heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


Hinterlasse einen Kommentar

Was ist Berlin schon gegen Prüm? Angeregte Diskussion um Pfarreien der Zukunft bringt Bischof auch noch spätabends in Fahrt

Bei der dritten Veranstaltung im Rahmen der Resonanz zur Raumgliederung am Abend vor Christi Himmelfahrt in Prüm herrschte bereits eine angeregte Stimmung, als Bischof Stephan zu der Veranstaltung wegen eines Termins bei der Bundeskanzlerin verspätet dazu kam. „Was ist Berlin schon gegen Prüm?“, resümierte er am Ende der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung. Die Fragen der über 300 Gläubigen aus der Westeifel trieben den Bischof zum Podium, nachdem er in der Veranstaltungspause ankam. „Jetzt ist er da, jetzt wollen wir mit ihm diskutieren.“ Und es war nicht so, als dass das nicht vorher schon stattgefunden hätte. Die Verantwortlichen aus dem Bischöflichen Generalvikariat und der Teilprozessgruppe Raumgliederung haben gleich zu Beginn der Veranstaltung den Entwurf vorgestellt, nach dem es zukünftig im Bistum noch 35 Pfarreien der Zukunft geben soll. „Wir müssen Pfarrei-Sein neu lernen“, beschreiben sie die anstehende Aufgabe. Die bisherige kleinteilige Pfarreien-Struktur und das Aneinanderfügen von immer mehr Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften sei weder pastoral noch verwaltungstechnisch ein Zukunftsmodell.

Die engagiert diskutierenden Männer und Frauen machten gleich zu Beginn deutlich, dass sie das anders sehen: „Warum nehmen Sie uns unsere Identität, wenn Sie teilweise über Jahrhunderte bestehende Pfarreien auflösen und neu zusammenfügen?“ Eine teilweise hitzige, aber immer faire Diskussion zog sich durch den ganzen Abend. Das lobte der Bischof auch am Schluss: „Ich merke deutlich: auch wenn Sie nicht mit allem zufrieden sind, was wir Ihnen heute vorgestellt haben: es geht Ihnen ja darum, dass es mit der Kirche gut weiter geht. Sie kritisieren ja nicht aus einer distanzierten Position, sondern weil in Ihrem Engagement viel Herzblut steckt.“ Die Vertreter der Steuerungsgruppe zur Synodenumsetzung und der Raumgliederungs-Gruppe konnten an vielen Stellen deutlich machen, dass es bei der Bildung der Pfarreien der Zukunft auch darum geht, das Engagement der vielen Menschen besser als bisher zu unterstützen und vor allem vielfältigere Engagementmöglichkeiten zu entwickeln. „Wer sich engagieren will, soll nicht über Jahre gebunden sein und er soll auch in den Belangen mitgestalten und -entscheiden können, die das eigene Engagement betreffen. Auch so kann Identiät entstehen.“ Auch die Bedenken, dass es letztlich nur um Zentralisierung gehe, nahmen die ernsthaft diskutierenden Verantwortlichen nicht auf die leichte Schulter: „Es geht um das, was es vor Ort an Leben und Glauben, an Engagement und Leidenschaft gibt, und um das, was es neu zu entdecken gilt.“ „…inmitten der Häuser ihrer Söhne und Töchter“, wie Dechant Clemens Grünebach aus Hermeskeil, der die Teilprozessgruppe Raumgliederung leitet, Papst Franziskus zur Pfarrei zitiert.

Bei aller kontroversen Diskussion: ein mutmachender Abend. Eine Kirche, die so diskutieren kann, hat Zukunft, meint

Christian Heckmann, Synodenbüro


Hinterlasse einen Kommentar

Pfarrei wirklich neu denken

Es war keine laute Veranstaltung, trotz der fast 300 Menschen in der Kulturhalle in Ochtendung. Stattdessen: aufmerksames Zuhören, kritische Rückfragen, gemeinsames Gebet. Denn: „Es geht um nichts weniger als die Pfarrei wirklich neu zu denken“, wie Bischof Stephan es bei der ersten von acht Resonanzveranstaltungen zum Entwurf der Raumgliederung für die „Pfarreien der Zukunft“ formulierte. Und so diskutierten die Frauen und Männer auch weniger über die konkreten Raumzuschnitte als vielmehr darüber, wie die Pfarrei der Zukunft künftig mit Leben zu füllen ist. Die Pfarrei sei eine Art „Grundgerüst des kirchlichen Lebens“ und mit den weiten Räumen wolle man dieses Gerüst „wetterfest machen und es so feststellen, dass es den veränderten Zeiten genüge tut“, sagte der Bischof.

