heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Auseinandersetzung ist wichtig – Ängste schüren ist unnötig

2 Kommentare

Für einen Artikel im „Trierischen Volksfreund“ am 31. Januar 2019 bin ich um Antworten zu einer Stellungnahme der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gebeten worden. Die Fragen des „Volksfreunds“ sowie die Antworten des Bistums dokumentiere ich hier:

In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme der Initiative Kirchengemeinde vor Ort werden Bischof Stephan Ackermann „Taschenspielertricks“ vorgeworfen, weil er die erst später in Betrieb gehenden Großpfarreien in falscher Sicherheit wiege. Wie kommentieren der Bischof bzw. sein Generalvikar diesen Vorwurf?

Abgesehen von der Verwunderung über die Wortwahl ist dazu zu sagen, dass Bischof und Generalvikar keinen Zweifel daran gelassen haben, dass 35 Pfarreien der Zukunft errichtet werden sollen – 13 zum 1.1.2020, weitere 22 in einem zweiten Schritt. Wie im Kirchenrecht vorgesehen, finden im Frühling eine Anhörung der zuständigen diözesanen Räte sowie eine bistumsweite Anhörung der pfarrlichen Gremien und Pfarrer statt. Dass jetzt bereits die Gremien aller bestehenden Pfarreien und Kirchengemeinden angehört werden, liegt darin begründet, dass im Errichtungsgesetz Regelungen enthalten sind, die alle betreffen. Erst nach Auswertung dieser Anhörung und nach sorgfältiger Erwägung der Antworten – auch in den zuständigen diözesanen Räten – erlässt der Bischof das Errichtungsgesetz.

Die Stellungnahme der Initiative verwechselt hier Gesetz und Dekrete. Die einzelnen Dekrete sind für die konkret nur auf eine Pfarrei oder Kirchengemeinde bzw. einen Kirchengemeindeverband bezogenen Entscheidungen nötig; daher braucht es u.a. für jede zu errichtende Pfarrei der Zukunft auch ein Dekret. Diese müssen im zeitlichen Zusammenhang mit der Gründung stehen und können erst erlassen werden, wenn das Errichtungsgesetz in Kraft gesetzt ist.

Inwiefern sind die Behauptungen der Initiative zutreffend, dass auch die zunächst nicht von der Zusammenlegung betroffenen PdZ sich noch im Mai innerhalb einer Frist von zehn Tagen  gegen die Pläne zur Wehr setzen müssen, falls sie mit der Struktur der Großpfarreien nicht einverstanden sind?

Diese Behauptung ist falsch. Für die Rückmeldungen zum Gesetz im Rahmen der Anhörung planen wir eine mehrere Wochen andauernde Frist ein. Der von der Initiative hier genannte Paragraf aus dem Kirchenrecht bezieht sich auf Dekrete und ist auf die Anhörung zum Gesetz nicht anzuwenden.

Die Initiative unterstellt der Bistumsleitung, die Befugnisse in der Zentralpfarrei auch deshalb zu bündeln, „um viele Kirchen und Pfarrheime so zügig und einfach wie möglich“ zu schließen. Wie kommentiert das Bistum diese Unterstellung?

Es geht nicht um das Schließen von Gebäuden. Dazu kommt: Die Kirchen und Pfarrheime sind nicht im Besitz des Bistums. Eigentümer sind die jeweiligen Kirchengemeinden. Somit kann die Bistumsleitung nicht einfach Kirchen schließen oder gar abreißen. Das kann nur auf Antrag der Kirchengemeinde und – zumindest bei Kirchen – nach Beratung und Anhörung im Priesterrat geschehen. Mittlerweile sind bistumsweit die Immobilien in ihrem Bestand erfasst. Dies soll den Pfarreien der Zukunft helfen, sich über ihre Immobiliensituation zu vergewissern und langfristig planen zu können. Wir gehen davon aus, dass Gotteshäuser, wenn sie genutzt und belebt sind, wenn der Unterhalt gesichert ist und aus baulicher oder sicherheitstechnischer Sicht nichts dagegen spricht, erhalten werden. Viele Kirchengemeinden gehen bereits heute sehr überlegt und nachhaltig mit ihrem Immobilienbestand um. Sie investieren in Immobilien, die pastoral gebraucht werden.

Die Gründung der Pfarreien der Zukunft unterstützt die pastorale Neuausrichtung, die auch von der Initiative als nötig erkannt wird. Eine geringere Zahl von Kirchengemeinden entlastet von vielen kleinteiligen Verwaltungsaufgaben und hilft, sich auf die anspruchsvollen pastoralen Aufgaben konzentrieren.

Die Kircheninitiative unterstellt dem Bistum weiter eine Art Zensur, weil die künftigen Orte von Kirche dem Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft zustimmen und durch den Rat der Pfarrei anerkannt werden müssten. Wie kommentiert das Bistum diesen indirekt erhobenen Vorwurf?

