heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Führen und Leiten in der Pfarrei der Zukunft

Ein Kommentar

Bericht vom Studientag der pastoralen Berufsgruppen im Bistum

„Leiten und Führen in einer missionarisch-diakonischen Kirche“ war am 13. März 2018 Thema des Studientags, zu dem die Berufsverbände der GemeindereferentInnen (BVGR) und der PastoralreferentInnen (bvpr) zusammen mit der „Plattform P“ eingeladen hatten. (Die „Plattform P“ ist ein Zusammenschluss von Priestern im Bistum Trier). Wichtig war die Kooperation mit dem Synodenbüro und die Mitwirkung der Lebensberatung im Bistum Trier sowie des tpi Mainz.

Generalvikar Ulrich von Plettenberg begrüßte die 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – und begrüßte ausdrücklich auch die Initiative der drei pastoralen Berufsgruppen; er unterstütze sie dabei, das sehr wichtige Thema breit und intensiv zu diskutieren. Die pastoralen Berufsgruppen sollten den Schatz der Zusammenarbeit heben und gemeinsam Verantwortung wahrnehmen. Die Initiative aus der Praxis, sich mit Themen und Inhalten der Synodenumsetzung zu beschäftigen und dies Berufsgruppen- und Institutionenübergreifend zu tun, sei nachahmenswert.

Der Referent Prof. Dr. Thomas Schmidt war vielen TeilnehmerInnen aus Pastoral, Caritas, Lebensberatung, Generalvikariat und den Teilprozessgruppen bereits durch die pastoralen Studientage 2017 bekannt. Er ist Dozent für Organisationsethik und Leiter des Instituts „Wertewandel“ in Freiburg im Breisgau. Schmidt sprach unter der Überschrift „Pastoral +/- Management – Führen und Leiten in nachsynodaler Zeit“

Eine Teilnehmerin berichtet, was sie gelernt hat:

  • „Von Leiten und Führen zu sprechen, heißt über Management zu sprechen. Wichtig sind dabei Strukturen und Instrumente. In einer Organisation braucht es formalisierte Erwartungen an das Personal. (Hier kam die Frage auf: was ist mit den Ehrenamtlichen?).
  • Es braucht Klarheit in der Zielsetzung und in der Verfolgung der Ziele. Schließlich sind formalisierte Kommunikationswege hilfreich. Partizipation ist kein Allheilmittel; vielmehr muss es dosierte Partizipation und verantwortungsvolle, klare Entscheidungsträger geben. Dann können Ziele gesetzt und verfolgt werden. Es braucht einerseits geteilte Verantwortung und höhere Resonanzfähigkeit. Zugleich muss und kann Partizipation nicht bis ins Unendliche gesteigert werden; dann würde sie zum Problem, weil nichts mehr entschieden werden könnte.
  • Die fünf Grundfragen des Managements können dazu helfen, zu normativen, strategischen und operativen Zielen zu gelangen. Bei aller Zielsetzung ist entscheidend, ob auch evaluiert wird! Wir müssen uns auch mal eingestehen: da haben wir etwas nicht erreicht!

Aufgabe von Management ist es, für Beziehungs-Qualität („Führung“) und für Struktur-Qualität („Leitung“) zu sorgen. Beziehungsqualität ist genauso wichtig wie Strukturqualität: Beziehung lässt mich dem anderen begegnen, damit ich Feedback geben und hören kann; Strukturen helfen, zu planen, zu organisieren und zu kontrollieren. Wichtig ist für die und den EinzelneN, sich darüber klar zu werden: wo liegen meine Stärken; wo muss/kann ich noch nachlegen… Bin ich stärker in der Sorge für Beziehungs- oder für Strukturqualität? (Bei beiden Verantwortlichkeiten gibt es eine paradoxe Doppelverantwortung: Für Komplexitäts-Reduktion und Komplexitäts-Steigerung, für Ordnung und Störung.)