Und kirchliches Leben gibt es an vielen Orten und in unterschiedlichen Formen: Ute Herold berichtete von einem Familienprojekt im Dekanat Ahr-Eifel und Mechthild Haase vom Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr, erzählte vom Projekt „Leben und Älter werden in Remagen“ – zwei gelungene Beispiele für netzwerkartige Kooperationen, die es in den Pfarreien der Zukunft verstärkt geben soll.

Die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeugten ebenfalls von vielfältigem Engagement. Ob es ums Vermögen geht oder wie die Leitungsteams künftig aufgestellt sein werden: Die Frauen und Männer wollen mitarbeiten an der Pfarrei der Zukunft – und das ist nötiger denn je. „Kirche braucht Partizipation“, sagte Mechthild Schabo, Direktorin für Pastoral und Gesellschaft im Bistum, auf die Frage nach künftigen Rätestruktur. Es werde auch künftig Räte und Wahlen geben, denn das Synodendokument mache doch klare Aussagen über die Art des Umgangs miteinander. Eine eigene Teilprozessggruppe werde dazu arbeiten.

Reichen denn die angestrebten Veränderungen wirklich, um die Kirche fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, fragte ein Vater, der sich Gedanken macht, wie er den Glauben an seine Kinder weitergeben kann. Wie geht Erwachsenenkatechese – „Jesus geht uns verloren!“ machte eine Frau ihrer Sorge Luft. Und am Ende bat ein älterer Herr: „Sorgen Sie dafür, dass es in den Pfarreien der Zukunft so wie heute hier ganz viele Gesprächsmöglichkeiten gibt, damit die Einheit wachsen kann.“

Viele Fragen, manche Antworten, Impulse, ein konstruktiver Dialog: Der Auftakt der Resonanzveranstaltungen ist gelungen. Bis Ende Juni gibt es sechs weitere Veranstaltung – und bis zum Herbst die Möglichkeit, auch online Rückmeldung zu geben. Alle Infos gibt es unter http://www.herausgerufen.bistum-trier.de

(Judith Rupp)


Hinterlasse einen Kommentar

Nicht im Auftrag der Synode

Seit einiger Zeit erhalten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums Trier gelegentlich geheimnisvolle Nachrichten: Ein „Synoden-Geist“ meldet sich zu Wort, mal mit Anregungen, mal mit Kritik, mal mit Impulsen zur Umsetzung der Diözesansynode. Wurden die Nachrichten zunächst mit Neugierde aufgenommen, macht sich mittlerweile vielfach Unmut breit. Viele Adressaten glauben, dass das Synodenbüro „dahintersteckt“ – und fragen sich, was der Sinn hinter den Aktionen ist.

„Der Synodengeist arbeitet nicht im Auftrag des Synodenbüros“, stellt Christian Heckmann klar. „Leider ist das nicht erkennbar, da er oder sie einfach das Logo der Synode benutzt und auch den Absender ‚Synode im Bistum Trier‘ nennt.“ Eine Aktion an Karneval, bei der der Synoden-Geist Türen und Fenster mit Aufklebern beklebt hatte, hatte zu Verärgerung bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt – und auch zu Reinigungskosten. Nun sind alle Dekanate mit einem offiziell erscheinenden Anschreiben mit Bistums- und Synodenlogo Adressat eines Flyers gewesen.

Synodenbüro und Bistumsleitung teilen die Verärgerungen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den „Spuk“. Auch wenn man schon erkennen könne, dass der Synoden-Geist die Synoden-Ideen mit kreativen und systemkritischen Interventionen unterstützen will, appelliert das Synodenbüro an die Person oder Personen hinter dem Geist, ihr Vorgehen zu prüfen. Über eine Mailadresse, die sich der Geist zugelegt hat, hat das Büro Kontakt aufgenommen. „Wir hoffen, dass der Geist zu der Einsicht gelangt, dass es in dem sensiblen Veränderungsprozess, der viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft und herausfordert, Grenzen für solche Interventionen gibt. Uns erreichen sehr verärgerte Reaktionen, die eher das Gegenteil dessen bewirken, was wir als gute Absicht des Geistes annehmen.“

(Judith Rupp)


Hinterlasse einen Kommentar

Entdecken (helfen), wo kirchliches Leben lebt…

Skizze zu den Aufgaben der zehn „Erkundungs-Teams“
in den vorgeschlagenen Pfarreien der Zukunft

Gesucht werden dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pastoral, aus Verbänden, Generalvikariat und aus dem Bereich Caritas. Sie sollen ab September dieses Jahres in den ca. 35 Pfarreien der Zukunft auf Erkundungsreise gehen – in zehn multiprofessionellen Dreier-Teams, jeweils zusammen mit entsprechenden Gruppen und interessierten Menschen vor Ort.