Das Rahmenleitbild gibt die Grundlage unseres Glaubens wieder und stellt den Bezug zu den wichtigsten Aussagen der Synode her (siehe die Leitsätze) – wie kann dessen Anerkennung Zensur sein?! Die Menschen in den Orten von Kirche beschreiben zunächst einmal selbst ihr Anliegen, wie sie sich organisieren und überlegen, ob sie Teil der Synodalversammlung sein wollen. Um diesen Zugang zur Synodalversammlung geht es bei der Zustimmung zum Rahmenleitbild. Daneben müssen Orte von Kirche, die sich in der Synodalversammlung der Pfarrei vertreten, die Gremienordnung anerkennen und ihren Beitrag zur Pfarrei der Zukunft formulieren. Wir als Bistumsleitung machen die Erfahrung, dass Menschen sich einen verbindlichen Rahmen für ihr Handeln wünschen – die Forderungen der Initiative nach verbindlichen Gremienstrukturen zeigt das ja. Der Rat der Pfarrei hat die Aufgabe, für die Entwicklungen innerhalb der Pfarrei Sorge zu tragen, und dafür braucht es Kriterien und Vereinbarungen – beim Fußballspiel akzeptiert man ja auch spätestens mit dem Anpfiff die Spielregeln… Natürlich darf der Rat nicht willkürlich einen Ort von Kirche ablehnen, sondern er bestätigt, dass die Bedingungen erfüllt sind. Damit übernimmt er die wichtige Aufgabe, die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen zu koordinieren.

Inwiefern ist es zutreffend, dass das Bistum Trier bei der Deutschen Bischofskonferenz die zeitliche Begrenzung der Bestellung eines Priesters beantragt hat? Was sind die Gründe für diesen Antrag, dem angeblich bereits stattgegeben wurde?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im vergangenen Jahr für ihren gesamten Geltungsbereich die im Kirchenrecht vorgesehene Möglichkeit, die Bestellung eines Pfarrers (nicht Priesters) zeitlich zu begrenzen, beschlossen; die römische Bischofskongregation hat dieser Regelung zugestimmt. Inwieweit sie in den Bistümern übernommen wird, obliegt dem Ortsbischof. Der Bischof von Trier macht nach der Beratung mit der Bistumsleitung und dem Priesterrat von der Regelung Gebrauch, weil das Instrument „Führen auf Zeit“ für das Bistum Trier ein Element einer synodalen Kirche ausmacht. Daher soll es auch für Pfarrer gelten. Zugleich ist es eine Form, um das Versprechen der Verfügbarkeit, das die Priester bei ihrer Weihe ablegen, konkret werden zu lassen.

Wie bewertet das Bistum generell die Stellungnahme der Kircheninitiative?

Wir begrüßen jede Auseinandersetzung mit den Entscheidungen und Schritten des Bistums. So freuen wir uns über die zahlreichen konstruktiven und kritischen Rückmeldungen, die uns aktuell zu unserem Heft „EinBlicke“ erreichen. Es gibt auch viele Rückmeldungen von Einzelnen wie von Gruppen oder Gremien, die enttäuscht sind, dass sie nicht schon zum 1.1.2020 als Pfarrei der Zukunft formal errichtet werden.

Die Stellungnahme der Initiative ist geprägt von Mutmaßungen und daraus abgeleiteten Interpretationen und schürt so –  in unseren Augen auf unnötige Weise – Ängste. Wir sind uns wohl bewusst, dass Einiges durch die konkrete Praxis in den zukünftigen Pfarreien weiterentwickelt werden muss. Das lässt sich bei einer solch grundlegenden Neuausrichtung aber nicht vermeiden.

Deshalb hoffen wir auf eine breite Teilnahme an den geplanten Dialogveranstaltungen für die Hauptamtlich Mitarbeitenden und die Räte ab Februar.

Trier, 31. Januar 2019

Judith Rupp, Pressesprecherin Bistum Trier

2 Kommentare zu “Auseinandersetzung ist wichtig – Ängste schüren ist unnötig

  1. Sehr geehrte Frau Rupp,
    herzlichen Dank für die Dokumentation! Bei der Lektüre des Artikels im TV habe ich mich öfter gefragt, was wirklich von Ihnen gesagt wurde – und wie Herr Seydewitz Ihre Aussagen mal wieder (!) durch Auslassungen verunstaltet hat.
    Warum, so frage ich mich – und den TV – hat der TV nicht den Mut, das Interview für sich mal stehen zu lassen, indem er es ganz veröffentlicht?

    • Sehr geehrter Pfarer Bollig, danke für Ihre Rückmeldung. Es war kein Interview, sondern es waren mehrere Fragen zu der Stellungnahme. Von daher ist die Verwendung von Teilen meiner Antwort für den Artikel üblich.
      Herzliche Grüße, Judith Rupp

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