heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Auf Augenhöhe

Ein Kommentar

Die Teilprozessgruppe „Aufbau-Organisation und Leitungsteam der Pfarrei der Zukunft“ schlägt für das Leitungsteam ein angeglichenes Bewerbungsverfahren vor.

Resonanz-Treffen am 27. April

„Dies ist eine Veranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) „Aufbau-Organisation und Leitungs-Team der Pfarrei der Zukunft“: Die TPG sucht das Gespräch mit Ihnen und stellt ihren derzeitigen Erkenntnis-Stand vor – kein Ergebnis und eigentlich auch kein Zwischen-Ergebnis…“ Eine solche Klarstellung war hilfreich für den Resonanz-Nachmittag der TPG – und auch für diesen Bericht: Was hier skizziert werden kann, ist immer „nur“ Arbeitsstand – es gibt noch nichts „Finales“ oder Ausdiskutiertes.

Deswegen konnten die rund achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch unbefangen und kritisch ihre Anfragen und Einwände einbringen, waren zu manchen Themen ausdrücklich um eine Meinungsbild gefragt und sind auch weiterhin eingeladen, weitere Vorschläge oder Gegenstimmen schriftlich an die TPG zu senden – manchmal bleibt in der Gesprächs-Situation einer so großen Gruppe ja doch das eine oder andere ungesagt, was eigentlich aber gesagt sein sollte.

Zwei große Arbeits-Aufträge hat die TPG; deswegen hatte sie den Nachmittag aufgeteilt in die Themen-Felder „Aufbau-Organisation“ und „Leitungsteam“, wobei das Leitungsteam natürlich so aufgestellt werden muss, dass es mit der Aufbau-Organisation gut umgehen kann.

Pfarrei der Zukunft: Aufbau und Organisation

Skizze liegt auf Stuhl

Skizze der AufbauOrganisation einer Pfarrei der Zukunft

Mit Blick auf Aufbau und Organisation der Pfarrei der Zukunft (PdZ) wurde schnell deutlich, dass ganz neue Vorstellungen entstehen müssen. Die Vorschläge der TPG dazu lassen die vorhandenen Strukturen und kirchlichen Orte in der künftigen Pfarrei zunächst einmal außen vor und schauen auf die Menschen und ihre ganz verschiedenen Lebens-Situationen. Diesen Lebens-Situationen könnten „Handlungsfelder“ entsprechen, die in großen Zügen aufnehmen, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Da ist beispielsweise die Rede von den Handlungsfeldern „Familie“, „Gesellschaft und Schöpfung“, „Gottesdienstliches Leben im Kirchenjahr“, „Krankheit Tod Trauer“, „Ökumene“. Die meisten Handlungsfelder würden wiederum in „Teilhandlungsfelder“ unterteilt sein können; und in deren „Teilbereichen“ wiederum findet das christlich-kirchliche Leben vor Ort im weiten Raum einer Pfarrei der Zukunft statt. „Teilbereich“ könnte ein Projekt von und für Familien sein, ein Pfadfinder-Stamm, eine oder mehrere Basisgemeinschaften oder Bibelkreise – aber auch zB die Seelsorge in einer Klinik oder die soziale Arbeit in einem „Brennpunkt“-Stadtteil.

Vorschlagen wird die TPG, dass alle „Teilbereiche“ ebenso wie weitere Gruppen oder „Themenzentren“ im jeweiligen „Teilhandlungsfeld“ miteinander vernetzt sein sollen und die Teilhandlungsfelder miteinander im jeweiligen Handlungsfeld. Diese Vernetzung begleitet jeweils ein Mitglied des Leitungsteams der Pfarrei der Zukunft in einer „Handlungsfeldkonferenz“. (Dieser noch etwas sperrige Arbeitstitel soll schon andeuten, dass es eigentlich nur selten scharfe Abgrenzungen des einen gegen die anderen Bereiche geben könne – schon weil die Menschen oft sozusagen in mehreren verschiedenen Bereichen unterwegs sind.)

