heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Töne wider, heilige Halle

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Resonanz-Treffen mit Bischof Stephan in St. Maximin, Trier

von Michaela Tholl

Lasst es tönen! – Mit dieser Einladung und Bezug zum Exsultet in der Osternacht begrüßt Dechant Schmitz aus Trier die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der sechsten Resonanz-Veranstaltung zur Raumgliederung in Trier St. Maximin. Mir kommt gleich der Gedanke, dass eine solche Einladung an diesem Ort, der selbst für bewegte Zeiten der Veränderung steht, ein guter Ort für einen Widerhall zum ersten Schritt in der Synodenumsetzung sein könnte. Darauf folgte der Hinweis, dass jetzt ein Volk zur Resonanz aufgerufen ist, das nicht an der Synode beteiligt, aber von den Ergebnissen betroffen ist; das lässt aber ahnen, dass hier eher der Betroffenheit Raum gegeben würde und dass weniger mit Jubel zu rechnen sein wird.

Stimmungs-Bild in St. Maximin: Grüne Karten...

Stimmungsbild in St. Maximin

Auch wenn in einem ersten Stimmungsbild Entspanntheit und Besorgnis sich die Waage halten, so sind es im Anschluss an die einleitenden Worte des Bischofs und von Dechant Grünebach doch vor allem die Sorgen, die zum Ausdruck kommen.

„Bei uns ist die Welt noch in Ordnung – und nun diese extreme Form der Veränderung! Das können die Leute nicht nachvollziehen.“ „Wie wird es mit der Sakramenten-Spendung weiter gehen? Die Menschen können ihren Glauben nicht mehr praktizieren, weil die Wege zu weit sind.“ „Die Gremien haben viel geleistet, und nun braucht man sie bald nicht mehr. In den Räten schimpfen die Leute nur noch. Viele haben sich ganz abgewendet.“ „Die älteren Menschen fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt und abgehängt.“ „Dies ist eine brandgefährliche Übergangszeit. Hilfreicher Beistand fehlt.“ „Was wird mit dem Geld, wenn in einer Gemeinde Vermögen durch Verkauf von Pfarrhäusern oder Erbschaften entstanden ist?“ „Was wird mit den Angestellten der Kirchengemeinden?“ „Im Synodendokument kommt weder die Bibel noch der Katechismus vor.“ Und sogar: „Herr Bischof, kämpfen Sie für den überlieferten Glauben?“

Zwar hat der Bischof zu Beginn klargestellt, dass es keine fertigen Antworten oder Pläne in der Schublade gebe und dass genau dies der Beweis und der Preis für das synodale Vorgehen sei. Dennoch können einige Missverständnisse angesprochen und für den einen oder anderen besorgten Besucher der Veranstaltung vielleicht auch ausgeräumt werden.

„Natürlich bleibt der überlieferte Glaube unangetastet“, betont der Bischof. „Die Synode verändert den Glauben nicht, sondern fragt danach, wie wir den Glauben leben und bezeugen. Die Kirche im Bistum Trier versucht sich genau von diesem Auftrag her zu verstehen. Der epochale Wandel vollzieht sich auch ohne die Synode. Die Lebensweise der Menschen heute verändert sich radikal: Wohlstand, Freiheit, Bildung – die Menschen entscheiden selbst, wo und wie sie ihren Glauben leben; die Synode versucht, Antworten darauf zu geben. Wir sind längst eingetreten in eine neue Geschichte des Glaubens.“

Genau das ist auch meine persönliche Erfahrung schon seit vielen Jahren. Und so frage ich mich gelegentlich während der Veranstaltung, wieso es so schwer fällt, die Chancen und Möglichkeiten in der Synodenumsetzung zu erkennen? Liegt es vielleicht daran, dass die Menschen, die sich über diese neuen Möglichkeiten freuen könnten, gar nicht (oder schon lange nicht mehr) da sind? Dann hätte ein Teilnehmer recht, der sagt: „Die Synode hätte schon 20 Jahre früher kommen müssen.“ Aber wenn das so ist: müssen wir uns dann nicht erst recht mit Hochdruck und ohne Zeitverlust den Herausforderungen stellen? Und zwar immer mit der Zuversicht, die unser überlieferter Glaube uns schenkt?

In der Tat haben am Samstag die Hallen von St. Maximin weniger vom Osterlob widergehallt als von den Sorgen der Menschen, die wichtige Säulen der Kirche wegbrechen sehen. Und eines muss auch immer wieder klar und deutlich gesagt werden: Die Pfarrei der Zukunft wird nicht dem Bild der Pfarrei entsprechen, mit dem wir groß geworden sind. Es wird künftig eine verlässliche Verwaltungsebene geben, die sicherstellen soll, dass es Orte christlichen Lebens geben wird, an denen Menschen von ihrem Glauben erzählen, Gottesdienst feiern und sich diakonisch für bessere Lebensbedingungen in dieser Welt einsetzen.

Die Pfarrei der Zukunft wird einen Rahmen schaffen, in dem vielfältiges und unterschiedliches Gemeindeleben wachsen kann – eigentlich das Gegenteil von Zentralisierung! Ich sehe auch nicht, dass die Synode alte Menschen abhängen will und Menschen in den jetzigen Räten für überflüssig erklärt. Oft wird eingewandt, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen verliere. Dabei wird übersehen, dass wir als Kirche die Nähe zu einem großen Teil der Menschen längst verloren haben. Wie bleibt der Glaube lebendig in einer sich rasch verändernden Welt? Im Weggehen sich selber finden, im Hinausgehen in die Welt sehen, wie und wo sich Gott uns zeigt: die Erfahrung, dass das Volk Gottes immer schon ganz wesentlich von Impulsen belebt worden ist, die von außen kamen, ist eine zutiefst biblische und kirchengeschichtliche Erfahrung.

Für mich heißt die Frage: Wie können wir immer wieder neu die Erfahrung eines Gottes sichtbar machen, der mit uns geht, dem die Schwachen am Herzen liegen, der Würde und Freiheit schenkt? Unser Glaube ist erst dann bedroht, wenn wir aufhören, daran zu glauben: dass Gott der ist, der mit uns geht, durch alle Zeiten.

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