heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Transparenz durch Kommunikation. Ein Tag mit den Führungskräften der mittleren Ebene am 5. Februar 2018

Ein Kommentar

Den gemeinsamen Tag der Führungskräfte der mittleren Ebene im Bistum Trier eröffnet Generalvikar Ulrich von Plettenberg mit der Bitte um eine “Haltung des Vertrauens und des Wohlwollens”: Auch wenn mein Gegenüber anderer Meinung ist, möchte ich davon ausgehen, dass er nur das Beste will.

An diesem ereignisreichen und vielfältigen Tag konnten wir von dieser Haltung durchaus Gebrauch machen. Aus Sicht der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung haben wir den Austausch begrüßt. Die Synode hat einen tiefgehenden Veränderungsprozess angestoßen und Führungskräfte – hier: Dechanten, Direktorinnen und Direktoren der Orts-Caritasverbände sowie Abteilungsleitungen im Bischöflichen Generalvikariat und im Diözesan-Caritasverband – haben einen wichtigen Auftrag. Von ihnen wird nicht nur erwartet, die eigene Unsicherheit und die Vorläufigkeiten eines solchen Prozesses auszuhalten, sondern auch die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, auf den Weg der Umsetzung mitzunehmen, zu informieren und veränderte Haltungen einzuüben.

Der Generalvikar verdeutlichte diese wichtige Rolle: „Sie sind Vermittlerinnen und Vermittler, um die Veränderungen positiv zu gestalten. Sie können eine Wirkung in der Kommunikation entfalten!” Das Ziel dieser Veranstaltung und ein Merkmal des Prozesses sollten denn auch sein, “Transparenz durch Kommunikation” und “Loyalität durch Partizipation” zu ermöglichen. Die Beteiligung möglichst vieler Personen in der Synodenumsetzung und das Einholen von Rückmeldungen soll das synodale Prinzip stärken. “Durch Vorschläge mitgestalten und bereichern!”, dazu lud der Generalvikar ein.

Für Transparenz im Prozess zu sorgen ist wichtig. Wir begegnen zahlreichen Verunsicherungen, der Bedarf an Information ist hoch, außerdem kommt es darauf an, dass viele Menschen Vertrauen gewinnen können. Die Fragen vieler Leute „Ist das Bistum in diesem Prozess in die richtige Richtung unterwegs? Werden die Bedenken der Haupt- und Ehrenamtlichen genügend berücksichtigt?“ lassen sich nicht nur durch Informationen beantworten. Die vom Generalvikar zu Beginn der Veranstaltung beschriebene Haltung, in der Position des anderen zunächst mal das Gute erkennen zu wollen, ist grundlegend für diese tiefgreifende Veränderung.

„Kommunikationsprozesse sind zentral, auch zukünftig für die netzwerkartige Organisation der Pfarrei”, so der Generalvikar. Um diese Transparenz vorzuleben, waren die Teilprozessgruppen eingeladen, ihren Auftrag und ihren Arbeitsprozess kurz zu präsentieren und für einen Austausch zur Verfügung zu stehen.

In der Veranstaltungsplanung im Vorfeld war das ein heikler Punkt, und auch im Verlauf des Tages. Die Teilprozessgruppens hatten den Auftrag, in knapper Zeit einen Einblick zu geben in ihren Auftrag und den Arbeitsprozess. Zudem konnten noch nicht alle Teilprozessgruppen bereits an einem Punkt sein, konkrete Zwischenergebnisse zeigen zu können. Dies deutlich gemacht zu haben, war einerseits ein Zeichen der Transparenz, andererseits haben sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch enttäuscht darüber gezeigt. Dies war wohl durch falsche Erwartungen vorprogrammiert. Eine selbstkritische Reflexion der Veranstaltungsplanung ist angesagt.

Einige Dechanten haben in den beiden Plenumsrunden dies sehr deutlich gemacht: Wir hätten mehr erwartet. Es werde zwar gut, schnell und intensiv gearbeitet, aber die Erarbeitung brauche insgesamt zu viel Zeit. Auf die Ergebnisse werde dringend gewartet.

Eine schwierige Situation für die Teilprozessgruppen, aber auch für uns in der Steuerungsgruppe. Denn in der Rückmeldung am Nachmittag wurde die Aufstellung des Umsetzungsprozess kritisch hinterfragt: Können die Teilprozessgruppen ihr Zeitziel erreichen? Ist die Aufteilung der Themen in unterschiedliche Teilprozessgruppen der richtige Weg? Werden nicht zu viele Schnittstellen generiert, die in ihrer Komplexität nicht mehr zu durchschauen sind? Wie werden die Schnittstellen organisiert und gesteuert auf ein gemeinsames Ergebnis hin?

