heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Missionarische Grundhaltungen werden deutlich

Bereits im April hat die Teilprozessgruppe „Missionarische Teams/Freiwilliges Missionarisches Jahr“ Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Die TPG hat zum Begriff „Mission“ theologische Grundlagen erarbeitet und einen Vorschlag für das Missionsverständnis vorgelegt. Ebenso wurden ein Konzeptentwurf für die Bildung missionarischer Teams und Modellvorschläge für ein Freiwilliges Missionarisches Jahr vorgestellt.

Karin Müller-Bauer gehört zum Leitungsteam der TPG und zieht ein positives Fazit: „Über 40 Menschen haben sich die Zeit genommen, um sehr intensiv, kontrovers und konstruktiv in jeweils zwei mal drei Gesprächsrunden Rückmeldung zu geben zu den beiden Konzeptentwürfen Missionarische Teams und Freiwilliges Missionarisches Jahr sowie zum Missionsbegriff.“ Bei der Planung der Resonanzveranstaltung sei es der TPG wichtig gewesen, so viel Zeit wie möglich zum Gespräch zu geben.

„Bei der Verwendung des Begriffes Mission und missionarisch gab es die größten Vorbehalte sowie Alternativvorschläge, die wir mitnehmen und abwägen werden“, nennt Müller-Bauer eine wesentliche Rückmeldung. Dr. Michael Meyer, der wesentlich für dieses Themenfeld verantwortlich ist, bestätigt, dass der Missionsbegriff „irritiert“. Grundsätzlich habe er aber „kein Stoppschild“ gesehen.

Positiv konnotiert worden sei der Ansatz, dass die Missionarischen Teams in multiprofessioneller Zusammensetzung arbeiten können, sowie ein Vorschlag zur Einrichtung eines Missionarisch-Diakonischen Zentrums. „Dazu gab es hilfreiche Ergänzungen und Achtungszeichen, die wir in unser Konzept aufnehmen werden“, erklärt Müller-Bauer.

Peter Nilles befasst sich vor allem mit den Überlegungen zum Freiwilligen Missionarischen Jahr. „Wir hatten zwei sehr unterschiedliche Resonanzrunden: zum einen sehr viel konkrete Rückfragen und Impulse von Menschen, die beruflich mit Freiwilligendiensten zu tun  haben. Zum anderen gab es von Teilnehmenden der Synode sehr viel positive Bestärkung für unsere Ideen bis hin zu der Anmerkung, dass in keiner der Teilprozessgruppen der Geist der Synode so konkret fließt wie aus unserer.“ Er sieht die geplante Position ermutigt und bestätigt, dass mit dem Start der Pfarreien der Zukunft auch die inhaltliche Arbeit in Missionarischen Teams und im Freiwilligen  Missionarischen Jahr starten sollte, „damit der Synodenprozess nicht nur von strukturellen Prozessen gekennzeichnet ist, sondern auch deutlich wird, worum es der Synode inhaltlich geht“. Diese zeitliche Umsetzung werde zwar als ambitioniert gewertet, sagt Müller-Bauer, wobei der Dringlichkeit, anzufangen und damit Zeichen für ein Ernstnehmen der Synodeninhalte zu setzen, zugestimmt worden sei.

Insgesamt sei die TPG nach einem Abschlussritual, bei dem die Teilnehmenden einander als Zeichen des Aufbruchs und des Unterwegssein einen Schlüsselanhänger aus Bolivien in Form einer kleinen Sandale, zufrieden aus der Resonanz gegangen: „Die angenehme und lebendige Art des Austauschs und der Begegnung mit dieser heterogenen Gruppe hat beispielhaft missionarische Grundhaltungen sichtbar gemacht.“

(Judith Rupp)


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Mit den Menschen unterwegs sein

Prognosen mögen erschrecken. Die Langfristprognose zur Entwicklung der katholischen Kirchenmitglieder bis 2060 zeigt uns einen Rückgang von jetzt knapp 1,3 Millionen Katholiken auf ca. 600.000 Katholiken. Sollten zu dieser Zeit noch Kirchensteuern fließen, so sagt uns die Prognose bis 2060 einen Rückgang vom Basisjahr 2017 (306 Millionen Euro) auf ca. 250 Millionen Euro voraus. Die Ausgabenseite hingegen steigt laut Prognose aufgrund von steigenden Tarifen, Baukosten, Sachleistungen auf  knapp 600 Millionen Euro bis 2060.

Bei der Kirchenmitgliedschaftsprognose fällt auf, dass sich der Rückgang nicht alleine durch die demografische Entwicklung erklären lässt. Vielmehr schlagen die Austritte sowie ein verändertes Bindungsverhalten hier zu Buche. Katholische Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr zwangsläufig taufen – schon die bisher als selbstverständlich angesehene Eintrittsmöglichkeit in die katholische Kirche beginnt brüchig zu werden. Dass wir Katholiken weniger werden aufgrund demographischer Entwicklung ist leicht zu verstehen und zu akzeptieren. Andere Gründe für den Mitgliedschaftsschwund sind von der Institution Kirche aus gesehen schmerzlicher: etwa die augenblickliche Glaubwürdigkeitskrise sowie die abnehmende Bereitschaft katholischer Menschen, sich weiterhin kirchlich zu binden und die deshalb austreten oder ihre Kinder nicht zu den Sakramenten führen.

Das gibt auf mehreren Ebenen zu denken: Was ist mit der Kirche los, die doch eine frohe Botschaft verkünden will? Und was ist mit einer Gesellschaft los, die kirchliche Religion mehr und mehr indifferent oder sogar negativ betrachtet – und das bei aller noch vorhandener Wertschätzung kirchlichen Engagements, wenn es zum Beispiel um Solidarität mit den Schwachen und Armen geht, wenn es um kirchliche Schulen und ihre Bildung geht?

Für das Bistum Trier sind die Zahlen ernüchternd. Mit der Synode fragt die Trierer Kirche, wozu, für wen und mit welcher Qualität sie Kirche sein will. Das ist ein grundsätzlicher Perspektivwechsel, wenn nicht sogar eine Kehrtwende: vom Kreisen um sich selbst hin in eine Bewegung auf die Menschen zu, auf ihre Themen und Bedürfnisse. Das inhaltliche Programm der Bistumssynode will eine diakonische Kirche profilieren; also zusammen mit den Armen und Schwachen, den Bedrängten dieser Gesellschaft Entwicklungen anstoßen, die die Solidarität unter den Menschen fördert, die aber auch ganz konkret Lebensmöglichkeiten verbessern will. Sie will zugleich eine missionarische Kirche sein, die auf die Menschen zugeht und mit ihnen Wege der religiösen Suche und Vergewisserung geht. Es geht auch darum, das Evangelium deutlich zu bezeugen in der Gesellschaft, damit der Glaube sichtbar bleibt, angestrebt oder sogar angenommen werden kann. Diese Entwicklungen werden kaum die demografischen Entwicklungen beeinflussen, doch es könnte attraktiv sein oder wieder werden, sich kirchlich zu binden in kleinen Gemeinschaften, die sich diakonisch oder auch missionarisch verstehen. Diese neuen oder wiederentdeckten Orte von Kirche spielen in der Synodenumsetzung eine große Rolle.

Insgesamt zeichnet sich wohl eine Entwicklung ab, die vielfältige kirchliche Lebensvollzüge hervorbringen wird, die sich weniger an katholischen Regeln der Moral oder der Dogmatik orientieren, sondern vielmehr aus der individuellen Sinn- und Gottsuche heraus gespeist werden. Dort sorgen sich die Menschen in der Gewissheit, dass Gott mit ihnen ist, um Solidarität und um die Weitergabe des Glaubens. Hier kommt es auch wesentlich darauf an, wie sich die unterschiedlichen pastoralen Berufsgruppen auf diese neue Situation einlassen werden. Können sie mehr Fördernde, Entdeckende und Ermöglichende werden, die die Talente und Gaben der Menschen anerkennen und sie netzwerkartig verknüpfen helfen, damit sich Kirche diakonisch und missionarisch entwickelt? Von großer Bedeutung wird natürlich auch sein, wie die Ressourcenkonflikte zu lösen sind, wenn die Ausgaben steigen, die Einnahmen geringer werden, das hauptamtliche Personal abschmilzt. Wie gelingt es dann, diakonische und missionarische Entwicklungen zu fördern, um sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen, sondern tatsächlich mit und für die Menschen unterwegs zu sein?

Gundo Lames

Dr. Gundo Lames ist Direktor für den Bereich „Ziele und Entwicklung“ im Bischöflichen Generalvikariat Trier und Mitglied der Steuerungsgruppe für die Synodenumsetzung


Ein Kommentar

Neue „EinBlicke“

Wie sieht die Gremienstruktur in der Pfarrei der Zukunft aus? Wie können Orte von Kirche Delegierte in die Synodalversammlung entsenden? Wie geht es mit der Vermögensverwaltung weiter? Diese und andere Fragen werden in der zweiten Ausgaben der „EinBlicke“ beantwortet. Die Zeitung befasst sich mit den Inhalten des „Ersten Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013-2016“. Sie ist online unter Informationen zur Anhörung zu finden.

(Judith Rupp)


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Resonanzveranstaltung Teilprozessgruppe Geistliche Zentren

Ca. 60 Frauen und Männer, Ehren- und Hauptamtliche, Vertreter von Ordensgemeinschaften und Bildungsstätten, Mitglieder aus anderen Teilprozessgruppen,… sind am Samstag, dem 9. Februar, der Einladung der Teilprozessgruppe Geistliche Zentren zur Resonanzveranstaltung gefolgt.

Die Willkommenskultur der Gruppe hat es den Teilnehmern leicht gemacht anzukommen und sich einzufinden. Dies war schon ein Anklang daran, dass die Willkommenskultur in einem geistlichen Zentrum für die Besucher ein erster wichtiger Anknüpfungspunkt ist.

Der Auftrag der Teilprozessgruppe beinhaltet vier Kernthemen:

  • Begriffe verstehen lernen: Wie sind die Begriffe geistlich, spirituell und missionarisch zu verstehen?
  • Bestandsaufnahme bisheriger geistlicher Zentren: Welche geistlichen Zentren gibt es derzeit? Durch welche Rahmenbedingungen zeichnen sie sich aus?
  • Konzeptionelle Grundlagen für die Weiterentwicklung bestehender und neuer geistlicher Zentren: Was sind Merkmale bzw. welche Kriterien sollten gelten? Welche Grundhaltungen ergeben sich für geistliche Zentren im Blick auf die Perspektivwechsel und die missionarisch-diakonische Kirchenentwicklung?
  • Entwicklung struktureller und organisationaler Rahmenbedingungen: Wie sind die geistlichen Zentren zukünftig angebunden? Wie ist das Verhältnis zu den Pfarreien der Zukunft?

In der Resonanzveranstaltung lag der Schwerpunkt auf den konzeptionellen Grundlagen.

Die Teilprozessgruppe hat verschiedene Kriterien erarbeitet und zur Diskussion gestellt, die ein geistliches Zentrum beschreiben können:

  • Ort des Gebetes.
  • Zuverlässige Gottesdienstangebote.
  • Förderung von geistlichem Leben durch Angebote zu Besinnung und Einkehr, Bibelarbeit und Gebet.
  • Angebot geistlicher Begleitung.
  • Vermittlung christlicher Bildung auf der Grundlage der Bibel.

Die Resonanzgruppe hat dies in Kleingruppen lebhaft diskutiert, ergänzt und präzisiert und so weiterführende und bereichernde Impulse für die Arbeit der Teilprozessgruppe gegeben.

In einem zweiten Schritt an diesem Nachmittag ging es um die Beschreibung geistlicher Zentren und deren inhaltlicher Unterscheidung. Die Teilprozessgruppe hat eine Dreiteilung geistlicher Zentren herausgearbeitet: demnach soll zwischen bestehenden geistlichen Zentren, neuen geistlichen Zentren an neuen Orten und Theologischen Bildungszentren zukünftig unterschieden werden.

Die Teilnehmer diskutierten die Unterscheidung: Wie sinnvoll ist diese? Was bedeutet es, wenn die verschiedenen Zentren in eine Entwicklungsperspektive gehen auf der Grundlage der Perspektivwechsel, der missionarisch-diakonischen Kirchenentwicklung und der erarbeiteten Kriterien? Was heißt das für die Angebote solch eines Zentrums und wieviel zweckfreier Raum ist notwendig? Ist der Name geistliches Zentrum der richtige?

All dies gilt es nun auszuwerten und das Konzept der geistlichen Zentren weiter zu entwickeln.

Sowohl die Mitglieder der Teilprozessgruppe als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am Ende der Veranstaltung bewegt von vielen Fragen und Impulsen, die der Weiterentwicklung des Konzeptes dienen, aber auch jetzt schon für die eigene Arbeit vor Ort neue Anstöße geben können.

Edith Ries, Synodenbüro


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Gottesdienst-Gemeinschaft vor Gottesdienst-Form

Zwei Resonanz-Treffen der Teilprozessgruppe „Liturgie“ (Februar 2019)

Knapp hundert Frauen und Männer aus Ehrenamt und seelsorglichem Hauptamt haben der Teilprozessgruppe (TPG) Liturgie Anfang Februar Rückmeldungen zu ihrem bisherigen Arbeitsergebnis gegeben. Schon die Wahl der Orte für die zwei Resonanz-Treffen hatte etwas Symbolisches: Einerseits war nach Maria Laach eingeladen – an den Ursprungs-Ort der katholischen liturgischen Erneuerung im 20. Jahrhundert. Und andererseits in die Europäische Akademie Otzenhausen – in ein Tagungszentrum ohne

Zwei Frauen und drei Männer an einem Seminartisch - im Hintergrund eine Präsentationsleinwand und Europa-Fahnen

jegliche vorhandene „liturgische Qualität“ – also irgendwie auch typisch für neue Wege, die die Kirche im Bistum Trier auch in der Liturgie wagen will.

Arbeits-Szene in Otzenhausen

Bisher hat die TPG Liturgie vor allem zwei Teile ihres Arbeits-Auftrags bearbeitet und bei den Treffen vorgestellt. Es geht dabei um die Sicherung der Qualität der liturgischen Feiern in den Pfarreien der Zukunft – und um ein Rahmenkonzept dafür, wie die Pfarreien der Zukunft für ihren Bereich eine verlässliche Gottesdienstordnung entwickeln können und welche Kriterien dabei zu beachten sind.

Zu rechnen war dabei natürlich mit der eher schon grundsätzlichen Anfrage, ob denn etwa „unsere Gottesdienste“ schlecht sind – und ob sich die „Qualität“ von Gottesdiensten wirklich mit anderen Maßen als rein spirituellen messen lassen kann. Ob diese Fragen schon beantwortet sind? Jedenfalls fand der Ansatz der TPG Zustimmung, dass Gottesdienste im Bistum Trier durchaus noch verbesserungsfähig und –würdig sein könnte.

Ausgangs-Punkt: Sicherung der liturgischen Qualität

Große Zustimmung auch zu den ökumenisch entwickelten „Elementen einer liturgischen Feier-Qualität“, die die TPG den Pfarreien der Zukunft mitgeben will auf ihren künftigen Weg. In neun Bereichen legt dieses Modell jeweils drei wesentliche Punkte vor, nach denen in der Pfarrei der Zukunft Gottesdienste angeschaut / reflektiert und Gottesdienst-Ordnungen geplant und überprüft werden sollten. Es geht um die Rahmenbedingungen, den Ort und den Raum, die Dramaturgie und den Lebensbezug des Gottesdienstes; zu betrachten sind die liturgische Präsenz der Dienste und die Sprache der Feier, Musik und Beteiligung aller an der Feier. Für jeden dieser neun Bereiche lässt sich fragen: Was muss stimmen –  Was ist wesentlich –  Was kann begeistern.

Am Beispiel „Gottesdienst-Ort“:
Was stimmen muss:

  • Gibt es innerhalb der Pfarrei der Zukunft verschiedene Gottesdienstorte?
  • Werden die Orte anlassbezogen ausgewählt?
  • Ist der Ort für die entsprechende Gottesdienstgemeinschaft barrierefrei erreichbar?

Was wesentlich ist:

  • Ermöglicht der Ort, dass alle mitfeiern?
  • Sind nutzbare sanitäre Anlagen vorhanden?
  • Gibt es Parkmöglichkeiten bzw. eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Was begeistern kann:

  • Gibt es Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten?
  • Gibt es Orte, die sich für themenorientierte Gottesdienste anbieten (z.B. Feuerwehrgerätehaus am Florianstag,…)?

Kinder beim Krabbelgottesdienst - in der Mitte ein TruheDie Qualitäts-Kriterien fanden die Teilnehmerinnen insgesamt einfach genug; durchaus denkbar, dass die Pfarrei der Zukunft oder der Rat der Pfarrei damit einen neuen Blick auf die schon gefeierten Gottesdienste bekommt und von da aus auch die künftige Gottesdienst-Ordnung entwerfen und immer wieder mal reflektieren kann. Hilfreich fanden das auch Teilnehmerinnen aus Gottesdienst-Kreisen, die mit Vorbereitung und Gestaltung eigene Erfahrungen haben und einbringen konnten. Wobei es der TPG und ihren Resonanzpartnerinnen und –partnern schon auch wichtig war, jetzt nicht in nachsynodalen Perfektionismus zu verfallen.

Verlässliche Gottesdienst-Ordnung für die Pfarrei der Zukunft

Schon anspruchsvoller erschienen die Ideen und Denkansätze der TPG Liturgie zum Thema „Verlässliche Gottesdienst-Ordnung für die Pfarrei der Zukunft“. Über die Skizzen zu einem Rahmen-Konzept gab es heftigere Debatten-Beiträge. Die TPG sieht im Grunde eine Spannung zwischen ihrer eher sozialräumlich entwickelten Leit-Idee „Gemeinschaft vor Gottesdienst-Form“ und dem Prinzip, dass die Eucharistiefeier selbstverständlich die „Höchstform“ des Gottesdienstes der Kirche ist.

  • Einerseits soll festgelegt sein, dass in mindestens einer Kirche der Pfarrei der Zukunft an jedem Sonntag und an jedem kirchlich gebotenen Feiertag zur immer gleichen Zeit die Eucharistie gefeiert wird. Das soll die Sicherheit geben, dass in der Pfarrei immer Eucharistie gefeiert wird – und erreichbar bleibt.
  • Wo –  andererseits – eine Gruppe an einem anderen Ort von Kirche Gottesdienst feiern will, weil das zu ihrem Kirche-Sein und ihrem Leben dazugehört, soll sie das ebenfalls tun. Eher kritisch fanden manche in Otzenhausen und in Maria Laach die Formulierung der TPG dazu: „Wann immer es möglich ist, sollte es die Feier der Eucharistie sein („Kein Herrentag ohne Herrenmahl„). Wenn das nicht möglich ist: Wort-Gottes-Feier, Tagzeitenliturgie, Andacht, weitere Gottesdienstformen.“

„Da wurde wieder nur über die Messe gesprochen.“, hieß es von einer Teilnehmerin. Eine andere meinte: „Das ist Defizit-orientiert und entwertet die anderen Gottesdienstformen.“ – Eine weitere Stimme klang dagegen selbstbewusst „Unsere Wort Gottes-Feier ist mehr als ein Ersatz.“ So weit einige Reaktionen. Da wird weiter nachgedacht werden müssen.

Anfragen zum „Rahmenkonzept Gottesdienstordnung!“

Anfragen gibt es auch zu weiteren Einzelregelungen des vorgeschlagenen Rahmenkonzepts: Ob es wirklich möglich sein wird, in der Fastenzeit keine Taufe zu feiern (weil die Osternacht der eigentliche Taufgottesdienst ist); und Trauungen gern sonntags (in der Gottesdienstgemeinde, zu der die Brautleute gehören), aber nicht in der Advents- und Fastenzeit? Ob eine Gemeinschaft / ein Ort von Kirche wirklich nur dann Eucharistie feiern kann, wenn für alle „liturgischen Dienste“ verschiedene Personen zur Verfügung stehen (also Priester, Lektorin, Musiker, Kantorin, Ministranten…)

Klare Erwartung der TPG und aus den Resonanz-Gruppen: Die Menschen vor Ort, die Verantwortung für Gottesdienste übernehmen, brauchen und bekommen Begleitung und Unterstützung von Hauptamtlichen in der Pastoral. Das empfanden insbesondere jüngere pastorale MitarbeiterInnen als eine durchaus attraktive Aufgabenbeschreibung für ihren Dienst in der Pfarrei der Zukunft.

Erstkommunion: nicht nur am Weißen Sonntag und in der Pfarrkirche?

Weiterzuentwickeln sind wohl auch die Ideen der TPG zur Feier der Erstkommunion. Sie soll gefeiert werden „unabhängig von der Bindung an Schuljahrgänge und dem bisherigen ‚Weißen Sonntag‘ in der Gemeinschaft, die regelmäßig Eucharistie feiert“; ähnlich auch zur Feier der Taufe und der Firmung.

Alte Frauen- und Männerhand mit Ringen

Ehe-Jubilare

Wie praktikabel das denn wohl sein kann, fragten einige nach, wenn für die die Sakramente des Christ-Werdens der Grundsatz gelten soll: „Kinder und Erwachsene empfangen in jener Gemeinschaft die Erste Heilige Kommunion, zu der sie bzw. ihre Eltern in ihrem Lebensbezug gehören (Gemeinschaften, Kirchorte, Schulen, Geistliche Zentren, Themenzentren, Verbände, Jugendkirchen …).“ Oder wenn auch für Trauung und Ehejubiläum angeregt wird: „Wann immer möglich, wird die Feier der Sakramente und Kasualien an den gottesdienstlichen Orten von Kirche gefeiert, zu denen die Menschen einen Bezug haben.“ Das ist sehr vom Lebensraum der Menschen her gedacht, die Gottesdienst und Sakramente feiern. Es wird auch eher häufiger das dritte Qualitäts-Kriterium erfüllen: Dass der Gottesdienst etwas hat, das begeistern und überraschen kann. Und doch: ist auch ziemlich mutig!

Noch einiges zu tun für die Teilprozessgruppe Liturgie

Noch zu bearbeiten hat die TPG die folgenden Themen: Beerdigungen, Krankensalbung, Sakrament der Versöhnung, Ökumenische Gottesdienste, weitere ausgewählte Feiertage über Weihnachten und Osterfeier hinaus. Überraschungen wird es sicher auch noch geben, wenn sich konkrete Fragen stellen wie „Wer entscheidet über die Gottesdienst-Ordnung und die konkreten Zeiten?“ oder „Wer fordert denn die ‚Qualität‘ der gottesdienstlichen Feiern ein, zu der sich eine Pfarrei der Zukunft und oder eine konkrete Gemeinschaft an einem Ort von Kirche verpflichtet hat?“

Zustimmung und Fragen zu den einzelnen Themen kamen – so hat es das Leitungsteam der TPG erlebt, kamen übrigens in beiden Resonanz-Veranstaltungen gleichmäßig von Priestern und Nicht-Priestern. Und dass sie in Maria Laach und in Otzenhausen ein wenig unterschiedliche Schwerpunkte hatten, lag eher nicht an der „(nicht)liturgischen Geschichte“ der beiden Treffpunkte.

altfried g. rempe


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Auseinandersetzung ist wichtig – Ängste schüren ist unnötig

Für einen Artikel im „Trierischen Volksfreund“ am 31. Januar 2019 bin ich um Antworten zu einer Stellungnahme der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gebeten worden. Die Fragen des „Volksfreunds“ sowie die Antworten des Bistums dokumentiere ich hier:

In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme der Initiative Kirchengemeinde vor Ort werden Bischof Stephan Ackermann „Taschenspielertricks“ vorgeworfen, weil er die erst später in Betrieb gehenden Großpfarreien in falscher Sicherheit wiege. Wie kommentieren der Bischof bzw. sein Generalvikar diesen Vorwurf?

Abgesehen von der Verwunderung über die Wortwahl ist dazu zu sagen, dass Bischof und Generalvikar keinen Zweifel daran gelassen haben, dass 35 Pfarreien der Zukunft errichtet werden sollen – 13 zum 1.1.2020, weitere 22 in einem zweiten Schritt. Wie im Kirchenrecht vorgesehen, finden im Frühling eine Anhörung der zuständigen diözesanen Räte sowie eine bistumsweite Anhörung der pfarrlichen Gremien und Pfarrer statt. Dass jetzt bereits die Gremien aller bestehenden Pfarreien und Kirchengemeinden angehört werden, liegt darin begründet, dass im Errichtungsgesetz Regelungen enthalten sind, die alle betreffen. Erst nach Auswertung dieser Anhörung und nach sorgfältiger Erwägung der Antworten – auch in den zuständigen diözesanen Räten – erlässt der Bischof das Errichtungsgesetz.

Die Stellungnahme der Initiative verwechselt hier Gesetz und Dekrete. Die einzelnen Dekrete sind für die konkret nur auf eine Pfarrei oder Kirchengemeinde bzw. einen Kirchengemeindeverband bezogenen Entscheidungen nötig; daher braucht es u.a. für jede zu errichtende Pfarrei der Zukunft auch ein Dekret. Diese müssen im zeitlichen Zusammenhang mit der Gründung stehen und können erst erlassen werden, wenn das Errichtungsgesetz in Kraft gesetzt ist.

Inwiefern sind die Behauptungen der Initiative zutreffend, dass auch die zunächst nicht von der Zusammenlegung betroffenen PdZ sich noch im Mai innerhalb einer Frist von zehn Tagen  gegen die Pläne zur Wehr setzen müssen, falls sie mit der Struktur der Großpfarreien nicht einverstanden sind?

Diese Behauptung ist falsch. Für die Rückmeldungen zum Gesetz im Rahmen der Anhörung planen wir eine mehrere Wochen andauernde Frist ein. Der von der Initiative hier genannte Paragraf aus dem Kirchenrecht bezieht sich auf Dekrete und ist auf die Anhörung zum Gesetz nicht anzuwenden.

Die Initiative unterstellt der Bistumsleitung, die Befugnisse in der Zentralpfarrei auch deshalb zu bündeln, „um viele Kirchen und Pfarrheime so zügig und einfach wie möglich“ zu schließen. Wie kommentiert das Bistum diese Unterstellung?

Es geht nicht um das Schließen von Gebäuden. Dazu kommt: Die Kirchen und Pfarrheime sind nicht im Besitz des Bistums. Eigentümer sind die jeweiligen Kirchengemeinden. Somit kann die Bistumsleitung nicht einfach Kirchen schließen oder gar abreißen. Das kann nur auf Antrag der Kirchengemeinde und – zumindest bei Kirchen – nach Beratung und Anhörung im Priesterrat geschehen. Mittlerweile sind bistumsweit die Immobilien in ihrem Bestand erfasst. Dies soll den Pfarreien der Zukunft helfen, sich über ihre Immobiliensituation zu vergewissern und langfristig planen zu können. Wir gehen davon aus, dass Gotteshäuser, wenn sie genutzt und belebt sind, wenn der Unterhalt gesichert ist und aus baulicher oder sicherheitstechnischer Sicht nichts dagegen spricht, erhalten werden. Viele Kirchengemeinden gehen bereits heute sehr überlegt und nachhaltig mit ihrem Immobilienbestand um. Sie investieren in Immobilien, die pastoral gebraucht werden.

Die Gründung der Pfarreien der Zukunft unterstützt die pastorale Neuausrichtung, die auch von der Initiative als nötig erkannt wird. Eine geringere Zahl von Kirchengemeinden entlastet von vielen kleinteiligen Verwaltungsaufgaben und hilft, sich auf die anspruchsvollen pastoralen Aufgaben konzentrieren.

Die Kircheninitiative unterstellt dem Bistum weiter eine Art Zensur, weil die künftigen Orte von Kirche dem Rahmenleitbild der Pfarrei der Zukunft zustimmen und durch den Rat der Pfarrei anerkannt werden müssten. Wie kommentiert das Bistum diesen indirekt erhobenen Vorwurf?

Das Rahmenleitbild gibt die Grundlage unseres Glaubens wieder und stellt den Bezug zu den wichtigsten Aussagen der Synode her (siehe die Leitsätze) – wie kann dessen Anerkennung Zensur sein?! Die Menschen in den Orten von Kirche beschreiben zunächst einmal selbst ihr Anliegen, wie sie sich organisieren und überlegen, ob sie Teil der Synodalversammlung sein wollen. Um diesen Zugang zur Synodalversammlung geht es bei der Zustimmung zum Rahmenleitbild. Daneben müssen Orte von Kirche, die sich in der Synodalversammlung der Pfarrei vertreten, die Gremienordnung anerkennen und ihren Beitrag zur Pfarrei der Zukunft formulieren. Wir als Bistumsleitung machen die Erfahrung, dass Menschen sich einen verbindlichen Rahmen für ihr Handeln wünschen – die Forderungen der Initiative nach verbindlichen Gremienstrukturen zeigt das ja. Der Rat der Pfarrei hat die Aufgabe, für die Entwicklungen innerhalb der Pfarrei Sorge zu tragen, und dafür braucht es Kriterien und Vereinbarungen – beim Fußballspiel akzeptiert man ja auch spätestens mit dem Anpfiff die Spielregeln… Natürlich darf der Rat nicht willkürlich einen Ort von Kirche ablehnen, sondern er bestätigt, dass die Bedingungen erfüllt sind. Damit übernimmt er die wichtige Aufgabe, die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen zu koordinieren.

Inwiefern ist es zutreffend, dass das Bistum Trier bei der Deutschen Bischofskonferenz die zeitliche Begrenzung der Bestellung eines Priesters beantragt hat? Was sind die Gründe für diesen Antrag, dem angeblich bereits stattgegeben wurde?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im vergangenen Jahr für ihren gesamten Geltungsbereich die im Kirchenrecht vorgesehene Möglichkeit, die Bestellung eines Pfarrers (nicht Priesters) zeitlich zu begrenzen, beschlossen; die römische Bischofskongregation hat dieser Regelung zugestimmt. Inwieweit sie in den Bistümern übernommen wird, obliegt dem Ortsbischof. Der Bischof von Trier macht nach der Beratung mit der Bistumsleitung und dem Priesterrat von der Regelung Gebrauch, weil das Instrument „Führen auf Zeit“ für das Bistum Trier ein Element einer synodalen Kirche ausmacht. Daher soll es auch für Pfarrer gelten. Zugleich ist es eine Form, um das Versprechen der Verfügbarkeit, das die Priester bei ihrer Weihe ablegen, konkret werden zu lassen.

Wie bewertet das Bistum generell die Stellungnahme der Kircheninitiative?

Wir begrüßen jede Auseinandersetzung mit den Entscheidungen und Schritten des Bistums. So freuen wir uns über die zahlreichen konstruktiven und kritischen Rückmeldungen, die uns aktuell zu unserem Heft „EinBlicke“ erreichen. Es gibt auch viele Rückmeldungen von Einzelnen wie von Gruppen oder Gremien, die enttäuscht sind, dass sie nicht schon zum 1.1.2020 als Pfarrei der Zukunft formal errichtet werden.

Die Stellungnahme der Initiative ist geprägt von Mutmaßungen und daraus abgeleiteten Interpretationen und schürt so –  in unseren Augen auf unnötige Weise – Ängste. Wir sind uns wohl bewusst, dass Einiges durch die konkrete Praxis in den zukünftigen Pfarreien weiterentwickelt werden muss. Das lässt sich bei einer solch grundlegenden Neuausrichtung aber nicht vermeiden.

Deshalb hoffen wir auf eine breite Teilnahme an den geplanten Dialogveranstaltungen für die Hauptamtlich Mitarbeitenden und die Räte ab Februar.

Trier, 31. Januar 2019

Judith Rupp, Pressesprecherin Bistum Trier