Kirch-Orte: Wo Kirche und Christsein sich ereignen

Als „Kirch-Orte“ schlägt die TPG vor, (Lebens-)Situationen und / oder gesellschaftliche Ereignisse und auch territoriale Orte zu betrachten, an denen Menschen miteinander Kirche und Christsein gestalten. Da sind also zwar auch Kirchen und andere Räume, Dörfer und lokale Gruppen mitgedacht; mindestens gleich wichtig wird aber sein, dass es viele andere Ereignis-Orte von Kirche gibt, weil die Menschen sich vielseitig und räumlich unübersichtlich engagieren oder zusammenfinden und dabei auch Kirche „sich ereignet“. Das führt die TPG dazu, von „Kirch-Orten der Pfarrei“ mit Anbindung an die Pfarrei oder von „Kirchorten in der Pfarrei“ mit weniger enger oder auch gar keiner direkten engen Anbindung an die Pfarrei zu sprechen.

In dieser Richtung ließe sich vielleicht auch die Antwort auf eine Frage finden, die in den Gesprächsrunden des Resonanz-Tages mehrfach gestellt wurde: Ob die TPG wirklich alle Menschen im Blick hat, wenn sie beschreibt, für wen die Pfarrei der Zukunft da zu sein hat. Oder ob sie im Grunde wieder vor allem Menschen in irgendwelcher Art von kirchlicher Bindung in einem doch wieder traditionellen Sinn. Hilfreich könnte dabei auch sein, dass Teilhandlungsfelder oder Teilbereiche der künftigen Pfarrei auch mit „nicht-kirchlichen“ Partnern zusammenarbeiten (und dabei gelegentlich nur ein kleiner „Player“ unter vielen sein) werden.

Für die weitere Arbeit: Der TPG mitgegeben…

Zettel in den Händen einer Teilnehmerin

Die TPG nimmt Notizen aus den Gesprächskreisen mit

Einige gaben der TPG für die weitere Arbeit auch mit, „Erkundung“ oder „Blick auf die Zeichen der Zeit“ als Aufgabe jedes Teilhandlungsfeldes zu beschreiben; damit würde schon von Anfang an signalisiert, dass die neue Aufbau-Organisation eben mehr sein soll als eine neue Struktur, die da jetzt starr errichtet werden könnte.

Wenn Handlungs-Felder und Teilhandlungsfelder auch Grundlage für Ausschreibung und Besetzung der Stellen des pastoralen und des anderen Personals der Pfarrei der Zukunft sein könnten, erwarten Resonanz-PartnerInnen eine eher detaillierte Beschreibung dieser Felder in der jeweiligen Pfarrei und der Denkprozesse, die zu der konkreten Beschreibung geführt haben. Eine solche Beschreibung von Prozessen könnte auch verhindern, dass die Lebenswirklichkeit in neue Kästen einsortiert würde.
Schwierig vorstellbar scheint jedenfalls zu sein, wie der Übergang aus den bisherigen Strukturen in die neue Aufbau-Organisation sich gestalten kann: Sollte die Bistumsleitung die neue Organisation zum Start der Pfarreien der Zukunft („von oben“) setzen – und wie integrieren sich dann die bisherigen Strukturen und die bisher aktiven ehrenamtlichen und hauptamtlichen MItarbeiterInnen? Oder wird gesetzt, dass die (am 1. Januar 2020) errichtete Pfarrei der Zukunft in den nächsten fünf Jahren in die neue Aufbau-Organisation hineinwächst, neue Teilbereiche und Handlungsfelder entwickelt, bestehende neu aufstellt und in den neuen Rahmen überführt und manches auch verabschiedet? Gewichtige Argumente scheint es für beide Ansätze zu geben.

Als weitere offene Fragen nahm die TPG mit:

  • Wie beschreibt man Querschnitt-Aufgaben etwa der Kirchenmusik?
  • Wie zentral oder dezentral ist in dieser Aufbau-Organisation das Pfarrbüro gedacht?
  • Konkretisiert die Verwaltungsaufgaben – und ihre Aufteilung in Aufgaben der Pfarrei der Zukunft einerseits und der Bistums-Verwaltung als Dienstleister andererseits!
  • Beschreibt, wie dafür gesorgt werden kann, dass in den PdZ sich Neues entwickelt, ohne dass „Altes“ entwertet oder geringgeschätzt wird – auch wenn es heute zu verabschieden ist!

