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Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Diakonische Kirche: geht an die Ränder und schaut über Mauern…

Im Vordergrund: "Eine diakonische Kirche ist geprägt von Diversität und Inklusion"Aus der abschließenden Resonanzveranstaltung
der Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung

Eine Diakonische Kirche ist „sensibel für das Leid der Menschen“ und dabei „geprägt von Diversität und Inklusion“; sie „kennt keine Furcht“, „geht auf die Menschen zu“, besonders „an den Rändern“ und „schaut über Mauern“; eine diakonische Kirche „dient, heilt, schützt und lässt Raum zum Atmen“ – „Sie ist heute nötiger denn je!“. Zu Beginn der Resonanzveranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) Diakonische Kirchenentwicklung am 20. Oktober in Trier hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, vielfältige Facetten einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung sichtbar und hörbar werden zu lassen.

Die TPG Diakonische Kirchenentwicklung hat den Auftrag, Empfehlungen und Maßnahmen zu beschreiben, die eine diakonische Kirchenentwicklung dauerhaft und verbindlich als Aufgabe und Zielperspektive im Bistum Trier verankern sollen. Hierzu gilt es, einen umfassenden Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozess mit allen Beteiligten in Gang zu setzen. An wesentlichen Punkten im Prozess der Konzept-Entwicklung setzt die TPG auf die Erfahrungen, die Rückmeldungen und die Mitarbeit ihrer Resonanzpartnerinnen und -partner. Bereits im Mai hatte die TPG zu ersten Resonanzveranstaltungen eingeladen (siehe auch Beitrag „Resonanz in der Wärmestube“). Wo kann ich mitgehen? Was finde ich schwierig und was fehlt? Etwa 50 Ehrenamtliche und Hauptamtliche waren zur abschließenden Resonanz-Veranstaltung gekommen, um der TPG Antworten zu geben. Sie kamen aus der verbandlichen Caritas, der Seelsorge, aus weiteren Verbänden des Bistums und aus dem Bischöflichen Generalvikariat.

Kommen – Gehen – Stehen

Besonders das Schema „Kommen – Gehen – Stehen“ blieb vielen im Gedächtnis; mit ihm gibt die TPG Hinweise, wie Kirche künftig in den Pfarreien der Zukunft präsent sein wird. (Zwischenergebnis der TPG). Mit „Kommen – Gehen – Stehen“ kann eine erste Vorstellung davon entstehen, wie Sozialraumorientierung künftig Praxis werden kann. Ausgehend vom Evangelium will sich die Kirche im Bistum Trier stärker als bisher an den Fragen, Nöten und Bedürfnissen der Menschen ausrichten.

An vielen verschiedenen Orten ist Kirche bereits heute sichtbar: Neben den bekannten Orten wie Kirchen und Gemeindezentren, wo Menschen zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern und miteinander Zeit zu verbringen, gibt es eine große Vielfalt an weiteren Orten von Kirche (z.B. Dienste und Einrichtungen, Gruppen, Initiativen). „Dort wo Menschen hinKOMMEN wollen, gilt es noch stärker als bisher eine Willkommenskultur zu entwickeln. Auch das GEHEN wird künftig eine große Bedeutung in den neuen Pfarreien haben: Wir gehen zu den Menschen, setzen bei dem an, was sie bewegt, schauen, welche Ressourcen sie mitbringen und wie wir uns als Kirche mit weiteren Partnern im Sozialraum vernetzen können. STEHEN bewahrt vor unbändigem Aktionismus: Es muss Momente der Unterbrechung geben, Momente in denen wir einfach nur DA sind, mitleiden. Dies sind Momente der Unterbrechung, der Erinnerung oder auch der spirituellen Vergewisserung. Hier erklären wir uns z.B. mit Menschen am Rande solidarisch.“, erläutert Nicole Heckmann von Leitungsteam der TPG.

Sozialraumorientierung in der Praxis

Arbeit in einer TischgruppeIn Tischgruppen wurde diskutiert, was es heißt, Sozialraumorientierung ernstzunehmen: Was geschieht in den Pfarreien und Diensten und in den Einrichtungen der Caritas bereits, das über die konkrete Hilfe (wie etwa die Nahrungsmittelausgabe bei der Tafel) hinausgeht? Wie können wir Räume entdecken, die z.B. ein „Mehr“ an Beratung ausmachen? Dabei blieben Fragen nach dem eigenen Grundverständnis nicht unberücksichtigt: Was macht Nah-beim-Menschen-Sein in Verbindung mit Christlich-Sein aus?

Eine Basis aller Maßnahmen stellen die sogenannten „Vorzeichen“ dar. „Die Vorzeichen beschreiben Grundorientierungen einer diakonischen Kirche, wie sie die Synode gezeichnet hat“, erläutert Heiner Buchen, Mitglied der TPG. Eine diakonische Kirchenentwicklung spielt sich demnach dort ab, wo das Leben ist – vor allem dort, wo Menschen tagtäglich um ihre Würde ringen. Hierbei gilt es, Aspekte einer diakonischen Haltung und Kultur zu beschreiben. „Als Einzelne(r) eine diakonische Haltung einzunehmen heißt zum Beispiel, aufmerksam zu sein für das (Macht-)Gefälle in Kirche und Gesellschaft. Eine Organisation, die eine diakonische Kultur pflegt nimmt die Vielfalt der Menschen wahr, sieht die sich daraus ergebenden Lösungen für Fragen und Konflikte und geht mit ihnen situationsbezogen um.“ Diese Beispiele nennt Heiner Buchen .

Eric Condé, ebenfalls Mitglied der TPG, schlägt die Brücke zur praktischen Umsetzung: „Was in den Vorzeichen umrissen wird, soll in der Praxis immer mehr konkrete Gestalt gewinnen. Die Maßnahmen beschreiben, wie der diakonische Entwicklungsprozess verbindlich in Gang gesetzt werden kann.“ Nachdem die TPG verschiedene Maßnahmen einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung vorgestellt hat, wird in Kleingruppen besprochen, wo diese Maßnahmen den angestrebten Lern- und Entwicklungsprozess ermöglichen: Wie soll künftig mit den unterschiedlichen Partnern verbindlich und gemeinsam im Sozialraum gearbeitet werden? Welche Lernformate soll es für Haupt- und Ehrenamtliche geben? Wie kann Begegnung auf Augenhöhe geschehen? Welche Ressourcen müssen für ein solches Unternehmen einer diakonischen Kirchenentwicklung bereitgestellt werden?

Hoffnungsvolle Zeichen

Arbeit in einer TischgruppeMitglieder der TPG moderierten die jeweiligen Gruppengespräche und hielten die Ergebnisse für die Weiterarbeit fest. In einer offenen Abschlussrunde dankten die Resonanzpartner für die Arbeit der TPG. Sie zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung und dem Austausch über Grenzen von Fachdisziplinen, Professionen und Organisationen hinweg. Am Ende schlug ein Teilnehmer sogar vor, mit dem nächsten Treffen nicht bis nach der Implementierung zu warten. Veranstaltungen wie diese sollten in ein fortlaufendes Austauschformat übergeführt werden. Eine weitere Teilnehmerin appellierte: „Nun ist es an der Zeit, dass jeder sich vor Ort die Zeit nimmt und schaut: Was möchte ich verändern?“ – Wertvolle Aussagen für die Arbeit der TPG und hoffnungsvolle Zeichen für die diakonische Kirche von morgen.