  • Gutes Management (im Sinne von Führung und Leitung) macht dann auch ordentliche Evaluation möglich, zum Beispiel mit Hilfe des PDCA-Zyklus („plan – do –check – act“): planen, handeln, überprüfen, neu handeln! Zur Ziel-Überprüfung helfen klare Strukturen; Feedback in der Selbst- und Fremdwahrnehmung ermöglichen einen Selbstlernprozess – dazubraucht es Beziehung! Über allem steht die Vision, das Leitbild der Organisation, ihr Auftrag und Sinn!
  • Mit den hier nur angedeuteten Management-Schritten können wir uns dann als Bistum auch selbst die Frage beantworten, was Führen und Leiten in einer missionarisch-diakonischen Kirche bedeutet: es geht um Management in einer Organisation, die sich die Vision „missionarisch-diakonisch Kirche sein“ über alles geschrieben hat. Wenn das gilt, muss dieses normative Ziel von allen verfolgt werden und ist indiskutabel.

Schmidt: Leitungsteams aus fünf Personen klar bevorzugt

In Kleingruppen diskutierten die TeilnehmerInnen anschließend Themen wie „Partizipatives Leiten“, „Wenn Ehrenamtliche leiten“, „Konflikte nutzen“, „Gut führen und geführt werden“ und „Leiten zwischen verhindern und ermöglichen“.
Prof. Schmidt hat deutlich befürwortet, immer von Fünfer-Leitungsteams in den Pfarreien der Zukunft auszugehen, die aus zwei Ehrenamtlichen und drei Hauptamtlichen bestehen sollen. So auch in seinem zweiten Impuls in Form einer Hoffnungs-Geschichte „im Futur2“:

Geteilte Verantwortung –
Kunst und Kultur des Pastoralmanagements

Eine Hoffnungsgeschichte

Die Anfänge liegen viele Jahre zurück: 2016 hatte in unserem Bistum bereits eine Synode stattgefunden und rechtzeitig eine Kurskorrektur eingeleitet, damit das Evangelium auch in Zukunft zu den Menschen kommen und die Kirche Anschluss behalten kann an die Veränderungen der Gesellschaft.

Erinnern Sie sich noch an damals? Wie jung wir damals waren und wie unsicher angesichts des Aufbruchs? Und wie gut es getan hat, dass damals die Erkundungsteams losgezogen sind, um tatsächlich neue Wege zu suchen? Das muss ungefähr auch die Zeit gewesen sein, als Frau Wohlgemut in unsere Pfarrei gezogen ist mit ihren zwei Töchtern.
Und ich erinnere mich noch genau, wie wir damals gerungen haben um die neuen pastoralen Räume und um neue Formen kollegialer Leitung. Ja, Leitung haben wir das damals genannt, als ob Führung keine Rolle spielen würde oder nur ein Privileg wäre für die Spitze der Hierarchie. Schon komisch, welche Einwände uns da eingefallen sind. „Voll retro“, hätte mein Sohn damals gesagt! Und von Management zu sprechen als Doppelaufgabe, daran mussten wir uns auch erst gewöhnen. Krass, oder?

Aber so war das damals eben. Ich will ja nicht abschweifen. Ich wollte doch die Neuigkeit erzählen von Frau Wohlgemut und ihrem Firmprojekt. Nein, nicht Firmenprojekt: das Projekt zur Firmung. Oder zur Firmkatechese. So hätte man das wohl vor 20 Jahren noch genannt.

Aber die Zeit der Unterweisungen von oben herab ist ja gottseidank vorbei. Mystagogische Firmprojekte, das erinnert mich gleich an den heiligen Karl Rahner. Wie lange das gedauert hat bis zu seiner Kanonisation …. Okay, Ihr habt Recht, ich schweife schon wieder ab.