Trauben-Träger aus böhmischer Krippe

Kundschafter haben Schätze entdeckt – eine böhmische Krippe stellt sie als Trauben-Träger dar

Erkunden sollen sie die sozialen und kulturellen und religiösen Situationen der jeweiligen Pfarrei der Zukunft; sie sollen herausfinden und bewusst machen, wie dort kirchliches Leben bereits gelebt wird und welche Unterstützungs-Formen es weiterhin braucht.

Besonders interessant wird es sein, die Chancen für neue Formen und Orte des Christseins zu entdecken; das kann helfen, dass die sich dann auch entfalten können. Dabei wird es immer auch darum gehen, den Blick zu weiten – für manche ist es ja eine Neuigkeit, dass auch Kitas und Kliniken, „Tafeln“ und Jugendtreffs „Kirchorte“ im Sinne des Abschlussdokuments der Synode sind.

Ausgeschrieben sind die 25%-Stellen im kirchlichen Amtsblatt und beim Diözesan-Caritasverband; Personal-Auswahl, Zusammenstellung und Training der Teams sollen im Juni beginnen – und starten soll ihre Arbeit im September.
Hier finden Sie die Ausschreibung im KA – und hier eine Skizze der Erkundungsphase von Dr. Gundo Lames (Steuerungsgruppe)


Hinterlasse einen Kommentar

Brauchen wir eine interessante Kirche –

oder eine Kirche, die sich interessiert …?

… war eine von vielen Fragen, die sich in der Synodenwerkstatt am 1. Mai in den Gesprächen zum Perspektivwechsel „Vom Einzelnen her denken“ auftaten. Das Fazit war: Es geht weniger um interessante Angebote, sondern vielmehr um die Erfahrung von „Ich werde gesehen.“ und „Ich werde angesprochen.“

Im Evangelium von der Heilung eines Blinden geht Jesus auf den Einzelnen zu und fragt ihn: Was soll ich dir tun? Auf den ersten Blick ist das eine seltsame Frage – es scheint doch klar zu sein, was Bartimäus von dem Wundertäter erwartet. Manche Menschen mit Behinderungen weisen allerdings darauf hin, dass sie ihre Einschränkungen durchaus als etwas empfinden, das zu ihnen gehört sie als Mensch ausmacht. Ein Gesprächsteilnehmer hat formuliert: „Ich würde gerne wieder tanzen können“. Vor diesen verschiedenen Aussagen erscheint die Frage Jesu umso wichtiger…

Andere fragten, wie das wohl gehen kann: In den neuen Pfarreien der Zukunft, mit größeren Entfernungen den Einzelnen im Blick zu behalten?

Synodenwerstatt3-(002)

Wortwolke – im Workshop ergänzt… „Vom Einzelnen her denken“…

In kurzen Bibelgesprächen, in der Ergänzung einer Wortwolke, in einer Collage aus Gedanken und Bildern zum Thema „Leben in Fülle“ oder in einem Würfelspiel wurde deutlich: Es ist sehr wichtig, dass Menschen einer Kirche begegnen, die fragt, zuhört, sich interessiert und zugewandt ist, die sich mit den Menschen solidarisiert. Dies ist diakonisch, und Kirche wird in ihrer Botschaft glaubhaft.
So lässt sich auch im übertragenen Sinne fragen: Wer ist denn blind, wer „hat Tomaten auf den Augen“? Der Perspektivwechsel ist eine Herausforderung für jede und jeden; er steht eng im Zusammenhang mit Netzwerk-Arbeit, Charismen-Orientierung und dem synodalen Prinzip.

Synodenwerkstatt5

Collage mit „Dickhäuter auf Zeit“ (das Foto stammt aus einem Museum in Neuseeland)

Ein Beitrag auf der Collage fasst es mit diesem Bild zusammen: Es braucht Menschen und Orte, wo man sich wohlfühlen kann, wenn man sich klein und verloren fühlt. Eben „Dickhäuter auf Zeit“!

25 Menschen, die sich nicht alle kannten, haben anderthalb Stunden mit vielen Gesprächen, Anregungen, „aha-Momenten“ und Begegnungen verbracht und haben in der Beschäftigung mit den Einzelnen Gemeinschaft erlebt.

Birgitta Bauer und Rita Schneider-Zuche (beide Caritasverband für die Diözese Trier e.V.)