heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Dank für bisherige Beteiligung – Bitte um konstruktiv-kritische Auseinandersetzung

Generalvikar Ulrich von Plettenberg dankt für die bisherige Beteiligung an der Anhörungsphase und ruft für die verbleibenden Tage dazu auf, sich kritisch aber auch konstruktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Vom Flugblatt der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ distanziert er sich.
www.bistum-trier.de/anhoerung

(JR)


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Missionarische Grundhaltungen werden deutlich

Bereits im April hat die Teilprozessgruppe „Missionarische Teams/Freiwilliges Missionarisches Jahr“ Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Die TPG hat zum Begriff „Mission“ theologische Grundlagen erarbeitet und einen Vorschlag für das Missionsverständnis vorgelegt. Ebenso wurden ein Konzeptentwurf für die Bildung missionarischer Teams und Modellvorschläge für ein Freiwilliges Missionarisches Jahr vorgestellt.

Karin Müller-Bauer gehört zum Leitungsteam der TPG und zieht ein positives Fazit: „Über 40 Menschen haben sich die Zeit genommen, um sehr intensiv, kontrovers und konstruktiv in jeweils zwei mal drei Gesprächsrunden Rückmeldung zu geben zu den beiden Konzeptentwürfen Missionarische Teams und Freiwilliges Missionarisches Jahr sowie zum Missionsbegriff.“ Bei der Planung der Resonanzveranstaltung sei es der TPG wichtig gewesen, so viel Zeit wie möglich zum Gespräch zu geben.

„Bei der Verwendung des Begriffes Mission und missionarisch gab es die größten Vorbehalte sowie Alternativvorschläge, die wir mitnehmen und abwägen werden“, nennt Müller-Bauer eine wesentliche Rückmeldung. Dr. Michael Meyer, der wesentlich für dieses Themenfeld verantwortlich ist, bestätigt, dass der Missionsbegriff „irritiert“. Grundsätzlich habe er aber „kein Stoppschild“ gesehen.

Positiv konnotiert worden sei der Ansatz, dass die Missionarischen Teams in multiprofessioneller Zusammensetzung arbeiten können, sowie ein Vorschlag zur Einrichtung eines Missionarisch-Diakonischen Zentrums. „Dazu gab es hilfreiche Ergänzungen und Achtungszeichen, die wir in unser Konzept aufnehmen werden“, erklärt Müller-Bauer.

Peter Nilles befasst sich vor allem mit den Überlegungen zum Freiwilligen Missionarischen Jahr. „Wir hatten zwei sehr unterschiedliche Resonanzrunden: zum einen sehr viel konkrete Rückfragen und Impulse von Menschen, die beruflich mit Freiwilligendiensten zu tun  haben. Zum anderen gab es von Teilnehmenden der Synode sehr viel positive Bestärkung für unsere Ideen bis hin zu der Anmerkung, dass in keiner der Teilprozessgruppen der Geist der Synode so konkret fließt wie aus unserer.“ Er sieht die geplante Position ermutigt und bestätigt, dass mit dem Start der Pfarreien der Zukunft auch die inhaltliche Arbeit in Missionarischen Teams und im Freiwilligen  Missionarischen Jahr starten sollte, „damit der Synodenprozess nicht nur von strukturellen Prozessen gekennzeichnet ist, sondern auch deutlich wird, worum es der Synode inhaltlich geht“. Diese zeitliche Umsetzung werde zwar als ambitioniert gewertet, sagt Müller-Bauer, wobei der Dringlichkeit, anzufangen und damit Zeichen für ein Ernstnehmen der Synodeninhalte zu setzen, zugestimmt worden sei.

Insgesamt sei die TPG nach einem Abschlussritual, bei dem die Teilnehmenden einander als Zeichen des Aufbruchs und des Unterwegssein einen Schlüsselanhänger aus Bolivien in Form einer kleinen Sandale, zufrieden aus der Resonanz gegangen: „Die angenehme und lebendige Art des Austauschs und der Begegnung mit dieser heterogenen Gruppe hat beispielhaft missionarische Grundhaltungen sichtbar gemacht.“

(Judith Rupp)


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Mit den Menschen unterwegs sein

Prognosen mögen erschrecken. Die Langfristprognose zur Entwicklung der katholischen Kirchenmitglieder bis 2060 zeigt uns einen Rückgang von jetzt knapp 1,3 Millionen Katholiken auf ca. 600.000 Katholiken. Sollten zu dieser Zeit noch Kirchensteuern fließen, so sagt uns die Prognose bis 2060 einen Rückgang vom Basisjahr 2017 (306 Millionen Euro) auf ca. 250 Millionen Euro voraus. Die Ausgabenseite hingegen steigt laut Prognose aufgrund von steigenden Tarifen, Baukosten, Sachleistungen auf  knapp 600 Millionen Euro bis 2060.