Das Leitungsteam der Pfarrei der Zukunft

Welter und Stockschlaeder

Im Leitungsteam der TPG: Benedikt Welter und Nicole Stockschlaeder

Wenn die Teilprozessgruppe von „Leitung“ spricht, meint sie damit „Ermöglichung und Steuerung“. Bis zum Resonanztreffen am 27. April hat die TPG vor allem über die hauptamtlichen Stellen im Leitungsteam nachgedacht und zum Thema auch externe Expertise eingeholt. „Leiten im Team“ ist für den kirchlichen Bereich eine bisher eher ungewöhnliche Vorstellung.

Wichtig erscheint der TPG, dass alle im Leitungsteam (LT) „auf Augenhöhe“ miteinander arbeiten, also (abgesehen von den spezifisch priesterlichen Aufgaben des Pfarrers im Leitungsteam) die gleiche Leitungskompetenz haben. Dazu soll ein angeglichenes Bewerbungs- und Einstellungs-Verfahren beitragen – alle potenziellen Teammitglieder nähmen an gemeinsamen Workshops teil und erfahren dabei, welche Charismen und Fähigkeiten, welche Vorstellungen von Pastoral und Leitung und welche besonderen Kompetenzen sie und die anderen einbringen könnten. Dieses angeglichene Verfahren fand breite Zustimmung – auch wenn Differenzierungen erforderlich sein könnten.

Gemeinsame Aufgaben – verteilte Aufgaben im Leitungsteam

Für das jeweilige Leitungsteam beschreibt die TPG dann gemeinsame Zuständigkeiten (einige Resonanzen sagten: Das ist zu umfangreich) und Zuständigkeiten für eines oder mehrere Aufgabenfelder (s.o.). Dazu würde es gehören, dass das LT-Mitglied einerseits Konferenzen und Vernetzung im Handlungsfeld initiiert und begleitet, andererseits FachvorgesetzeR für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist. Außerdem wäre das LT-Mitglied für das Budget- und Ressourcen-Management im jeweiligen Handlungsfeld verantwortlich (immer im Sinne einer noch zu regelnden Zusammenarbeit mit synodalen Gremien, auf der Grundlage der Synodenergebnisse und der Vorgaben des Bistums und den im Handlungsfeld Aktiven.)

Marker und Karten - teilweise in der Sonne

Arbeitsmaterial bei der Gruppenarbeit

Zu den gemeinsamen Aufgaben des Leitungsteams sollte es u.a. gehören, die Entwicklungsziele, den Stellenplan und die Stellenprofile der PdZ zu entwickeln und die PdZ gegenüber öffentlichen Institution und in der Öffentlichkeit überhaupt und auch gegenüber dem Bistum zu vertreten. Alles in Abstimmung und Kooperation mit den jeweiligen synodalen Gremien auf den verschiedenen Ebenen der Pfarrei der Zukunft und des Bistums. Eine noch zu klärende Geschäftsordnung des Leitungsteams soll diese Verfahren und die Rollen und Funktionen der einzelnen Mitglieder beschreiben.

Alle Mitglieder des Leitungsteams werden vom Bischof berufen und beauftragt. Fachaufsicht über sie sollen Bischof und Generalvikar haben. Hier gab die Resonanz-Gruppe der TPG mit, die Fachaufsicht so zu gestalten, dass der Generalvikar sie auch delegieren kann – zB auf die Ebene der drei Visitationsbezirke.

Leitung / Führung auf Zeit

Blatt - eingerollt in einer linken HandAngedacht ist eine zeitlich begrenzte Übertragung einer Leitungsaufgabe (Führung auf Zeit); dazu gab es breite Zustimmung im Plenum des Resonanz-Treffens. Im Blick ist auch, dass es möglich sein muss, die hauptamtlichen Stellen im LT nur mit Teilzeit-MitarbeiterInnen zu besetzen – offene Frage: Sind dann bis zu sechs „halbe“ Hauptamtliche im LT? Und: wie beschäftigt man Ehrenamtliche in Teilzeit – statt zwei „voller“ bis zu vier „Halbzeit“-Ehrenamtliche?

