heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen

Blog zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier


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um so schlimmer…

Podcast „Kreuz & Quer“ (vom 25. Juli 2020)

Altfried Rempe hat die vatikanische Instruktion über die Pfarrgemeinden gelesen. Und fühlte sich dabei immer mehr an eine Anekdote über den Philosophen Friedrich Wilhelm Hegel erinnert: Als der darauf angesprochen wurde, dass die Tatsachen so anders seien als sein schönes Gedankengebäude, antwortete er knapp: Umso schlimmer für die Tatsachen. In seinem Kommentar für „Kreuz & Quer“ kritisiert Altfried Rempe, dass auch das Bild, dass die Instruktion von Pfarreien und Pfarrern zeichne, nicht zu den Tatsachen passe. Für wen ist das schlimm – für die Tatsachen?

Ist es seltsam, dass mir bei solchen Nachrichten immer die Geschichte einfällt, in der Friedrich Wilhelm Hegel, der große deutsche Philosoph vorkommt – und einer seiner vielen Bewunderer: „Das ist alles so schön und so richtig, Herr Professor, was sie da sagen“, lobhudelt der; „aber die Tatsachen sind so anders in der Welt“, legt er nach. Darauf Hegel: Umso schlimmer für die Tatsachen.

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Diskrepanz zwischen Vision und Möglichkeit der Verwirklichung

Für Bischof Dr. Stephan Ackermann gibt es „eine Diskrepanz zwischen einer durchaus ansprechenden Vision von Pfarrei als Ort des gelebten Evangeliums und den Hinweisen zur konkreten Verwirklichung“ in der römischen Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ (20. Juli 2020 – Download als PDF).
Das hat der Trierer Bischof im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur und der Trierer Bistumszeitung „Paulinus“ heute (24. Juli 2020) erklärt.

Das Interview im Wortlaut finden Sie im gedruckten Paulinus und hier online.

Bischof Ackermann

Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier, im Kreuzgang des Trierer Doms.


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Wir sind herausgerufen, unseren Veränderungsprozess zukunftsgerichtet zu gestalten

Statement von Generalvikar Graf von Plettenberg zur Instruktion der Kleruskongregation „Die pastorale Umkehr“

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Generalvikar Graf von Plettenberg ermuntert, trotz römischer Instruktion, weiterhin kritisch und konstruktiv an der Veränderung mitzuarbeiten

Liebe Mitchristen im Bistum Trier,
liebe interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer*!

Ich war ernüchtert und enttäuscht nach der römischen Intervention Anfang Juni, die die Folge von im Vatikan eingereichten Beschwerden über das Gesetz zur Umsetzung der Synodenergebnisse war. Die aufgestellten Stoppschilder haben einige von uns gelähmt. Trotzdem hat es in verschiedenen Gruppen und Settings konstruktive Beratungs- und Arbeitstreffen gegeben. Heute bin ich dankbar für die vielen guten Ideen und die Bereitschaft von so vielen, den Veränderungsprozess auch unter erschwerten Bedingungen weiter mit zu tragen. Es gilt weiterhin, einen guten Weg der Synodenumsetzung zu finden, der einerseits den Bedenken der römischen Behörden Rechnung trägt, aber auch den Perspektivwechseln der Synode treu bleibt.

Ich wende mich heute an Sie, weil viele von Ihnen die am 20. Juli veröffentlichte Instruktion der Kleruskongregation mit dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ zur Kenntnis genommen haben. Die ersten Reaktionen aus dem Bistum, die ich wahrnehme, sind unterschiedlich: Einige fühlen sich in ihrer bewahrenden Haltung bestärkt – nicht wenige aber sind irritiert und enttäuscht bis dahin, dass sie sich von Kirche abwenden wollen. Das macht mich sehr betroffen. Daher will ich aufzeigen, warum es sich weiterhin lohnt, sich für die Synodenumsetzung einzusetzen.

Zur Sache: Ziel der aktuellen römischen Instruktion ist es, Möglichkeiten und Einschränkungen für die Reformprozesse von Pfarreien zu formulieren. Für uns im Bistum Trier sind viele der Aussagen weiterhin schmerzhaft, aber nicht fremd. Wir kennen sie schon aus unseren Gesprächen in Rom, bei denen es um die Bewertung des Umsetzungsgesetzes ging. Die Instruktion bringt es nun noch einmal in eine kirchenrechtliche Fassung und auf eine weltkirchliche Ebene.

Was bedeutet das für uns: Zunächst einmal nichts – denn unsere Vorüberlegungen für eine neue Orientierung nach der römischen Intervention, die ich am 20. Juni gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit vorgestellt habe, greifen die von Rom gesetzten roten Linien bereits auf. Wir haben die Einschränkungen, die die Instruktion nun öffentlich formuliert, bereits mit berücksichtigt. In anderen Punkten teilt das römische Dokument spürbar unsere Analyse und Vision einer erneuerten Pfarrei. Ich möchte einige wenige Punkte konkret benennen:

  1. Im Grundsatz bestätigt uns die Instruktion in unseren Synodenergebnissen: angefangen von der Analyse der Herausforderungen, in denen wir heute als Kirche angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen stehen, über die „Perspektivwechsel“, die eine Entsprechung in der „pastoralen Umkehr“ finden, bis hin zu den pastoralen Optionen einer missionarischen, diakonischen und lokalen Kirchenentwicklung. Die Instruktion verschweigt nicht, dass eine missionarische Umkehr auch einer Strukturreform der Pfarrei bedarf (vgl. Nr. 6). Es heißt ausdrücklich: „[Es geht] im Kern dieses Erneuerungsprozesses um die Notwendigkeit, Strukturen zu finden, die geeignet sind, in allen Teilen der christlichen Gemeinschaft die gemeinsame Berufung zur Verkündigung der Frohen Botschaft […] anzufachen” (Nr. 44).
  2. Der für mich lesenswerteste Teil der Instruktion ist Abschnitt IV. „Die Mission – Leitmotiv der Erneuerung“ (Nr. 16-26). Dort wird eindrücklich beschrieben, dass kirchliches Leben nicht nur in der Pfarrei als geografischem Raum geschieht, sondern im „existentiellen Territorium“ (Nr. 16), in dem jeder sein Leben in Beziehungen und Gewohnheiten lebt. Weiterhin wird beschrieben, dass die „Qualität menschlicher Beziehungen“ eine Voraussetzung für die Evangelisierung ist, dass es um eine „Kultur der Begegnung” und um eine „Kunst der Nähe” gehen wird (vgl. Nr. 24-26). Ist das nicht eine genaue Beschreibung dessen, was wir mit dem Prinzip der Sozialraumorientierung und dem Konzept der „Orte von Kirche“ meinen?!
  3. Einen deutlichen Dämpfer haben wir bereits in den Gesprächen mit den Verantwortlichen der Kleruskongregation und des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte Anfang Juni bezüglich der Leitungsteams für die neuen Pfarreien bekommen. Das wird in der Instruktion nochmals deutlich betont: Die explizite Ablehnung der Begriffe „Leitungsteam“ oder „Leitungsequipe“ trifft unsere Konzepte, aber auch die anderer Diözesen. Dass demgegenüber die Rolle des Pfarrers stärker markiert wird (Nr. 66-74), erscheint vielen in und außerhalb der Kirche, nicht zuletzt aufgrund der Erkenntnisse aus der beginnenden Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs durch Priester, aber auch aufgrund des starken Rückgangs der Priesterzahlen hierzulande, als unangemessen und unzeitgemäß. Es wird aber nicht unsere Bestrebungen mindern, etwa auf Ebene der pastoralen Räume, Führungsaufgaben und Verantwortung verbindlich und verlässlich zu teilen. Hier werden wir weiter um angemessene Formen eines „neuen Gemeinschaftsstils“ (Nr. 2) ringen, zu dem die Instruktion ja auch ausdrücklich auffordert.
  4. Das betrifft auch die Gremien in den Pfarreien und auf Diözesanebene. Auch wenn im Abschnitt X. (Nummern 101 bis 117), in dem es um die Organe der Mitverantwortung geht, die Stoppschilder wieder deutlich aufleuchten, verweise ich darauf, dass wir bzgl. der Verantwortung bei der Vermögensverwaltung in den deutschen Diözesen eine andere Realität haben, nämlich eine kollegiale Verantwortung des Verwaltungsrates gemeinsam mit dem Pfarrer, die sich auch in vielen Fällen prägend auf den Stil der Beratungen in den pastoralen Gremien ausgewirkt hat. Im Bistum Trier werden wir zukünftig sehr darauf achten, dass der neue Gemeinschaftsstil sich auch in der konkreten Praxis der Beratungen und Entscheidungsfindungen verbindlich etablieren kann. Für mich heißt das, dass wir die Mündigkeit der Getauften und Gefirmten und die Würde des Volkes Gottes als Ganzes ernst nehmen.

Liebe Schwestern und Brüder, mit diesen wenigen Beispielen will ich Ihnen zeigen, dass ich die von der Synode vorgeschlagenen Perspektivwechsel weiterhin für richtungsweisend halte. Darin ist auch meine Motivation zur Umsetzung der Synode begründet, die weder durch die römische Intervention im Juni noch durch die aktuelle Instruktion der Kleruskongregation gebrochen ist. Die guten Diskussionen mit vielen konstruktiven Beiträgen seit Mitte Juni bestärken mich vielmehr.

Sie bestärken mich auch im Willen zur Einheit in der Kirche von Trier, zum Zusammenbleiben der Gläubigen in aller Verschiedenheit, auch bezüglich der zukünftigen Ausrichtung unserer Kirche. Ich verhehle aber auch nicht, dass ich keine Lösung sehe, die alle Vorstellungen erfüllen kann. Wie so oft liegt auch hier der Weg in der Suche nach einem Kompromiss. Statt sich abzuwenden oder zu verharren, ermutige ich alle, an einem solchen Kompromiss kritisch und konstruktiv mitzuarbeiten. Kirche, wie auch die Gesellschaft insgesamt, befindet sich in einem unausweichlichen Veränderungsprozess. Auch wenn es jetzt spürbare und sichtbare Schranken gibt, sind wir herausgerufen, diesen Veränderungsprozess zukunftsgerichtet zu gestalten. Die Frohe Botschaft drängt uns, Schritte in die Zukunft zu wagen! Ich hoffe und wünsche mir, dass Sie alle diese Schritte mitgehen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ulrich Graf von Plettenberg
Bischöflicher Generalvikar


* Das Video zu diesem Text finden Sie hier.
Den Text als PDF herunterladen.


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Synodales Rechenexempel

Podcast „Kreuz & Quer“ von Wolfgang Drießen vom 27. Juni 2020

Ich bin Wolfgang Drießen von der Rundfunkarbeit im Bistum Trier und gebe zu, dass ich mit den Ergebnissen der römischen Intervention zur Synodenumsetzung im Bistum Trier irgendwie gerechnet habe. Obwohl ich in Mathematik eigentlich eine Null bin. Aber mit den Grundrechenarten komme ich klar. Deshalb hier eine einfache Rechenaufgabe:

172 – 40 -100 = 32

Jetzt bin ich Ihnen natürlich die Erklärung schuldig, was es mit diesen Zahlen auf sich hat.

172: Das ist die Zahl der möglichen zukünftigen Pfarreien, die nach den ersten Überlegungen nach dem römischen Nein zur geplanten Strukturreform jetzt im Raum steht.

40: Das ist die Zahl der Pfarreien, die zurzeit schon vakant sind, also keinen Pfarrer haben.

100: Das ist eine von mir angenommen Zahl, die aber wohl nicht ganz weit von der Wahrheit entfernt ist. (Wer das genauer weiß, kann sich bei mir melden, dann korrigiere ich meine Rechnung gerne.) Wenn pro Jahr 10 Pfarrer in den Ruhestand gehen, die nicht ersetzt werden können, dann sind das 100 in 10 Jahren. Anzunehmendes Ergebnis für das Jahr 2030: Es gibt im Bistum Trier noch 32 Pfarrer, die als „pastor proprius“ nach Can. 519 CiC eine Pfarrei leiten können und dürfen. (Es gibt im Codex Iuris Canonici, dem kirchlichen Gesetzbuch ganz viele Zahlen, mit denen man rechnen muss, so auch die 519).

Merken Sie was? So oder so ähnlich müssen vor mir schon andere gerechnet haben. Denn dieses Ergebnis bzw. diese Zahl ist nicht weit weg von der Anzahl der Pfarreien der Zukunft, die bis zum November 2019 als Zukunftsmodell für unser Bistum Trier vorgesehen waren, nämlich 35. Wir hätten also zumindest mal zehn Jahre arbeiten können, ohne uns ständig mit neuen Vakanzen und Notlösungen über Wasser zu halten, um Fähnchen neu zu stecken und irgendwie kirchenrechtlich aufreißende Löcher zu stopfen.

Obwohl die Zahlen stimmen, wir haben uns verrechnet. Jetzt muss es also anders gehen. Ich habe gehört, dass es etwas ganz Neues und Einzigartiges gibt, das Bischof Stephan aus Rom mitgebracht hat. Es soll eine Arbeitsebene geben zwischen dem Bistum und Rom, die eng miteinander Schritt für Schritt vorwärts trippelt, damit ja keiner mehr auf dem Weg der Synodenumsetzung in irgendeinen Fett- oder sonstigen Napf tritt. Wenn ich jetzt mal den günstigsten Fall annehme und die „Römer“ staunend von uns lernen wollen, wie man vielleicht auch in anderen Bistümern der Welt die Zukunft gestalten kann, dann sollten sie –„die Römer“ – zuallererst das Abschlussdokument unserer Synode von 2016 lesen.

Ja, das ist jetzt schon genau 4 Jahre her. Und ja, dieses Dokument gilt auch heute noch. Kein Buchstabe davon ist von Rom oder irgendeinem anderen zurückgepfiffen oder gestrichen worden. Schade, dass diese Tatsache die Presse und die Öffentlichkeit in den letzten Wochen nicht so interessiert hat wie das römische „Nein“ zur Struktur.

Aber zurück zum Dokument: Da stehen wunderschöne Sätze drin wie:

Im Neuen liegt eine Radikalität, die nicht dem Alten, bisher Bekannten verhaftet bleibt, sondern sich mit Mut und Weite neuen Perspektiven stellt“.

(heraus gerufen, Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier, S. 14)

Oder:

Es gilt Abschied zu nehmen. Abschiednehmen heißt einsehen, dass etwas ans Ende gekommen ist, und einen Schlusspunkt setzen. Bewusstes und verantwortliches Abschiednehmen lässt dem Zurückgelassenen die Bedeutung, die ihm zusteht. Ein guter Abschied macht einen Neuanfang möglich.“

(s.o. S.14)

Lest das, ihr lieben „Römer“, am besten das ganze Dokument, und rechnet damit, dass wir „Trierer“ es ernst nehmen. Denn es hat es verdient. Und bitte, bitte lernt mit uns. Damit es nicht noch mal einen Strich durch die Rechnung gibt.

Und rechnet damit, dass wir Wege finden, die richtigen Strukturen zu finden, um die guten Inhalte unseres Synodendokumentes auch umsetzen zu können. Dazu als Tipp noch eine Zahl zur persönlichen Weiterbildung in höherer Synodenumsetzungsmathematik: CIC Can. 517 §2.

„Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet.“

Can. 517 §2 CIC 1983

Wenn uns bis dahin nicht die Menschen weg gelaufen sind, die das alles machen sollen. Denn auch damit sollten wir rechnen.

Der Podcast zum Anhören


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Fürchtet euch nicht!

„Wie geht der Weg in der Synode unseres Bistums Trier weiter? Ängste und Sorgen schwingen mit in den Alltag der Kirche und der Menschen, die hier haupt- und ehrenamtlich arbeiten. In all das spricht Gott an diesem Sonntag zu uns ‚Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Zeit.'“

Das Sonntagswort für Sonntag (21. Juni) ist in Ramersbach aufgenommen. Neben dem Impuls von Dechant Jörg Meyrer spricht Bischof Stephan Ackermann ein Grußwort.

Mehr dazu: www.verbundenanderahr.de

Alle Informationen, Videos, Statements zum Download und Materialien zur aktuellen Synodenumsetzung mit den Entwicklungen nach den Beratungen mit den diözesanen Gremien (Pressekonferenz vom Samstag, 20. Juni 2020) finden Sie unter bistum-trier.de/herausgerufen


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Ist die Synode gescheitert?

Gedanken zu den neuesten Entwicklungen der Synodenumsetzung

Foto Dominik Holl

Dominik Holl, Redakteur in Saarbrücken

Zum Autor: Mein Name ist Dominik Holl, ich bin Redakteur in der Bischöflichen Pressestelle des Bistums Trier in Saarbrücken. In dieser Funktion habe ich das breite Medienecho in Bezug auf die Gespräche zwischen Vertretern des Bistums Trier, darunter auch Bischof Dr. Stephan Ackermann, und Vertretern des Vatikan in Rom genau verfolgt. Gegenstand der Gespräche waren die beiden Klagen gegen das Gesetz zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier. Meine Gedanken zu den Ergebnissen dieses Gesprächs und zu den anschließenden Interpretationen der Medien möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

„Vorerst Gescheitert“, „Reform gestoppt“ – die Schlagzeilen zum Gespräch von Bischof Stephan Ackermann im Vatikan klangen wie ein Abgesang auf die Synodenumsetzung. Wenngleich die eigentlichen Meldungen unter den besagten Schlagzeilen einen weitaus sachlicheren Ton eingeschlagen haben, so schien in den Überschriften eine gehörige Portion Genugtuung der jeweiligen Autoren zu stecken. Ein Redakteur ging sogar so weit, in einem anschließenden Kommentar personelle Konsequenzen in Richtung Bistumsleitung für das sogenannte „Scheitern“ zu fordern.

Aber ist der Prozess denn wirklich gescheitert? Zugegeben: Die Befürworter der Synode hatten sich sicherlich ein anderes Ergebnis aus Rom erhofft. Die Gegner aber wahrscheinlich auch. Denn die Ergebnisse der Synode bleiben als Orientierung weiterhin gültig. Natürlich wurden bestimmte Punkte von Seiten des Vatikans benannt, an denen geschraubt werden muss. Aber zu behaupten, das gesamte Projekt sei gescheitert oder gestoppt, hieße die Sachlage zu verkennen. Denn eines sollte nicht vergessen werden: Bei den Gesprächen in Rom ging es vor allen Dingen um den gesetzlichen Rahmen der äußeren Struktur, sprich: hier ging es um die Administration, die Verwaltung des kirchlichen Lebens. Nicht aber um das kirchliche Leben selbst.

Allein die Reaktion aus Rom ist Beleg dafür, dass ein anderer Wind durch die Kirche weht. Wären die Ideen der Synode ein singuläres Aufbegehren eines einzelnen Bistums, beispiellos in der großen Kirche, ohne Nachahmer oder Gleichgesinnte, die andernorts ähnliche Wege einschlagen – Rom hätte Bischof Ackermann wohl mit einem Tadel und der klaren Absage an alle Pläne nach Hause geschickt. Stattdessen hat Rom die Bedeutung des Vorhabens und die Tragweite der Auswirkungen auf die gesamte Katholische Kirche sogar schriftlich in der Pressemitteilung anerkannt. Allein wegen dieser Konsequenzen versuchen sie nun, ein Auge auf das Gesetzt zu haben, um den Grad der Änderungen kontrollieren zu können. Änderungen aber werden kommen und sie werden letztlich von Rom gebilligt sein.

Ja, Gottes Mühlen mahlen langsam und Gottes Kirche bewegt sich nur allzu oft zermürbend träge. „Und sie dreht sich doch!“, möchte man sagen. Die Synode ist nicht aus dem Nichts heraus entstanden. Sie ist Teil eines breiten gesellschaftlichen und innerkirchlichen Diskurses über die Erneuerung der Kirche, über einen Weg in die Zukunft. Auch die Gegner der Synode sind Teil dieses Diskurses. Wüssten sie, dass der Weg des Bistums sicher zum Scheitern verurteilt sei, sie würden sich entspannt zurücklehnen. Je heftiger die Reaktionen ausfallen, desto deutlicher wird, dass das Momentum der ins Rollen geratenen Kirche im Bistum immer größer wird.

Werfen Sie nur einmal einen Blick auf die Inhalte der Synode, auf die neuen Gottesdienstformen, von denen dort die Rede ist, auf die neuen Wege, den Menschen pastoral zu begegnen, auf die Ziele, sich als Kirche stärker und vernetzter in die Gesellschaft zu wagen. Schauen Sie sich dann einmal um – in Ihrer Gemeinde, in Ihrem Dekanat, in Ihrer nahen und fernen Umgebung: Was davon gab es vor sieben Jahren schon so? Was ist neu hinzugekommen? Und noch viel wichtiger: Worüber darf nachgedacht und diskutiert werden, ohne dass man für völlig verrückt gehalten wird. Es ist mehr möglich in dieser Kirche. Auch wenn der Prozess um die Struktur der Synodenumsetzung langwierig und kraftzehrend sein mag. Der Diskurs in unserer Kirche hat sich spürbar verändert, das hat die Synode in ihrem Dokument klar manifestiert. Und vielleicht hat die Corona-Pandemie hier auch nochmal als Katalysator gewirkt, um Dinge in Schwung zu bringen, noch mehr undenkbare Dinge nicht nur denkbar, sondern vor allem durchführbar zu machen.

Wenn so Scheitern aussieht, möchte ich gerne wissen, was passiert, wenn aus dem Scheitern ein Erfolg wird!


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Neugierig sein, neugierig machen

Zwei Jahre lang waren nach intensiver Vorbereitung zehn diözesane Erkundungsteams im Bistum unterwegs

Von Dr. Gundo Lames (+)

Die Erkundungsphase im Rahmen der Synodenumsetzung und der Vorbereitung der Pfarreien der Zukunft ist zu Ende. Zwei Jahre lang waren nach intensiver Vorbereitung zehn diözesane Erkundungsteams unterwegs. Ihr Auftraggeber war der Bischof. Er hatte sich eine mutige, neugierig machende und aktivierende Erkundung gewünscht. Die Erkundungsteams haben in den ersten, zumeist „Rendezvous“ genannten Eröffnungsveranstaltungen auch regionale Erkundungsteams gewinnen können. So konnten in dieser Zeit über 10.000 Menschen bei Treffen in Gruppen, Institutionen, Gremien, auf öffentlichen Plätzen, auf Märkten, vor und in Bahnhöfen, vor Supermärkten, in und vor Kirchen, auf einem Schiff, bei Fahrradtouren und vielen anderen Gelegenheiten angesprochen werden.

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In Kontakt kommen mit dem Sozialraum

Erfahrungen aus der Erkundungsphase

Interview mit Edith Ries (stellvertretende Leiterin des Synodenbüros) und Dr. Alexander Knauf (Referent Sozialraumorientierung und Gemeinwesenarbeit Caritasverband für die Diözese Trier e.V.)

Was stand hinter der Idee der Erkundung?

Ries:  Die Idee war, als Kirche hinaus zu gehen zu den Menschen, in ihre Lebenswelt vor Ort, und zu schauen, welche Themen sie bewegen und motivieren, was sie bedrückt und was sie von Kirche erwarten und benötigen. Es ging darum, Interesse für Neues zu wecken, bisher Unbekanntes zu entdecken, aber auch Altbekanntes und Bewährtes neu in den Blick zu nehmen.

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Geistige Weite und kreative Spiritualität – Zum Tod von Dr. Gundo Lames

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Dr. Gundo Lames ist tot

Der langjährige Leiter des Strategiebereichs „Ziele und Entwicklung“ im Bischöflichen Generalvikariat Trier starb am Morgen des 1. April nach schwerer Krankheit. Er wurde 62 Jahre alt. Mit Bischof Dr. Stephan Ackermann und Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg trauert die ganze Dienstgemeinschaft des Bischöflichen Generalvikariates um ihren Kollegen und Weggefährten. „Mit dem Tod von Gundo Lames verliert das Bistum Trier eine visionäre Führungskraft, der mit unbändiger Energie bis in seine letzten Lebenstage hinein starke und auf Zukunft gerichtete Impulse gesetzt hat. Seine eigene Begeisterung für seine Ideen und Gedanken war ansteckend“, würdigt Generalvikar von Plettenberg den Verstorbenen.

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Das Schicksal der Kirchen

 

Die „Diakonische Kirchenentwicklung“ ist nicht nur Thema im Hirtenwort von Bischof Dr. Stephan Ackermann zur Österlichen Bußzeit 2020, sie beschäftigt auch andere Bistümer – ist ein Kernauftrag der Kirche heute. Professor Dr. Klaus Baumann, Professor für Caritaswissenschaften in Freiburg i.Br., hat dazu einen Festvortrag „Ständige Diakone – Männer für einen diakonischen Neuanfang in der Kirche?“ gehalten, der vom Bistum Osnabrück unter dem Titel „Ich habe euch ein Beispiel gegeben (Joh 13) – „Für einen diakonischen Neuanfang in der Kirche“ in einer Festschrift herausgegeben wurde. Wir dokumentieren mit freundlicher Genehmigung des Autors einen Auszug aus dem Festvortrag hier im Blog. Darin nimmt Professor Baumann Bezug auf den Jesuitenpater Alfred Delp, der 1945 – also vor fast genau 75 Jahren – nach einem Schauprozess von den Nazis hingerichtet wurde. Pater Delp hat wegweisende Gedanken auch für die Kirche heute formuliert:

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