Aber tatsächlich können wir froh sein, dass wir schon 2020 mit der Erprobung neuer Managementmodelle begonnen haben. Schaut Euch doch mal um: Wo stehen denn die armen Diözesen heute, die damit erst auf den letzten Drücker begonnen haben? „Fusion aus Finanzgründen“, da möchte man doch nicht tauschen. Also, ich bin jedenfalls sehr froh, dass wir im Bistum Trier dieses 5er-Gremium eingeführt haben, auch als in den Zwanzigern viel Gegenwind kam: Von wegen Pfarrer nicht lernfähig oder Ehrenamtliche überfordert! Da mussten wir ganz schön aufräumen unter unseren Lieblingsvorurteilen. Und es waren auch nicht immer nur die üblichen Verdächtigen mit ihren Regressionsphantasien zurück zur ecclesia triumphans. Da war auch jede Menge Angst im Spiel vor einem regelrechten Identitätsverlust. Ich bin noch heute beeindruckt, wie viele Pfarrer sich mit uns auf die Suche gemacht haben nach neuen Steuerungsmodellen. Unsere Rollen haben sich doch damals alle ganz gehörig verändert. Aber heute? Heute wünscht sich kaum jemand eine Rolle rückwärts!

Der Professor aus Freiburg – jetzt ist er ja im Ruhestand…

Jetzt aber wirklich zu den Neuigkeiten: Ihr habt ja mitbekommen, dass seit 2030 eine neue Pastoralstrategie für unsere Pfarrei der Zukunft in Kraft ist. Und wir können ja auch mit Recht stolz darauf sein, wie viele sich vor zwei Jahren an diesen Strategie-Workshops beteiligt haben. Ihr wisst aber auch, dass dieser Professor aus Freiburg, ja, der jetzt im Ruhestand ist, dass der damals geunkt hat, fünf Strategie-Projekte auf einmal würden wir nicht schaffen. Der wird sich noch wundern …

Was für ein Glück, dass wir nun diese kluge Gemeindereferentin im Fünfer-Team haben, die die Nutzen-Kommunikation der Strategie-Projekte übernommen hat. Sonst wäre das Ding mit dem Firmprojekt Go Future! gar nicht aufgefallen und Frau Wohlgemut hätte vermutlich alles hingeschmissen, obwohl sie doch in unserem Leitungsteam bekanntermaßen die Beste ist nach allen Kriterien unseres diözesanen Management-Manuals. Ihr wisst schon: Führen und Leiten brauchen Feedback, und was da so alles an Kriterien drinsteht.

Ich glaube ja, dass wir noch etliche „Wohlgemute“ in unseren Reihen haben. Vor allem, seitdem die Geistlichen Gemeinschaften in unserer Pfarrei so viel Zulauf haben. Aber leider sind alle Plätze im diözesanen Projektmanagement-Training ausgebucht. Nur gut, dass wir den Projekt-Coach unserer Nachbarpfarrei ausleihen konnten. Die hatten sich ja schon vor uns auf solides Projektmanagement und Strategiecontrolling verständigt. Unglaublich, dass es das bis vor kurzem nur vereinzelt gab.

Okay, ich hab’ verstanden: Ihr wollt jetzt in die Arbeitsgruppe zurück. Also dann im Telegrammstil: Frau Wohlgemut hat tatsächlich alle Vereinbarungen aus dem Strategie-Prozesseingehalten: Das Firmprojekt war dem Strategieziel Neue diakonische Gemeinschaften gewidmet. Die Projektskizze war genehmigt worden, waren ja auch alle w-Fragen drin. Der Pfarrer und sie hatten vor Monaten die Vereinbarung unterschrieben. Mit Meilensteinen, Budget und allem was dazu gehört. Auch die Freigabe vom Gemeinsamen Pfarrgemeinderat lag längst vor. Sogar die ersten Kooperationspartner für das Firmprojekt in Caritas u. Diakonie waren schon gewonnen.

