heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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Diakonische Kirche: geht an die Ränder und schaut über Mauern…

Im Vordergrund: "Eine diakonische Kirche ist geprägt von Diversität und Inklusion"Aus der abschließenden Resonanzveranstaltung
der Teilprozessgruppe Diakonische Kirchenentwicklung

Eine Diakonische Kirche ist „sensibel für das Leid der Menschen“ und dabei „geprägt von Diversität und Inklusion“; sie „kennt keine Furcht“, „geht auf die Menschen zu“, besonders „an den Rändern“ und „schaut über Mauern“; eine diakonische Kirche „dient, heilt, schützt und lässt Raum zum Atmen“ – „Sie ist heute nötiger denn je!“. Zu Beginn der Resonanzveranstaltung der Teilprozessgruppe (TPG) Diakonische Kirchenentwicklung am 20. Oktober in Trier hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, vielfältige Facetten einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung sichtbar und hörbar werden zu lassen.

Die TPG Diakonische Kirchenentwicklung hat den Auftrag, Empfehlungen und Maßnahmen zu beschreiben, die eine diakonische Kirchenentwicklung dauerhaft und verbindlich als Aufgabe und Zielperspektive im Bistum Trier verankern sollen. Hierzu gilt es, einen umfassenden Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozess mit allen Beteiligten in Gang zu setzen. An wesentlichen Punkten im Prozess der Konzept-Entwicklung setzt die TPG auf die Erfahrungen, die Rückmeldungen und die Mitarbeit ihrer Resonanzpartnerinnen und -partner. Bereits im Mai hatte die TPG zu ersten Resonanzveranstaltungen eingeladen (siehe auch Beitrag „Resonanz in der Wärmestube“). Wo kann ich mitgehen? Was finde ich schwierig und was fehlt? Etwa 50 Ehrenamtliche und Hauptamtliche waren zur abschließenden Resonanz-Veranstaltung gekommen, um der TPG Antworten zu geben. Sie kamen aus der verbandlichen Caritas, der Seelsorge, aus weiteren Verbänden des Bistums und aus dem Bischöflichen Generalvikariat.

Kommen – Gehen – Stehen

Besonders das Schema „Kommen – Gehen – Stehen“ blieb vielen im Gedächtnis; mit ihm gibt die TPG Hinweise, wie Kirche künftig in den Pfarreien der Zukunft präsent sein wird. (Zwischenergebnis der TPG). Mit „Kommen – Gehen – Stehen“ kann eine erste Vorstellung davon entstehen, wie Sozialraumorientierung künftig Praxis werden kann. Ausgehend vom Evangelium will sich die Kirche im Bistum Trier stärker als bisher an den Fragen, Nöten und Bedürfnissen der Menschen ausrichten.

An vielen verschiedenen Orten ist Kirche bereits heute sichtbar: Neben den bekannten Orten wie Kirchen und Gemeindezentren, wo Menschen zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern und miteinander Zeit zu verbringen, gibt es eine große Vielfalt an weiteren Orten von Kirche (z.B. Dienste und Einrichtungen, Gruppen, Initiativen). „Dort wo Menschen hinKOMMEN wollen, gilt es noch stärker als bisher eine Willkommenskultur zu entwickeln. Auch das GEHEN wird künftig eine große Bedeutung in den neuen Pfarreien haben: Wir gehen zu den Menschen, setzen bei dem an, was sie bewegt, schauen, welche Ressourcen sie mitbringen und wie wir uns als Kirche mit weiteren Partnern im Sozialraum vernetzen können. STEHEN bewahrt vor unbändigem Aktionismus: Es muss Momente der Unterbrechung geben, Momente in denen wir einfach nur DA sind, mitleiden. Dies sind Momente der Unterbrechung, der Erinnerung oder auch der spirituellen Vergewisserung. Hier erklären wir uns z.B. mit Menschen am Rande solidarisch.“, erläutert Nicole Heckmann von Leitungsteam der TPG.

Sozialraumorientierung in der Praxis

Arbeit in einer TischgruppeIn Tischgruppen wurde diskutiert, was es heißt, Sozialraumorientierung ernstzunehmen: Was geschieht in den Pfarreien und Diensten und in den Einrichtungen der Caritas bereits, das über die konkrete Hilfe (wie etwa die Nahrungsmittelausgabe bei der Tafel) hinausgeht? Wie können wir Räume entdecken, die z.B. ein „Mehr“ an Beratung ausmachen? Dabei blieben Fragen nach dem eigenen Grundverständnis nicht unberücksichtigt: Was macht Nah-beim-Menschen-Sein in Verbindung mit Christlich-Sein aus?

Eine Basis aller Maßnahmen stellen die sogenannten „Vorzeichen“ dar. „Die Vorzeichen beschreiben Grundorientierungen einer diakonischen Kirche, wie sie die Synode gezeichnet hat“, erläutert Heiner Buchen, Mitglied der TPG. Eine diakonische Kirchenentwicklung spielt sich demnach dort ab, wo das Leben ist – vor allem dort, wo Menschen tagtäglich um ihre Würde ringen. Hierbei gilt es, Aspekte einer diakonischen Haltung und Kultur zu beschreiben. „Als Einzelne(r) eine diakonische Haltung einzunehmen heißt zum Beispiel, aufmerksam zu sein für das (Macht-)Gefälle in Kirche und Gesellschaft. Eine Organisation, die eine diakonische Kultur pflegt nimmt die Vielfalt der Menschen wahr, sieht die sich daraus ergebenden Lösungen für Fragen und Konflikte und geht mit ihnen situationsbezogen um.“ Diese Beispiele nennt Heiner Buchen .

Eric Condé, ebenfalls Mitglied der TPG, schlägt die Brücke zur praktischen Umsetzung: „Was in den Vorzeichen umrissen wird, soll in der Praxis immer mehr konkrete Gestalt gewinnen. Die Maßnahmen beschreiben, wie der diakonische Entwicklungsprozess verbindlich in Gang gesetzt werden kann.“ Nachdem die TPG verschiedene Maßnahmen einer künftigen diakonischen Kirchenentwicklung vorgestellt hat, wird in Kleingruppen besprochen, wo diese Maßnahmen den angestrebten Lern- und Entwicklungsprozess ermöglichen: Wie soll künftig mit den unterschiedlichen Partnern verbindlich und gemeinsam im Sozialraum gearbeitet werden? Welche Lernformate soll es für Haupt- und Ehrenamtliche geben? Wie kann Begegnung auf Augenhöhe geschehen? Welche Ressourcen müssen für ein solches Unternehmen einer diakonischen Kirchenentwicklung bereitgestellt werden?

Hoffnungsvolle Zeichen

Arbeit in einer TischgruppeMitglieder der TPG moderierten die jeweiligen Gruppengespräche und hielten die Ergebnisse für die Weiterarbeit fest. In einer offenen Abschlussrunde dankten die Resonanzpartner für die Arbeit der TPG. Sie zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung und dem Austausch über Grenzen von Fachdisziplinen, Professionen und Organisationen hinweg. Am Ende schlug ein Teilnehmer sogar vor, mit dem nächsten Treffen nicht bis nach der Implementierung zu warten. Veranstaltungen wie diese sollten in ein fortlaufendes Austauschformat übergeführt werden. Eine weitere Teilnehmerin appellierte: „Nun ist es an der Zeit, dass jeder sich vor Ort die Zeit nimmt und schaut: Was möchte ich verändern?“ – Wertvolle Aussagen für die Arbeit der TPG und hoffnungsvolle Zeichen für die diakonische Kirche von morgen.

 


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Die Pfarrei der Zukunft wird konkret. Dank an die TPGs!

In den nächsten beiden Tagen treffen sich die Teilprozessgruppen (TPGs), die an der Entwicklung der Pfarrei der Zukunft gearbeitet haben, zunächst zu einer Klausurtagung. Am Samstag kommen dann die diözesanen Räte zusammen, um über die wesentlichen Elemente der Pfarrei der Zukunft zu beraten.

Drei der elf Teilprozessgruppe schließen zugleich auch ihre Arbeit ab. Die Teilprozessgruppen Aufbauorganisation/Leitungsteam, Rahmenleitbild und Verwaltungsprozesse sind letztes Jahr im August gestartet und reichen nun nach gut einem Jahr ihre Abschlussberichte ein.

Ich bin den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar für das, was sie im letzten Jahr geleistet haben. Die Veränderungen, die die Synode angestoßen hat, sind uns in ihrer ganzen Breite und Tiefe erst durch die Arbeit dieser Gruppen deutlich geworden. Und nun liegt eine beachtliche Reihe von ausgearbeiteten Elementen vor, die zum Teil schon gut miteinander abgestimmt sind, zum Teil auch noch justiert werden müssen. Hier war eine hohe Fachlichkeit gefordert. Das war nur möglich, weil die Mitglieder der Teilprozessgruppe viel Zeit und Energie, auch an Wochenenden und Abenden investiert haben.

Und dabei war die Arbeit auch emotional höchst anspruchsvoll. Mit der Errichtung von Teilprozessgruppen, die Bischof Ackermann und der damalige Generalvikar Bätzing schon am Ende der Synode als Instrumente für die Umsetzung angekündigt haben, sollten auch bei der Konkretisierung der Synodenergebnisse viele unterschiedliche Blickwinkel einbezogen werden. Damit war klar: auch in den Gruppen muss um die besten Lösungen gerungen werden. Hinzu kam der äußere Druck – auch durch die Steuerungsgruppe. Denn für das gesamte Gelingen der Umsetzung ist es wichtig, möglichst bald konkret zu werden. Die Gläubigen warten auf Informationen und manche zeitaufwändigen Aufgaben müssen nun bald angegangen werden.

Mitglieder der Teilprozessgruppen stehen in ihren anderen beruflichen, ehrenamtlichen und privaten Bezügen immer auch für das Ganze der Synode ein. Und der Widerstand ist groß. Wir nehmen das täglich durch Zuschriften, Presse, Telefonate usw. wahr. Das heißt auch hier Stellung beziehen, argumentieren, die anstehenden Veränderungen erklären …

Ähnlich wie im März 2017, als der erste Entwurf der Raumgliederung veröffentlicht wurde, spüren wie in diesen Tagen die Anspannung. Das gehört aber wohl zu einem solchen Prozess, bei einem solchen Meilenstein dazu. Auch gerade in dieser Woche, in der sich vermutlich viele fragen, ob nicht noch viel mehr Veränderungen nötig sind.

Im Rückblick auf die Arbeitszeit dieser drei Gruppen denke ich an die Höhen und Tiefen, die Resonanzveranstaltungen, die kritischen Rückmeldungen, die „Durchbrüche“ in Sitzungen, die Abstimmungen der TPGs an den berüchtigten „Schnittstellen, die Vorstellungen in der Steuerungsgruppe und gegenüber der Bistumsleitung, … . Mich beeindruckt das hohe Verantwortungsbewusstsein der Kolleginnen und Kollegen in den Teilprozessgruppen. Es ist ihnen bewusst, dass sie eine besondere Aufgabe haben, in der es nicht um die eigenen Interessen geht, sondern um ein neues Handeln im Bistum Trier, um die Präsenz des Evangeliums in der Welt von heute. Danke Euch! Und packen wir’s an in den nächsten Tagen.

Christian Heckmann, für das Team Synodenbüro


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Resonanz in der Wärmestube

Die Teilprozessgruppe „Diakonische Kirchenentwicklung“
bekam dezentral Resonanz zu ihrer bisherigen Arbeit

Weg von einer Kirche, die um sich selbst kreist, hin zu den Menschen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen, zu den Menschen in Armut, Bedrängnis und Not. Die Synode „ermutigt“, wie es im Abschlussdokument heißt, „zu einem Prozess diakonischer Kirchenentwicklung – sie ermutigt, sich grundlegend neu auszurichten und in allen kirchlichen Vollzügen missionarisch-diakonisch in die Welt hinein zu wirken.“ („heraus gerufen“ ) „Dabei geht es nicht bloß darum, ein paar Stellschrauben nachzuziehen. Eine diakonische Kirchenentwicklung im Sinne der Synode fordert uns alle, die gesamte Kirche im Bistum Trier, völlig neu heraus“, unterstreicht Nicole Claire Heckmann vom Leitungsteam der Teilprozessgruppe (TPG) zum Thema. „Wir beschreiben den konzeptionellen Rahmen, damit eben jener grundlegende Lern-, Entwicklungs- und auch Umkehrprozess in den Pfarreien der Zukunft sich ereignen kann und auf diözesaner Ebene verankert ist, um die lokalen Strukturen zu unterstützen.“ (Hier der Auftrag der TPG)

Erste Zwischenstände hat die Teilprozessgruppe am 28. und 29. Mai in drei regionalen Resonanzveranstaltungen in Trier, Koblenz und Saarbrücken präsentiert und um Rückmeldungen gebeten. „Uns war es ein großes Anliegen, die Perspektiven unserer Resonanzpartnerinnen und -partner einzufangen und zu hören. Das schien uns in dezentralen Resonanzveranstaltungen besser möglich zu sein“, betont Regine Wald vom Leitungsteam. Resonanzpartnerinnen und -partner waren insgesamt ca. 90 ehren- und hauptamtliche Personen aus der verbandlichen Caritas, der Seelsorge, aus weiteren Verbänden, aus dem Bischöflichen Generalvikariat, aus anderen Teilprozessgruppen und aus Kommunen.

Wie wird dieser Prozess im Bistum angestoßen, wie wird er abgesichert und strukturell verankert? Wer leistet dazu welchen Beitrag? Und wie bleibt der Prozess für Weiterentwicklung offen? – Das waren zentralen Fragen der Veranstaltungen.

Ein geistlicher Prozess –
sich vom Evangelium und der Welt unterbrechen und herausfordern lassen

Tischgruppen in St. Augustinus in Trier

Am Anfang jeder Resonanzveranstaltung stand das Evangelium, ein spiritueller Impuls, der zugleich Einblick in die Arbeitsweise der Teilprozessgruppe gab. „Von Anfang an stand für uns fest: Wir möchten das Evangelium mitlaufen lassen“, sagt Nicole Claire Heckmann. „Diakonische Kirchenentwicklung heißt für uns, sich sowohl vom Evangelium als auch von der Welt gleichermaßen unterbrechen und herausfordern zu lassen.“ Auch die Resonanzpartnerinnen und -partner waren dazu eingeladen.

Große Linien – Zustimmung und Anfragen

Im Anschluss an diesen Impuls erbat die TPG zunächst Rückmeldung zu den großen Linien ihres Konzepts, bevor sie einen vertiefenden Einblick in insgesamt sechs thematische Eckpunkte gab: Sozialraumorientierung, Formen der Begegnung auf Augenhöhe, Lernformate, Dienste und Einrichtungen, neues Zusammenwirken von verbandlicher Caritas und Seelsorge, Steuerung von Ressourcen. „Es war eine große Überzeugung zu spüren, dass die diakonische Kirchenentwicklung richtungweisend für die Neuausrichtung der Kirche im Bistum Trier ist. Wir haben aber auch wichtige Anfragen und Impulse zur Weiterarbeit erhalten. Vor allem auf Begriffe werden wir noch einmal stärker schauen; und darauf, wie Aspekte der Ehrenamtlichkeit stärker zum Tragen kommen können. Sogar zu einem weiteren Kapitel sind wir ermutigt worden“, kommentiert Jessica Schneider vom Leitungsteam diese erste Phase der Rückmeldung. Auch dass die TPG stärker auf das schauen soll, was es bereits an vorhandenen guten „Wachstumsvoraussetzungen“ gibt, war ein wichtiges Anliegen der Resonanzpartnerinnen und -partner.

Insgesamt war zu spüren: Die Menschen, die um die Zukunft der Kirche in ihrem Bistum ringen, brennen für das Anliegen einer diakonischen Kirche. Allerdings war auch allen Anwesenden deutlich: Es braucht einen Perspektivwechsel, neue Haltungen und Kulturen, wenn sich die Kirche im Bistum Trier noch einmal neu auf ihren Auftrag besinnen und nah an der Seite der Menschen sein möchte. Dieser Prozess bedarf eines langen Atems; und gute Rahmenbedingungen dafür müssen geschaffen werden.  Das wurde als besondere „Knackpunkte“ im Veränderungsprozess beschrieben. „Es gilt, das Potenzial all jener wahrzunehmen, die in den vielen Orten unseres Bistums leben und sich engagieren möchten. Wir wollen in den Pfarreien der Zukunft dazu ermutigen, viele Kooperationen mit anderen Einrichtungen, Verbänden und den Kommunen einzugehen“, ergänzt Jessica Schneider.

Sozialraumorientierung als Chance in der Phase der „Musterunterbrechung“

„Die Ortskirche von Trier entwickelt sich zu einer diakonischen Kirche, die Menschen in Armut, Bedrängnis und Not wahrnimmt. Sie lässt sich von ihnen berühren, handelt mit ihnen solidarisch und lässt sich von ihnen evangelisieren.“ („heraus gerufen“ Anlage 1.1; mehr auf der Internetseite zur TPG) – Wie kann die im Synodenabschlussdokument beschriebene Hinwendung zu einer diakonisch-missionarischen Kirche gelingen? Diese Frage bewegt die Mitglieder der Teilprozessgruppe und die Resonanzpartnerinnen und -partner sehr. Vielleicht war die Wahl der „Wärmestube in Saarbrücken“ als Ort für die Resonanzveranstaltung in Saarbrücken ein kleiner Schritt in diese Richtung; die Wärmestube ist ein Aufenthaltsort für Wohnungslose und Menschen in besonderen sozialen Problemlagen.

Tischgruppe mit Papier und Stiften auf dem Tisch

Tischgruppen in Trier bei der Arbeit

Insgesamt sehr positive Rückmeldungen erhielt die Teilprozessgruppe zu dem, was sie zur Sozialraumorientierung als dem grundlegenden Konzept des künftigen Handelns im Bistum Trier formuliert. Viele sahen gerade im Ansatz der Sozialraumorientierung eine große Chance. Hier wurden erste „Bilder“ deutlich, wie das neue Arbeiten in den künftigen Pfarreien der Zukunft gehen kann und wie die Anbindung an die Erkundungsphase gelingen kann. Erste Maßnahmen schlug die TPG dazu vor, wie multiprofessionelle Teams oder Tandems die in der Erkundung entdeckten Themen aufgreifen und mit den Menschen vor Ort angehen können.

„Im Moment haben viele Menschen Angst vor dem, was mit den großen Räumen der neuen Pfarrei auf sie zukommt. Wir müssen uns intensiv der Frage stellen, wie wir als Kirche weiter den Menschen nah sein können. Das Konzept der Sozialraumorientierung ermöglicht uns, mit den Menschen vor Ort, ganz lokal in Kontakt zu treten und mit ihnen gemeinsam zu fragen: Was bewegt euch und was ermöglicht euch ein Leben in Würde?“, betont Nicole Claire Heckmann.

Praxis verändert sich durch Maßnahmen und Haltungen

Neben dem Grundpfeiler der Sozialraumorientierung gab die TPG Einblick in weitere Aspekte der Umsetzung des Synodenbeschlusses.  Dabei ging es z.B. um das neu zu gestaltende Miteinander von verbandlicher Caritas und organisierter Seelsorge und um neue Lernformate, die eine diakonische Kirchenentwicklung anregen und begleiten. In Kleingruppen wurde hierzu intensiv diskutiert.

Die Frage nach der künftigen Zusammenarbeit von verbandlicher Caritas und organisierter Seelsorge ließ sowohl Visionen als auch Skepsis sichtbar werden... In einem neuen Miteinander werden große Chancen für den Einzelnen im Sozialraum sichtbar. Allerdings muss genau darauf geschaut werden, was der jeweilige ‚Partner‘ zugunsten des Einzelnen im Sozialraum beitragen kann. Es kann nicht um eine Verdoppelung der Dinge gehen“, benennt Nicole Claire Heckmann einen wichtigen Resonanzpunkt.

Beim Thema Lernformate gab es Zustimmung vor allem zur Idee, viele unterschiedliche Lernformate zu entwickeln: für Einzelne, für Tandems, für Lernquartette; Teilnehmerinnen erwarteten neue Lernformate aber auch für Pfarrei und Kirche als (lernende) Organisation. Lernen wird dabei immer wechselseitig sein und Kooperation verlangen. „Es braucht Freiräume und Orte für die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen. Vielfältiges Ausprobieren und gemeinsames Evaluieren sollen auf dem Programm stehen, ebenso wie die Entwicklung einer Kultur der Fehlerfreundlichkeit.“ Rahmenbedingungen für die diakonische Kirchenentwicklung könnten und müssten zwar in Form eines planvollen Einsatzes personeller und institutioneller Ressourcen gesetzt werden; eine Haltung aber müsse sich entwickeln. „Die Spannung zwischen Verbindlichkeit und Freiwilligkeit, zwischen verordneter Kooperation und eigener Motivation dazu ist ein Knackpunkt im Veränderungsprozess“, erläutert Regine Wald.

Den Blick weiten, Wachstum unterstützen

Wie geht es mit den gewonnenen Erkenntnissen weiter? Die dezentralen Resonanzveranstaltungen seien ein wichtiger Prüfstein in der Entwicklung des Konzeptes gewesen, bilanziert das Leitungsteam. „Die Chance einer solchen Veranstaltung liegt in der Perspektiverweiterung. Wir haben viele konstruktive Rückmeldungen erhalten und werden diese nun nutzen, um den eigenen Blick zu überprüfen und zu schärfen.“ Ein Resonanzpartner beschrieb die diakonische Kirchenentwicklung im Bistum Trier als „ein Pflänzchen, das im Keim bereits lange angelegt ist und das es nun vielleicht endlich schafft, sich seinen Weg durch den Beton zu bahnen.“ In diesem Sinne ist es Aufgabe der Teilprozessgruppe, dem Pflänzchen „diakonische Kirche“ auf Basis der Resonanzen weitere Wachstumsunterstützung zu geben. Der Teilprozessgruppe ist es ein großes Anliegen, mit ihren Resonanzpartnerinnen und -partnern in einem Resonanzprozess zu bleiben; sie freut sich darauf, im Herbst dieses Jahres in einer zentralen und abschließenden Resonanzveranstaltung ihr weiter entwickeltes Konzept vorzustellen.

Dieser Bericht verdankt sich einem Interview mit dem Leitungsteam der TPG „Diakonische Kirchenentwicklung“, bestehend aus Nicole Claire Heckmann, Jessica Schneider und Regine Wald – von Carmen Schröder, Mitglied der AG Kommunikation.)


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… in einem Boot

Rendez-vous in Beilstein mit 150 „Passagieren“

Tholl spricht unter Deck zur Versammlung

Herbert Tholl: Was Erkundung soll – und was nicht

Die „Wappen von Cochem“ bleibt an diesem Abend zwar am Anleger; den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Rendez-vous im neuen Raum“ für die Pfarrei der Zukunft Cochem-Zell wird jedoch deutlich, dass ihre Kirche sich in Bewegung setzen muss. Das Erkunderteam hat zusammen mit dem Dekanatsbüro und dem Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück e.V. eingeladen. Es will über die Idee der Erkundung informieren und erste Kontakte herstellen. Das Schiff hat die Unternehmerfamilie Kolb großzügig zur Verfügung gestellt ; viele sehen es als Zeichen der Verbindung untereinander.

„Willkommen an Bord“, begrüßt Diakon Hermann Hower im Namen des Erkunderteams die Gäste, die man gerne als „Miterkunder“ gewinnen wolle. Der größte Teil der Anwesenden kommt aus dem ehrenamtlichen Engagement in den Pfarreien, dazu viele hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger, nahezu zwanzig Erzieherinnen und Erzieher sowie Vertreterinnen und Vertreter aus dem Caritasverband, angeführt von Direktor Frank Zenzen. Das Kloster Ebernach ist ebenso vertreten wie die evangelische Kirchengemeinde Cochem. Und selbst Verbandsbürgermeister Simon hat sich Zeit für das Rendez-vous genommen.

Was „Erkundung“ soll

In einer kurzen Präsentation erläutert Herbert Tholl vom Erkunderteam einige Grundlagen der Erkundung. Im Rahmen der Synodenumsetzung solle in der nächsten Zeit der Blick auf Themen gelenkt werden, die alle Menschen im Raum der Pfarrei der Zukunft verbinden – nicht nur die Katholiken, nicht nur die Christen, sondern alle Menschen, die hier leben, denn: „Wir sitzen alle in einem Boot“. Eine zentrale Frage der Erkundung heiße: Wie kann christliches Leben bei uns in der Zukunft aussehen? Und wie kann Kirche für die Menschen hilfreich sein? Alle seien eingeladen, gemeinsam zu „erkunden“, was Kirche vor Ort lebensfähig macht und welche Anliegen mit anderen Organisationen und Initiativen geteilt werden können. Die Erkundungsphase bis zum Herbst 2019 solle helfen, die Perspektivwechsel einzuüben, die von der Bistumssynode betont worden sind, vor allem: „Vom Einzelnen her denken“, „Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen“ und „Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern“. An vielen Orten gebe es bereits zahlreiche Initiativen, die in diesem Sinne arbeiten, so dass bei der Erkundung sowohl Vorhandenes hervorgehoben als auch Neues entdeckt werden könne.

Einige Gäste des Abends hatten gehofft, neue Informationen über das künftige Verwaltungszentrum der Pfarrei oder die künftige Leitung zu erhalten. Diese Fragen sind in der Erkundung allerdings bewusst ausgeklammert, um den Blick bevorzugt auf die inhaltlichen Möglichkeiten zu lenken, die es im Raum der neuen Pfarrei gibt. „Ich bin jetzt doch enttäuscht“, sagt eine Teilnehmerin, bleibt aber dann doch und lässt sich auf das weitere Programm ein.

Auf Einladung von Karin Terhorst und Johannes Eiswirth, ebenfalls im Erkundungsteam, lassen sich alle auf ein näheres Kennenlernen ein. Zunächst bilden die 150 Menschen eine lebende Landkarte nach ihrem Wohn- bzw. Arbeitsort. Bei weiteren Fragen wird durch Aufstellung im Raum sichtbar gemacht, wer aus ehrenamtlicher, hauptamtlicher oder anderer Beziehung zur Kirche hier ist, und mit welcher Grundstimmung man die gegenwärtige Entwicklung im Bistum Trier wahrnimmt. „Ich bin mir sicher, dass die Kirche von Trier auch in Zukunft existieren wird. Vielleicht in einer ganz anderen Form, aber da habe ich keine Sorge“, sagt eine Frau, die sich in ihrem Glauben gut eingebettet fühlt.

Neue Menschen kennenlernen und dadurch Perspektiven wechseln

Anschließend finden sich die „Passagiere“ in Gruppen zusammen – eher mit Personen, die sich nach Möglichkeit noch nicht gut kennen; im Gespräch mit „Fremden“ entstehen ja eher neue Ideen und Perspektiven als „unter uns“… An Tischen auf Deck machen die Kleingruppen sich anhand von Übersichtskarten des künftigen Pfarreigebietes miteinander bekannt und zeigen sich gegenseitig Orte, die für sie wichtig, und Orte, die ihnen fremd sind. Dabei werden erste Fragen aufgeschrieben, die für das Leben in der Pfarrei der Zukunft wichtig sein können.

Am Ende des Rendez-vous weisen die Erkunder/in auf vier Tafeln hin und laden eindort die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Erkundung anzuzeigen. Die Bandbreite reicht von „Ich mache mit und habe schon eine konkrete Idee“ bis „Ich bin noch unsicher, möchte aber weiter informiert werden“. Über 80 Personen werden sich schließlich auf einer der vier Tafeln eingetragen haben…

Nach einem Segensgebet kommt von einem Tisch spontaner Gesang. „Wo zwei oder drei …“; so schließt der Abend mit einem Kanon. Unterwegs vom Schiff auf’s „Festland“ äußern viele Teilnehmer ihre Neugier auf das, was kommt; einige sprechen von ihrer Skepsis und manche von Unmut. Das Erkundungs-Team fährt in spannungsvoller Erwartung nach Hause: jetzt fängt es erst richtig an.

Übrigens: ein Nachfolgetreffen für alle, die konkreter in die Erkundungsphase einsteigenmöchten, ist für Donnerstag, den 9. August angekündigt.


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Wunderbare Initiativen entdecken und wertschätzen

Bischof Stephan Ackermann berichtet
als Miterkunder aus einer „Seh-Schule“ in Idar-Oberstein

Seit April sind die Erkundungsteams in unserem Bistum unterwegs. Mir ist es in dieser Phase wichtig, den Kontakt zu den Frauen und Männer zu halten. Sie sollen mir keinen „Rapport erstatten“. Aber ich bin neugierig, zu erfahren, was die Erkunderinnen und Erkunder so erleben.

Deshalb habe ich mir in der vergangenen Woche die Zeit genommen, mich als „Miterkunder“ zu betätigen. Zusammen mit dem Team war ich zuerst im nördlichen Saarland unterwegs, wo wir eine Frau getroffen haben, die Pilgertouren organisiert. Die Frau hatte sich beim „Rendezvous im neuen Raum“ gemeldet. In dem gut eineinhalbstündigen Gespräch haben wir erfahren, dass die Initiative aus einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela entstand. Heute ist die Frau mit Menschen, die sicher nicht alle kirchlich gebunden sind, vor allem auf den Pilgerwegen in unserer Region unterwegs. Die Art und Weise, wie und was sie erzählt hat, war beeindruckend. Es war offenkundig, dass sie mit ihrem Angebot ein Bedürfnis der Menschen trifft.

Bischof Stephan schreibt

Bischof Stephan als Miterkunder und AK-Moderator in Idar-Oberstein

Am Abend habe ich die „Seh-Schule“ in Idar-Oberstein besucht (Bericht der Pressestelle). Die authentische Art, mit der das Erkundungsteam hier agiert hat, hat mir gut gefallen. Dass der Bischof da ist, hat die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst erstaunt. Aber ich war ja nicht dabei, um Rede und Antwort zu stehen, sondern mitzuarbeiten. Deshalb habe ich mich auch bereiterklärt, eine Gruppenmoderation zu übernehmen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und versucht, die Perspektive, also die Blickrichtung von anderen anzunehmen. Keine leichte Aufgabe, gerade auch, weil einige Menschen gesagt haben, sie hätten auch große Sorgen um das Leben in ihrer Pfarrei. Ich habe versucht, diese Sorge als eine Art Energiebringer zu verstehen und zu deuten: Sorge zu haben bedeutet nämlich auch, dass uns etwas nicht egal ist!

Mein erstes Fazit ist: Ich nehme gerade im ehrenamtlichen Bereich ein großes Interesse an der Erkundungsphase wahr. Die Teams treffen auf Menschen, die neugierig sind und bereit, neue Wege zu gehen.

Mein zweites Fazit: Erkunden ist zeitintensiv und lebt von gutem Zuhören und Hinhören. Ich wünsche mir jetzt noch mehr als vorher, dass die Erkunderinnen und Erkunder viele wunderbare – alte und neue – Initiativen entdecken, diese wertschätzen und so den Menschen vor Ort Lust machen, für die Pfarreien der Zukunft den Boden zu bereiten.


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„Die Kirche bleibt im Dorf“ – Foren „Ländlicher Raum“

Plakat einladungöAngekündigt sind zwei Foren zum Thema – am 25. August in Otzenhausen und am 15. September in Bitburg…

Sie suchen Informationen oder wollen sich direkt anmelden?

Dann bitten wir um ein wenig Geduld – und dass Sie auf www.bistum-trier.de/heraus-gerufen in den nächsten Tagen noch mal nachschauen, bitte; die Technik hat ein bisschen Verzögerung eingebaut.

Vielen Dank für Ihr Verständnis – und herzlich willkommen dann!


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Führen und Leiten in der Pfarrei der Zukunft

Bericht vom Studientag der pastoralen Berufsgruppen im Bistum

„Leiten und Führen in einer missionarisch-diakonischen Kirche“ war am 13. März 2018 Thema des Studientags, zu dem die Berufsverbände der GemeindereferentInnen (BVGR) und der PastoralreferentInnen (bvpr) zusammen mit der „Plattform P“ eingeladen hatten. (Die „Plattform P“ ist ein Zusammenschluss von Priestern im Bistum Trier). Wichtig war die Kooperation mit dem Synodenbüro und die Mitwirkung der Lebensberatung im Bistum Trier sowie des tpi Mainz.

Generalvikar Ulrich von Plettenberg begrüßte die 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – und begrüßte ausdrücklich auch die Initiative der drei pastoralen Berufsgruppen; er unterstütze sie dabei, das sehr wichtige Thema breit und intensiv zu diskutieren. Die pastoralen Berufsgruppen sollten den Schatz der Zusammenarbeit heben und gemeinsam Verantwortung wahrnehmen. Die Initiative aus der Praxis, sich mit Themen und Inhalten der Synodenumsetzung zu beschäftigen und dies Berufsgruppen- und Institutionenübergreifend zu tun, sei nachahmenswert.

Der Referent Prof. Dr. Thomas Schmidt war vielen TeilnehmerInnen aus Pastoral, Caritas, Lebensberatung, Generalvikariat und den Teilprozessgruppen bereits durch die pastoralen Studientage 2017 bekannt. Er ist Dozent für Organisationsethik und Leiter des Instituts „Wertewandel“ in Freiburg im Breisgau. Schmidt sprach unter der Überschrift „Pastoral +/- Management – Führen und Leiten in nachsynodaler Zeit“

Eine Teilnehmerin berichtet, was sie gelernt hat:

  • „Von Leiten und Führen zu sprechen, heißt über Management zu sprechen. Wichtig sind dabei Strukturen und Instrumente. In einer Organisation braucht es formalisierte Erwartungen an das Personal. (Hier kam die Frage auf: was ist mit den Ehrenamtlichen?).
  • Es braucht Klarheit in der Zielsetzung und in der Verfolgung der Ziele. Schließlich sind formalisierte Kommunikationswege hilfreich. Partizipation ist kein Allheilmittel; vielmehr muss es dosierte Partizipation und verantwortungsvolle, klare Entscheidungsträger geben. Dann können Ziele gesetzt und verfolgt werden. Es braucht einerseits geteilte Verantwortung und höhere Resonanzfähigkeit. Zugleich muss und kann Partizipation nicht bis ins Unendliche gesteigert werden; dann würde sie zum Problem, weil nichts mehr entschieden werden könnte.
  • Die fünf Grundfragen des Managements können dazu helfen, zu normativen, strategischen und operativen Zielen zu gelangen. Bei aller Zielsetzung ist entscheidend, ob auch evaluiert wird! Wir müssen uns auch mal eingestehen: da haben wir etwas nicht erreicht!

Aufgabe von Management ist es, für Beziehungs-Qualität („Führung“) und für Struktur-Qualität („Leitung“) zu sorgen. Beziehungsqualität ist genauso wichtig wie Strukturqualität: Beziehung lässt mich dem anderen begegnen, damit ich Feedback geben und hören kann; Strukturen helfen, zu planen, zu organisieren und zu kontrollieren. Wichtig ist für die und den EinzelneN, sich darüber klar zu werden: wo liegen meine Stärken; wo muss/kann ich noch nachlegen… Bin ich stärker in der Sorge für Beziehungs- oder für Strukturqualität? (Bei beiden Verantwortlichkeiten gibt es eine paradoxe Doppelverantwortung: Für Komplexitäts-Reduktion und Komplexitäts-Steigerung, für Ordnung und Störung.)

  • Gutes Management (im Sinne von Führung und Leitung) macht dann auch ordentliche Evaluation möglich, zum Beispiel mit Hilfe des PDCA-Zyklus („plan – do –check – act“): planen, handeln, überprüfen, neu handeln! Zur Ziel-Überprüfung helfen klare Strukturen; Feedback in der Selbst- und Fremdwahrnehmung ermöglichen einen Selbstlernprozess – dazubraucht es Beziehung! Über allem steht die Vision, das Leitbild der Organisation, ihr Auftrag und Sinn!
  • Mit den hier nur angedeuteten Management-Schritten können wir uns dann als Bistum auch selbst die Frage beantworten, was Führen und Leiten in einer missionarisch-diakonischen Kirche bedeutet: es geht um Management in einer Organisation, die sich die Vision „missionarisch-diakonisch Kirche sein“ über alles geschrieben hat. Wenn das gilt, muss dieses normative Ziel von allen verfolgt werden und ist indiskutabel.

Schmidt: Leitungsteams aus fünf Personen klar bevorzugt

In Kleingruppen diskutierten die TeilnehmerInnen anschließend Themen wie „Partizipatives Leiten“, „Wenn Ehrenamtliche leiten“, „Konflikte nutzen“, „Gut führen und geführt werden“ und „Leiten zwischen verhindern und ermöglichen“.
Prof. Schmidt hat deutlich befürwortet, immer von Fünfer-Leitungsteams in den Pfarreien der Zukunft auszugehen, die aus zwei Ehrenamtlichen und drei Hauptamtlichen bestehen sollen. So auch in seinem zweiten Impuls in Form einer Hoffnungs-Geschichte „im Futur2“:

Geteilte Verantwortung –
Kunst und Kultur des Pastoralmanagements

Eine Hoffnungsgeschichte

Die Anfänge liegen viele Jahre zurück: 2016 hatte in unserem Bistum bereits eine Synode stattgefunden und rechtzeitig eine Kurskorrektur eingeleitet, damit das Evangelium auch in Zukunft zu den Menschen kommen und die Kirche Anschluss behalten kann an die Veränderungen der Gesellschaft.

Erinnern Sie sich noch an damals? Wie jung wir damals waren und wie unsicher angesichts des Aufbruchs? Und wie gut es getan hat, dass damals die Erkundungsteams losgezogen sind, um tatsächlich neue Wege zu suchen? Das muss ungefähr auch die Zeit gewesen sein, als Frau Wohlgemut in unsere Pfarrei gezogen ist mit ihren zwei Töchtern.
Und ich erinnere mich noch genau, wie wir damals gerungen haben um die neuen pastoralen Räume und um neue Formen kollegialer Leitung. Ja, Leitung haben wir das damals genannt, als ob Führung keine Rolle spielen würde oder nur ein Privileg wäre für die Spitze der Hierarchie. Schon komisch, welche Einwände uns da eingefallen sind. „Voll retro“, hätte mein Sohn damals gesagt! Und von Management zu sprechen als Doppelaufgabe, daran mussten wir uns auch erst gewöhnen. Krass, oder?

Aber so war das damals eben. Ich will ja nicht abschweifen. Ich wollte doch die Neuigkeit erzählen von Frau Wohlgemut und ihrem Firmprojekt. Nein, nicht Firmenprojekt: das Projekt zur Firmung. Oder zur Firmkatechese. So hätte man das wohl vor 20 Jahren noch genannt.

Aber die Zeit der Unterweisungen von oben herab ist ja gottseidank vorbei. Mystagogische Firmprojekte, das erinnert mich gleich an den heiligen Karl Rahner. Wie lange das gedauert hat bis zu seiner Kanonisation …. Okay, Ihr habt Recht, ich schweife schon wieder ab.

Aber tatsächlich können wir froh sein, dass wir schon 2020 mit der Erprobung neuer Managementmodelle begonnen haben. Schaut Euch doch mal um: Wo stehen denn die armen Diözesen heute, die damit erst auf den letzten Drücker begonnen haben? „Fusion aus Finanzgründen“, da möchte man doch nicht tauschen. Also, ich bin jedenfalls sehr froh, dass wir im Bistum Trier dieses 5er-Gremium eingeführt haben, auch als in den Zwanzigern viel Gegenwind kam: Von wegen Pfarrer nicht lernfähig oder Ehrenamtliche überfordert! Da mussten wir ganz schön aufräumen unter unseren Lieblingsvorurteilen. Und es waren auch nicht immer nur die üblichen Verdächtigen mit ihren Regressionsphantasien zurück zur ecclesia triumphans. Da war auch jede Menge Angst im Spiel vor einem regelrechten Identitätsverlust. Ich bin noch heute beeindruckt, wie viele Pfarrer sich mit uns auf die Suche gemacht haben nach neuen Steuerungsmodellen. Unsere Rollen haben sich doch damals alle ganz gehörig verändert. Aber heute? Heute wünscht sich kaum jemand eine Rolle rückwärts!

Der Professor aus Freiburg – jetzt ist er ja im Ruhestand…

Jetzt aber wirklich zu den Neuigkeiten: Ihr habt ja mitbekommen, dass seit 2030 eine neue Pastoralstrategie für unsere Pfarrei der Zukunft in Kraft ist. Und wir können ja auch mit Recht stolz darauf sein, wie viele sich vor zwei Jahren an diesen Strategie-Workshops beteiligt haben. Ihr wisst aber auch, dass dieser Professor aus Freiburg, ja, der jetzt im Ruhestand ist, dass der damals geunkt hat, fünf Strategie-Projekte auf einmal würden wir nicht schaffen. Der wird sich noch wundern …

Was für ein Glück, dass wir nun diese kluge Gemeindereferentin im Fünfer-Team haben, die die Nutzen-Kommunikation der Strategie-Projekte übernommen hat. Sonst wäre das Ding mit dem Firmprojekt Go Future! gar nicht aufgefallen und Frau Wohlgemut hätte vermutlich alles hingeschmissen, obwohl sie doch in unserem Leitungsteam bekanntermaßen die Beste ist nach allen Kriterien unseres diözesanen Management-Manuals. Ihr wisst schon: Führen und Leiten brauchen Feedback, und was da so alles an Kriterien drinsteht.

Ich glaube ja, dass wir noch etliche „Wohlgemute“ in unseren Reihen haben. Vor allem, seitdem die Geistlichen Gemeinschaften in unserer Pfarrei so viel Zulauf haben. Aber leider sind alle Plätze im diözesanen Projektmanagement-Training ausgebucht. Nur gut, dass wir den Projekt-Coach unserer Nachbarpfarrei ausleihen konnten. Die hatten sich ja schon vor uns auf solides Projektmanagement und Strategiecontrolling verständigt. Unglaublich, dass es das bis vor kurzem nur vereinzelt gab.

Okay, ich hab’ verstanden: Ihr wollt jetzt in die Arbeitsgruppe zurück. Also dann im Telegrammstil: Frau Wohlgemut hat tatsächlich alle Vereinbarungen aus dem Strategie-Prozesseingehalten: Das Firmprojekt war dem Strategieziel Neue diakonische Gemeinschaften gewidmet. Die Projektskizze war genehmigt worden, waren ja auch alle w-Fragen drin. Der Pfarrer und sie hatten vor Monaten die Vereinbarung unterschrieben. Mit Meilensteinen, Budget und allem was dazu gehört. Auch die Freigabe vom Gemeinsamen Pfarrgemeinderat lag längst vor. Sogar die ersten Kooperationspartner für das Firmprojekt in Caritas u. Diakonie waren schon gewonnen.

Soll es am Geld scheitern…?

Und dann kommt raus, dass der Finanzausschuss im Kirchengemeinderat, so als sei alles noch wie damals zu Zeiten des Verwaltungsrates, klammheimlich alle Projektbudgets pauschal um 20 Prozent kürzen wollte, nur weil die Wallfahrtskapelle im Dorf des Vorsitzenden zum Jubiläum renoviert werden soll und der Zivilgemeinde die Mittel fehlen. Ja, genau die Kapelle, die niemand mehr nutzt.

Aber zum Glück hat sich unsere Gemeindereferentin als Ressortverantwortliche für die Finanzen das nicht bieten lassen und gleich Aufschluss über den Investitionsplan eingefordert. Und so kam dieses Vorhaben einer nicht-stragiefokussierten Mittelverwendung ans Licht. Angeblich hätte man das bereits damals im Zuge des letzten Finanzskandals im Bistum Hinter den Bergen so besprochen.

„Heimat“ und Verbundenheit

Das Ende vom Lied: Herr Gnausig als Vorsitzender des Finanzausschusses war natürlich sauer und hat Frau Wohlgemut mangelnde Heimatverbundenheit vorgeworfen und mit seinem Rücktritt gedroht. Die aber hat sich ihrerseits nicht beeindrucken lassen, zumal die anderen vier vom Fünfer-Gremium sich hinter sie gestellt und den Finanzausschuss auf die Transparenzrichtlinie von 2025 und auf die gemeinsamen Vereinbarungen im Strategie-Prozess verwiesen haben.

Und stellt Euch vor: Obwohl der Pfarrer doch so eng mit Herrn Gnausig befreundet ist, hat er ihm nahegelegt, sein Engagement zu überdenken und sich dafür ausgesprochen, die Angelegenheit auch offiziell im diözesanen Mediationsausschuss zu besprechen, natürlich nur, wenn das vorherige Gespräch mit unserer zuständigen Mediatorin nicht einvernehmlich enden sollte.

Da sieht man doch: Das Team-Coaching zum Qualitätskriterium ‚Strategieentscheidung‘ hat sich offensichtlich gelohnt. Die Geschichte hat sich natürlich wie ein Lauffeuer verbreitet. Und das Beste daran: Sie wurde auch in der Taufbewerbungsgruppe besprochen. Und daraufhin haben sich zwei Mitglieder entschieden, sich taufen zu lassen. Diese kollegiale Konfliktkultur und die Deutung der Konfliktbearbeitung als geistlichen Prozess, prof schmidtdas hat sie offenbar genauso beeindruckt wie unser neues Geistliches Zentrum im Sozialen Brennpunkt. Fazit: Gutes Projektmanagement, integriert in die Strategie der Gemeinde, transparenter Umgang mit Konflikten und kollegiale Beratung im Geist des Evangeliums. Wer hätte seinerzeit gedacht, was die Synode alles in Bewegung bringen wird.

© www.werte-wandel.de – Thomas Schmidt

Weiter gemeinsam Themen setzen und bearbeiten

Berufsverbände und Plattform P, Mitglieder aus TPGs und der Steuerungsgruppe zogen zusammen mit Prof. Schmidt ein positives Fazit über den Studientag. Die Zusammenarbeit der pastoralen Berufsgruppen, gerade auch unter Mitwirkung anderer Professionen, soll weitergehen: „Wir wollen die Zukunft gemeinsam gestalten; wir haben eine gute und ermutigende Erfahrung gemacht, die uns zeigt, dass es sich lohnt, gemeinsam Themen zu setzen und daran zu arbeiten“. (Sandra Jungbluth, Sprecherin des bvpr)