Bei der Kirchenmitgliedschaftsprognose fällt auf, dass sich der Rückgang nicht alleine durch die demografische Entwicklung erklären lässt. Vielmehr schlagen die Austritte sowie ein verändertes Bindungsverhalten hier zu Buche. Katholische Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr zwangsläufig taufen – schon die bisher als selbstverständlich angesehene Eintrittsmöglichkeit in die katholische Kirche beginnt brüchig zu werden. Dass wir Katholiken weniger werden aufgrund demographischer Entwicklung ist leicht zu verstehen und zu akzeptieren. Andere Gründe für den Mitgliedschaftsschwund sind von der Institution Kirche aus gesehen schmerzlicher: etwa die augenblickliche Glaubwürdigkeitskrise sowie die abnehmende Bereitschaft katholischer Menschen, sich weiterhin kirchlich zu binden und die deshalb austreten oder ihre Kinder nicht zu den Sakramenten führen.

Das gibt auf mehreren Ebenen zu denken: Was ist mit der Kirche los, die doch eine frohe Botschaft verkünden will? Und was ist mit einer Gesellschaft los, die kirchliche Religion mehr und mehr indifferent oder sogar negativ betrachtet – und das bei aller noch vorhandener Wertschätzung kirchlichen Engagements, wenn es zum Beispiel um Solidarität mit den Schwachen und Armen geht, wenn es um kirchliche Schulen und ihre Bildung geht?

Für das Bistum Trier sind die Zahlen ernüchternd. Mit der Synode fragt die Trierer Kirche, wozu, für wen und mit welcher Qualität sie Kirche sein will. Das ist ein grundsätzlicher Perspektivwechsel, wenn nicht sogar eine Kehrtwende: vom Kreisen um sich selbst hin in eine Bewegung auf die Menschen zu, auf ihre Themen und Bedürfnisse. Das inhaltliche Programm der Bistumssynode will eine diakonische Kirche profilieren; also zusammen mit den Armen und Schwachen, den Bedrängten dieser Gesellschaft Entwicklungen anstoßen, die die Solidarität unter den Menschen fördert, die aber auch ganz konkret Lebensmöglichkeiten verbessern will. Sie will zugleich eine missionarische Kirche sein, die auf die Menschen zugeht und mit ihnen Wege der religiösen Suche und Vergewisserung geht. Es geht auch darum, das Evangelium deutlich zu bezeugen in der Gesellschaft, damit der Glaube sichtbar bleibt, angestrebt oder sogar angenommen werden kann. Diese Entwicklungen werden kaum die demografischen Entwicklungen beeinflussen, doch es könnte attraktiv sein oder wieder werden, sich kirchlich zu binden in kleinen Gemeinschaften, die sich diakonisch oder auch missionarisch verstehen. Diese neuen oder wiederentdeckten Orte von Kirche spielen in der Synodenumsetzung eine große Rolle.

Insgesamt zeichnet sich wohl eine Entwicklung ab, die vielfältige kirchliche Lebensvollzüge hervorbringen wird, die sich weniger an katholischen Regeln der Moral oder der Dogmatik orientieren, sondern vielmehr aus der individuellen Sinn- und Gottsuche heraus gespeist werden. Dort sorgen sich die Menschen in der Gewissheit, dass Gott mit ihnen ist, um Solidarität und um die Weitergabe des Glaubens. Hier kommt es auch wesentlich darauf an, wie sich die unterschiedlichen pastoralen Berufsgruppen auf diese neue Situation einlassen werden. Können sie mehr Fördernde, Entdeckende und Ermöglichende werden, die die Talente und Gaben der Menschen anerkennen und sie netzwerkartig verknüpfen helfen, damit sich Kirche diakonisch und missionarisch entwickelt? Von großer Bedeutung wird natürlich auch sein, wie die Ressourcenkonflikte zu lösen sind, wenn die Ausgaben steigen, die Einnahmen geringer werden, das hauptamtliche Personal abschmilzt. Wie gelingt es dann, diakonische und missionarische Entwicklungen zu fördern, um sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen, sondern tatsächlich mit und für die Menschen unterwegs zu sein?

Gundo Lames

Dr. Gundo Lames ist Direktor für den Bereich „Ziele und Entwicklung“ im Bischöflichen Generalvikariat Trier und Mitglied der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung