heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier

Warum 35 anstatt 60?

8 Kommentare

In den ersten Tagen der Resonanzphase zur Raumgliederung kommt immer wieder eine Frage: Warum sieht der Entwurf 35 Pfarreien der Zukunft vor, wo doch im Synodendokument noch von 60 Pfarreien die Rede war? Wir haben Prälat Franz Josef Gebert gefragt, der Mitglied in der Teilprozessgruppe Raumgliederung war. Er sagt:

Die Zahl 60 war das Ergebnis der entsprechenden Sachkommission der Synode. Sie war als Maximalzahl gedacht und sollte – in ihrem unübersehbaren Kontrast zu der bestehenden Struktur – deutlich machen, dass die Pfarrei der Zukunft auf keinen Fall als Fortschreibung der bisherigen Praxis gesehen werden kann. (Wenn man 60 den bestehenden ca. 900 gegenüberstellt, dann kann man nicht mehr auf die Idee kommen, dass hier dasselbe gemeint ist.) Sie ist nicht das, was wir bisher unter „Pfarrgemeinde“ verstehen.

Die Synodenvollversammlung war sich im Klaren, dass sie die Zahl 60 nicht verantwortet beschließen konnte. Dafür hätte sie sich mit vielen Details sehr zeitaufwändig auseinandersetzten müssen, was von der Anlage der Synode nicht möglich war. Deshalb wurde „60“ als Orientierung übernommen und die konkrete Festlegung in die Umsetzung der Synodenbeschlüsse gegeben. Bei dieser Konkretisierung wurden u.a. auch die Entwicklung der Ressourcen sowie die Rahmenbedingungen für eine sinnvolle und sparsame Verwaltung und für einen guten Personaleinsatz berücksichtigt.

Am Wichtigsten in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Synode in ihren Perspektivwechseln ausdrücklich von der bisherigen Praxis verabschiedet und neue Kriterien für die Pfarreien der Zukunft benennt. Wenn man „vom Einzelnen her denkt“, wenn „Charismen vor Aufgaben“ wirklich in den Blick genommen werden, wenn „weite pastorale Räume eingerichtet und netzwerkartige Kooperationsformen verankert“ werden, dann spielen die Flächengröße und die Katholikenzahl nicht mehr die entscheidende Rolle. Die Pfarrei der Zukunft ist vor allem ein rechtlicher und organisatorischer Rahmen. Das kirchliche Leben ist ganz dezentral gedacht und richtet sich nach den sozialräumlichen Gegebenheiten und den lokalen Initiativen.

Wenn die Perspektivwechsel wirklich tragen sollen, ist ein Abschied vom Kirchturmdenken, d. h. von einer zentralistischen Konzeption der Pfarrgemeinde erforderlich. Das kirchliche Leben und die Strukturen, die diesem Leben Raum geben und ihm dienen sollen, müssen in jeder Pfarrei neu entdeckt und ernst genommen werden.“

Judith Rupp

8 Kommentare zu “Warum 35 anstatt 60?

  1. Liebe Judith,

    Dank für Deinen Bericht.
    Nach den Artikeln im Trierischen Volksfreund (Schnell-Schüsse einzelner Pfarreiengemeinschaften) bringen es Deine Worte auf den Punkt.
    Es ist in erster Linie eben nicht nur eine Strukturreform. Wichtig ist in Zukunft, wie wir Kirche vor Ort glaubwürdig leben und gestalten.
    Liebe Grüße
    Hildegard

  2. Liebe Frau Rupp, liebe Hildegard,
    Klar, die neue Struktur ist ein erster Schritt, dem dann die eigentlichen Veränderungsprozessen folgen werden. Da bin ich ganz d’accord. Der Entwurf der neuen Pfarreien sieht allerdings ein paar „Strukturmonster“ vor. Die Frage ist dann, ob und wie es gelingt, dann irgendwie zusammenzuführen, was nach Ansicht so mancher Menschen nur schwer zusammengehört.
    Wir bleiben im Gespräch und ich bleibe gern dabei; denn das ganze Projekt ist ja der Rede wert.
    Viele Grüße
    Hans-Josef Puch

  3. Sehr gehrte Frau Rupp!
    Wieso machen Sie aus einer Orientierungsanzahl eine Maximalanzahl? Nach dem Wortlaut des Synodentextes und des Anhangs dazu tischen Sie hiermit eine glatte Lüge auf.

    • Sehr geehrter Herr Baltes, danke für den Hinweis. In der Tat ist im Dokument die Zahl 60 als Orientierung genannt. Daher habe ich das Wort „maximal“, das ich fälschlicherweise in der Einleitung benutzt habe, dort gelöscht. Freundliche Grüße! JR

  4. Sehr geehrte Frau Rupp, die „Maximalzahl 60“ taucht nicht nur in Ihrem Dokument auf und sollte überall gelöscht werden. Auch die Behauptung von Prälat Benz in Ihrem Dokument macht die Sache nicht glaubwürdiger. Ist es nicht so, dass die Mitglieder der Kirche mit den Zahlen 60 und dann 35 stückchenweise an längst (bereits vor der Synode?) gefasste Beschlüsse gewöhnt werden sollten?
    Genauso sehe ich die Entscheidung über die Vermögen der bisherigen Pfarreien, die angeblich im Juli 2017 getroffen wurde. Nach einem Schreiben unseres Bischofs an Generalvikar Bätzing vom April 2016 stand bereits damals fest, dass für jede Großpfarrei nur ein Verwaltungsrat und zwar aus den Mitgliedern des einen Pfarrgemeinderates zu wählen ist.
    Ich fühle mich auf deutsch gesagt, „verarscht“.

    Viele Grüße
    Helmut Baltes

  5. Sehr geehrter Herr Baltes, gerne möchte ich aus der Sicht des Synodenbüros, das für die Umsetzung der Synodenergebnisse zuständig ist, auf Ihren Kommentar antworten. Sie vermuten, dass die Beschlüsse bezüglich der Anzahl der Pfarreien der Zukunft und der Form der Vermögensverwaltung schon vor der Synode gefasst worden sind.
    Ich selbst war als Referentin der Sachkommission „Entwicklung der Rätestruktur“ Teilnehmerin der Synode und habe die Diskussionsprozesse direkt mitbekommen. Es wurde unter den Synodalen sehr darum gerungen, wie sich das Bistum zukünftig inhaltlich aufstellt und wie dazu eine Struktur aussehen könnte, die diesen Inhalten dient. Im Abschlussdokument wurde dann die Zahl 60 als Orientierungsgröße aufgenommen; dies schien eine angemessene Größe, um die Inhalte umsetzen zu können. Die Teilprozessgruppe Raumgliederung hat nach intensiver Beschäftigung mit verschiedensten Kriterien, nach Beratung mit den Raumplanern der Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz, und aufgrund des Erfahrungswissens, das im Bistum vorliegt, einen Entwurf von 35 Pfarreien vorgelegt. Dieser wird zur Zeit diskutiert und auf der Grundlage der Rückmeldungen im Herbst dieses Jahres überarbeitet.
    Da ich selbst Referentin der Sachkommission „Entwicklung der Rätestruktur“ war, weiß ich sehr sicher, dass es keine Vorabsprachen über die Rätestruktur in Verbindung mit einer möglichen Struktur über Verwaltung und Rechtsrahmen gab. Die Mitglieder der Sachkommission haben sich sehr intensiv mit möglichen Formen von Gremien und Leitung von Gemeinden beschäftig und so zum Schluss die Empfehlung ausgesprochen, einen Rat zu bilden, in dem sowohl die pastoralen Themen und die Verwaltungsthemen angesiedelt sind. Dies hat im Abschlussdokument keinen direkten Niederschlag gefunden, sondern wurde als mögliches Instrument zur Umsetzung aufgenommen. Eine eigene Teilprozessgruppe, die dieses Jahr noch an den Start gehen wird, wird sich mit einem Konzept für die Gremien auf Pfarrei- und Bistumsebene intensiv beschäftigen.
    Die Vorentscheidung, für jede Pfarrei der Zukunft eine Kirchengemeinde zu bilden, ist erst diesen Sommer getroffen worden. Zur genauen Information und Möglichkeiten der Ausgestaltung wird das Bistum ab September acht Veranstaltungen anbieten. Ich lade Sie ein, an einer Veranstaltung teilzunehmen, dann können Sie auch Ihre Erfahrungen und Hinweise einbringen.
    Freundliche Grüße, Edith Ries

  6. Die Lüge mit den maximal 35 Pfarreien laut Abschlussdokument ist immer noch in offiziellen Dokumenten des Bistums enthalten. Soll die Verarcherei der zahlenden Kirchenmitglieder ewig so weitergeführt werden

  7. Sehr geehrter Herr Baltes, von Seiten des Synodenbüros und auch von anderen Stellen im Bistum sind wir immer wieder bemüht, auf E-Mails, Kommentare, Briefe und Telefonate zu reagieren und zu erläutern, was das Abschlussdokument sagt und wie es nun konkret weitergeht. Uns ist dabei ein freundlicher und sachlicher Stil gegenüber allen, die uns anfragen, auch wenn die Anfragen kritisch sind, wichtig. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Sie sich um eine entsprechende sachliche Wortwahl bemühen würden.
    Gerne möchte ich noch einmal zu der Zahl 35 bzw. 60 Stellung nehmen. Die Zahl 60 ist eine Orientierungszahl im Abschlussdokument. Die Erarbeitung der neuen Struktur konnte erst nach Sichtung verschiedenster Kriterien vorgenommen, dies war im Rahmen der Synode nicht möglich. Die Zahl an sich war den Synodalen auch nicht das entscheidende. Entscheidend war, dass eine inhaltliche Neusausrichtung geschehen sollte. In der Diskussion darüber wurde den Synodalen schnell deutlich, dass die derzeitige Kleinteiligkeit der Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften eher hinderlich ist und dass ein größeres Gebiet die neuen Inhalte besser unterstützt. Um dem Umsetzungsprozess eine Orientierungshilfe zu geben, wurde die Zahl 60 genannt. Aber erst durch eine kriteriengeleitete Erarbeitung konnten die Pfarreien der Zukunft entworfen werden. Aufgrund dieser Kriterien sind im Entwurf 35 Pfarreien vorgesehen.
    Mit freundlichen Grüßen, Edith Ries

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