In der Runde gibt es aber auch sehr konstruktive Vorschläge: Veränderte Arbeitsformen der TPGs, eine Art Vollversammlung aller Gruppen usw. könnten durch die Synode erprobte Verfahrensweisen sein, die jetzt eingesetzt werden können.

Nach dem nachmittäglichen Austausch der Teilgruppen haben die Vertreterinnen und Vertreter der Caritasverbände ihre Bereitschaft deutlich gemacht, weiter kommunikativ in dem Umsetzungsprozess zu wirken, ihre Strukturen und Netzwerke zur Verfügung zu stellen und daran mitzuarbeiten, die von der Synode angeregte Zusammenarbeit zwischen Seelsorge und Caritas zu verstärken. Dazu brauche es aber auch eine Verständnishilfe für die unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Rechtsrahmen.

Die Mitglieder des Leitungsforums des Bischöflichen Generalvikariats haben ebenfalls auf die Komplexität des Prozesses hingewiesen. Die Gefahr, den Prozess, in dem die Teilprozessgruppen die Konzepte erarbeiten, zu wenig zu steuern, sahen auch sie als Problemanzeige.

Das trifft wiederum die Herausforderungen, die uns als Steuerungsgruppe in den letzten Wochen umtreiben. Aus unserer Sicht gewinnen die Konzepte, die die Teilprozessgruppen erarbeiten, nach und nach Stabilität. Der Zeitplan präzisiert sich. Meilensteine werden erkennbar und prüfbar. Das konnten wir aber noch nicht so darstellen, dass es für alle übersichtlich wird. Aber auch für uns ist klar: Der Prozess braucht eine regelmäßige Steuerung, Risikobewertung, Ergebnissicherung, Abstimmung.

Das Format des Treffens wurde generell positiv bewertet, mit der Einschränkung, dass zu dem gesetzten Termin für manche zu wenig Neues dabei war.

Für unsere Arbeit in der Steuerungsgruppe war der Tag ein erster Schritt, um die Aufgaben und Funktionen der mittleren Führungskräfte und ihre Bedeutung für die Zukunft in den Blick zu nehmen. Die Hinweise der Führungskräfte, dass ihr Auftrag genauer zu beschreiben sei, sind richtig. Hier liegt eine Aufgabe für die Bistumsleitung. Für die Dekanate als Ebene und mithin für die Dechanten stellt sich die Situation auch sehr unterschiedlich dar: manche Dekanate sind in ihren Grenzen fast identisch mit Pfarreien der Zukunft, andere haben kaum Entsprechung mit der zukünftigen Struktur. „Führung im Übergang“ hat je nach Situation einen anderen Fokus.

In den nächsten Wochen und Monaten stehen weitere Schritte des Austauschs und der Resonanz an, sei es das Zwischenergebnisse der Teilprozessgruppen in der Leitungskonferenz zu besprechen sind, sei es dass es Resonanzveranstaltungen der Gruppen geben wird oder einen Workshop für alle Interessierte während der Heilig-Rock-Tage.

Dabei werden wir sicherlich wieder erleben: die Kirche insgesamt, aber besonders das Bistum Trier hat sich auf „Entwicklungsmodus“ gestellt. Bislang war die Bistumsleitung daran gewöhnt, vor allem endgültige Entscheidungen zu kommunizieren und damit die Leute vor vollendete Tatsachen zu stellen. Umgekehrt waren die Leute im Bistum gewöhnt, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nun gilt für alle im Bistum Trier: das Aushalten von Vorläufigem, das Leben mit dem Unfertigen ist vielleicht der stärkste Ausdruck einer synodalen Kirchenentwicklung. Dass immer wieder Nur-Zwischenergebnissen vorliegen, macht die Kommunikation komplexer und ist gewöhnungsbedürftig. Dieser Prozess- bzw. Wegcharakter wird von Dauer sein. Das Bedürfnis nach Sicherheit wird die Leitung nur in einigen grundlegenden und richtungsweisenden Vorgaben befriedigen können. Das synodale Prinzip in einer dynamischen Gesellschaft zu leben, heißt auch Leitung neu justieren und neu lernen. Für die Pfarreien der Zukunft ist das ein expliziter Arbeitsauftrag in der Synodenumsetzung. In diesen Kulturwandel sind aber alle Führungskräfte involviert.

 Anja Peters/Christian Heckmann

Ein Kommentar zu “Transparenz durch Kommunikation. Ein Tag mit den Führungskräften der mittleren Ebene am 5. Februar 2018

  1. „Nicht das Beginnen wir belohnt, sondern einzig und alleine das Durchhalten“, Katharina von Siena

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