bleiben, dann muss man ebenso ernsthaft an der Veränderung der Haltungen arbeiten, d. h. an dem Geist, dem die Strukturen dienen sollen. Im Sinne des Evangeliums geht es letztlich immer um Bekehrung. Bloße Veränderungen reichen nicht. Eugen Roth hat es in seinen Gedichten einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: „Ein Mensch nimmt – guten Glaubens – an, er hab‘ das Äußerste getan. Doch leider Gott‘s vergisst er nun, auch noch das Innerste zu tun.“

Und die „vitalen Punkte“, von denen der Papst spricht, worin bestehen sie? Franziskus verweist auf sein Schreiben Evangelii Gaudium: Die Vitalität der Kirche besteht vor allem darin, nicht bei sich selbst zu bleiben, sondern Gemeinschaft zu sein, die aus dem Impuls des Evangeliums heraus über sich hinausgeht, die – mit einem Wort: missionarisch ist. Mit Paulus können wir auch sagen, der Vitalitätstest der Kirche besteht darin, dass die Christen mehr und mehr glauben, mehr hoffen, mehr lieben (1 Kor 13,13) und – dass sie mehr Freude ausstrahlen! (Phil 4,4).

 

Hinweis: Im Juni hatte Papst Franziskus sich in einem Brief an „das pilgerne Volk Gottes in Deutschland“ gewandt. Unser Bischof Stephan findet, dass der Brief auch viele spirituelle Anregungen für unseren diözesanen Weg der Synodenumsetzung und unser Vorhaben, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben, enthält. Deshalb wird er in zehn Wochen jeweils kurze Impulse zu zehn Kernaussagen aus dem Papst-Brief geben. Sie sind im Paulinus zu lesen und hier bei uns zu finden. Alle bisherigen Folgen auf einen Blick: http://www.kuerzer.de/papstbrief

 

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