Soll es am Geld scheitern…?

Und dann kommt raus, dass der Finanzausschuss im Kirchengemeinderat, so als sei alles noch wie damals zu Zeiten des Verwaltungsrates, klammheimlich alle Projektbudgets pauschal um 20 Prozent kürzen wollte, nur weil die Wallfahrtskapelle im Dorf des Vorsitzenden zum Jubiläum renoviert werden soll und der Zivilgemeinde die Mittel fehlen. Ja, genau die Kapelle, die niemand mehr nutzt.

Aber zum Glück hat sich unsere Gemeindereferentin als Ressortverantwortliche für die Finanzen das nicht bieten lassen und gleich Aufschluss über den Investitionsplan eingefordert. Und so kam dieses Vorhaben einer nicht-stragiefokussierten Mittelverwendung ans Licht. Angeblich hätte man das bereits damals im Zuge des letzten Finanzskandals im Bistum Hinter den Bergen so besprochen.

„Heimat“ und Verbundenheit

Das Ende vom Lied: Herr Gnausig als Vorsitzender des Finanzausschusses war natürlich sauer und hat Frau Wohlgemut mangelnde Heimatverbundenheit vorgeworfen und mit seinem Rücktritt gedroht. Die aber hat sich ihrerseits nicht beeindrucken lassen, zumal die anderen vier vom Fünfer-Gremium sich hinter sie gestellt und den Finanzausschuss auf die Transparenzrichtlinie von 2025 und auf die gemeinsamen Vereinbarungen im Strategie-Prozess verwiesen haben.

Und stellt Euch vor: Obwohl der Pfarrer doch so eng mit Herrn Gnausig befreundet ist, hat er ihm nahegelegt, sein Engagement zu überdenken und sich dafür ausgesprochen, die Angelegenheit auch offiziell im diözesanen Mediationsausschuss zu besprechen, natürlich nur, wenn das vorherige Gespräch mit unserer zuständigen Mediatorin nicht einvernehmlich enden sollte.

Da sieht man doch: Das Team-Coaching zum Qualitätskriterium ‚Strategieentscheidung‘ hat sich offensichtlich gelohnt. Die Geschichte hat sich natürlich wie ein Lauffeuer verbreitet. Und das Beste daran: Sie wurde auch in der Taufbewerbungsgruppe besprochen. Und daraufhin haben sich zwei Mitglieder entschieden, sich taufen zu lassen. Diese kollegiale Konfliktkultur und die Deutung der Konfliktbearbeitung als geistlichen Prozess, prof schmidtdas hat sie offenbar genauso beeindruckt wie unser neues Geistliches Zentrum im Sozialen Brennpunkt. Fazit: Gutes Projektmanagement, integriert in die Strategie der Gemeinde, transparenter Umgang mit Konflikten und kollegiale Beratung im Geist des Evangeliums. Wer hätte seinerzeit gedacht, was die Synode alles in Bewegung bringen wird.

© www.werte-wandel.de – Thomas Schmidt

Weiter gemeinsam Themen setzen und bearbeiten

Berufsverbände und Plattform P, Mitglieder aus TPGs und der Steuerungsgruppe zogen zusammen mit Prof. Schmidt ein positives Fazit über den Studientag. Die Zusammenarbeit der pastoralen Berufsgruppen, gerade auch unter Mitwirkung anderer Professionen, soll weitergehen: „Wir wollen die Zukunft gemeinsam gestalten; wir haben eine gute und ermutigende Erfahrung gemacht, die uns zeigt, dass es sich lohnt, gemeinsam Themen zu setzen und daran zu arbeiten“. (Sandra Jungbluth, Sprecherin des bvpr)

Ein Kommentar zu “Führen und Leiten in der Pfarrei der Zukunft

  1. Grüß´ Gott, den Bericht halte ich für außerordentlich bemerkenswert. Man muss ihn vielleicht zweimal lesen.

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