Weiter zu bedenken: Die „Ehrenamtlichen“ im Leitungsteam

Jedenfalls gibt das Resonanztreffen der TPG für die weitere Arbeit mit: Sie muss das ganze Thema „Ehrenamtliche (e.a.) Mitglieder des Leitungsteams“ noch bedenken – und das wäre dann auch noch einmal mit den Vorstellungen für die hauptamtlichen Stellen abzugleichen:

  • Wie finden sich die Ehrenamtlichen?
  • Werden sie gewählt (von wem) und wie die Hauptamtlichen auch vom Bischof ernannt / berufen? (Hier entstand die Frage, ob und warum nicht auch die Hauptamtlichen im Leitungsteam gewählt werden sollten – oder sich im synodalen Gremium einer Vertrauensabstimmung o.ä. zu stellen hätten.)
  • Nehmen e.a. potentielle TeamerInnen an den Bewerbungs-Workshops teil?
  • Kann die von der Synode geforderte kaufmännische Kompetenz im Leitungsteam auch ehrenamtlich dargestellt werden?
  • Kann die ehrenamtliche Mitgliedschaft gleich lang befristet werden wie die hauptamtliche?
  • Können Ehrenamtliche Fachaufsicht über hauptamtliche MitarbeiterInnen (auch in der Pastoral) wahrnehmen?
  • Welche Qualifizierungs-Angebote brauchen die Ehrenamtlichen im Team?
  • Wie gleicht sich der (anfängliche) „Heimvorteil“ der Ehrenamtlichen gegenüber den Hauptamtlichen aus. (Die EA werden voraussichtlich aus der PdZ kommen – die HA eher nicht…)

Viele offene Fragen – was kein Wunder ist: alles, was die TeilprozessGruppe bei diesem Treffen vorstellen konnte, sind Schlaglichter auf den derzeitigen Diskussions-Stand; nur sehr wenig ist schon weitgehend „geklärt“. Viele Schnittstellen und viele Gespräche mit anderen TPG werden schon und sind noch zu führen – sowohl mit der TPG „Verwaltungsprozesse“ (zum breiten Aufgabenfeld „Verwaltung“) als auch vor allem mit der TPG „Rahmenleitbild der PdZ“. Gerade die Gespräche mit dieser TPG werden eine mehr inhaltliche Füllung von Begriffen wie „Kirch-Orte“, „Handlungs- und Teilhandlungs-Felder“ etc bringen, die bei diesem Resonanztreffen doch sehr abstrakt und theoretisch gesetzt erscheinen konnten.

 

Die nächsten Schritte der TPG / weitere Resonanz

Als nächste Schritte hat die TPG angekündigt: Sie dokumentiert, was sie von diesem ersten Resonanz-Treffen mitbekommen hat und wie sie damit weiter umgehen will; darüber informiert sie auch alle, die am Treffen teilgenommen haben. Eventuell gibt es spezielle Rückfragen an alle oder einzelne, gegebenenfalls auch die Bitte um weitere Resonanz – ob in Form eines weiteren Treffens oder in Form einer zB schriftlichen Befragung, wird sich ergeben.

Ein sehr dichter und anspruchsvoller Nachmittag endete damit, dass TPG und Resonanz-Gruppe sich und die heutige und künftige Arbeit ausdrücklich unter das Evangelium stellte – unter anderem mit Matthäus 20,26

„Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“

Ein Kommentar zu “Auf Augenhöhe

  1. Leitung in Teilzeit – gute Beispiele aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung zeigen, dass dies machbar und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünschenswert ist. Für Hauptamtliche ist ein Teilzeitmodell eine erwägenswerte Option, für Ehrenamtliche unverzichtbar, bei denen zusätzlich Erwerbsarbeit, Familienzeit oder Ruhestand den Tag bestimmen.

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